Forum: Wirtschaft
Staatshaushalt: Wann wird Deutschland rot?
DPA

Die Frage ist nicht, ob Finanzminister Olaf Scholz Defizite im Etat einfährt, sondern wann - und wie gut die Schulden dann investiert sind. Höchste Zeit, das Land darauf vorzubereiten.

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charly05061945 23.03.2019, 09:44
90. Sinkende Abgabenlast, steigende Investitionen?

"Statt die Illusion noch zu nähren, es könne ewig so weitergehen: mit Schuldenabbau bei sinkender Abgabenlast und steigenden Investitionen in die Zukunft." - habe ich da irgendwo etwas nicht mitgekriegt? Ausser ausufernden Sozialausgaben habe ich noch nichts von "sinkenden Abgabelasten" und "steigenden Investitionen" bemerkt.

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pharisaer 23.03.2019, 10:14
91. Es würde viel zu lange

gewartet um das Verkehrsnetz instand zu setzen. Grossflächig und je schneller man Strassenlöcher durch eine neue Strassendecke erneuert, kommt es am Ende billiger als wenn man über Jahre hinweg wartet. Dann ergibt sich eben dieser Sanierungsstau. Und das NATO Ziel von 2% könnte halbwegs erreicht werden. Auch Anfang bis Mitte 2020. Ab diesem wäre immer noch ein Etat VPN 53 Milliarden bis sogar 60,5 Milliarden Euro drin. Dann wäre man wenigstens in einer Liga mit England und Frankreich.

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ruhepuls 23.03.2019, 10:20
92. Der Deutsche und sein Pelz....

Thomas Fricke hat recht: "Der" Deutsche will alles mögliche haben - aber er mag es nicht (selbst) bezahlen. Auch nicht die Schulden bzw. die dafür fälligen Zinsen. Das alte Sprichwort: "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass", ist für uns mehrheitlich zutreffend.
Und da wir immer nur danach schielen, wen wir zur Kasse bitten könnten, wird es am Ende doch wieder auf neue Schulden rauslaufen. Das ist wie mit dem Umwelt- bzw. Klimaschutz: Da sind wir alle dafür, haben kreative Vorschläge, was andere ("die" Industrie, "die" Politik) dafür tun müssten - nur bei uns selber anfangen, was das einfachste wäre, mögen wir nicht. Also bleibt alles wie es ist....

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Sendungsverfolger 23.03.2019, 10:42
93. Beim Namen nennen

Zitat von ruhepuls
Thomas Fricke hat recht: "Der" Deutsche will alles mögliche haben - aber er mag es nicht (selbst) bezahlen. Auch nicht die Schulden bzw. die dafür fälligen Zinsen. Das alte Sprichwort: "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass", ist für uns mehrheitlich zutreffend. Und da wir immer nur danach schielen, wen wir zur Kasse bitten könnten, wird es am Ende doch wieder auf neue Schulden rauslaufen. .....
Und wen bitten wir dadurch zur Kasse? Richtig, die Generationen nach uns. Und die freuen sich jetzt schon.

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Spiegelkritikus 23.03.2019, 11:14
94. Migrationskosten

Zitat von brasshead
In seiner Studie hatte das DIW die Summe von 50 Mrd. Euro auf einen Zeitraum von 2 Jahren prognostiziert. Sie überhöhen die vom DIW errechneten Kosten also um schlappe 100%. Besonders pikant erscheint da, dass Sie im selben Atemzug von Wahrheit und Fakten sprechen, die von anderen ausgeblendet würden. Entweder haben Sie sich nicht mal die Mühe gemacht, richtig zu lesen oder Sie verwenden hier bewusst falsche Zahlen. Die implizite Verschuldung war schon immer ein Schwachsinnskonzept. Welchen rationalen Sinn macht es schon, zukünftige Zahlungsversprechen einzubeziehen, zukünftige Erträge und Einkünfte aber nicht? Kein seriöser Wirtschaftsprüfer würde so arbeiten - nur eine Seite der Bilanz als relevant erklären, die andere Seite aber vollkommen ausblenden. Welche Wahrheit erzeugt eine solche (abermals kontrafaktische) Betrachtung?
"Indirekt bestätigt Entwicklungshilfeminister Gerd Müller derlei hohe Summen. Der CSU-Politiker rechnet vor: «Für eine Million Flüchtlinge geben Bund, Länder und Gemeinden 30 Milliarden Euro im Jahr aus. Das Geld wäre in den Herkunftsländern besser angelegt.» Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) kommt auf den Betrag von 50 Milliarden, den auch der Sachverständigenrat für 2017 errechnet hat. Das Kieler Institut für Wirtschaftsforschung kalkuliert mit bis zu 55 Milliarden Euro pro Jahr."

https://www.nzz.ch/meinung/kommentare/die-fluechtlingskosten-sind-ein-deutsches-tabuthema-ld.1316333
siehe beispielsweise auch:
https://www.welt.de/wirtschaft/article149854636/Fluechtlingskrise-kostet-bis-zu-55-Milliarden-Euro-im-Jahr.html

Es geht hier wohlgemerkt um Schätzungen der Gesamtkosten, die neben den direkten Aufwendungen für Lebensunterhalt und Unterkunft staatliche Leistungen aller Art berücksichtigen (Bildung, Infrastruktur, Verwaltung etc.), die für Bund, Länder und Gemeinden anfallen.

Hinsichtlich der impliziten Verschuldung verweise ich zur ersten Orientierung auf Wikipedia.

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artur.d 23.03.2019, 11:36
95. Doch, in einer Volkswirtschaft MUSS sich jemand auf DAUER verschulden

Zitat von purple
Nieman kann auf die Dauer mehr Geld ausgeben als er einnimmt.
und das immer mehr! anders funktioniert eine Gesamtwirtschaft in einem Geldsystem was auf Schuldgeld/Giralgeld aufgebaut ist, nicht! - haben wir uns weltweit drauf geeinigt.

Will man ein Wirtschaftswachstum haben, dann ist das in der Regel an Geldwachstum gebunden, Geldwachstum bedeutet nichts anderes als das jemand, jetzt mal unabhängig wer, sich verschulden muss, ein Kredit aufnehmen muss, erst dann kommt neues Geld in Umlauf!

Manch ein „Schlauer“ möchte alle Schulden abbauen, nur verschwindet damit das Geld aus dem Kreislauf! Am ende hat niemand mehr Geld in der Tasche. alle Guthaben auf der einen Seite sind die Schulden auf der anderen Seite – das muss man erst mal kapieren – eine Volkswirtschaft funktioniert NICHT wie es ein BWLer es für ein Betrieb lernt.

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arr68 23.03.2019, 13:08
96. ehm, Deutschland schreibt die ganze Zeit rote Zahlen,

Wenn man den Zerfall der Infrastruktur gegenrechnet. Da liegt auch die Krux. Der Anteil von Pensionen und Verwaltung ist in allen Bereichen zu hoch geworden und die Investitionen in Strukturen fehlt. Deshalb wäre es nur gerecht, aus allen Kostenstatistiken immer die Verwaltung herauszurechnen, denn von dem Geld hat die Verteidigung nix, der Verkehr nix und das Soziale auch nicht. Erst mit Zahlen, was tatsächlich in den Bereichen ankommt kann man richtig entscheiden.

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brasshead 23.03.2019, 13:16
97.

Zitat von Spiegelkritikus
"Indirekt bestätigt Entwicklungshilfeminister Gerd Müller derlei hohe Summen. Der CSU-Politiker rechnet vor: «Für eine Million Flüchtlinge geben Bund, Länder und Gemeinden 30 Milliarden Euro im Jahr aus. Das Geld wäre in den Herkunftsländern besser angelegt.» Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) kommt auf den Betrag von 50 Milliarden, den auch der Sachverständigenrat für 2017 errechnet hat. Das Kieler Institut für Wirtschaftsforschung kalkuliert mit bis zu 55 Milliarden Euro pro Jahr." https://www.nzz.ch/meinung/kommentare/die-fluechtlingskosten-sind-ein-deutsches-tabuthema-ld.1316333 siehe beispielsweise auch: https://www.welt.de/wirtschaft/article149854636/Fluechtlingskrise-kostet-bis-zu-55-Milliarden-Euro-im-Jahr.html Es geht hier wohlgemerkt um Schätzungen der Gesamtkosten, die neben den direkten Aufwendungen für Lebensunterhalt und Unterkunft staatliche Leistungen aller Art berücksichtigen (Bildung, Infrastruktur, Verwaltung etc.), die für Bund, Länder und Gemeinden anfallen. Hinsichtlich der impliziten Verschuldung verweise ich zur ersten Orientierung auf Wikipedia.
Sie haben die Prognosen also nie selber geprüft, sondern beziehen Ihre "Wahrheit und Fakten" aus schlechten Meinungsartikeln der NZZ?

Also. Gerd Müller rechnet mit 30 Mrd. im Jahr. Das DIW rechnet mit 50 Mrd. für zwei Jahre (namentlich 2016 und 2017). Das sind 25 Mrd. im Jahr. Der Sachverständigenrat ebenfalls 50 Mrd. für diese zwei Jahre, wiederum 25 Mrd. im Jahr. Das Kieler Institut rechnet mit zwischen 25 Mrd. im Jahr (günstigster Fall) und 50 Mrd. im Jahr (ungünstigster Fall). Das wird auch im zweiten Link von Ihnen klar so dargestellt. Jeder kann das im Nu auf Google recherchieren.

Sie geben all diese Prognosen (25-30 Mrd. im Jahr) also entweder (bewusst) falsch wieder oder wählen (bewusst) das ungünstigste Einzelszenario. Die Motivation dahinter sollte klar sein.

Das Konzept der impliziten Verschuldung ist mir bekannt. Ich habe es auch schon inhaltlich kritisiert. Vielleicht noch mal einfacher für Sie:

Meine Miete kostet 1000 Euro im Monat und ich möchte noch 10 Jahre hier wohnen bleiben. Meine implizite Mietschuld beträgt dann also 120000 Euro, herrje! Ich bin ja bis über beide Ohren verschuldet, Himmel hilf! Dabei bin ich doch verbeamtet und verfüge über ein sicheres Einkommen, aus dem ich die monatliche Miete ohne Weiteres bezahlen kann... Auch arbeite ich noch nicht Vollzeit und könnte mir eigentlich sogar eine teurere Wohnung leisten... Aber Ächz, diese unerträgliche implizite Schuldenlast...

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spigalli 23.03.2019, 13:52
98. Das war schon seit den 90ern genau so eingefädelt....

Zitat von wut62
einfach auf die "ausufernden" Sozialkosten hinweisen. Diese wären nicht notwendig, wenn ein Teil der arbeitenden Bevölkerung aus im Alter, von einer Rente leben könnte, die Menschenwürdig ist. Die Gründe für steigende Sozialkosten, müssen analysiert werden und dann am den richtigen Schrauben gedreht werden. Steigende Sozialkosten generell zu verteufenl und Kürzungen zu verlangen, wäre nicht richtig.
Da hat sich nämlich die Generation, die nach dem zweiten Weltkrieg dass Land aus Schutt wieder aufgebaut und kräftig nach vorne entwickelt hat, seine eigene komfortable Altersvorsorge gebaut. Nicht ganz zu unrecht, wer wollte schon heutzage "mit'm Klo übern Hof" wohnen und zum Baden ins öffentliche Bad gehen? Unsere aktuell komfotablen Lebensumstände haben wir diesen Menschen zu verdanken!
Der neidische Teil in mir fragt sich immer: "Wieso krieg(t)en die 60% vom letzten Netto steuer- und sozialversicherungsfrei, und ich 40%, die ich noch versteuern darf, so dass ich zusätzlich noch private vorsorgen muss - und das bei höheren Abgaben?"
Das scheint der Preis für unseren Lebensstandard zu sein - anstatt Deutschland wieder aufzubauen, tragen wir halt unseren Wohlstand per Export in die Welt - und haben jeder unseren Bohrhammer, in etwa zwei Autos pro Haushalt, 4 Telekommunikationsmittel, Flastcreenfernseher - und beschweren uns über fehlende Lebensqualität? Die haben übrigens heutzutage die alten Herrschaften in den Pflegeheimen wirklich, trotz der "komfortablen" Rentensituation.
Das alles war ein Luftschloss - denn nur wo Verbindlichkeiten sind, sind auch Guthaben - am Ende werden wir merken, dass man Geld/Guthaben nicht essen kann. Da werden wir wieder froh sein, ein Dach über dem Kopf zu haben und nicht von wilden Horden überfallen zu werden, die ganz genau wissen, wie schlechte Lebensqualität wirklich aussieht.

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spigalli 23.03.2019, 14:21
99.

Zitat von brasshead
Es wurden ja auch Steuern gesenkt, z.B. Unternehmensteuern oder der Spitzensteuersatz. Jetzt ist eben der Soli dran. Wenn Sie sich fragen, wo all das Geld gelandet ist, schauen Sie z.B. hier oder hier.
Danke für die Links, leider offenbart sich erst beim genauen Betrachten und Vergleichen des zweiten Diagramms, dass die Verteilung sich nur leicht verschiben hat - allerdings dazu, dass die unteren 40% der Haushalte die vormals immerhin noch 6 Prozent der Vermögen hatten, nun nur noch 1 Promille besitzen, während die reichsten 20% ihren Anteilvon 65% auf 85% gesteigert haben. Das ist das, was viele fühlen - damit wenige ein bischen (verglichen zu vorher) reicher werden, müssen viele auf den größten Teil Ihres Vermögens verzichten. Doch was - wenn niemand mehr irgendwas für Geld macht?

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