Forum: Wirtschaft
Sprachkritik: Was, bitte, sind Kulanzpakete?
Ralph Peters / imago images

Pizza, Burger oder Pasta - diesen Freitag liefert Deliveroo in Deutschland seine letzten Pakete aus. Sieht man von den "Kulanzpaketen" ab, die das Start-up noch anbietet. Doch da steckt etwas ganz anderes drin.

dasfred 16.08.2019, 11:51
1. Nett zusammengefasst

Dieses Unternehmen zeigt uns überdeutlich, wie alle Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft in kürzester Zeit den Bach runter gehen. Keine Festanstellung, keine Sozialversicherung und mal eben vier Tage vor Schluss das Aus verkünden. Das Abschiedsgeschenk dient nur dazu, die öffentliche Erregung zu dämpfen, bevor sie an andere Standorte überschwappt.

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Mehrleser 16.08.2019, 12:16
2. Plattform-Ökonomie

Das Grundprinzip der Plattform-Ökonomie: Der Betreiber verlangt viel Eintritt, trägt aber selbst zum eigentlichen Produkt nichts bei. Der Konsument möchte alles umsonst, hip und bequem, also muss die Lieferantenseite bluten. Egal ob Fahrradbote für Pizza oder Akku-Sklave für eRoller. Von wegen "sharing is caring"!

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RobertW 16.08.2019, 12:31
3. Guter Kommentar, aber leider am Ende die Metapher verhunzt...

"Klingt wie ein typisches Deliveroo-Paket: Außen chic, innen lauwarm und nicht besonders nahrhaft."
wäre ein schönes Bild, wenn nicht die "Nahrhaftigkeit" ganz und gar von der Bestellung (und damit der Käuferentscheidung) abhängen würde.
Damit hat der Autor nicht nur die schöne Metapher verkackt, sondern leider unbeabsichtigt das Augenmerk auf den wichtigsten Aspekt dieser ganzen Lieferdienst-choose gelenkt: WIR entscheiden welche Unternehmen erfolgreich sind. Wir sind also der Hauptschuldige wenn Unternehmen Mitarbeiter ausbeuten können.

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wolfi55 16.08.2019, 12:38
4. Lieferheld soll bessere Bedingungen bieten

Also für die Mitarbeiter jedenfalls soll es da besser sein. Aber ich habe meine Zweifel am Geschäftsmodell dieser Dienste.

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pollux_1969 16.08.2019, 14:02
5. Machste nix - isses falsch, machste was - AUCH!

Ärgerlich ist es für alle Beteiligten, aber ich werte die Geste einer freiwilligen Zahlung als ein sehr positives Signal. Aber hauptsache man haut erstmal drauf. Vielleicht steckt da Kalkül hinter, aber sie können sich damit nicht aus den Prozessen befreien die vielleicht noch mehr Geld kosten. Daher gilt es erstmal die Geste zu honorieren.
Ach hätten sie doch lieber nix gezahlt. Dann wäre einem dieser hämische Bericht erspart geblieben.

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pleromax 16.08.2019, 14:29
6. "good will payments"

In der englischen Wirtschaftssprache bezeichnet "good will payments" freiwillige Zahlungen, zu denen der Zahlende juristisch nicht verpflichtet ist. Die Übersetzung "Kulanz" mag im Deutschen etwas holprig rüberkommen, da sie allgemein vornehmlich mit Kundendienstleistungen assoziiert wird, gänzlich falsch ist sie jedoch nicht.

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intercooler61 17.08.2019, 12:18
7. Frage an die Arbeitsrechtler

Könnte sich evtl. mal jemand dazu äußern, was in solchen Fällen für und wider das Vorliegen einer _schein_selbständigen Beschäftigung spricht?

Angesichts denkbarer Konsequenzen für Liefernullnull (Kündigungsfristen, Entgeltzahlung für Urlaubs- und Krankheitszeiten, Nachentrichtung hinterzogener SV-Beiträge etc.) und des im Raum stehenden "Abfindungs"angebots sicherlich keine uninteressante Frage.

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