Forum: Wirtschaft
Spielehersteller Goodgame: Die Feel-Bad-Manager
Goodgame Studios

Flache Hierarchien und Mate für alle: So trösten viele Start-Ups ihre Mitarbeiter über schlechte Bezahlung hinweg. Doch mit dem Erfolg wächst nicht immer die soziale Verantwortung - wie der Spielehersteller Goodgame zeigt.

Seite 1 von 9
Tiberias 19.01.2016, 09:32
1. Schöne neue digitale Welt

Nun ja, es verwundert ja nicht, dass Startups, die sich gerne als cool und Anti-Mainstream präsentieren, keine wirkliche Lust auf Mitbestimmung haben. Das mag zwei Gründe haben: Erstens und am offensichtlichsten ist natürlich, dass man nur noch schwer nach Gutsherrenart regieren und die Gehälter nach Sympathie vergeben kann. Zweitens haben die "Manager" solcher Startups wohl in erster Linie ihren persönlichen Profit im Auge. Ein Startup wir gegründet, durch schnelles und nicht nachhaltiges Wachstum aufgepumpt, bis die Börsenbewertung passt und dann an irgendwelche Investoren verscherbelt. Daher muss die "Wirtschaftlichkeit" auch stimmen - was bedeutet, dass die Mitarbeiter mit Hungerlöhnen abgespeist werden, während man sie mit lächerlichen Plazebo-Goodies wie kostenlosem Müsli abspeist, welches man vorher im Mega-Vorratspack bei Metro gekauft hat (wegen der Wirtschaftlilchkeit). Wenn ich mir die Milchgesichter im GGS Management so ansehen, wundert mich deren Verhalten aber auch nicht. Nur, weil man zufällig an der Spitze einer Firma steht, heißt das noch lange nicht, dass man auch die Fähigkeiten zur Führung von Menschen mitbringt. Habe diese ganze Startup-Kultur schon am eigenen Leib erleben dürfen und bin daher froh, nun in einem Unternehmen zu arbeiten, indem der Mitarbeiter mehr ist als eine "Human Ressource".

Beitrag melden Antworten / Zitieren
kneumi 19.01.2016, 09:32
2. Betriebliche Mitbestimmung ist Teil des Erfolgsmodells

und das ist in Deutschland seit 1920 so (Unterbrechung 1933-45). Alle deutschen Spitzenunternehmen haben Betriebsräte. Kluge Unternehmer kapieren, dass Menschen im 21. Jahrhundert auch am Arbeitsplatz mitbestimmen wollen. Müsli ersetzt auf Dauer keine Mitbestimmung und führt langfristig zu Gegenstrategien der Mitarbeiter, sei es nun in Form der Kündigung oder der Obstruktion.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
foxtrottangohamburg 19.01.2016, 09:36
3. 1200 : 1

Interessant finde ich, dass es Menschen in solchen Situationen nicht gelingt, sich zu solidarisieren. Was würde denn bestenfalls passieren, wenn die beschäftigten Mitarbeiter für einen Betriebsrat stimmen - dass der Herr W. alle entläßt? Dann kann er seinen Laden wohl dicht machen. War es nicht so, dass die Verhinderung einer Betriebsratsgründung durch Druck seitens des Arbeitgebers sogar strafbar ist? Falls ja, wundert mich, dass die Gewerkschaften das in Beratungsgesprächen nicht kommuniziert haben und die Entlassenen nicht auf Wiedereinstellung geklagt haben. Wie auch immer: Es muss eine Möglichkeit geben, bei derartigen Vorkommnissen von außen einzugreifen. Gerade, weil die Wirkung sozialen Einflusses, soziale Normen und Vergleiche, Konformität, Uniformität oder normativer Einfluss nicht zu unterschätzen ist. Sich dabei nur auf demokratische bzw. gesetzliche Rechtsgrundlagen zu berufen, greift da zu kurz und ist auch zu simpel. Sonst gäbe es die im Artikel beschriebenen Probleme ja nicht - denn die sind ja nicht neu!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
badbeardxb 19.01.2016, 09:37
4. Wenn man sich....

...die deutsche start-up-Szene anschaut, kann man nur Mitleid bekommen. Leute wie Oliver Samwer, die chronische Erfolglosigkeit durch dauerhysterischen Hype im Feldwebelton übertünchen, während sie die Mitarbeiter wie Müll behandeln, geben leider den Ton an. Man vergleiche damit z.B. Uber-Investor Shervin Pishevar`s Haltung und Engagement...eine andere Welt!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
thlogical 19.01.2016, 09:43
5. komisch

frag mich immer wie das mit deutschem Recht vereinbar ist und ich gehe auch davon aus das es durchaus Möglichkeiten des Staates gibt hier einzugreifen... oder?!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
cvdheyden 19.01.2016, 09:49
6. Geld

Seit wann geht es Startups vornehmlich darum, Arbeitsplätze zu schaffen. Das gilt vielleicht für einige wenige, die anderen wollen auch groß werden. Einmal am Fleischtopf, ist der Narzissmus nicht weit. Wie niedlich zu behaupten, dass Startups "besser" sind.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
cvdheyden 19.01.2016, 09:52
7. Nein

Zitat von thlogical
frag mich immer wie das mit deutschem Recht vereinbar ist und ich gehe auch davon aus das es durchaus Möglichkeiten des Staates gibt hier einzugreifen... oder?!
Der Staat hat die Rahmenbedingungen geschaffen. Die Mitarbeiter müssen sich auch informieren. Nach Deutschem Recht kann ein Betriebsrat bei einer bestimmten Größe nicht verhindert werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Leser161 19.01.2016, 09:53
8. Eisenbahn

Das Beispiel mit der Eisenbahn ist toll. Auch bei der industriellen Revolution hatten technische Innovationen schlimme Folgen für den kleinen Arbeiter.

Hoffen wir, dass sich das wie bei der industriellen Revolution wieder legt. Bonushoffnung wäre das es diesmal ohne Schlägereien abgeht.

Das wäre doch mal ein Erfolg. Ich sehe hier den Staat in der Verantwortung.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Banause_1971 19.01.2016, 09:55
9. Solche Unternehmen

weisen oft eine unglaubliche Mitarbeiterfluktuation auf. Ich sehe das auch bei meinem Arbeitgeber, der ähnlich agiert. Sogar Auszubildende sind schon gegangen. Mitarbeiter waren psychisch am Ende und mussten in Behandlung. Folgen hat das aber keine. Es gibt genug Nachschub, der nicht in H4 abrutschen will und auch genug hochmotivierte neue Angestellte, von deren Illusionen das Unternehmen dann zerrt, die ausgesaugt, zerstört und dann weggeworfen werden. Humankapital halt. Arbeitsrecht existiert nur auf dem Papier, obwohl TTIP noch nicht offiziell umgesetzt ist.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 9