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Staatliche Förderung: Wie Landbewohner vom Baukindergeld profitieren
DPA

Das Baukindergeld soll Familien den Traum vom Eigenheim erfüllen. Doch funktionieren dürfte das vor allem auf dem Land. In der Großstadt dagegen könnte die staatliche Zulage Immobilien noch teurer machen.

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**Kiki** 26.05.2018, 15:09
20.

Zitat von
In Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart haben sich die Preise für Wohnimmobilien seit dem Jahr 2010 annähernd verdoppelt. Eine Eigentumswohnung, die damals für 300.000 Euro zu haben war, dürfte jetzt eher bei 540.000 Euro liegen. Wer jetzt zuschlägt, kauft zu sehr hohen, vielleicht sogar Höchstpreisen. Da macht das Baukindergeld eine einfache Familie nicht wirklich konkurrenzfähig.
Hinzu kommt, daß das Angebot an Immobilien in diesen Städten im Moment nicht nur teuer, sondern auch ziemlich spärlich ist.

Aber meiner Meinung nach setzt die Förderung ohnehin an der falschen Stelle an. Wenn eine Familie ein Haus oder eine familientaugliche Wohnung kaufen möchte, braucht sie Eigenkapital. Die Schaffung von Eigenkapital sollte im Idealfall schon eingesetzt haben, solange beide Elternteile noch Singles sind. Wer nach dem ersten Kind noch nicht diese Grundlage geschaffen hat, der gehört dann meist zu denen, die hier im Forum immer behauptet: Ich verdiene nicht schlecht, aber Wohneigentum könnte ich mir nicht leisten.

Damit ist das Baukindergeld wieder mal eine Fördermaßnahme, die nur denen zugute kommt, die sich ohnehin prinzipiell einen Hausbau oder Wohnungskauf leisten könnten. Es wäre besser, etwas dafür zu tun, daß mehr junge Familien diesen Punkt überhaupt erreichen.

Was ich gar nicht schlecht fände, wäre es, wenn man die Möglichkeit hätte, seinem Riester-Vertrag Eigenkapital für die Finanzierung einer eigengenutzten Immobilie zu entnehmen. Das ließe sich ggf. auch noch mit Zuschüssen (etwa für Familien mit Kindern) und/oder Bankbürgschaften verknüpfen.

Das Riester-Modell ist ja nicht ganz zu Unrecht in Verruf gekommen, damit würde es auch attraktiver werden und hätte eine zusätzliche alterssichernde Funktion. Denn im Alter keine Miete zahlen zu müssen, schützt besser vor Altersarmut als das meiste, was man sonst machen könnte.

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liberaleroekonom 26.05.2018, 15:31
21. Sehe ich genauso - Umverteilung ist völlig unnötig

Zitat von ulrich.loose
Es ist wieder mal ein Umverteilungsposten Bargeld in Richtung Familie. Ich halte das für falsch - richtiger wäre eine Förderung in der Form, dass Hauskäufer mehr von ihrem Selbstverdienten behalten dürfen. Also ganz schlichte Steuererleichterungen anstatt Umverteilung.
Anstatt die Hauskäufer mit der Grunderwerbsteuer erst einmal abzukassieren, um dann das Geld an einen bestimmten Personenkreis der Käufer über das Baukindergeld wieder als extrem bürokratische Subvention zurückzugeben (also willkürlich umzuverteilen), könnte man auch gleich auf einen Teil der Grunderwerbsteuer verzichten (z.B. mit einer Freibetragsregelung für Privatpersonen). Dies wäre einmal wirklich eine sinnvolle und vermutlich auch wesentlich gerechtere Steuererleichterung für ALLE Immobilienerwerber.

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Newspeak 26.05.2018, 15:43
22. ....

Wieder eine Familienförderung mehr. Anstatt den Menschen über höhere Löhne das Geld zu geben, und über niedrigere Steuern und Abgaben zu lassen, unabhängig von ihrer sonstigen Lage, versucht der Staat es mit Klientelpolitik und Wahlgeschenken, für eine Gruppe die in Deutschland sowieso schon ohne Ende subventioniert wird.

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ulrich.loose 26.05.2018, 15:49
23. Das ist eine sehr gute Idee!!

Zitat von liberaleroekonom
Die öffentliche Hand ist derzeit mit der Grunderwerbsteuer, die in manchen Bundesländern inzwischen sogar 6,5 % erreicht, selbst einer der größten Preistreiber bei Wohnimmobilien. Wie wäre es pro Person einfach einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer von z.B. 250.000 Euro einzuführen? Dann spart die junge Familie, die sich ein Häuschen in NRW erwirbt auf Anhieb beim Kauf bzw. Bau satte 32.500 Euro. Dagegen sieht das Bürokratiemonster Baukindergeld, das mit seiner einseitigen Privilegierung bzw. Diskriminierung bestimmte Personengruppen bevorzugt bzw. benachteiligt ziemlich blass aus. Das ist der GroKo aber vermutlich viel zu einfach bzw. schon deshalb völlig indiskutabel weil dieser Vorschlag von der FDP kommt.
Nur leider kassieren die Grunderwerbsteuer die Länder und die werden NIE und NIMMER auf diese Einnahmen verzichten.

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ludwig49 26.05.2018, 17:06
24. Wer sich auf einen Hausbau einläßt...

...hat entweder die nötige Finanzierung bereits parat oder ist bereit, sich auf Jahrzehnte zu verschulden oder beides. Hundert Euro pro Monat und Kind mehr wird deswegen kaum jemand zu einem Hausbau bewegen. Die Rechnung, je mehr Kinder desto besser, dürfte letztlich kaum aufgehen wenn man die Finanzierung der Kinder selbst bedenkt. Wie dem auch sei, die Politik hat wieder einmal ein Häufchen abgesondert. Mehr nicht !

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hador2 26.05.2018, 18:25
25. Gibt es bereits..

Zitat von **Kiki**
Was ich gar nicht schlecht fände, wäre es, wenn man die Möglichkeit hätte, seinem Riester-Vertrag Eigenkapital für die Finanzierung einer eigengenutzten Immobilie zu entnehmen. Das ließe sich ggf. auch noch mit Zuschüssen (etwa für Familien mit Kindern) und/oder Bankbürgschaften verknüpfen. Das Riester-Modell ist ja nicht ganz zu Unrecht in Verruf gekommen, damit würde es auch attraktiver werden und hätte eine zusätzliche alterssichernde Funktion. Denn im Alter keine Miete zahlen zu müssen, schützt besser vor Altersarmut als das meiste, was man sonst machen könnte.
Diese Möglichkeit gibt es grundsätzlich bereits seit Jahren. Nennt sich Riester Bausparvertrag oder Bau-Riester.

Sie schließen einen Bausparvertrag ab und die Riesterförderung läuft jährlich auf die Guthabenseite des Bausparkontos mit drauf. Einzige Voraussetzung ist, dass der Bausparvertrag auch wirklich im Rahmen der Finanzierung einer selbstgenutzen Immobilie eingesetzt wird. Ist grundsätzlich eine der sinnvolleren Riester-Arten, wird leider aber auch durch hohe Gebühren, vor allem aber durch ein extrem ungünstiges nachgelagertes Versteuerungsmodell der Zulagen wieder teilweise entwertet.

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liberaleroekonom 26.05.2018, 20:31
26. Im Prinzip haben Sie natürlich vollkommen recht

Zitat von ulrich.loose
Nur leider kassieren die Grunderwerbsteuer die Länder und die werden NIE und NIMMER auf diese Einnahmen verzichten.
Es gibt aber durchaus Länder (z.B. NRW) die sich darüber Gedanken machen, die Grunderwerbsteuer wieder zu senken.
In NRW will man aber aus sozialen Gründen nicht den Prozentsatz von derzeit 6,5 Prozent einfach wieder absenken, weil dies besonders den Villenkäufer am Baldeneysee begünstigen würde, was nicht zwingend erforderlich ist. Sondern man würde gerne einen (einmaligen) Freibetrag von bis z.B. 250.000 Euro für den Hauskauf pro Person einführen. Das Gesetz hierzu muss allerdings vom Bundestag in Berlin verabschiedet werden, weil die Länder ausschließlich die Kompetenz haben den Prozentsatz zu verändern.
Letztlich würde dieses Gesetz der GroKo in Berlin nicht einen Euro kosten und den Ländern zunächst einmal nur einen erweiterten Spielraum bei der Erhebung der Grunderwerbsteuer geben. Ob die Länder diesen Spielraum dann nutzen, bleibt tatsächlich abzuwarten.
Die GroKo weigert sich aber trotzdem darauf einzugehen, weil einerseits damit ihre angeblich tolle Idee des Baukindergeldes ins Hintertreffen geraten würde und andererseits der Bund dann die Gefahr sieht, dass die Länder im Gegenzug einen finanziellen Ausgleich fordern. Warten wir einfach mal ab, was mit dieser Idee passiert. Vernünftig fände ich sie auf jeden Fall.

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robr 27.05.2018, 12:46
27. Baukindergeld ist keine Lösung ...

Baukindergeld ist keine Lösung für das eigentliche Problem. Es fehlt nicht wirklich an Wohnungen insgesamt, es fehlt an bezahlbare - auch für die Mittelklasse! - Wohnungen in städtischen und stadtnahe Lagen.
Nicht nur in München, Hamburg, Berlin oder Frankfurt, genauso in deutlich kleinere Städten wird der Wohnungsmangel langsam aber sicher zur Wohnungsnot.
Mit Baukindergeld werden Wohnungen subventioniert wo sie gar nicht sonderlich teuer oder gar nicht sonderlich dringend gebraucht werden. Es werden auch wieder jene subventioniert, die es gar nicht so dringend brauchen, nämlich Menschen die Bauland in der Familie haben und die es somit nicht erst teuer kaufen müssen.
Mit diesem Geld Sozialwohnungen und weitere bezahlbare Wohnungen in den Städten zu bauen, das wäre etwas womit man das Problem beikommen könnte.

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familievaterdreierkinder 29.05.2018, 01:19
28. Glanzleistung der Ungerechtigkeit unserer Politik

Glanzleistung der Politik! Wir haben den dritten Nachwuchs bekommen und müssen aus unserer kleinen Eigentumswohnung ausziehen: Gefördert werden wir also nach dem aktuellen Stand nicht, da wir Eigentum besitzen. Total Realitätsfremd, da die meisten Familien mit „aktuell“ drei Kindern, wenn es finanziell „irgendwie“ möglich war schon bei dem ersten Kind Eigentum erworben haben. Damit hat man sich jedoch nicht reich gestoßen, sondern getilgt statt Miete bezahlt oder sogar noch mit Schweiß und Investition draufgezahlt. Ein Verkauf ist meistens keine wirkliche Option (steuerlich bzw. kommt man mit Vorfälligkeitsenfschädigung +- 0 raus, wenn man Glück hat), also heißt es man muss jetzt als Käufinteressent „ohne Förderung mit drei Kindern“ mit Preisgeboten von Familien konkurrieren, die eine Förderung erhalten: Sprich: Familien mit mehreren Kindern und Eigentum werden massiv benachteiligt und ausgeschlossen. Glanzleistung der Ungerechtigkeit: Familien werden euch bei den nächsten Wahlen dafür danken - ich prognostiziere, dass bei der Form mehr Familien verärgert werden, als die Parteien Stimmen gewinnen.

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