Forum: Wirtschaft
Streit mit den USA: Schäuble und die Schuldenfreunde
DPA

Bei der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank prallen wieder einmal Ideologien aufeinander: Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble mahnt Sparsamkeit an, die Amerikaner wollen fürs Wachstum mehr Geld ausgeben. Zeitweise soll es zu einer wahren Brüllorgie gekommen sein.

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celino 20.04.2013, 17:27
90. Kein Ausweg!

Zitat von böseronkel
Nachhaltiges Wachstum kann niemals durch das rigorose merkelsche Kaputtsparen erreicht werden. An den Schuldenländern der €-Zone lässt sich die negative Wirkung übermäßiger Sparanstrengungen wunderbar ablesen.
Das ist richtig, in den Südeuropa gibt es mittlerweile eine ausgewachsene Deflation bzw. Depression.

Aber: Konjunkturprogramme müssten über neues Schuldengeld finanziert werden. Wem in Griechenland, Italien, Spanien würden Sie denn zu treuen Händen Mittel in die Hand geben für öffentliche Investitionen und eine wirtschaftliche Belebung?

Bei allen Unterschieden: Südeuropa hat über ein Jahrzehnt im Euro extrem niedrige Kreditzinsen zahlen müssen, zuzüglich Mittelzuflüsse aus den EU-Strukturfonds (allein Griechenland 100 Mrd. in 10 Jahren).

Und wie ist das Geld vom wem ausgegeben worden?

Es mögen ein paar Köpfe ausgetauscht worden sein. Aber letztlich ist immer noch die gleiche Mischpoke an der Macht, die jeweils ihr Land mit Konsum-/Immobiienblasen, Selbstbereicherung und Vetternwirtschaft, geduldeter massiver Steuerhinterziehung, Untätigkeit bei gesellschaftspolitischen Reformen (Bildungswesen, Arbeitsmarktpolitik) in den Schlamassel usw. geritten hat.

Trotz allen Schönredens sind unbequeme Reformen bisher nicht oder nur marginal gelaufen. Die Regierungen tragen die Krise einseitig durch Sparen auf dem Rücken der Unter- und Mittelschichten aus und zeigen mit dem Finger auf Deutschland als den angeblich Schuldigen. So kann man sich auch einen schlanken Fuß machen.

Man kann es drehen und wenden wie man will: es gibt keine "billigen" oder bequemen Lösungen mehr. (Schuldenfinanzierte) Wachstumsprogramme versus Strukturreformen und Sparhaushalte gleicht nur noch der Wahl zwischen Pest und Cholera.

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luny 20.04.2013, 17:53
91. Selbstüberschätzung

Zitat von mauskeu
Wenn es nach Ihnen geht, dann müssten ja die "Hartwährungen" alle grosse Probleme haben. Ist aber nicht so. An Reformen der EZ Länder geht kein Weg vorbei und über die Merkel-Politik werden Reformen in der EZ vorangebracht, ohne sie (Reformen) bekommt die EZ mehr Probleme. Darum geht es. Die EZ hat Hausaufgaben zu machen und die liegen nicht darin nur mehr Geld auszugeben, sondern dies auch mit Reformen zu verbinden.
Hallo Mauskeu,

zum einen hat die amtierende Bundeskanzlerin kein Mandat, das sie
ermächtigt, über die Finanz- und Wirtschaftspolitik anderer EUR-
Staaten zu bestimmen.

Aber so ist es eben, wenn zuerst eine Einheitswährung eingeführt
wird, ohne vorher die Finanz- und Wirtschaftspolitik zu harmonisieren.

Zum anderen hat sich gezeigt, daß auch mehrere hundert
Milliarden EUR, entweder als Strukturhilfe der EU oder über günstige
Kredite mittels EUR, NICHT dazu beigetragen haben, die Wirtschaft
in den jetzt notleidenden EUR-Staaten anzukurbeln.

Wo nichts war, ist immer noch nichts.

Es können nicht alle gleichzeitig Exportweltmeister sein. Diese
überraschende Erkenntnis spricht sich leider nur langsam herum.

LUNY

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londonium 20.04.2013, 17:56
92. Das Grundproblem...

ist dass Politiker und Waehler in Demokratien in einer unheiligen Allianz die Schulden staendig hochschaukeln. Anders ausgedrueckt: Waehlerstimmen gegen Almosen. Wir konsumieren heute was erst noch erwirtschaftet werden muss. Anders als bei normalen Buergern geht das bei Staaten sehr lange gut, seit den 70gern, bis heute, aber irgendwann ist eben auch bei Staaten das Ende der Fahnenstange. Zum einen bezueglich der Prozentsatzes vom Budget der Zinszahlungen ausmacht, gigantische Summen inzwischen. Viel wichtiger, irgendwann haben die Maerkte kein Vertrauen mehr in einen ueberschuldeten Staat. Zum Glueck noch nicht der Fall, weder in USA, noch Deutschland, noch Frankreich, noch Grossbritannien, alle koennen nach wie vor billig umschulden, aber die Frage ist wie lange geht das noch gut? Vor allem wehe wenn die Zinsen steigen. Es stimmt zwar dass Sparen schwer ist wenn die Wirtschaft nicht waechst, aber politisch scheint mir ist Sparen fast nur dann durchsetzbar, ein echtes Dilemma. Andererseits habe ich mich gefreut als neulich die neue Ministerpraesidentin von Nordrhein-Westfalen die automatische Erhoehung der Gehaelter der bestbezahlten Beamten gestoppt hat. Das Sparpotential ist erheblich beim Staat, inklusive der ganzen unnoetigen Hierarchieebenen. Ausserdem muessen viel mehr als bisher Anreize geschaffen werden die die Leute weg von Sozialhilfe in bezahlte Arbeit / Selstaendigkeit lotsen, das Potential ist hier noch lange nicht ausgereizt.

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roland56 20.04.2013, 18:29
93. Da ist ein Unterschied...

Zitat von giostamm
Schulden zurueckgezahlt wuerden? Deutschland hat 2000 milliarden Staatsschulden und zeigt so gerne auf andere. Bei einem Haushalt von etwas mehr asl 700 milliarden ist das schon sehr dreist wenn man anderen die Schulden vorwirft. Im Uebrigen steht Deutschland ziemlich in der Ecke denn noch ist Oesterreich dabei....und Finnland....Holland ist gerade an der eigenen Immobilienblase am kaempfen.....Keiner der grossen Partner ist dabei. Das sollte sehr zu denken geben...
...DE zeigt nicht auf andere wegen deren Schulden. "Die Anderen" wollen, dass die Geberländer deren Schulden übernehmen sollen. DAS ist der entscheidende Unterschied.

Das ist die gleiche unehrliche Art wie der Vorwurf des Spardiktates. Die Nehmerländer haben eigene Regierungen sie werden nicht von DE aus regiert. Beshlüsse, wie zuletzt wegen Zypern, fasst hier die EU und nicht eine Einzelregierung aus DE.

Was ich allerdings für eine bodenlose Sauerei halte, ob in GR oder Zypern. Es trifft immer die "kleinen Leute". Die Proviteure und Betrüger werden nie zur Verantwortung gezogen. Im Gegenteil, die schaffen ihre Millionen und Millarden unter den Augen der EU-Politverbrecher ins Ausland.
Mich wundert es ehrlich gesagt, dass z.B. in GR noch keine der Verantwortlichen an Laternen hängen.

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roland56 20.04.2013, 18:36
94. So ist es...

Zitat von celino
... Bei allen Unterschieden: Südeuropa hat über ein Jahrzehnt im Euro extrem niedrige Kreditzinsen zahlen müssen, zuzüglich Mittelzuflüsse aus den EU-Strukturfonds (allein Griechenland 100 Mrd. in 10 Jahren). Und wie ist das Geld vom wem ausgegeben worden? ...
... und es gibt immer noch Leute die in Anbetracht dessen von Eurobonds fabulieren.
Die Südländer hatten ihre Eurobonds, nähmlich ein paar Jahre lang nach Einführung des Euros. Money for nothing (and chicks for free).

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luny 20.04.2013, 19:07
95. Länderfinanzausgleich

Zitat von mauskeu
Die EZB kann natürlich eine Politik nur für Club Med machen, das geht dann aber auf Kosten der Stabilen. Sie verlangen im Grunde dass, die EZB für und mit den EZ Ländern, gegen die Verträge von Maastricht verstösst, um den Schwachen zu helfen, damit die nicht zu Reformen gezwungen werden. Das kann man machen, geht dann aber auf dem Rücken der Stabilen aus und löst auf lange Sicht nicht die EZ Probleme.
Hallo Mauskeu,

der Länderfinanzausgleich in Deutschland als Vorbild für die EUR-
Zone?

So sieht die Blaupause der amtierenden Bundeskanzlerin samt
Finanzminister für die EUR-Zone aus.

In Deutschland führte das in den "Nehmerländern" auch zu
keiner Haushaltsdisziplin. Deshalb klagen Hessen und Bayern,
zwei der drei "Geberländer".

Was in einer relativ homogenen Zone innerhalb Deutschlands
schon NICHT funktioniert, soll auf EUR-Ebene mit total verschiedenen
Mentalitäten, unterschiedlicher Wirtschaftskraft und konträren Interessen funktionieren?

Und nun soll auf Weltebene so etwas wie eine einheitliche Wirt-
schafts- und Finanzpolitik stattfinden, also im Rahmen der G20?

Niemals.

LUNY

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luny 20.04.2013, 19:24
96. Transferunion

Zitat von roland56
... und es gibt immer noch Leute die in Anbetracht dessen von Eurobonds fabulieren. Die Südländer hatten ihre Eurobonds, nähmlich ein paar Jahre lang nach Einführung des Euros. Money for nothing (and chicks for free).
Hallo Roland56,

die Transferunion gibt es de facto bereits via EZB und ESM.

Eurobonds würden die Staatsanleihen der einzelnen EUR-Staaten
ablösen und zu einem einheitlichen Zinssatz führen.

Kurzum, die notleidenden EUR-Staaten könnten wieder günstig
an Kredite kommen, die Geberländer, also vor allem Deutschland,
müßten höhere Zinsen bezahlen als bisher.

Zynisch könnte man sagen: Nur zu! Dann fällt Deutschland eben
als Kreditgeber innerhalb der EUR-Zone aus und der EUR-Wahn
wird damit schnell beendet!

Der Letzte macht das Licht aus. Das EUR-Monopoly-Spiel ist aus und
wir beginnen alle neu mit Talern, Gulden oder Glasperlen.

Bis dahin werden die Vermögen der Normalbürger in der EUR-Zone
gnadenlos vernichtet.

LUNY

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malocher77 20.04.2013, 19:25
97. Wie hoch sollen wir uns noch verschulden?

Die sollen das Volk fragen ob wir mit den bestehenden Rettungspaketen einverstanden sind.
Wie kommen die eigentlich drauf,daß es uns so gut geht?
Wenn es uns so gut geht, dann will ich Steuersenkung, und will nicht das Geld für Fässer ohne Böden reinwerfen.
Die Politiker sollen ans eigene Volk denken und nicht die Steuergelder an Bankster verschenken.

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maliperica 20.04.2013, 19:34
98. FED macht keinen hemmungslosen Gelddrucken

Zitat von elikey01
Dieser Streit ist unterfüttert mit Argumenten, mit denen jede Seite der Überzeugung ist, ihre seien die einzig richtigen - und nur sie führten zur Problemlösung. Im Grund belegt jedoch die anhaltende relative Erfolglosigkeit beider Seiten, , der die gegenwärtige Banken-/Schulden-/€uro- und Wirtschaftskrise (letztere ist zweifelsohne in DEU in der Gesamtbetrachtung noch am geringsten ausgeprägt) kurz- und mittelfristig beheben könnte. Schließlich fuhr der Laden auch nicht direkt von heute auf morgen an den Abgrund, sondern ist das Ergebnis jeweiliger div. polit. und finanzmarktlicher Fehlentscheidungen. In Europa war dies mit Sicherheit die Aufnahme von nicht €uro-fähigen (Süd-)Ländern, wenn man denn schon eine Einheitswährung ohne politisch-fiskalisches Fundament und ohne stringente Vertragstreue aufsetzte. Jedes Credo auf "Schneller, Höher, Weiter" stößt letztlich auf Grenzen, so sehr auch egomanische Klientel-Ansprüche darauf setzen - und damit eher neue Abgründe schaffen. Die jeweiligen individuellen Interessenslagen sind wohl doch auch zu unterschiedlich, außer dass dem Zauberwort WACHSTUM als alleinigem Sesam-öffne-dich alle huldigen. Irgendwo zwischen weitgehend hemmungslosem Gelddrucken und Schuldenmachen zur Ankurbelung der Wirtschaft und HH-Konsolidierung durch Reformen und Extremsparen mag der Weg zur (wenigstens temporären) Gesundung liegen. Auf diesem Weg liegen jedoch auch zu berücksichtigende Themen wie Bildungspolitik, Umgang mit Ressourcen, Umweltschutz, Energieeffizienz und soziale Gerechtigkeit, auch wenn sich der jeweilige Blickwinkel darauf wiederum sehr unterscheiden mag, so wie sich Nationen und Mentalitäten unterscheiden.
Der Fehler liegt in der falschen Analyse der finanzpolitischen Zielen der gesamten Politik der USA. FED kauft die Anleihen zurück, gibt das Geld den Banken und nimmt wieder zurück so dass die Altpapiere, Altlasten einfach in den Keller der FED gelagert werden, kostet nichts, aber stärkt die Banken und die Finanzindustrie die durch die Vergabe ihren Gelder den Kreis schließen und die Staaten als Drogenabhängige halten.

Alles das kommt wieder in den Keller der FED zurück und die Abhängigkeit steigt weiter. Die neue Reiche legen ihr Geld und Geschäfte auf den exotischen Inseln und aus diesen Briefkastenfirmen kaufen sich die ganze Wirtschaftszweigen in unterschiedlichen Länder, meistens zu hause, weil da auch das Geld politisch tätig ist.

Beweise vorhanden, alles stand auf der Hand.

Schäuble reagiert entsprechend dem Wahlkampf, wissend dass im grunde genommen er die gleiche Doktrin unterstützt. Nach den Wahlen werden die Bonds kommen, aber sie werden kein einziges Problem lösen können...

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roland56 20.04.2013, 20:09
99. ESM und Co.

Zitat von luny
Hallo Roland56, die Transferunion gibt es de facto bereits via EZB und ESM. Eurobonds würden die Staatsanleihen der einzelnen EUR-Staaten ablösen und zu einem einheitlichen Zinssatz führen. ... LUNY
Hallo LUNY

ja, die Arbeitsweise von Eurobonds ist mir klar. Ich bin ein genau so entschiedener Gegener des ESM und aller weiterer Hintertürchen wie LTRO, ELA und wie die Instrumente so alle heißen.

Ich sehe nur einen einzigen Fehler der im Mai 2010 gemacht wurde, nämlich die Aufgabe der No-Bail-Out-Klausel ohne Not.

Mittlerweile, denke ich, wurde die No-Bail-Out-Klausel nur für den Fall aufgenommen, dass DE Hilfe braucht.
So wie die Schuldenbremse auch nur dazu da ist, selbst berechtigte Forderungen der Bürger (z.B. der Erhalt der Infrastruktur, Schulen, Kindergärten use.) abzuwehren.

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