Forum: Wirtschaft
Stahlwerk im italienischen Tarent: Lieber Gift als Arbeitslose
Tony Gentile/ File Photo/ REUTERS

Darf der Staat einem privaten Unternehmen wie ArcelorMittal für mögliche Umweltschäden "strafrechtliche Immunität" zusichern? In Italien ist darüber ein brisanter Streit ausgebrochen.

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vliege 09.07.2019, 16:38
1. Die Überschrift ist nicht ganz passend

Lieber Geld statt Gesundheit müsste es heißen. Der "Staat" will/ soll strafrechtliche Immunität für schlimmste Schäden an Mensch und Umwelt gewähren? Wer ist heutzutage "DER STAAT"? Er wird nicht selten bzw. immer häufiger von Externen mitnichten Unabhängigen Beratern gelenkt.
Die Consulter dienen mit Sicherheit nicht dem Allgemeinwohl und fühlt sich diesem auch nicht verpflichtet. Eine Demokratie oder eine Macht die vom und für das Volk ausgeht blutet aus. So lange der Anschein mit Wahlen gewahrt wird, ist für den Großteil der Bevölkerung alles in Ordnung.

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53er 09.07.2019, 17:17
2. Europa in der Zwickmühle.

wie soll man, nach all dem Tohuwabohu um den übermässigen CO-Ausstoß der Dieselfahrzeuge, einem tausendfach übleren Gesundheitsgefährder einen Persilschein für den Dreck, den er ungefiltert in die Umwelt entläßt, geben? Europa verliert sein Gesicht und verspielt das Vertrauen der Bürger, wenn hier mit zweierlei Mass gemessen wird. Wenn Brüssel hier wegschaut, weil Arbeitsplätze in Gefahr sind und man einem Investor nicht auf die Füsse treten will, warum dann solche Restriktionen für den Diesel und seine Hersteller?

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tommybonn2000 09.07.2019, 17:19
3. was für eine schreckliche Frage...

Eine solche Frage dürfte es gar nicht geben. Und ist gleichzeitig entlarvend: wir leben in einer demokratie die der Wirtschaft untergeordnet ist (und damit besteht defacto keine Demokratie), das profit mehr wert ist als der Mensch. Menschenverachtender Neoliberalismus pur.

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didih432 09.07.2019, 17:27
4. Und wer

denkt an die KINDER?!!!
Erwachsene haben wenigstens für die eigene Person ein Entscheidungsrecht. Wenn sie denken, ihre Gesundheit sei den ganzen Dreck wert, der unter ihrer Mithilfe in Luft und Böden eingetragen wird - versüßt mit einem bißchen Geld zum Monatsbeginn, dann haben sie eben dies für sich gewählt - das kurze Leben mit höchstem Krebsrisiko.
Aber was ist mit denen, die kein eigenes Entscheidungsrecht besitzen?
Wenn die eigenen Eltern, die Kollegenschaft des Stahlwerkes, dessen Manager und Geldgeber, die Lokal- Regional- und Landespolitiker - ja auch die EU-Herrschaften, wenn sie allesamt gegen besseres Wissen in Kauf nehmen, dass ihre Kinder VERGIFTET werden, dann ist die Perversion dieser Art des Wirtschaftens auf die Spitze getrieben.

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geri&freki 09.07.2019, 17:48
5. Mittelalterlicher Ablassbrief

Wie schön, dass dort auch jene Menschen, die nicht bei dem Stahlunternehmen beschäftigt sind, mit ihrer Gesundheit oder sogar mit ihrem Leben für das Umweltrisiko mithaften dürfen. Staatsmonopolistischer Kapitalismus in Reinkultur! In welcher Zeit leben wir? Wieder im Mittelalter?

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hansgmueller 09.07.2019, 18:16
6. Luftverunreinigung

Im Vergleich zu Deutschland gibt es den Paragraph 325 im Strafgesetzbuch. Aber da werden ja die größten Verursacher (Die Absätze 1 und 3 gelten nicht für Kraftfahrzeuge, Schienen-, Luft- oder Wasserfahrzeuge.) verschont. Italien? Raus an die frische Luft mit dem Gift!?? Deutschland ist kein Deut besser.

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interessierter Laie 09.07.2019, 18:33
7. Krebs kommt nicht von heut auf morgen

Was macht es bitte für einen Unterschied, ob ich von einem Staatsbetrieb oder einem privaten vergiftet werde. Solange es ein Staatsbetrieb war, war die ganze Umweltsauerei offenbar kein Problem. Übrigens: Laut Artikel ist es ja noch komplizierter: Der Staat vermietet ein Werk, das gar nicht betrieben werden dürfte, zu diesem Zweck an privat. Wie aber soll ein Mieter da regelkonform produzieren?!

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Nordschwabe 09.07.2019, 18:58
8. Eine absterbende Industrie

2013 noch über 20.000 Arbeiter - heute: nur noch 8700 Arbeiter. Da scheint der Staat mal wieder eine Industrieleiche am Leben zu erhalten, der man gerne die lebensverlängernden Apparate ausschalten könnte. Gibt es wirklich nichts anderes, was Europa mit knoe-how und Profit besser produzieren könnte als einfachen Stahl? Ist es nur die Zahl, die mich an den Kohleausstieg erinnert? Deutschland hält mit Subventionen 20.000 Arbeitsplätze im schädlichen Kohlesektor aber sah vor einigen Jahren kein Problem darin, der Solarzellenindustrie den Kragen umzudrehen und dort 70.000 Arbeitsplätze zu vernichten (zur Quelle: seht Euch das rezo-Video an, dort ist auch die Quellenangabe).

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schwarzeliste 09.07.2019, 19:42
9. Desaster

Der entscheidende Punkt wird im Artikel nur angedeutet, wenn ich es richtig sehe. Warum wäre die Schließung des Stahlwerks ein Desaster? Weil die Arbeitslosigkeit in Süditalien katastrophal hoch ist. Die wirtschaftliche Situation dort ist noch viel schlimmer als z.B. In Ostdeutschland. Wenn das Werk dichtmacht, stehen fast 10000 Familien vor dem Nichts und in Tarent gehen die Lichter aus. Dass das Werk so viele Schadstoffe ausstößt, ist schon seit langem bekannt, aber man hat es hingenommen. Als das Werk noch verstaatlicht war, war es mit dem Schadstoffausstoss keinesfalls besser, eher noch schlimmer

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