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SPD-Forderung an GroKo: Ärzte laufen Sturm gegen Bürgerversicherung
DPA

Was könnte die SPD in einer neuen großen Koalition durchsetzen? Gesundheitsexperte Karl Lauterbach pocht auf die Abschaffung der privaten Krankenversicherung - und erntet den wütenden Protest der Ärztelobby.

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Spiegelleserin57 27.11.2017, 16:04
80. Die Kassen entscheiden doch!

Zitat von mps58
Was die SPD unter dem fröhlichen Namen Bürgerversicherung verkauft, wird uns auf den Pfad des staatlichen britischen Gesundheitssystems führen. Ich habe viele britische Kollegen, die sich bei ihrem Arbeitsbeginn in Deutschland erst einmal gesundheitlich sanieren lassen, angefangen bei den Zähnen bis zu chronischen Krankheiten. Wollen wir wirklich, dass staatliche Organe entscheiden dürfen, ab welchem Alter man noch behandelt werden darf? Wollen wir noch länger auf einen Arzttermin warten? Haben wir nicht schon genug Bevormundung?
Die gesetzlichen Kassen haben große Macht über den Patienten und entscheiden doch was letztendlich bezahlt wird!
Der Patient zahlt bei vielen Leistungen zu. Besonders bei der Sanierung der Zähne wird es für den Patienten teuer denn die Kassen übernehmen ja nur einen kleinen Teil der Kosten.
Auch gibt es hier in D keine Altersbegrenzung der Behandlung bei den Kassen. Soweit sind wir noch lange nicht!
Also nur keine Panik! Auf einen Termin beim Arzt warten auch heute viele Patienten schon sehr lange wobei der Privatpatient deutlich bevorzugt schnelle Termine bekommt. Wir warten also auf keinen Fall länger wenn die Privattermine wegfallen und eine einheitliche Versicherung ins Leben gerufen wird.
Das Gesundheitssystem ist in Deutschland viel schlechter geworden seitdem weite Teile privatisiert worden sind. Die Einführung der DRGs hat dann noch zu weiteren Verschlechterungen geführt da es dann nur noch um Fallzahlen geht und nicht um die Gesundung des Patienten.
Dass die Ärzte Sturm laufen ist gut nachvollziehbar da ihnen mit der Einrichtung der Bürgerversicherung ein Teil ihrer doch sehr beachtlichen Einnahmen (2,3 bis 3,5 facher Satz) wegbrechen würden. Das ist vergleichbar mit einer Gehaltskürzung.
Es ist sehr wünschenswert wenn das gesamte Abrechnungssystem in staatliche Hände kommt und auch transparenter wird damit der Patient endlich sieht was genau abgerechnet wird. Man sollte den Patienten nicht für dumm erklären und meinen er würde den Modus nicht verstehen. Man kann sich darüber aufklären lassen und auch das Internet bietet zahlreiche Möglichkeiten die Fachsprache der Mediziner zu entziffern.

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ADie 27.11.2017, 16:06
81.

Zitat von mps58
Was die SPD unter dem fröhlichen Namen Bürgerversicherung verkauft, wird uns auf den Pfad des staatlichen britischen Gesundheitssystems führen.
Nein. Bitte erst mal informieren. Vorbild ist nicht Grßbritannien, sondern Schweiz.

https://de.wikipedia.org/wiki/Krankenversicherung_in_der_Schweiz

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Lampenluft 27.11.2017, 16:06
82. Bürgerversicherung bedeutet Staatskontrolle

Habe als Arzt in zwei Ländern gearbeitet und die Zustände in Skandinavien waren schlimm. Dagegen sind die gesetzlich Versicherten Patienten in Deutschland verwöhnt. In einer Bürgerversicherung rechnet der Staat es durch, ob sich die "Ausgabe" eines Medikamentes lohnt. Das betrifft keine Zusatzversorgung, sondern auch die Basisversorgung. Sobald die Rechnungen zu teuer werden, wird das Medikament gestrichen. Der Patient selbst hat keine Möglichkeit mehr sich zu wehren. In Deutschland hingegen kann bedingt durch den Wettbewerb der Kassen der Patient die Kasse wechseln. Somit hat der Patient eine Möglichkeit sich zu wehren. Andererseits blüht in Skandinavien die medizinische Privatwirtschaft. Praxenbetreiber mit dem Sitz in steuerlichen Oasen nehmen die Gelder die die Patienten in ihrer Not bezahlen. Ein Zahnarztbesuch 300,00 Euro, einmal 15 Minuten Internist 120,00 Euro, Kerinspin im einem Gerät mit niedriger Auflösung 350,00 Euro. Viele Deutsche glauben, dass eine Bürgerversicherung zu einer Verbesserung ihrer angeblichen "schlechten" Situation führt. In der Realität werden sie sich umdrehen, denn in den Bürgerversicherungen werden sie mehr bezahlen und länger Warten. Das Warten entsteht, weil Ärzte auch zZt in D nicht mehr anhand ihrer Leistungen bezahlt werden, sondern nur noch nach Regelleistungsvolumen. D.h, konkret wenn der Arzt mehr Patienten behandelt, als ihm zugeordnet werden, bekommt er nicht mehr Gehalt und muss auch mehr Zurückzahlen für zuviel verordnete Medikamente und Physiotherapien. Eine Bürgerversicherung gewährt keine Gleichberechtigung. Sie benachteiligt bestimmte Patientengruppen. Herr Lauterbach hat nie als Arzt gearbeitet, man merkt das. Mit Arztgehalt hat das nichts zu tun. Die Ärztegehälter für alle gesetzlichen sind unabhängig von den Krankenkassen, nur die Patienten beschneiden sich in ihrer Wehrmöglichkeit. Den Privatsektor wird es in einer solchen Zukunft verstärkt geben, nur dass ihn nicht mehr die privaten Kassen bezahlen, sondern die gesetzlich Versicherten persönlich. Das ist der Unterschied.

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Willi Wacker 27.11.2017, 16:08
83.

Zitat von Paul G.
Wird er Mitglied des Verhandlungsteams? Wahrscheinlich nicht. Man sollte sich seine Aussage aber mal ganz genau angucken. Er plädiert für eine Abschaffung der PKV. Hier müsste sehr wahrscheinlich das Bundesverfassungsgericht tätig werden, weil ist ein Eingriff in Eigentumsrechte mit sich bringen würde, wenn die PKV abgeschafft wurde. Kommt es also zu einer Groko wird von seinen Wünschen ein Reförmchen übrig bleiben.
Sollen Sie ruhig die PKV abschaffen.
Dann sind nämlich endlich wieder Frau und Kinder kostenlos mitversichert :))

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taylor.made 27.11.2017, 16:08
84. Klar dafür

die golden Zeiten der PKV sind lange vorbei! Die Beiträge galoppieren davon, jährliche Preissteigerungen von 15-30% sind normal, bei steigender Selbstbeteiligung und Leistungsauschlüssen. So sieht die PKV Realität aus. Dann ist da noch die Mär von besseren Terminen bei Fachärzten. Das war früher vielleicht mal so, aber heute weht da ein anderer Wind. Ich bin seit 20 Jahren privat versichert; gerne hätte ich ein anderes Model bei dem sich das finanzielle Risiko fürs Alter im Rahmen hält. Der gute Rat der PKV: werde besser nicht krank, denn dann holt sich die Versicherung gerne Beitragsnachschlag, da sich _deren_ Risiko durch dich erhöht. Also besser nicht alles abrechnen.
Gerne darf man auch jede Rechnung mit der Versicherung endlos durchdiskutieren, ob denn dieses oder jenes sinnvoll war; also am besten eine gute Rechtschutzversicherung dazu!

Bei der Einführung der Bürgerversicherung hätte ich dann auch gerne meine "zwangsweise" angesparten Altersrückstellungen wieder!

Deswegen, wir haben nicht nur ein Versicherung/Kassenproblem, sondern das ganze korrupte Gesundheitswesen muss auf den Prüfstand!!

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bigroyaleddi 27.11.2017, 16:09
85. Da hat der Lauterbach wohl in ein Ärztenest gestochen

und voll getroffen. Ich bin voll bei ihm. Bei der Durchsetzung solcher Forderungen könnte ich mich sogar noch für eine GroKo erwärmen.

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DerMeikel 27.11.2017, 16:10
86. Ich lese immer Gesundheitsexperte ....

wer über etwas redet gehört noch lange nicht zu den Wissenden. Die Politik richtet die klinische Medizin in Deutschland hin und wird alles vor die Wand fahren. Die Probleme z.B. in der Pflege wurde vor der Wahl treffend vorgetragen. Keiner hat Konzepte gegen diese Probleme. Und auch im ärztlichen Bereich sieht es nicht besser aus. Überbordende Bürokratie immer mehr immer sinnloser. Der Patient tritt immer mehr in den Hintergrund und mutiert zum Kunden zum Wirtschaftsobjekt. Da besser bezahlt geht es Privaten nicht unbedingt besser. Eine Managerzeitung hat mal auf die Gefahren privat versichert zu sein hingewiesen. Auf der anderen Seite ohne das Geld der Privaten würde sich noch so manches Krankenhaus aus der Versorgung verabschieden, vorzugsweise in den strukturschwachen und ländlichen Gebieten.
In der Politik jagt eine unüberlegte Veränderung die nächste. Für Fehlentscheidungen und Fehlentwicklungen muss keiner fürchten, dass ihm etwas passiert (siehe Stuttgart 21, Elbphilharmonie und Flughafen Berlin) oder er haftet. In der Medizin muss aber die Schwester die einen Fehler macht weil die Überfordert und Überlastet ist genau wie ein Arzt mit heftigen Konsequenzen rechnen und dann ggf. auch zahlen. Das heißt dann individueller Fall, dass die kaputten Rahmenbedingungen und damit die, die diese verantworten eigentlich vor den Kadi gehören lässt unser Rechtssystem nicht zu. Man nennt das dann Übernahmeverschulden, man hätte sagen müssen man kann es nicht schaffen, was aber auch keinem helfen würde.
Bitte lasst mal erfahrene Praktiker ran die wissen wovon sie reden und denen Handeln nicht so ferne liegt als diese Experten (diesen Titel gibt es offiziell nicht) für theoretische Medizin.

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Reiner Weint 27.11.2017, 16:10
87. Warum will die SPD die Bürgerversicherung?

Der Grund, warum die SPD die PKV abschaffen will wird zuwenig hinterfragt. Es geht zuerst um die Altersrückstellungen, diese sollen liquidiert werden um das nicht altersfeste Umlagesystem der GKV zu sanieren. Der zweite Grund ist die kurzfristige Befriedigung von Neidreflexen, mit denen man glaubt ein paar mehr Wählerstimmen abzufischen. Letzteres scheint ja gut zu klappen wenn man die Kommentare hier liest.
Hoffentlich verbietet das Bundesverfassungsgericht diese Traumtänzerei.

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boxer11 27.11.2017, 16:12
88. Bedingungen für eine große Koalition der SPD

Als Vorraussetzungen für Verhandlungen über eine große Koalition schlage ich folgende Forderungen der SPD vor:
1.) Einführung einer Bürgerversicherung für alle.
2.)Verkleinerung des Bundestages in der nächsten Wahlperiode auf höchstens 300 Abgeordnete. Keine Überhangmandate.
3.Änderung des Grundgesetzes und Verkleinerung auf höchstens 6 Länder
4.) Wiederwahl der Abgeordneten per Liste auf 20 Jahre beschränken.
Ich bin der Ansicht, dass sich dann in Deutschland vieles zum Guten ändern werde.

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Willi Wacker 27.11.2017, 16:13
89.

Zitat von was-zum-teufel...
Die PKV ist seit Jahren am Ende, da sie von Ärzten und Pharmaindustrie geschröpft wird. Dass die Ärzte nun schreien, war klar ;-) ! Eine Bürgerversicherung ist gut. Gleiche Anteile der Arbeitgeber und Arbeitnehmer an den SV-Beiträgen ebenso.
Ich freue mich schon auf die nächste Wirtschaftskrise (nicht wirklich, aber): dann muss sich nämlich die SPD wieder wie unter Schröder ums Sparen Gedanken machen

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