Forum: Wirtschaft
Steuernachforderung der EU: Apple richtet Treuhandkonto ein
REUTERS

Apple sorgt vor: Nach der von der EU-Kommission verordneten Steuernachforderung von 13 Milliarden Euro parkt der US-Konzern nun Geld auf ein Treuhandkonto - korrigiert seine Bilanz aber nicht.

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floersche 31.08.2016, 14:44
10.

Zitat von m.m.s.
Raubtierkapitalismus-Firma iApple wundert sich, dass sie es überspannt haben. 50 Euro Steuern auf jede 1Million Einnahmen! Eigentlich gehört ein Strafprozess wegen Steuerhinterziehung mit jahrelangen Gefängnisaufenthalten für die Manager angestossen.
aufgrund welcher gesetzgebung?
die, die den grosskapitalgesellschaften eben solch ein gebaren erlaubt, ja geradezu fördert?

und was glauben sie denn, was sich der vorstandsvorsitzende eines hegdefonds, der nicht unwesentliches kapital in zB apple "reingesteckt" hat, denkt, wenn apple jetzt plötzlich steuerlich in Ihrem sinne "moralisch vertretbar" auftritt? "prima! endlich zahlen die auch mal steuern!"? der zieht sein kapital raus! und verklagt den vorstand von apple wegen veruntreuung, weil dieser eben nicht zum wohl der kapitalgeber gearbeitet hat! und warum? weil er bei seiner hauptversammlung keine entlastung von denen ausgesprochen bekommt, die ihr geld eben in diesen hedgefond gesteckt haben wenn er nicht alles mögliche zur gewinnoptimierung und -maximierung des hedgefonds gemacht hat. kapitalismus und moral passen nicht zusammen!

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schocolongne 31.08.2016, 14:46
11. Kein Raubtierkapitalismus, sondern staatliches Steuerdumping

Zitat von m.m.s.
Raubtierkapitalismus-Firma iApple wundert sich, dass sie es überspannt haben. 50 Euro Steuern auf jede 1Million Einnahmen! Eigentlich gehört ein Strafprozess wegen Steuerhinterziehung mit jahrelangen Gefängnisaufenthalten für die Manager angestossen.
Mannomann! es kann doch nicht so schwer sein, den Vorgang zu verstehen: der Übeltäter sind hier weniger die Konzerne, als vielmehr einzelne EU-Mitgliedsländer, wie Irland, Luxemburg oder Holland, welche mit illegitimen Steuerarrangements Steueraufkommen der übrigen EU-Länder abgreifen. Das ist Steuerdumping. Die EU-Kommision fordert daher von Irland, die unrechtmäßig nicht berechneten Steuerbeträge bei Apple nach zu fordern.

Es ist, so lange es kein einheitliches Europäisches Steuerrecht gibt folglich sinnvoll, wenn Steuern da berechnet und erhoben werden, wo sie anfallen und nicht über nationale Grenzen verschoben werden dürfen.

Fazit: die EU-Politik hat bisher versagt und einzelne Länder, wie Irland haben egoistisch getrixt, internationale Konzerne haben das "lediglich" ausgenutzt.

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schwaebischehausfrau 31.08.2016, 15:02
12. @Nordstadtbewohner: ?

Zitat von Nordstadtbewohner
Es geht nicht um die Einkommensteuer, sondern um die Körperschafts- und Gewerbesteuer. Ihr Vergleich zeigt, wie wenig sie von europäischen Steuersystemen verstehen. Nichts. Die ausgezahlten Dividenden der Appleeigner unterliegen ebenfalls der Einkommensteuer. Weniger Neid hilft oft, einen klaren Kopf zu bewahren und richtige Vergleiche anzustellen. Ob Apple Steuern nachzahlen muss, wird sich zeigen. Bisher habe ich nichts erfahren, was am Geschäftsgebaren Apples falsch, illegal oder verwerflich sein soll.
Kenne Ihre Karriere-Pläne nicht, aber nach Lesen Ihres Posts kann ich Sie zumindest nicht ermutigen, irgendwas zu machen, was mit "Wirtschaft" zu tun hat. Was Apple "Verwerfliches" getan hat, hat die EU-Kommissarin gestern in der Presse-Konferenz auch für Laien verständlich nochmal klargemacht: Das Unternehmen hat von Irland Steuervorteile gewährt bekommen, die auch in Irland nicht für ALLE Unternehmen gelten. Und damit handelt es sich u.a. um Wettbewerbs-Verzerrung mit der Konsequenz, dass diese nicht gezahlten Steuern jetzt nachgezahlt werden müssen. Zudem: Wenn ein Unternehmen seine Gewinne primär in eine nur für diesen Zweck gegründete Briefkasten-Gesellschaft umleitet, die keinen "physischen" Sitz hat und damit diese Gewinne in keinem Land der Erde besteuert werden müssen, dann ist das schon äusserst kreativ. Apple ist offenbar so gierig , dass dem Unternehmen selbst der unverschämt niedrige Dumping-Steuersatz von 12,5% in Irland (mit dem Irland andere Staaten um Milliarden Steuer-Einnahmen bringt) zu hoch war. Das ist so, als ob ich mich als "normaler" Steuerzahler bei meinem Finanzamt in Deutschland abmelde und behaupte, dass mein steuerpflichtiger Wohnort ab jetzt die Republik Taka-Tuka-Land in einem fernen Universum namens Phantasieland ist. Genausowenig würde es mein Finanzamt auch anerkennen, wenn ich mein Einkommen von z.b. 100.000€ künstlich kleinrechnen würde, indem meine alte Mutter, die ich vorher in einem Pflegeheim in einem Steuer-Paradies unterbringe, mir eine Rechnung über "Royalties" in Höhe von 99.999€ schreiben würde (als "Kosten für 18 Jahre Erziehung und Lizenzgebühren für die Nutzung ihres Familien-Namens) die mein steuerpflichtiges Einkommen dann auf 1 Euro reduzieren. Noch legal bei Unternehmen, weil die Staaten sich lange von diesen globalen Unternehmen und ihren Winkel-Advokaten haben vorführen lassen - aber ganz sicher "verwerflich"

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schwaebischehausfrau 31.08.2016, 15:22
13. @Floersche: Mitleid?

Zitat von floersche
aufgrund welcher gesetzgebung? die, die den grosskapitalgesellschaften eben solch ein gebaren erlaubt, ja geradezu fördert? und was glauben sie denn, was sich der vorstandsvorsitzende eines hegdefonds, der nicht unwesentliches kapital in zB apple "reingesteckt" hat, denkt, wenn apple jetzt plötzlich steuerlich in Ihrem sinne "moralisch vertretbar" auftritt? "prima! endlich .....
Sollen wir jetzt alle Mitleid mit den Hedge-Fonds haben oder was ist ihre Aussage? Ist doch schön, wenn ihre massive Überschuldung jetzt viele Staaten und die EU jetzt zu sowas wie einem Umdenken zwingt und zumindest ansatzweise schon mal diskutiert wird, dass man auch diese Unternehmen endlich zwingt, ihre Gewinne angemessen zu versteuern, anstatt sich von ihnen und ihren Heerscharen von Winkel-Advokaten vorführen zu lassen. Sicher noch kein Durchbruch, aber wenigstens mal ein klares Signal.

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j.vantast 31.08.2016, 15:51
14. Oh?

Zitat von Nordstadtbewohner
Es geht nicht um die Einkommensteuer, sondern um die Körperschafts- und Gewerbesteuer. Ihr Vergleich zeigt, wie wenig sie von europäischen Steuersystemen verstehen. Nichts. Die ausgezahlten Dividenden der Appleeigner unterliegen ebenfalls der Einkommensteuer. Weniger Neid hilft oft, einen klaren Kopf zu bewahren und richtige Vergleiche anzustellen. Ob Apple Steuern nachzahlen muss, wird sich zeigen. Bisher habe ich nichts erfahren, was am Geschäftsgebaren Apples falsch, illegal oder verwerflich sein soll.
Aha, Sie aber schon? Und Ironie verstehen Sie nicht? War mir klar.
Was hat denn das mit Neid zu tun? Ich soll neidisch auf Apple, einen Konzern sein? Ihre Phantasie möchte ich haben.
Und ein klarer Kopf würde auch Ihnen gut tun: Es geht nicht um das Geschäftsgebaren von Apple sondern um das Verhalten Irlands in dieser Angelegenheit.
Aber das Geschäftsgebaren mit Briefkastenfirmen finden Sie auch nicht verwerflich? Na gut, ich habe es mit einem lupenreinen Kapitalisten zu tun.

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hle 31.08.2016, 18:18
15. Keine Erwartungshaltung bzgl. Rückzahlung

Zitat von kuac
Apple wird seine Bilanz nie freiwillig korrigieren. Er muss dazu durch ein Gericht gezwungen werden.
Es geht doch bei der Aussage darum, ob Apple im Jahresabschluss eine Rückstellung bildet und einen entsprechenden Aufwand gewinnmindernd für 2016 verbucht.

Die Rechnungslegungsvorschriften sehen vor, dass bei Rechtsstreitigkeiten ein Unternehmen ein eRückstellung bilden muss, wenn mit einer Wahrscheinlichkeit von >50% davon ausgegangen wird, dass man den Rechtsstreit verliert und zahlen muss. Klingt komisch, ist aber die Vorschrift. In der Literatur wird oft darüber diskutiert, dass somit die Bilanzierung einer Rückstellung de facto einem Eingeständnis gleichkommt. Apple geht also davon aus, dass es die Forderung nicht begleichen muss und bildet daher keine Rückstellung. Allerdings bedürfte es dann aber auch auf den ersten Blick auch kein Treuhandkonto. Kurzum, Apple sieht keinen Grund, einen Aufwand für die Forderung zu bilanzieren, denn der dürfte rein optisch das Quartals- und Jahresergebnis unschön aussehen lassen. Zum anderen sendet es das Signal, dass man nicht damit rechnet, die Zahlung leisten zu müssen.

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normac 31.08.2016, 18:30
16. EU- Konform

Wenn wir schon über EU-KONFORME Bananen reden oder uns über EU- Staubsaugerverordnungen erregen dann finde ich es schon legitim wenn wir uns über Apple und Irland bzw. über solche Dimensionen aufregen. Den besten und konstruktivsten Beitrag hier gab es von der "schwäbischenhausfrau"

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jowitt 31.08.2016, 19:27
17. @schocolongne

Zitat von schocolongne
Mannomann! es kann doch nicht so schwer sein, den Vorgang zu verstehen: der Übeltäter sind hier weniger die Konzerne, als vielmehr einzelne EU-Mitgliedsländer, wie Irland, Luxemburg oder Holland, welche mit illegitimen Steuerarrangements Steueraufkommen der übrigen EU-Länder abgreifen. Das ist Steuerdumping. Die EU-Kommision fordert daher von Irland, die unrechtmäßig nicht berechneten Steuerbeträge bei Apple nach zu fordern. Es ist, so lange es kein einheitliches Europäisches Steuerrecht gibt folglich sinnvoll, wenn Steuern da berechnet und erhoben werden, wo sie anfallen und nicht über nationale Grenzen verschoben werden dürfen. Fazit: die EU-Politik hat bisher versagt und einzelne Länder, wie Irland haben egoistisch getrixt, internationale Konzerne haben das "lediglich" ausgenutzt.
"Fazit: die EU-Politik hat bisher versagt"

Wieso soll hier schon wieder "die EU" Schuld sein? Die EU kann ja schließlich weder die Steuergesetzgebung der einzelnen Länder ändern, noch eine einheitliche Steuergesetzgebung einführen. Dazu hat die EU keine Kompetenz von den Nationalstaaten erhalten.

Die einzelnen Nationalstaaten müssen sich hier einigen. Entweder eine einheitliche Bandbreite an Unternehmenssteuern festlegen oder eben diese Kompetenz an die EU abgeben.

Nicht die EU hat versagt, sondern einzelne Staaten innerhalb der EU.

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Akkin 01.09.2016, 07:17
18. Das Verwerfliche ist doch folgendes,

einzelne "kleine" Länder in der EU bieten Unternehmen Steuerschlupflöcher, die diese gerne ausnutzen. Das geht am Ende auf Kosten der Länder, indem die Gewinne erwirtschaftet werden und am Ende auf Kosten der Steuerzahler die in dem jeweiligen Land leben! Warum lässt man es zu, dass einzelne Länder auf Kosten anderer leben können.

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OlafHH 01.09.2016, 08:01
19.

Zitat von schwaebischehausfrau
Wenn ein Unternehmen seine Gewinne primär in eine nur für diesen Zweck gegründete Briefkasten-Gesellschaft umleitet, die keinen "physischen" Sitz hat und damit diese Gewinne in keinem Land der Erde besteuert werden müssen, dann ist das schon äusserst kreativ.
Sie argumentieren kreativ - das trifft hier aber nicht zu. Unternehmen wie Apple, Microsoft, Dell & Co sitzen nicht nur mit einem Briefkasten in Irland, sondern haben dort kräftig investiert und produzieren dort. Apple hat in Irland 5500 Mitarbeiter - das sind mehr als doppelt soviele wie in Deutschland und gut 1/4 aller Apple-Mitarbeiter in der EU. Es hat schon einen Grund, warum nahezu alle großen US-Unternehmen ihren EU-Sitz in Irland haben. Das Problem ist aber ein Problem der EU, welches bislang nicht angefasst wurde.

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