Forum: Wirtschaft
Studie: Die Wirtschaft wächst, doch der Wohlstand nicht
DPA

Der Wohlstand in Deutschland stagniert laut einer Studie auf dem Niveau der Neunzigerjahre. Schuld sei die Einkommensungleichheit. Allerdings ist die Methodik der Forscher umstritten.

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liberaleroekonom 20.07.2018, 16:00
40. Das sehe ich doch ziemlich anders

Zitat von n.wemhoener
Man fragt sich, warum der Staat über die Steuerpolitik nicht umverteilend eingreift, wenn das Wachstum überhaupt nicht mehr bei der breiten Masse ankommt. Der Staat macht das Gegenteil. Er befördert die Ungleichverteilung, indem er die Steuerbeiträge der Reichen und Superreichen gar nicht einfordert. Siehe Null Vermögenssteuer, siehe die lächerliche Erbschaftssteuer von durchschnittlich 2 %, siehe die erheblichen Steuerrabatte auf Einkommen aus Kapitalerträgen.
Der Staat greift doch bereits hinreichend umverteilend ein, sodass
"starke Schultern mehr tragen als schwache". Inzwischen zahlen die zehn Prozent der Haushalte mit dem höchsten Einkommen fast 50 Prozent des gesamten Aufkommens der Einkommensteuer (direkte Steuer) und zudem etwa 18 Prozent der Mehrwertsteuer (indirekte Steuer).

Außerdem kommt das Wachstum doch bei der breiten Masse an. So sind zwischen 1991 und 2015 die realen verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte im Schnitt um 15 Prozent gestiegen. Nur die Zuwächse der untersten Einkommensgruppe (Bezieher von Transferleistungen des Staates) und der oberen Einkommensgruppen (Bezieher von Einkommen aus Kapital und Vermögen) war offensichtlich etwas geringer, sodass demzufolge die breite Masse in der Mitte sogar höhere Zuwächse des Realeinkommens als 15 Prozent hatte.

Dass der Staat auf Steuerbeiträge der Reichen und Superreichen verzichtet ist mir neu. Und dass die Vermögenssteuer inzwischen Null Euro beträgt liegt daran, dass sie auch aus verfassungsrechtlichen Gründen - völlig zurecht - abgeschafft wurde. Eine Substanzsteuer - wie es die Vermögenssteuer wäre - finden man derzeit ausschließlich noch bei der Grundsteuer, die aber inzwischen auch aus verfassungsrechtlichen Gründen überarbeitet werden muss.

Ihre Durchnittsangabe bei der Erbschaftsteuer in Höhe von 2 Prozent hat den ähnlichen Aussagewert wie die Durchschnittswert von einem Eimer heißem Wasser und einem Eimer extrem kalten Wasser - im Durchschnitt angenehm warm. Im Übrigen kann man die Erfahrung machen, dass ausgerechnet diejenigen am lautesten nach einer Erhöhung der Erbschaftssteuer rufen, die selbst nie in ihrem Leben gespart haben und daher über keinerlei Vermögen verfügen, dass sie z.B. ihren Kindern vererben könnten.

Und die angeblich erheblichen Steuerrabatte auf Einkommen aus Kapitalerträgen (25 % Abgeltungssteuer) sind letztlich eine Erfindung des sozialdemokratischen Finanzministers Peer Steinbrück, der sich seinerzeit für die pauschale Besteuerung aussprach. Sein griffiges Argument lautete: "25 Prozent von x ist besser als 45 Prozent von nix". Wäre da nicht die Komplexität bei der Besteuerung der Dividenden (Stichwort: Halbeinkünfteverfahren), gäbe ich Ihnen sogar recht, dass inzwischen eine Umstellung auf eine Individualbesteuerung bei Zins- und Dividendeneinnahme durchaus angebracht wäre.

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yvowald@freenet.de 20.07.2018, 16:29
41. Wirtschaftssystem ist ungerecht

Das ist politisch so gewollt.
Warum werden wir ArbeitnehmerInnen nicht systematisch am sogenannten Wirtschaftswachstum beteiligt?
Warum fließen die Gewinne der Unternehmen an die Eigentümer (Aktionäre), anstatt gerecht mit den Belegschaften geteilt zu werden? Denn wir ArbeitnehmerInnen produzieren doch die Gewinne, nicht die Kapitaleigentümer.
Das ganze Wirtschaftssystem ist ungerecht.Viele bemerken dies jetzt erst, andere haben für diese Ungerechtigkeit keinerlei Gespür.

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jollen 20.07.2018, 19:02
42.

Zitat von yvowald@freenet.de
Das ist politisch so gewollt. Warum werden wir ArbeitnehmerInnen nicht systematisch am sogenannten Wirtschaftswachstum beteiligt? Warum fließen die Gewinne der Unternehmen an die Eigentümer (Aktionäre), anstatt gerecht mit den Belegschaften geteilt zu werden? Denn wir ArbeitnehmerInnen produzieren doch die Gewinne, nicht die Kapitaleigentümer. Das ganze Wirtschaftssystem ist ungerecht.Viele bemerken dies jetzt erst, andere haben für diese Ungerechtigkeit keinerlei Gespür.
Welche Unternehmen verteilen die Umsätze nicht an die Arbeitnehmer?

VW?
Bayer?
Siemens?

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felix.leidmann 20.07.2018, 20:50
43. Wenn der Wohlstand auf dem sehr hohen Level stagniert

ist das doch ein gutes Zeichen nach meiner Meinung. In Deutschland geht es jedem, der will, gut. Es ist nur eine Frage der persönlichen Prioritäten. Alle, wirklich Alle, können noch einen Teil Wohlstand abgeben und leben immer noch gut. Wenn man ständig seine Wünsche zu hoch ansetzt, wird man nie zufrieden sein. Was braucht man? Wohnung (warm) und Essen, Trinken und Kleidung. Und das hat wirklich jeder in Deutschland im Überfluß. Berechtigte gehen zu den Tafeln und haben das Essen praktisch für umsonst, zusätzlich zur kostenlosen Wohnung. Kleiderkammern gibt es auch überall. Und dazu gibt es noch 400 Euro Taschengeld. Was will man wirklich mehr fürs Nichtstun?

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hutzel13 21.07.2018, 05:09
44. Staatsquote

Die Staatsquote steigt von Jahr zu Jahr aktuell 54,6 Prozent soviel wie noch nie . Und das sind nur die Steuern ohne Sozialabgaben .
Aber nur für den sogenannten Mittelstand . Ganz unten fehlt der Beitrag , was aber OK ist da kein Geld vorhanden ist. Ganz oben fehlt es aber auch und das ist unser Problem.

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frankfurtbeat 21.07.2018, 08:53
45. es ...

es ist längst an der Zeit ein faires Steuersystem aufzulegen. Die Politik geht zu Lasten der Zwangsversteuerten auf Lohnsteuerkarte. Letztendlich würde es Prognosen nach die Steuereinnahmen erhöhen da jeder, jedes Unternehmen entsprechend Steuern bezahlt. Problematisch sind die Lobbyisten der Steuerberaterbande sowie der mit dem Steuersystem indirekt subventionierten Unternehmen wie bspw. die Kfz-Branche.

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n.wemhoener 21.07.2018, 11:23
46. Reichenparadies Deutschland

#Liberaleroekonom

Die Vermögenssteuer wurde nicht "abgeschafft" durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, sondern die damalige Regierung unter Helmut Kohl hätte die Aufgabe gehabt, eine wirklichkeitsgerechte Wertermittlung der Grundstücke neu zu regeln. Die Schwarz/Gelbe Koalition wollte ihre Haupklientel schonen und tat einfach nichts.
Es war das Abschiedsgeschenk von Helmut Kohl an seine Freunde aus dem Geldadel.

Auch sie können mit ihrem Beitrag nicht davon ablenken, dass Deutschland steuerlich ein Reichenparadies ist. In keinem großen Industriestaat werden Vermögen so gering besteuert wie hierzulande.
Bei den vermögensbezogenen Steuern gemessen am BIP ist die Quote in Deutschland gerade einmal 0,6 % (Durchschnitt der OECD Staaten 1,3%) Großbritannien 3,6 %, Kanada 3,3 %, USA 3,2 %.

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jollen 21.07.2018, 12:12
47.

Zitat von n.wemhoener
#Liberaleroekonom Die Vermögenssteuer wurde nicht "abgeschafft" durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, sondern die damalige Regierung unter Helmut Kohl hätte die Aufgabe gehabt, eine wirklichkeitsgerechte Wertermittlung der Grundstücke neu zu regeln. Die Schwarz/Gelbe Koalition wollte ihre Haupklientel schonen und tat einfach nichts. Es war das Abschiedsgeschenk von Helmut Kohl an seine Freunde aus dem Geldadel. Auch sie können mit ihrem Beitrag nicht davon ablenken, dass Deutschland steuerlich ein Reichenparadies ist. In keinem großen Industriestaat werden Vermögen so gering besteuert wie hierzulande. Bei den vermögensbezogenen Steuern gemessen am BIP ist die Quote in Deutschland gerade einmal 0,6 % (Durchschnitt der OECD Staaten 1,3%) Großbritannien 3,6 %, Kanada 3,3 %, USA 3,2 %.
Sparquote
Die deutschen nutzen die Sparbücher.
USA, Kanada und Großbritannien machen das nicht

Wohneigentum
Die deutschen haben kaum Wohneigentum.
USA, Kanada und Großbritannien machen das nicht

Steuern und Abgaben
Aber die Steuern und Abgaben auf die Einkommen sind hoch.
USA, Kanada und Großbritannien machen das nicht

Wenn es leichter wird, ein Vermögen aufzubauen....
Durch geringere Steuern und Abgaben zum Beispiel.....
Entstehen mittlere Vermögen die man dann besteuern kann.
Aber der Staat macht es ja besser..........hohe Steuern und Abgaben auf die Einkommen....

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Gebr.Engels 21.07.2018, 13:52
48.

Zitat von willibaldus
WEnn ich das richtig verstanden habe, dann verdienen Unternehmen deutlich mehr, geben es aber nicht an die Beschäftigten weiter oder im Lande aus, sondern bauen dafür Werke im Ausland. Durchaus kritikwürdig, wenn nicht gleichzeitig ausländische Firmen im gleichen Masse in Deutschland investieren.
Deshalb ist es ja auch durchaus korrekt, wenn z.B. die USA jetzt die Zölle (u.a. auf Autos) erhöhen, Europa muss daraufhin nachziehen, und die Produkte die von Deutschen Unternehmen z.B. in den USA hergestellt, und nach Europa exportiert werden, werden dann teurer.
Deutschland hat sich mit den anderen EU-Partnern übrigens auf eine angestrebte Inflation von 1,9% geeinigt. -Dann müssen aber folgerichtig die Löhne in Deutschland p.a. um diesen Prozentsatz steigen, -mit Draghis Geldpumpe funktioniert das nicht, denn Geld hat nichts mit Preisen zu tun- Deutschland hat aber in den letzten Jahrzehnten (mit hilfe von politischen Druck) massiv die Löhne gesenkt, und damit die anderen (EU-)Länder ausmanövriert. Das Ergebnis: z.B. in Griechenland hat man nach wie vor eine riesige Arbeitslosigkeit, trotz ständiger Geldspritzen.

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donatellab 21.07.2018, 14:21
49. Arbeitnehmer

Zitat von yvowald@freenet.de
Das ist politisch so gewollt. Warum werden wir ArbeitnehmerInnen nicht systematisch am sogenannten Wirtschaftswachstum beteiligt? Warum fließen die Gewinne der Unternehmen an die Eigentümer (Aktionäre), anstatt gerecht mit den Belegschaften geteilt zu werden? Denn wir ArbeitnehmerInnen produzieren doch die Gewinne, nicht die Kapitaleigentümer. Das ganze Wirtschaftssystem ist ungerecht.Viele bemerken dies jetzt erst, andere haben für diese Ungerechtigkeit keinerlei Gespür.
Das System ist ungerecht und wird es auch immer bleiben, weil es keine Solidarität unter den Arbeitnehmern gibt. Der Arbeitgeber verfährt nach dem bekannten Muster: teile und herrsche.

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