Forum: Wirtschaft
Streit um Konjunkturhilfen: Steuern runter - und alles wird gut?
DPA

Weil Deutschlands Konjunkturmotor stottert, fordert Minister Altmaier Steuersenkungen. Doch machen weniger Abgaben die Wirtschaft wirklich flott? Die Antworten der Forschung sind ernüchternd.

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hpkeul 02.02.2019, 13:33
130. wenn es nicht so traurig wäre...

könnte man darüber lachen, dass der Autor und die meisten Foristen so heldenhaft für hohe Steuern kämpfen. Die angesichts der Tatsache dass die Steuereinnahmen überquellen. Der abstruse Neid-Wunsch die "Reichen" zu bestrafen beruht aber doch wohl auf der unsinnigen Vermutung, der "Staat" diese Einnahmen sinnvoll einsetzten wird. Und sie käme. den "Armen" zugute. Das Gegenteil ist die Realität. Die proportional höchsten Steuern zahlen Kleinverdiener und Minirentner. Dieses Staatshandeln ist auch logisch. Bei den Armen ist viel mehr zu holen als bei den Reichen. Erstens wegen ihrer großen Zahl, zweitens weil sie keine Gestaltungsmöglichkeiten haben, Umsatzsteuer zum Beispiel. Grundsteuer, weil die der Vermieter weiterberechnet. Die Fernsehsteuer, die ohne jeden Bezug zum Einkommen eingetrieben wird. Für einen Selbstbedienungsladen. Die verlängerte Lebensarbeitszeit ist Diebstahl an den Beitragszahlern. Weil besonders arbeitende Frauen sehr viele Renten in ihrem Restleben nicht mehr erhalten. die Liste ließe sich unendlich verlängern.

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halfbrain 02.02.2019, 13:38
131. Zu glauben, Steuersenkungen führten zu Investitionen in Unternehmen,..

... war schon immer Blödsinn und ist es auch heute noch!
Ein Untenehmen lässt sich bei Investitionen doch nicht von der aktuellen Kassenlage leiten - es müssen rentable Projekte anstehen, die zukünftige Erlösseite entscheidet also darüber, ob Investitionen vorgenommen werden. Die Finanzierungsseite ist in solchen Fällen eher sekundär, eine rentierliche Investition ist i.d.R. mühelos über Fremdmittel zu finanzieren!
In Jahrzehnten immer wiederkehrende Behauptungen werden dadurch noch lange nicht richtig!

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K:F 02.02.2019, 13:39
132. Bankster und Fianzjongleure

Müssen an die Kandarre genommen were. Die sind die größte Gefahr für die Weltwirtschaft. Also keine Wetten und Spekulationen. Der Angebotsträumer Altmeier erzählt die Story vom investierenenden Unternehmer, der beschützt werden muss. Dazu hält der Altmeier auch noch die Brochure "Soziale Marktwirtschaft" hoch. Frecher geht es nimmer. Strukturierte Steuersenkungen in beiden Richtungen machen schon Sinn. Unternehmer, die wirklich investieren, erhalten Sonderabschreibungen. Auf keinen Fall dürfen den Unternehmern Steuern pauschal entlastet werden in der Hoffnung, die würden schon investieren. Wo hin die Kohle geht, kann man weltweit beobachten. In die Schattenmärkte der Finanzindustrie. Um Wetten auf wachsende Misthaufen und auch dagegen abzuschliessen. Den Bürgern müssen durch lineare Steuertarife und Abgaben entlastet werden. So wären bestimmte Güter von der MwSt befreibar. Luxusgüter, kann mann durchaus mit höheren MwSt belasten. Das würden den Gelddsäcken nicht wirklich weh tun.

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dirkcoe 02.02.2019, 14:42
134. Wir sollten die Äußerungen

von Herr Altmaier nicht überbewerten. Wir alle kennen ihn als weitgehend ahnungsfrei, wenn es um Wirtschaft geht. Vielmehr steht er doch für wortreiche Inkompetenz in den wesentlichen Bereichen. Kleines Beispiel? Beim heutigen Tempo dauert der Netzausbau für die Energiewende noch etwa 200 Jahre - aber Altmaier sieht uns auf gutem Weg. Damit ist doch alles gesagt.

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brasshead 02.02.2019, 14:59
135.

Sehr guter Beitrag, ein seltener Lichtblick ganzheitlichen Denkens und wichtiger Beitrag zur ökonomischen Aufklärung. 100%ige Zustimmung und willkommen im Forum! Man wird Ihren Aussagen hier regelmäßig mit Unverständnis, Spott und Beleidigungen begegnen, ob Sie diese nun logisch, theoretisch oder empirisch belegen. Umso mehr werden Sie hier gebraucht. Vielen Dank!

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brasshead 02.02.2019, 15:00
136.

Zitat von makrodenker1000
Dieses "Strohfeuerarument" kommt immer wieder auf, ist aber falsch. Für zusätzliches Wachstum muss sich immer jemand verschulden. In einer normalen Marktwirtschaft im Aufschwung übernehmen das die Unternehmen. (Jedoch ist es in Deutschland aber auch in den meisten anderen Industrieländern seit einigen Jahren so, dass Unternehmen netto Sparer sind. Ein anderer Sektor muss sich deshalb verschulden, meistens der Staat (siehe Resteuropa, USA, Japan, etc. ), nur in Deutschland übernimmt das das Ausland). In einem Abschwung sind die Aussichten für Unternehmen schwächer. Die Haushalte sparen mehr und die Nachfrage geht zurück. In dieser Situation muss jetzt jemand dringend in die Presche springen, und sich verschulden. Und das sind genau nicht die Unternehmen, weil diese dank sinkender Erwartungen dies eben nicht tun (egal ob man steuern senkt). Sie investieren weniger (die Rezession verstärkt sich). Wer macht das also? Es gibt nur einen, und das ist der Staat. Und dies muss er mit zusätzlicher Verschuldung machen, ansonsten bricht die Wirtschaft ein. Zusätzliche Ausgaben des Staates sind Nachfrage für Unternehmen, die dann auch wieder Investieren...die Wirtschaft richtet sich wieder nach oben. Wenn in einer Rezession der Staat seine Ausgaben auch noch zurückfährt (Sparkurs/Austerität), bricht die Wirtschaft noch stärker ein (siehe Griechenland, Südeuropa), da den Unternehmen noch mehr Nachfrage wegfällt (diese schrauben dann Investitionen zurück, entlassen Angestellte). D. h. der Staat muss in dieser Situation in die Vollen gehen und Schuldenfinaziert Investieren. Und jetzt noch zur Theorie des "Strohfeuers": Niemand, weder Unternehmen noch Privathaushalte macht sich Gedanken darum, ob in der Zukunft vielleicht irgendwann mehr Steuern gezahlt werden müssen wegen Schuldenaufnahme und schrauben dadurch ihren Konsum/Investitionen zurück. Im übrigen werden Staatsschulden nie zurückgezahlt. Es wird immer nur Umgeschuldet, denn ein Staat kann in eigener Währung niemals Pleite gehen, weil der diese selbst emmitiert. Ein völliges zurückzahlen der Schulden der Welt würde gleichzeitig jegliches Geldvermögen der Welt vernichten, denn 1 Euro Schulden entspricht 1 Euro Geld. Dies ist nicht möglich. Selbst wenn man nur die Staatsverschuldung auf 0 zurückfahren möchte, muss dafür ein anderer Sektor (Unternehmen oder Haushalte, das Ausland geht auf dauer nicht und für die ganze Welt sowieso nicht) diese Schulden übernehmen, wenn man nicht die Wirtschaft völlig ruinieren möchte. Zinsen auf Staatsanleihen sind im übrigen kein Problem, denn diese können von der Zentralbank niedrig gehalten werden bzw. die Zentralbank kann Staatsanleihen auch aufkaufen. Die Zinsen fließen dann direkt zurück zum Staat.
Sehr guter Beitrag, ein seltener Lichtblick ganzheitlichen Denkens und wichtiger Beitrag zur ökonomischen Aufklärung. 100%ige Zustimmung und willkommen im Forum! Man wird Ihren Aussagen hier regelmäßig mit Unverständnis, Spott und Beleidigungen begegnen, ob Sie diese nun logisch, theoretisch oder empirisch belegen. Umso mehr werden Sie hier gebraucht. Vielen Dank!

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arnoschaefer 02.02.2019, 15:09
137. Unternehmenssteuern

Kann mir jemand nochmal erklären, warum ÜBERHAUPT Steuersenkungen für Unternehmen das Wachstum erhöhen sollen? M.E. müsste häufig genau das Gegenteil der Fall sein.

Im Gegensatz zu Privathaushalten (bei denen Steuersenkungen eindeutig die Kaufkraft erhöhen) sind Betriebsausgaben für Unternehmen steuerfrei. Steuern fallen nur auf den Betriebsgewinn an, d.h. das Geld, das nicht wieder ausgegeben wird. Bei Investitionen streckt sich der Steuervorteil über die Abschreibungsdauer, d.h. zunächst mal muss ich versteuertes Kapital ausgeben, und erhalte die Steuern erst im Laufe der Zeit zurück. Aber am Ende der Abschreibung habe ich immer noch 0,- EUR Steuern auf die Investition bezahlt, wenn sich die Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer in der Zeit nicht ändert.

Der positive Effekt von Steuersenkungen dürfte damit am Ehesten im Cashflow liegen. Ich kann mehr eigenes Geld ausgeben und muss weniger Kredite aufnehmen.

ABER: wenn ich in der Vergangenheit satte Gewinne gemacht habe und das Geld für Investitionen da ist, sind Steuersenkungen m.E. eher ein Nachteil.

Nehmen wir an, ich habe Geld für Investitionen auf dem Konto, in der Vergangenheit zu 15% versteuert. Jetzt wird die Körperschaftsteuer auf 10% gesenkt. Wenn ich jetzt eine Investition tätige, senke ich den Betriebsgewinn ganz normal um die jährliche Abschreibung. Auf den restlichen Gewinn zahle ich 10% Steuern. Somit habe ich die gezahlten Steuern nur um die 10% auf die Abschreibung gesenkt, nicht die 15%, die ich urprünglich an Steuern bezahlt hatte. Somit stehe ich am Ende schlechter da, als wenn die Steuer nicht gesenkt worden wäre.

Allgemein wird die Körperschaftsteuer (und Gewerbesteuer) eigentlich endgültig nur auf den Gewinn fällig, der nicht wieder ausgegeben/investiert wird, sondern an den/die Eigentümer/Aktionäre ausgeschüttet wird. Die sind dann die, die von einer Senkung der Körperschaftsteuer profitieren, nicht unbedingt die Unternehmen selbst.

Habe ich da jetzt irgendwo einen Denkfehler?

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shardan 02.02.2019, 16:18
138. Klingt für mich alles etwas gestrig.

Heute kommen noch einige ganz andere Faktoren dazu, grade hier in Deutschland. Theoretisch gilt hier für große Unternehmen ein Körperschaftssteuersatz von > 40%, wenn ich das noch richtig im Kopf habe. Das ist auch die Aussage der Öffentlichkeitsarbeiter dieser Firmen, die oft genug gar nicht wissen, was ihr Unternehmen wirklich an Steuern zahlt - diese Sprecher werden da schon entsprechend gebrieft. Tatsächlich bezahlen die meisten großen Unternehmen im Bereich 10..15%. Steuersenkungen erbringen damit oft gar nicht den stolz errechneten Betrag für das Unternehmen. Daneben haben große Firmen heute ganz andere Möglichkeiten zur Steuervermeidung. Wenn eine Firma hier weniger Steuern zahlt, bringt das nicht mehr Gewinn, sondern mehr Geld für Aktionäre und Offshore-Konten. Wirklich große Konzerne wie Amazon nutzen hier die Infrastruktur, zahlen aber so gut wie keine angemessenen Steuern. Dafür schädigen solche Handelsplattformen hier den Handel nachhaltig, indem sie unter Umgehung aller Steuer- als auch Sicherheitsvorschriften den Verkauf von billigem Fernost-Bimbes direkt an den Endkunden ermöglichen. Steuersenkungen bringen also nicht viel - ein Graderücken der aktiven wie passiven Steuerumgehung solcher Weltkonzerne wäre für die Konjunktur hierzulande eine weit bessere Alternative. Aber da traut sich ein Herr Altmaier sicher nicht dran, da ist unsere Politik schlicht feige.

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derhey 02.02.2019, 16:47
139. Facebook, Google & Co

zahlen doch so gut wie keine und nirgendwo Steuern. Wem kommt das denn zugute? Den Mitarbeitern, dem Verbraucher, weil er für die Dienste so gut wie nichts bezahlt (außer seinen Daten)? Von wem sollen eigentlich die Steuereinnahmen kommen für den Sozialstaat, wenn man denn ihn überhaupt haben möchte? Für die Oberschicht incl. Gesellschaften die Steuern rauf uns zwar happig, dann darüber nachdenken, ob Mittelständler entlastet werden können, auch der sog. kleine Mann. Steuersenkungen, nur damit die Dividente wieder höher ausfallen kann und dann die Zuwäches bei den Kapitaleignern steigen? Kein Neid? Bewahre, sonst aber heißt es doch auch immer "Ausgewogen".

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