Forum: Wirtschaft
Studie mit Arbeitslosen in Finnland: Grundeinkommen macht gesünder, aber bringt keine
DPA

Zwei Jahre lang hat Finnland das bedingungslose Grundeinkommen mit Arbeitslosen getestet. Die Bilanz ist gemischt.

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KlausMeucht 09.02.2019, 00:49
30. FInanzierbarkeit

Natürlich wäre das BGE finanzierbar, wenn man auf alle anderen Sozialleistungen verzichtet. Wer chronisch krank ist hat Pech gehabt, denn für den reicht das BGE nicht.
Wer als Rentner sein Niveau halten will muss privat vorsorgen. Die private Vorsorge funktioniert aber nicht für die breite Masse.
Das BGE kann man nicht testen. Man Die Tests haben den Effekt eines Lottogewinns.
Das eigentliche Problem liegt in der Finanzwirtschaft begründet. Die entzieht der Realwirtschaft Geld.
Man kann nur das Verteilen was die Realwirtschaft erzeugt. Diese konservative Wahrheit müssen die Befürworter der Finanzwirtschaft noch lernen. Bei einer Produktivitätssteigerung von jährlich 1 Prozent und einer Zielinflationsrate von 2 Prozent sind nur 3 Prozent nominale Steigerungen für die breite Masse möglich. Einzelne können deutlich mehr erhalten, dann geht es aber zu Lasten anderer. Die private Vorsorge funktioniert deshalb nie für die breite Masse. Es ist besser die Löhne zu erhöhen, anstatt niedrige Löhne über das Sparen auszugleichen.

Das BGE wäre zwar finanzierbar, aber es ist nicht sinnvoll. Wir sollten aufhören die Finanzwirtschaft zu subventionieren. Wenn die Löhne entsprechend dem technologischen Fortschritt wieder steigen, werden auch die Jobs entstehen.

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joshuaschneebaum 09.02.2019, 01:07
31. Es rechnet sich also

Die Sonne scheint nicht länger im Winter in Finnland und gegen die Mückenschwärme konnte das BGE auch nicht wirken ...

aber sonst!

Es rechnet sich:

1) glücklichere Bürger
2) gesunde Bürger
----------------
das allein, ist schon ein riesiger Erfolg.

Doch auch finanziell lohnt es sich für den Staat:

1) weniger Belastung der Krankenkassen
2) erhebliche Einsparungen in der Verwaltung

Knallharte Rechenfüchse à la Merz & co müssen für das BGE sein.

Im Grunde gibt es nur wenige Verlierer:
Die Sadisten unter den Verwaltungsbeamten verlieren ihren Spaß.

Dagegen stehen aber die 90 Prozent der vernünftigen Wesen in der Verwaltung, die von erheblichem Stress befreit sind.

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upalatus 09.02.2019, 02:19
32.

Welch erstaunliche Erkenntnis, dass mehr Geld im Monat ein besseres und entspannteres Leben mit sich bringt.

Ich weiß nun nicht, welcher Art der finnische Menschenschlag vielleicht sein könnte; ich nehme mal an, dass sich in der Geldglückfrage parallel zu möglichst wenig Arbeitsaufwand alle Menschen sehr gleich sind.

Womit ich massive Schwierigkeiten habe ist, dass wenn ich mir hierzulande arbeitslose Menschen betrachte, diese kaum einen Deut tun, sich nebenher wenigstens minimal bildungsmäßig weiterzubringen. Ist die Zeit dafür nicht vorhanden, gibts keine Quellen in Zeiten des Internets? Zweimal klar NEIN.

Und der, der arbeitet, verhält sich nicht viel anders. Kein Gedanke, kein Interesse, sich zu wappnen (und wahrscheinlich ist ja eh alles so abgrundtief Scheixxe, dass sich der kleinste Fingerrühr verbietet....). Dann kommen nicht mal angebotene Basislehrgänge, und sei es ein Staplerschein, in Betracht. So bleiben zb. der liebe Nachbar und seine gleich gepolte Frau halt in der Lage, in der sie so offenaugig und gern verharren. Ihr Gejammere kann man nicht mehr hören.

Un das schreibt einer, der im fortgeschrittenen Alter noch komplett umdenken musste, aber auch akzeptierenderweise wollte. Nichts mit Schmoll- oder Forderecke oder kindlichem Rufen nach dem big Geldverteiler.

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M.W. aus A. 09.02.2019, 02:27
33. Mehr Fragen als Antworten

560 Euro plus Kosten für die Unterkunft? Richtig ist, 560 Euro sind mehr als bei uns gezahlten 424 Euro für einen Alleinstehenden, wenn davon aber die weiteren Kosten zu tragen sind ist das kein wirklicher Vorteil.

Die Verschlankung des Sozialsystems leuchtet mir ein. Aber sollte es einen Anreiz für einen Niedriglohnsektor geben? Wir sehen doch gerade, was mit den Menschen passiert, die ihr ganzes Leben lang in diesem Bereich arbeiten. Spätestens bei der Rente sind sie auf staatliche, d. h. steuerfinanzierte Hilfe, angewiesen.

Auch in Deutschland kann ein Hartz IV-Empfänger in Prinzip nur 100 Euro monatlich dazu verdienen, alles andere wird verrechnet. Auch Zuschüsse wie Kindergeld, Erziehungsgeld usw. werden 1:1 verrechnet. Erhöhungen sind hier also vollkommen sinnfrei. Wäre es hier nicht effektiver daran zu arbeiten.

Allein das Beispiel des Journalisten macht ein wenig Sinn, auch wenn es mir gegen den Strich geht. Wenn eine Firma einen Auftrag zu vergeben hat aber nicht genug bezahlen will, soll es der Markt regeln. Dann muß die Frima mehr bezahlen!

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mens 09.02.2019, 02:30
34. Krankheit kostet

Gesünder bedeutet auch weniger langfristige Kosten, die ggf. durch Depression, Alkoholismus etc. entstehen. Ganz zu schweigen von den Spätfolgen/Kosten für Kinder, die in diesen Umfeldern aufwachsen. Mal durchrechnen, ob das Geld nicht doch gut angelegt ist ... trotz negativer Jobbilanz in dieser Studie.

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larsmach 09.02.2019, 02:30
35. Es GIBT immer weniger Jobs - das ist GEWOLLT!

Zunächst hat ein Vordiskutant absolut Recht: In Finnland gab es gar kein Grundeinkommen! - Laut Bundesarbeitsministerium betrugen Sozialtransfers im Jahre 2016 pro Einwohner und Monat 933 EUR (918 Milliarden geteilt durch 82 Millionen Einwohner geteilt durch 12 Monate...) - zzgl. Zuschüssen durch KfW sowie Steuernachlässe (Pendlerpauschale u.a.). -- Außerdem fällt seit etwa 1980 der Anteil von Löhnen und Gehältern an den Bruttoinlandsprodukten der Industriestaaten (Quelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung): Realeinkommen stagnieren oder fallen sogar. Die Bruttoinlandsprodukte - welche fast ausnahmslos uns Unternehmern nebst Familien gehören - wuchsen trotzdem nahezu jährlich!
Kann mir einer der Gehaltsempfänger, die zum Teil wohl unter Selbstgerechtigkeit leiden, einmal erklären, wie das auf Dauer gehen soll!?? - Richtig: Populisten von Manila bis Washington, Gelbwesten usw..
Es ist wohlfeil, von Arbeit, Qualifizierung usw. zu schwadronieren, wenn ich hingehe und Stanzteile seit Dezember auch nachts produzieren lasse ("when nobody is in the factory", wie mein estnischer Produktionsleiter frohlockte). Seit Jahrzehnten schon sorgt Automatisierung dafür, dass wir immer mehr Produkte mit immer höherer Qualität zu immer niedrigeren Stückkosten produzieren können - mit immer weniger menschlicher Arbeit! - Und wir gehen nicht hin und "schaffen anderswo neue Jobs" - das wäre schizophren. Jene paar neuen Jobs, die durch selbständige Programmierer abgefragt werden, welche alle paar Monate einen neuen Controller oder eine Smartphone App für unsere Kunden programmieren dürfen, helfen dem Heer dank Automatisierung zu Niedriglöhnern marginalisierten Arbeitern herzlich wenig...
...und seit ca. 10-15 Jahren schlägt das dank Digitalisierung auch bei Angestellten voll durch: Ich habe vor mehr als zehn Jahren zum letzten Mal ein Reisebüro betreten (trotz 130 Flügen im Jahr, Bahnreisen usw.) - einen Flug buche ich mir binnen 3 Minuten selbst (schneller als meinem Sekretariat Reiseziel und -zeit zu schicken!). Mustererkennung hat starre Algorithmen abgelöst und liefert auch bei unklarer Datenlage stets optimale Ergebnisse: 2018 hat ein Computer erstmals 58 Ärzte bei der Erkennung von Hautkrebs geschlagen (ähnliches wird auf anderen Berufsfeldern oder zu anderen Krankheitsbildern fast wöchentlich berichtet).
Die Reise nach Jerusalem verlangt nach Lösungen - sonst werden Populisten die Welt in Kriege und Armut stürzen. Wenn meine Unternehmerkollegen (Milliardäre darunter) Grundeinkommen anmahnen und Umsatzsteuern auf unproduktiven Wettscheinhandel an Termin-Börsen fordern (Optionsscheine, die niemand einlösen will!), dann sind es absurderweise die kleinen Leute - die Opfer der o.g. Entwicklung! - die aus lauter Neid und Missgunst gegen ihre eigene Klasse dagegen wettern: Nach oben buckeln, nach unten treten - bedient niedere Instinkte, löst aber die eigene Misere nicht. So reagiert der kleine Mann sich an Ablenkungsthemen ab ("EU-Asylrechtsreform", "illegale Migration" usw.) und hat Leasing-Schulden, wo seine Eltern noch Vermögen besaßen, oder er ist bereits ins wachsende Prekariat abgedriftet. Wahrscheinlich hat er sein Schicksal deshalb verdient(?).

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felixbonobo2 09.02.2019, 02:48
36. Gemischte Bilanz?

Wenn es also "nur" die Gesundheit verbessert..hallo..jeder Kultur-quatsch ist austauschbar..die Gesundheit und das Leben niemals !! Es spricht als 100 % dafür !!

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Sepp Hinterseer 09.02.2019, 02:52
37. Weniger unter Stress, Konzentrations- oder Gesundheitsprobleme

… sollte für eine zivilisierte Gesellschaft Grund genug sein, das bedingungslose Grundeinkommen derzeitigen Maßnahmen zur Grundsicherung (z.B. Hartz 4) vorzuziehen.

Nebenbei würde dies auch die Bildung der Bevölkerung verbessern, da wirkich jeder dann die finanziellen Möglichkeiten hätte, sich fortzubilden und/oder ein Studium zu bezahlen.

Eine Verschlankung des riesigen Behördenapparats zur Verwaltung der Sozialhilfen, BAföG, Mindesrenten/Grundsicherung, usw. wäre mir persönlich auch sehr sympathisch.

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Haarfoen 09.02.2019, 03:22
38. Bedauerlich ...

Zitat von hoeffertobias
... dass ich nicht lache! Ich habe von. meinen Eltern keinen Cent geerbt, dafür eine gute Schulbildung, eine Ausbildung und ein (selbst finanziertes) Studium absolviert. Und ich habe keine Lust mehr, bildungsferne und dazu arbeitsscheue Vollpfosten zu allimentieren. Kranke, schwache, alte und behinderte fMenschen unterstütze ich gerne. Alle anderen sollten keine Angst vor staatlicher Unterstützung haben, sondern vor dem Verhungern. Und das meine ich ernst!
Sie sind ein bedauernswerter Mensch, so voll von Hass. Ich habe mir einen Lehrberuf und zwei Studien so gut wie selbst finanziert, genauso wie Sie. Ich zahle einen Haufen Steuern. Und dennoch plädiere ich für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Zunächst kenne eine Menge Menschen, die bildungsfern und nicht arbeitsscheu sind. Vor diesen Menschen habe ich Respekt. Dann bin ich dankbar dafür, dass ich einen interessanten Beruf habe, der mich ausfüllt. Das ist ein Privileg, wie ich finde. Ich habe gelernt, dass Angst, Zwang und Druck keine geeigneten Mittel sind, um Menschen zu motivieren, eine neue oder andere Orientierung zu finden. Angst lähmt und macht krank. Überlebenskampf nutzt ab und macht stumpf. Das kann ich in meiner Umwelt beobachten, dazu gibt es aussagekräftige Studien. Menschen, die hungern, sind lethargisch. Ihre "ernst gemeinter" Vorschlag ist völlig indiskutabel und wieder aller Vernunft. Noch dazu ist inhuman und menschenfeindlich. Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie Ihre "Unlust" klar beschrieben haben, denn in diesem Land denken viele Menschen so wie Sie. Das müssen wir ändern. Und das bedingungslose Grundeinkommen einführen. So schnell wie möglich. Und wenn das Geld nicht reiht, den Vermögenden in die Tasche greifen.

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Hazard Hermann 09.02.2019, 03:39
39. Im Forum nichts Neues...

Zitat von großwolke
Um diesen Versuch richtig einordnen zu können, bräuchte ich als Leser [...]
Ich erlaube mir, einige Ihrer Zeilen zu kommentieren:
"HartzIV-Satz (also für kurze Zeit erträglich, als Lebensgrundlage etwas zu niedrig)?"
Aha... so so. Woher nehmen Sie diese Einschätzung bzgl. des Hart-IV-Satzes?
"Gibt es ein ähnliches Wirrwarr an Beihilfen und zuständigen Ämtern wie hier, oder ist das effizienter organisiert?"
Sie wissen sicherlich besser, wie man die Sozialhilfe in Deutschland fair und bürokratisch sinnvoll und vor allem effizient! verteilt und organisiert, nicht wahr?
"... ist der Versuch selbstredend ungeeignet ..."
Selbstredend. Natürlich. Nur SIE persönlich haben den Einblick und alle anderen, Fachleute insbesondere, die sich sowas ausdenken, sind ahnungslose Stümper, die im Nebel stochern. Man hätte besser SIE fragen sollen, damit so ein Versuch selbstredend nicht ungeeignet ist.
"... nur mit einem flächendeckenden Roll-Out..."
Genau! Lassen Sie uns doch einfach mal flächendeckend so ein Experiment wagen! Wir brauchen keine kleinen, einigermaßen kontrollierten Versuche um auch nur halbwegs ideologiefreie Ergebnisse zu erhalten. Papperlapapp! Macht man ja bei Medikamenten auch nicht. Oder bei anderen potenziell verheerenden Entscheidungen. Nö.
"Also, sicher eine interessante Episode, aber allzuviel lernen kann man daraus nicht."
Na Gott sei Dank beurteilen Sie diese Maßnahme zum Glück zum Schluss noch "interessant". Da haben wir ja nochmal Schwein gehabt, was?

Mal Spaß beiseite und entschuldigen Sie meinen Sarkasmus. Aber warum meinen eigentlich ausgerechnet die Foristen hier stets und in zermürbender Regelmäßigkeit, dass sie alles besser wissen und alle anderen da draußen, die sich mit der Materie mnöglicherweise viele Lebensjahre beschäftigt haben, nur Blödsinn machen? Das will mir echt nicht in den Kopf.

Könnte man nicht viel mehr über die Erkenntnis diskutieren, dass in diesem Feldversuch (Ja! Es war nur ein Versuch! Mit bestimmten Rahmen- und Anfangsbedingungen) die Gesundheit der Teilnehmer sich zwar verbesser hat, aber die Leute nicht mehr in Arbeit kommen als ohne?
Das ist doch ein Hauptargument FÜR das bedingungslose Grundeinkommen: Nämlich, dass die Menschen Tätigkeiten nachgehen, die sie interessieren. Und das ist hier wohl nicht passiert, auch nicht temporär. Und ich finde, das sagt uns schon ne ganze Menge... Auch wenn - natürlich - ein solcher Versuch immer gewisse Grenzen hat und selbstverständlich die Ergebnisse genau abgewägt werden müssen.

Mahlzeit!

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