Forum: Wirtschaft
Streit mit den USA: Schäuble und die Schuldenfreunde
DPA

Bei der Frühjahrstagung von IWF und Weltbank prallen wieder einmal Ideologien aufeinander: Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble mahnt Sparsamkeit an, die Amerikaner wollen fürs Wachstum mehr Geld ausgeben. Zeitweise soll es zu einer wahren Brüllorgie gekommen sein.

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Tolotos 22.04.2013, 13:08
140. Wer mischt sich in welche Wirtschaft ein?

Zitat von dunnhaupt
Deutschlands Obsession mit der US-Wirtschaft ist ebenso sinnlos wie albern. Die Amerikaner kümmern sich um ihre eigene Wirtschaft und Deutschland ist ihnen völlig egal. Die Deutschen hingegen mischen sich ständig in die Probleme fremder Länder ein, und verbrennen sich jedesmal die Finger dabei. Auf Schäubles übliche Brüllorgien reagiert man nur mit Schulterzucken -- was kann man von den Deutschen schon anderes erwarten?
Ist es nicht eher so, dass die Deutschen sich ständig in die Probleme anderer Länder einmischen sollen? Wer verlangt denn, dass die Deutschen für die Schulden der anderen Eurostaaten den Kopf hinhalten, d.h. bürgen sollen?

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elikey01 22.04.2013, 15:20
141. Mit Ihrem Statement

Zitat von maliperica
Der Fehler liegt in der falschen Analyse der finanzpolitischen Zielen der gesamten Politik der USA. FED kauft die Anleihen zurück, gibt das Geld den Banken und nimmt wieder zurück so dass die Altpapiere, Altlasten einfach in den Keller der FED gelagert werden, kostet nichts, aber stärkt die Banken und die.......
rennen Sie bei mir weitgehend offene Türen ein.
Allerdings gehe ich nicht vom Fehler einer falschen Analyse finanzpolit. Ziele der USA-Politik aus, sondern habe viel mehr den Eindruck, dass von bestimmten Kräften interessengesteuerte, also gewollte Ziele verfolgt und durchgesetzt werden.

Eine so finanzmarkt- und wirtschaftshörigen Politikerkaste wie aus Merkel, Schäuble & (FDP)Co. zusammengesetzt kann demzufolge nur analog handeln.

Weder die gegenwärtige Rettungspolitik noch Bonds etc. können die systemischen Probleme lösen; darüber besteht weitgehend Konsens (nicht nur bei SPON-Foristen).
Vielleicht sollte man auch mal darüber nachdenken, die Währung wieder den jeweiligen Ländern und ihrer spezifischen wirtschaftl. und mentalen Situation anzupassen, anstatt sie auf Biegen und Brechen für alle doch so unterschiedliche €uro-Zonen-Staaten gleichermaßen erhalten zu wollen.
Und dann einen behutsameren und vor allem sinnhafteren Neuaufbau der EU zu starten, der eine Einheitswährung erst dann gegeben wird, wenn sie dazu wirklich reif ist.
Hier könnte sich bewahrheiten, dass nur, was lange währt, auch endlich gut werden kann.

Doch dgl. Maßnahmen könnten womöglich nicht im Interesse der Finanzwirtschaft liegen, weshalb ihre polit. Vasallen weiter daran experimentieren, das Pferd (polit. und fiskal. Harmonierung) von hinten aufzuzäumen, nachdem dies vor Einführung des €uro nicht erfolgte - zu Lasten einer Bevölkerungsmehrheit.

Dass die EU- bzw. €uro-Mitgliedsländer dazu noch längst nicht bereit, ihre nationalen Interessen sehr viel ausgeprägter sind, wurde gerade angesichts der Krise besonders deutlich.
Verständlich ist das vor dem Hintergrund eines Brüsseler Allmachts-Moloch jedoch allemal, außer bei DEU. Dem werden analoge nationale Bedürfnisse abgesprochen, es dafür als Sündenbock für das Elend des Südens angeprangert.

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elikey01 22.04.2013, 16:05
142. Allerdings

Zitat von interessierter Laie
Ludwig Erhard ging in "Wohlstand für alle" davon aus, dass die Ausgaben des Staates langsamer wachsen würden als die Staatseinnahmen. Er nahm sogar an, dass aufgrund dessen die Steuern und Abgabenlast auf Dauer sinken könnte. Gestützt wurde diese Erwartung darauf, dass die Bevölkerung immer langsamer wächst als die Produktivität, denn mehr Menschen schaffen mehr und durch den technischen Fortschritt wächst der Beitrag des einzelnen zusätzlich. Beide Grundannahmen waren in der Geschichte der BRD fast durchgehend erfüllt. Wir haben trotz Bevölkerungsstagnation Wachstum. Dennoch sind die Abgaben stets gestiegen und obendrein sind die Staaten heute fast pleite. Es scheint etwas zu geben, das deutlich schneller wächst als Produktivität und Bevölkerung zusammen! Das sind die Erwartungen des Bürgers an den Staat. Das Verhalten der Politiker sind ein Spiegel dieser Erwartungen. Ihnen zu verordnen, sparsamer zu sein heißt die Demokratie abzuschaffen!
dürfte eine bürgerlich Mehrheit DEUs kaum die Erwartung an den Staat haben, dass dieser immense Summen in chaotisch konzipierte und dilettantisch in die Tat umgesetzte Großprojekte (deren Nutzen für eben diese breite Mehrheit in Frage zu stellen ist) und umstrittene Auslandseinsätze (bsph. AFGH) verpulvert.

Das jährl. Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes zeigt stets aufs Neue auf, wie unverantwortlich der Staat das Geld der Steuerzahler ausgibt, wobei er auch noch eine Gesetzgebung installierte, die Großvermögen-/Gewinne eine überaus generöse Steueroptimierung ermöglicht.
Und wenn sich auch immer wieder Mrd. an hinterzogenen Steuern zusammenfinden, bleibt die Dunkelziffer der nicht aufgefundenen Mrd. hoch.

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elikey01 22.04.2013, 16:30
143. Echt?

Zitat von dunnhaupt
Deutschlands Obsession mit der US-Wirtschaft ist ebenso sinnlos wie albern. Die Amerikaner kümmern sich um ihre eigene Wirtschaft und Deutschland ist ihnen völlig egal. Die Deutschen hingegen mischen sich ständig in die Probleme fremder Länder ein, und verbrennen sich jedesmal die Finger dabei. Auf Schäubles übliche Brüllorgien reagiert man nur mit Schulterzucken -- was kann man von den Deutschen schon anderes erwarten?
"Die Deutschen hingegen mischen sich ständig in die Probleme fremder Länder ein"? Eine solche Behauptung entbehrt nicht einer soliden Polemik.
Denn es ist wohl vielmehr so, dass DEU bzw. seine Regierung (nicht die Deutschen) in Auseinandersetzungen zur Problemlösung malader Olivenländer hineingezwungen wurde.

Man stelle sich vor, die Kanzlerin hätte (mit einer Mehrheit von CDU und FDP) ihr eingangs der GR-Krise verkündetes Statement, an der Nichtbeistandsklausel des Maastricht-Vertrages festhalten zu wollen (im Lissabon-Vertrag um die "Möglichkeit" eines ESM-Konstrukt ergänzt, wohl bereits in dem Wissen um die Probleme, die bereits voll im Gange sind), durchgehalten, also Vertragstreue demonstriert und umgesetzt.

Die Reaktion insb. der Südländer (die in Brüssel dominieren) und Frankreich kann man sich lebhaft vorstellen. Eine solche deutsche Entscheidung hätte ungleich heftigere Ressentiments gg. DEU ausgelöst als sie aus den Südländern ohnehin erfolgt, abgesehen von den Attacken der Opposition und gewisser Medien.
Ein Nazi-traumatisiertes DEU konnte sich eine diesbzgl. Vertragstreue nicht leisten und sich auch nicht aus den EU-Gipfeln ausklinken.
Was das mit Einmischung zu tun haben soll oder dass "wettern" mit "üblichen Brüllorgien" seitens Schäuble gleichzusetzen wären, erschließt sich wem?

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interessierter Laie 22.04.2013, 17:13
144. Erhard und der Staat

Zitat von elikey01
dürfte eine bürgerlich Mehrheit DEUs kaum die Erwartung an den Staat haben, dass dieser immense Summen in chaotisch konzipierte und dilettantisch in die Tat umgesetzte Großprojekte (deren Nutzen für eben diese breite Mehrheit in Frage zu stellen ist) und umstrittene Auslandseinsätze (bsph. AFGH) verpulvert. Das jährl. Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes zeigt stets aufs Neue auf, wie unverantwortlich der Staat das Geld der Steuerzahler ausgibt, wobei er auch noch eine Gesetzgebung installierte, die Großvermögen-/Gewinne eine überaus generöse Steueroptimierung ermöglicht. Und wenn sich auch immer wieder Mrd. an hinterzogenen Steuern zusammenfinden, bleibt die Dunkelziffer der nicht aufgefundenen Mrd. hoch.
Schauen Sie sich mal die Budgets von Verteildigung und Verkehr an. Das sind Peanuts. Und vergleichen Sie sie mit dem Sozialhaushalt und der geht nur zu sehr geringen Teilen an Reiche. Was die Steuerhinterziehung angeht, so gibt es auch eine andere Seite - nämlich was an Steuern zuviel bezahlt wird - das gleicht es fast wieder aus. Übrigens eine Folge unseres völlig unübersichtlichen Steuerdickichts, weil jeder auf seiner Extrawurst sitzt. Das trifft allerdings die besonders hart, die sich keinen professionellen Steuerberater leisten können. Aber gerade die haben dem "Professor aus Heidelberg" nicht die Stimme gegeben, sondern stattdessen dem "Opportunisten von Gasprom"!
Zitat von Tolotos
Könnte es vielleicht sein, dass weniger die Ansprüche der Wähler am desolaten Zustand der Staatsfinanzen schuld sind, als die unzähligen Steuervermeidungsinstrumente, die Globalisierung und EU-Erweiterung reichen Privatpersonen und staatenübergreifend aktiven Unternehmen zur Verfügung gestellt haben?
Einfache Antwort: Dann hätte der Staat nur ein Einnahmen-, aber kein Ausgabenproblem. Tatsächlich steigt der Etat jedes Jahr und es reicht trotzdem nicht.
Zitat von Tolotos
Sie wirklich die Ansprüche einer Wählermehrheit schuld an den desolaten Staatsfinanzen, oder sind sie nur die bequemen Sündenböcke für immer marktkonformere Politiker, die immer mehr bevorzugt die Interessen derer bedienen, die sich für diese Interessenvertretung erkenntlich zeigen.
Die Wähler sind immer schuld, denn sie haben die "marktkonformen" Poliiker gewählt. Außerdem hat der Staat bei so hohen Verbindlichkeiten keine Wahl mehr. Er muss sich marktkonform verhalten, weil die Akteure dieses Marktes die Party bezahlen zu der wir noch immernoch alle eingeladen sind.

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