Forum: Wirtschaft
Sparprogramme: OECD lobt "spektakuläre Wende" in Griechenland
AP

Dank harter Einschnitte steuert Griechenland auf einen Haushaltsüberschuss zu. Dafür gibt es jetzt von der Industrieländerorganisation OECD großes Lob. Deren Chef Gurría spricht vom "beeindruckendsten Programm, das ich je gesehen habe".

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spreepirat 27.11.2013, 18:21
1. Interessengeleitete Jubelmeldungen

Sicher ist einiges passiert in Griechenland, nämlich Schweinereine: Jene 75% der griechischen Bevölkerung, die nicht an den Staatstöpfen sitzt, wurde und wird mit harten Maßnahmen weiter gequält, damit die Privilegierten ihre Pfründe möglichst behalten können. Der sogenannte Primärhaushalt ist ein Witz: Alles aus dem Staatshaushalt, was mit dem Bezahlen von Schulden zu tun hat (Zinsen für Altkredite, Steuerrückzahlungen für MwSt-Vorauszahlungen in Mrd-Höhe, Lieferantenkredite, usw) ist darin nicht enthalten. Die tatsächliche ökonomische Situation ist heute in Wirklichkeit noch schlechter als zu Beginn der Krise - und das, obwohl Griechenland durch die PRIVATEN Anleger mehr als 100 Mrd. EUR Schulden erlassen wurden. Inzwischen liegen die griechischen Schulden weitgehend bei der EZB und den EU-Staaten: das Hauptziel der Griechen ist es nun, die öffentlichen Gläubiger ebenfalls zu einem Schuldenschnitt zu bewegen.
Die griechische Nomenklatura verteidigt ihr Privileg, einen überbordenden Anteil der Staatseinnahmen für sich zu verbrauchen, bis aufs Messer. Es wäre Geld genug da, um die Jammerbilder von hungernden Alten, von geschlossenen Kindergärten oder von Leuten ohne Krankenversicherung verschwinden zu lassen, wenn die zynische Ober- und Mittelklasse auf ihre Privilegien verzichten würde und mit dem Geld notleidende Gruppen der Gesellschaft unterstützen würde. Das geschieht aber nicht, und die internationale Presse fällt auf die Täter herein. Sie schimpft auf die Geldgeber aus Europa, übersieht aber, dass das Elendsproblem durch die Privilegierten Griechenlands ganz bewusst inszeniert wird. Besonders beschämend ist, dass ausgerechnet unsere Sozialdemokratie, die eigentlich das Lied des kleinen Mannes singen sollte, hier mit ihrer Politik Richtung Eurobonds etc. in Wirklichkeit das Lied der Reichen in Griechenland mitsingt. Solange sich die grundsätzlichen Machtverhältnisse in GR nicht ändern, ist alles Geld, was wir dahinschicken, zum Fenster hinausgeschmissen.

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endrag 27.11.2013, 18:25
2. Bankensektor unsicher wie kurz vor der Kriese

Die Situation ist derzeit vergleichbar, wie sie unmittelbar vor der Kriese war. Wenn man dann noch beobachten kann, wie die Banken wieder meinen Oberwasser zu haben und Überwachung und Einschränkung riskanter Geschäfte abzuwehren versuchen, sind wir nicht nach der Kriese, sondern vor der nächsten. Wenn Banker Millionen und Milliarden versenken dürfen, ohne sich dafür persönlich verantworten zu müssen, werden die internationalen Finanzmärkte nicht zu stabilisieren sein. Hier muss das Strafrecht angepasst werden. Hier wäre die Groko gefordert.

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Erwan 27.11.2013, 18:31
3. Primärüberschuß heißt noch gar nichts. Denn jeder, der

Schulden hat, muss sowohl die Zinsen als auch die Tilgung bedienen können. Erst dann wäre ein Land wieder gut dran und davon ist Griechenland meilenweit entfernt. Also sind da nur bürokratische Zahlenspielereien. Zudem wie hoch ist die Arbeitslosigkeit in Griechenland und wie geht es den Einkommensschwachen? Hier sieht die Lage doch alles andere als rosig aus. Wettbewerbsfähig ist GR nach wie vor nicht und es ist auch nicht anzunehmen, daß es das im Euro noch werden wird.

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meinealternative 27.11.2013, 18:34
4. Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!

Die Schulden Griechenlands sind im Vergleich zum vergangenen Jahr um 18 Milliarden Euro auf mehr als 321 Milliarden Euro angewachsen und betragen nun wieder 169 Prozent des BIP – also in etwa so viel wie vor dem letzten Schuldenschnitt. Das BIP selbst sinkt seit 20 Quartalen: Im 2. Quartal 2013 ging es um 4,6 Prozent zurück. Ebenso gehen die Einzelhandelsumsätze weiter zurück.
Im August 2013 betrug die Arbeitslosigkeit 27,3 Prozent und die Jugendarbeitslosigkeit unerträgliche 60,6 Prozent.
Angesichts solcher Zahlen Griechenland gute Fortschritte zu bescheinigen, ist völlig absurd und stellt eine bewusste Täuschung der Bürger dar!

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pewehh 27.11.2013, 18:48
5. Ist das nicht schön?

Nachdem viele griechische Arbeiter, Angestellte, Mittelständler und Rentner auf mehr als 25% ihrer Bezüge zulasten ihrer Altersvorsorge verzichtet oder sogar ihren Job, Wohnung, Existenz verloren haben, erholt sich also der Staat langsam wieder. Toll. Und das alles, ohne die großen, durch Steuerbetrug und kriminelle Machenschaften erwirtschafteten, Vermögen der Superreichen auch nur um einen Cent zu schmälern, geschweige denn, diese zur Verantwortung zu ziehen. Ich würde als OECD auch jubeln - Mission erfüllt. Komm, Musik, spiel etwas lauter, damit wir das Knurren der Mägen dort unten nicht mehr hören müssen!

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insert Randomname here 27.11.2013, 19:07
6. Einen Bären aufbinden lassen...

...würde ich das nennen. Primärüberschuss "erwartet" welcher sich auf Staatseinnahmen minus Staatsausgaben OHNE die Zinszahlungen berechnet.
Darf ich mal ganz Laut lachen über "spektakuläre Wende"? Ich kann aus ihrer Bilanz bestimmt auch noch einiges feintunen, dann übertrumpft Griechenland sogar China!
Ich wäre auf dem Finanzmarkt sogar noch entspannter als vor 2007. Wer haftet denn mittlerweile für Falschgezocke?! Der Steuerzahler, sogar aus anderen Ländern.
Geht mir bloss weg mit der Schönfärberei.

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insert Randomname here 27.11.2013, 19:08
7. Einen Bären aufbinden lassen...

...würde ich das nennen. Primärüberschuss "erwartet" welcher sich auf Staatseinnahmen minus Staatsausgaben OHNE die Zinszahlungen berechnet.
Darf ich mal ganz Laut lachen über "spektakuläre Wende"? Ich kann aus ihrer Bilanz bestimmt auch noch einiges feintunen, dann übertrumpft Griechenland sogar China!
Ich wäre auf dem Finanzmarkt sogar noch entspannter als vor 2007. Wer haftet denn mittlerweile für Falschgezocke?! Der Steuerzahler, sogar aus anderen Ländern.
Geht mir bloss weg mit der Schönfärberei.

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khd54 27.11.2013, 19:14
8. Haushaltsüberschuss wie positive Meldung konstruiert

Die hier zitierte Meldung der OECD über Griechenland liest sich in der englisch sprachigen Presse wesentlich anders. Keine vermutlich absichtlich positiv konstruierte Headline. Eher sachlich an Fakten orientiert, die dann am Schluss der Meldung erwähnt werden. Der so positiv dargestellte Haushaltsüberschuss ist ein rein künstliches Konstrukt des cleveren Finanzministers, der viele Ausgaben von 2013 ins nächste Jahr gebucht hat und Gelder aus der EU und dem nicht verbrauchten Geld für die Bankenrettung als Staatseinnahmen klassifiziert hat, abgesehen von dem zweistelligen Milliardenbetrag an unbezahlten Rechnungen und den vielen nicht ausbezahlten Löhnen im Gesundheitswesen.
Griechenland hat diesen Haushaltsüberschuss nur konstruiert, um an neues Geld zu kommen. Dieses Gaunerstück wird sich weder für die Geldnehmer noch für die Geldgeber rechnen.

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ossimann 27.11.2013, 19:22
9. Ja is´ es scho´ Weichnacht .

Da war wohl wieder "Schnee" in der Nase im Spiel . Klingt wie ein Parteitagsrede des ZK zur Planerfüllung , da waren auch die 100 % und mehr auf den Zettel . Nur in den Schaufenstern der Läden waren davon nix zu sehen . Wenn das alles so rosig ist kann man ja die Zinsen wieder auf 0,5% erhöhen . Für wie blöd hält diese Propagandatruppe uns , wer schon die nächste mögliche Finanzspritze in Aussicht stellt sollte nicht solchen Blödsinn reden . Das ist nix weiter wie Beruhigungsbeschallung , weil man weiss das die Lunte schon ganz wo anders brennt . Wenn Frankreich erst mal um Hilfe schreit dann werden die Notenbankpressen zum glühen kommen und Draghi kann dann die Schuldscheine bis Oberkante / Unterkante stapeln , am besten er druckt diese schon im vorraus . Aber ist ja klar , wenn die Börsenblase weiter wachsen soll bedarf es neben Billigspielgeld ohne Ende auch dicke Backen der Märchenverkünder . Wenn die Blase platzt hat keiner was gewusst , keiner hat schuld und der blöde "Hein" zahlt die Zeche , von der diese "Experten" dann ihre vereinbarte leistungslose Millionenabfindungen abstauben .

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