Forum: Wirtschaft
Studie mit Arbeitslosen in Finnland: Grundeinkommen macht gesünder, aber bringt keine
DPA

Zwei Jahre lang hat Finnland das bedingungslose Grundeinkommen mit Arbeitslosen getestet. Die Bilanz ist gemischt.

Seite 2 von 15
DerDifferenzierteBlick 08.02.2019, 22:09
10. Falsch: Es muss nur finanzierbar sein, und das ist es bei weitem nicht

Zitat von spon-1279537853053
Dieser satz trifft den nagel auf den kopf! Die frage ist doch eher: soll das grundeinkommen einen job bringen?! Ist die grundlegende idee dahinter nocht eine andere? Immer muss sich alles rechnen, aber das ist gerade der falsche ansatz und dann ist die schlussfolgerung, das ergebnis auch falsch.
Die Frage ist doch nicht, ob es sich rechnet, sondern ob es finanzierbar ist. Wenn es finanzierbar wäre, dann würde es das schon längst überall geben. Und ich kann Ihnen versichern: Kein mir bekanntes Modell (und ich habe mir einige Dutzend angesehen), das unseren jetzigen Standard mindestens hält, ist auch nur ansatzweise finanzierbar. Die Finanzierungslücke bei einem echten BGE ist dabei bei vielen Hundert Milliarden - deutlich größer als unser Bundeshaushalt... (alle Einsparungen und dann wegfallenden Leistungen sind dabei schon sehr großzügig zur Finanzierung gegengerechnet!) Wenn Sie also auf ein finanzierbares Modell stoßen, dann sollten Sie immer eine Frage stellen: Sind insbesondere die Alten und Schwachen (Rentner, Kranke, Pflegefälle etc.) genauso gut abgesichert wie in unserem bisherigen System.

Beitrag melden
Paul Lenz 08.02.2019, 22:11
11. Motivation zur Arbeitssuche?

Dazu ist das GE weder gedacht noch geeignet, und das ist gut so! Finnland hat eine Arbeitslosenquote vomn 8%. Jeder wirklich Arbeitswillige ist froh, wenn so wenig Arbeitsunwillige wie möglich "motiviert" werden, sich auf die selbe Stelle zu bewerben wie er, denn desto höher ist die Chance, dass er den ersehnten Job bekommt.

Was den Niedriglohnsektor betrifft: mit Speck fängt man Mäuse! Jeder Unternehmer weiß, dass die Preise sich aus Angebot und Nachfrage ergeben. Seltsamerweise soll das für die Löhne im Billigsektor nicht gelten: die sollen niedrig bleiben, auch wenn das Angebot (Arbeitsuchende) knapp und die Nachfrage (freie Stellen) hoch ist. Auch hier kann das GE zum Umdenken führen. Wenn man versteht, dass Freizeit nicht nur heißt, vor dem Fernseher die Zeit totzuschlagen, sondern dass Freizeit einen hohen Wert hat: die Freiheit, zu tun und zu lassen, was man gerade möchte - dann ist es logisch, dass entsprechende Löhne gezahlt werden müssen, um den Menschen den Verzicht auf diese Freiheit abzukaufen.

Beitrag melden
großwolke 08.02.2019, 22:12
12. Da fehlen haufenweise Eckdaten

Um diesen Versuch richtig einordnen zu können, bräuchte ich als Leser noch einiges mehr an Daten. Was bedeuten diese 560 € in Finnland? Ist das dort die Höhe des Sozialhilfesatzes, und falls ja, ist es vergleichbar mit dem deutschen HartzIV-Satz (also für kurze Zeit erträglich, als Lebensgrundlage etwas zu niedrig)? Und wie sieht, in groben Zügen, der Normalzustand der Sozialbürokratie dort aus? Gibt es ein ähnliches Wirrwarr an Beihilfen und zuständigen Ämtern wie hier, oder ist das effizienter organisiert? Dazu kommt noch: den Einfluss eines Grundeinkommens auf die Arbeitsaufnahme mag man messen können, aber für eine Bestandsaufnahme ist der Versuch selbstredend ungeeignet, da man nur mit einem flächendeckenden Roll-Out herausfinden würde, wie sich z.B. bestimmte Marktpreise entwickeln würden, oder welchen Einfluss das Grundeinkommen auf den Niedriglohnsektor hätte. Würden die Löhne dort sinken, weil mehr Leute bereit wären, auch für etwas weniger Geld zu arbeiten, oder würden sie steigen, weil auf einen Schlag gar keiner mehr kommt? Schon aufgrund der zeitlichen Begrenzung des Versuchs ist die Motivationslage hier eine ganz andere als bei einer permanenten Einführung. Also, sicher eine interessante Episode, aber allzuviel lernen kann man daraus nicht.

Beitrag melden
DerDifferenzierteBlick 08.02.2019, 22:19
13. Ja, zum Teil. Aber nur zu einem sehr kleinen Teil...

Zitat von huelsebus
Der vielgerümte Harz4 Stress ist keine messbare Motivation zur Arbeitsaufnahme. Bleibt die Frage: lässt sich das Grundeinkommen aus den Mitteln bezahlen, die Sozialverwaltung (Verschlankung) und Krankenkassen (gesündere Bevölkerung) einsparen? Vermutlich nicht vollständig, aber zu einem Teil?
Selbst bei großzügiger Annahme beträgt die Finanzierungslücke dann immer noch ein paar Hundert Milliarden (die Zahlen kann jeder nachprüfen)...

Beitrag melden
wilfriedbenn@t-online.de 08.02.2019, 22:34
14. Gesundheit hat einen hohen Stellenwert

Warum soll es normalen Arbeitnehmern nicht auch finanziell und gesundheitlich etwas besser gehen wie unseren Beamten die sich um Ihr Einkommen und Pension niemals Sorgen machen brauchen!

Beitrag melden
hamburger-humanist 08.02.2019, 22:35
15.

Wenn ich diesen Schwachsinn von der nicht-finanzierbarkeit immer lese.
Zumindest für Deutschland lässt sich sagen: Ein BGE kostet im Jahr ca. 1 Billion Euro. In einem Jahr wird ein Wohlstand in Höhe von 3 Billionen erwirtschaftet. Wir können uns das BGE also nicht nur einmal, sondern drei mal leisten.

Oder anders ausgedrückt: Mit einer durchschnittlichen Besteuerung aller Einkommen von 30% ist das BGE problemlos zu finanzieren.

Beitrag melden
keinewerbunginfilmen 08.02.2019, 22:41
16. Ja, das habe ich mich auch gefragt.

Zitat von wincel
Hat es nun insgesamt mehr oder weniger oder das Selbe gekostet? Weil ja auch Bürokratiekosten wegfallen für Leute, die Anträge bearbeiten.
Und dass nicht mehr Menschen einen Job angenommen bzw. bekommen haben heißt gleichzeitig, dass es eben auch nicht weniger waren.
Fazit: Vielleicht gibt es einfach nicht mehr Jobs - auch nicht, wenn man die Menschen drangsaliert.

Beitrag melden
Seraphan 08.02.2019, 22:45
17.

Zu wenig Information, und meiner Meinung nach eine viel zu kurze Studie. Auch glaube ich, dass die Ist-Situation vor der Vergabe von BGE ganz entscheidend ist. Auch den am meisten Benachteiligten in Europa geht es noch gut im Vergleich mit dem Rest der Welt. Ich bin in Gegenden gewesen, wo sich Menschen von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends den Arsch aufreißen, danach noch bis 10 studieren, weil sie etwas erreichen und dem Elend entkommen wollen. In einem Bericht vor Jahren berichtete man über ein ähnliches Experiment in Afrika. Dort wurde das Geld genutzt, um ein Geschäft aufzubauen. Auf diese Idee kommt hier offensichtlich niemand, denn es ist mit Risiko behaftet, und offensichtlich reichte das Geld in Finnland dann auch zum Überleben. Eine Situation, die Arbeitslose kennen, mit der sie umgehen können. Es bedarf einiges, um Menschen aus ihrer Komfortzone zu bekommen. Mit einem GE, das vermutlich fairerweise als für begrenzte Zeit angekündigt verteilt wurde, darf man dann auch keine große Erwartung haben.

Beitrag melden
pharisaer 08.02.2019, 22:46
18. Dazu

ist ein Grundeinkommen auch nicht gedacht, wenn man sich die Ursprungsidee ansieht. In Deutschland, würde ich Arbeitsämter und Jobcenter zusammenlegen. Diese würden zu Beratungszentren. Mit einem BGE würde man nicht zum modernen Arbeitssklaven. Man hätte ein gewisses, garantiertes Einkommen, ähnlich wie beim Beamtenstatus. Jobcenter helfen dem Arbeitssuchenden auch nicht immer weiter.

Beitrag melden
P-Schrauber 08.02.2019, 22:48
19.

Die Frage des Grundeinkommens wurde in Finnland mehr oder weniger nach politischer Farbe voerher diskutiert, die Linken waren viel eher dafür die bürgerlichen und rechten sind viel mehr dagegen. Eine Festlegung wird es derzeit nicht geben, das Thema ist derzeit nicht im Focus.

In Finnland sind Mitte April dieses Jahres Wahlen und weil wie im Bericht zu lesen es keine großen Unterschiede zum bisherigen System zu erkennen gibt hält man sich derzeit hierzu mehr oder weniger bedeckt und überlässt die Entscheidung und Bewertung der neuen Regierung.

Finnland geht es derzeit wirtschaftlich immer noch nicht so gut geht (immerhin ein kleiner Lichtblick ist zu sehen) und andere Themen sind und werden als dringender angesehen.

Beitrag melden
Seite 2 von 15
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!