Forum: Wirtschaft
Streit mit den USA: Schäuble und die Schuldenfreunde
DPA

Bei der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank prallen wieder einmal Ideologien aufeinander: Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble mahnt Sparsamkeit an, die Amerikaner wollen fürs Wachstum mehr Geld ausgeben. Zeitweise soll es zu einer wahren Brüllorgie gekommen sein.

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luny 20.04.2013, 22:07
120. Tilgung?

Zitat von RenegadeOtis
In welcher Form interessiert das? Wenn mir ein Kreditgeber heute Geld für 10 Jahre leiht - was interessiert ihn, dass ich es in 1 Jahr nicht in einer Summe zahlen könnte (rein theoretisch)? Solange ich den Kredit bis zum Ende seiner Laufzeit bediene ist doch alles in Ordnung?
Hallo RenegadeOtis,

aber ja doch. Nur ist bislang bei den notleidenden EUR-Staaten
von Tilgung der Schulden keine Rede. Bislang ging es nur um die
Zinsen, die auch nicht bezahlt werden konnten.

Die Tilgung der Schulden wird immer weiter in die Zukunft
verschoben.

Für die Zinsen, die nicht aufgebracht werden können, gibt es
weitere Kredite und wenn alles nichts hilft, gibt es halt einen
Schuldenschnitt.

Das Grundproblem: Der EUR als zwangsweise Einheitswährung
schadet den jetzt notleidenden EUR-Staaten, weil ihnen das
Mittel der Abwertung der eigenen Währung genommen wurde.

Die Alternative ist die Transferunion oder eben die EUR-Bonds,
die Kredite für Deutschland massiv verteuern würden.

LUNY

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RenegadeOtis 20.04.2013, 22:15
121.

Zitat von luny
Hallo RenegadeOtis, aber ja doch. Nur ist bislang bei den notleidenden EUR-Staaten von Tilgung der Schulden keine Rede. Bislang ging es nur um die Zinsen, die auch nicht bezahlt werden konnten.
Hallo Luny,

ah - wir nähern uns Konsens (ich bin übrigens auch kein Freund von Verschuldungsorgien, so nebenbei).

Natürlich wurden die Zinsen bisher immer bezahlt und wurden auch bezahlt. Nur hiess es zwischendurch "Oh, die Zinsen sind jetzt so hoch, oh Gott, das geht nicht mehr" - und daraufhin bekam man von der "Familie Eurozone" niedrig verzinstere Kredite zugeschanzt.

Natürlich wäre auch für Griechenland die Verzinsung stemmbar gewesen, auch mit 50% Zinsen. Nur um den Preis einer massiven Verelendung und einer extremen Umstrukturierung (adios Reeder und Staatsbedienstete..... Hallo Dritte Welt Land). Dass die "Euro-Familie" das abwendete - beziehungsweise nicht ganz, es wurde nur gemildert - ist nett. Mehr aber nicht.

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luny 20.04.2013, 22:15
122. Staatsanleihen

Zitat von RenegadeOtis
Bis heute hat jeder Staat (Griechenland mit dem erzwungenen Schuldenschnitt ausgenommen) seine Staatsanleihen samt Zinsen vollumfänglich bedient. Die Bezeichnung "überschuldet" ist . Die Bezeichnung "verschuldet" ist . Aber Verschuldung ist nichts Gutes und nichts Schlechtes.
Hallo RenegadeOtis,

die Bundesbank hat jedenfalls schon einmal zusätzliche Rück-
stellungen gebildet, sollte das EUR-Experiment scheitern:

"Die Bundesbank erhöhte ihre Rückstellung für allgemeine Wagnisse um 6,7 Milliarden auf den Rekordwert von 14,4 Milliarden Euro."

Deutschlands Währungshüter: Bundesbank macht Rekord-Rückstellung

LUNY

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RenegadeOtis 20.04.2013, 22:22
123.

Zitat von luny
Hallo RenegadeOtis, die Bundesbank hat jedenfalls schon einmal zusätzliche Rück- stellungen gebildet, sollte das EUR-Experiment scheitern: "Die Bundesbank erhöhte ihre Rückstellung für allgemeine Wagnisse um 6,7 Milliarden auf den Rekordwert von 14,4 Milliarden Euro." LUNY
Hallo Luny,

obacht vor Spezialisierungen die nicht zulässig sind. Inwieweit sind "allgemeine Wagnisse" (Risikorückstellungen die laut GoB zwingend sind) eine "Rückstellung, falls das Euro-Experiment scheitern sollte"?

Ganz blöd: Warum soll das nicht eine Rückstellung sein für den Fall dass ein Meteor in Frankfurt/M. einschlägt? Nachdem man das in Russland brandfrisch im Februar sah?

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luny 20.04.2013, 22:28
124. Sie sagen es

Zitat von RenegadeOtis
Natürlich wäre auch für Griechenland die Verzinsung stemmbar gewesen, auch mit 50% Zinsen. Nur um den Preis einer massiven Verelendung und einer extremen Umstrukturierung (adios Reeder und Staatsbedienstete..... Hallo Dritte Welt Land). Dass die "Euro-Familie" das abwendete - beziehungsweise nicht ganz, es wurde nur gemildert - ist nett. Mehr aber nicht.
Hallo RenegadeOtis,

Sie sagen es. Die "EUR-Familie" paßt nicht so ganz zusammen.

Im "europäischen Haus" zahlen manche Miete, andere können sich
die Miete eigentlich nicht leisten, wohnen aber trotzdem dort.

Nun zahlen die Mieter, die sich die Miete leisten können, generös
die Miete für diejenigen, die sich die Miete nicht leisten können,
einfach mit und lassen anschreiben.

Ein Dauerzustand sollte das jedoch nicht sein, werter RenegadeOtis,
oder?

Ja, ich denke, in dem Punkt sind wir uns einig.

LUNY

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Tolotos 20.04.2013, 22:31
125. Parlamentarische Demokratien trennen die Entscheidungen zu sehr von der Verantwortung

Zitat von leidenfeuer
Vielen Staaten sind ihre Schulden längst über den Kopf gewachsen. Und da gibt es welche, die immer noch viel mehr Schulden machen wollen oder gar sollen.
Da ist ja genau das Problem. Die Schulden wachsen irgendwann den Staaten über den Kopf, aber nicht den Politikern, die entscheiden, sie anzuhäufen.

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interessierter Laie 21.04.2013, 12:07
126. hinter den Politikern

Zitat von Tolotos
Da ist ja genau das Problem. Die Schulden wachsen irgendwann den Staaten über den Kopf, aber nicht den Politikern, die entscheiden, sie anzuhäufen.
Ludwig Erhard ging in "Wohlstand für alle" davon aus, dass die Ausgaben des Staates langsamer wachsen würden als die Staatseinnahmen. Er nahm sogar an, dass aufgrund dessen die Steuern und Abgabenlast auf Dauer sinken könnte. Gestützt wurde diese Erwartung darauf, dass die Bevölkerung immer langsamer wächst als die Produktivität, denn mehr Menschen schaffen mehr und durch den technischen Fortschritt wächst der Beitrag des einzelnen zusätzlich. Beide Grundannahmen waren in der Geschichte der BRD fast durchgehend erfüllt. Wir haben trotz Bevölkerungsstagnation Wachstum.

Dennoch sind die Abgaben stets gestiegen und obendrein sind die Staaten heute fast pleite. Es scheint etwas zu geben, das deutlich schneller wächst als Produktivität und Bevölkerung zusammen! Das sind die Erwartungen des Bürgers an den Staat. Das Verhalten der Politiker sind ein Spiegel dieser Erwartungen. Ihnen zu verordnen, sparsamer zu sein heißt die Demokratie abzuschaffen!

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dowhepole 21.04.2013, 13:00
127.

Zitat von interessierter Laie
Ludwig Erhard ging in "Wohlstand für alle" davon aus, dass die Ausgaben des Staates langsamer wachsen würden als die Staatseinnahmen. Er nahm sogar an, dass aufgrund dessen die Steuern und Abgabenlast auf Dauer sinken könnte. Gestützt wurde diese Erwartung darauf, dass die Bevölkerung immer langsamer wächst als die Produktivität, denn mehr Menschen schaffen mehr und durch den technischen Fortschritt wächst der Beitrag des einzelnen zusätzlich. Beide Grundannahmen waren in der Geschichte der BRD fast durchgehend erfüllt. Wir haben trotz Bevölkerungsstagnation Wachstum. Dennoch sind die Abgaben stets gestiegen und obendrein sind die Staaten heute fast pleite. Es scheint etwas zu geben, das deutlich schneller wächst als Produktivität und Bevölkerung zusammen! Das sind die Erwartungen des Bürgers an den Staat. Das Verhalten der Politiker sind ein Spiegel dieser Erwartungen. Ihnen zu verordnen, sparsamer zu sein heißt die Demokratie abzuschaffen!
Die Annahme von Erhard zeigt sehr deutlich, woran viele volkswirtschaftliche Modelle in der Regel scheitern.
An der Realität, die sich anders entwickelt, als man es gerne hätte.
Erhards Annahme setzt darauf, dass jeder Mensch in ähnlichem Masse an der Produktionssteigerung bzw. an der Geldmengenausweitung beteiligt wird.
Weiter kommen Krisen, welcher Art auch immer, nicht vor.

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localpatriot 21.04.2013, 13:58
128. Wir sind in einer anderen Phase

Zitat von dowhepole
Die Annahme von Erhard zeigt sehr deutlich, woran viele volkswirtschaftliche Modelle in der Regel scheitern. An der Realität, die sich anders entwickelt, als man es gerne hätte. Erhards Annahme setzt darauf, dass jeder Mensch in ähnlichem Masse an der Produktionssteigerung bzw. an der Geldmengenausweitung beteiligt wird. Weiter kommen Krisen, welcher Art auch immer, nicht vor.
Die Weltwirtschaft ist gespalten.

Auf der einen Seite stehen die BRICS und D, NL und Finland.
Auf der anderen Seite stehen die USA, GB, der Rest der Eurozonne.

Die Andere Seite, die Konsumentenwirtschaften, benoetigen dringend den wirtschaftlichen Effekt der Ankurblung durch Ausweitung der Geldmenge. Sie suchen nach dem Adrenalineffekt und die Konsequenzen werden mit in Kauf genoommen.

Dagegen stehen die BRICS Nationen zusammen mit D, NL und Finland relativ gut da. Die Wirtschaften laufen vernuenftig und ohne die dringende Notwendigkeit einer Ankurbelung.

Fuer die BRICS, alle mit der eigenen Waehrung ist das kein Problem. Fuer D, NL und Finland jedoch gibt es keine leichte Loesung. Sie sind in einen Waehrungsraum eingeschlossen welcher strukturell oohne reglemaessige Abwertungen der Waehrung kaum zurecht kommt.

Ein gordischer Knoten welcher ohne Schwert kaum loesbar ist.

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localpatriot 21.04.2013, 14:49
129. Kurz und uebersichtlich

Zitat von Tolotos
Da ist ja genau das Problem. Die Schulden wachsen irgendwann den Staaten über den Kopf, aber nicht den Politikern, die entscheiden, sie anzuhäufen.
Wer ein bisschen Englisch kann hat eine prima Uebersicht in der New York Times die regelmaessig ueberarbeitet wird und man erkennt schnell warum es nicht so leicht bergauf geht.

Link: http://www.nytimes.com/interactive/b...ef=global&_r=0

Zum Beispiel Italien:
April 10: Italy’s unit labor costs are increasing compared to its peers, which translates into a loss of productivity, while its specialized companies are increasingly unable to compete with those in countries like China, and the banking sector remains burdened by non-performing loans, the European Commission said in a report.

Debt/G.D.P.: 126.1%
Unemployment, September 2012: 10.8%
S. & P. Rating: BBB+

Deutschland:
March 25: The German government's independent council of economic advisers has cut its forecast for growth this year to 0.3 percent after the economy shrank in the final quarter of 2012.

Debt/G.D.P.: 82.8.2%
Unemployment, September 2012: 5.4%
S. & P. Rating: AAA

Und daran sieht man sofort dass diese beiden Wirtschaften gegenseitige Medizin brauchen. Was D gut tut, koennte fuer Italien Gift sein.

Praesentation typisch US: Tolstoys Krieg und Frieden in Readers Digest konzentrierter Ausgabe.

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