Forum: Wirtschaft
Studie mit Arbeitslosen in Finnland: Grundeinkommen macht gesünder, aber bringt keine
DPA

Zwei Jahre lang hat Finnland das bedingungslose Grundeinkommen mit Arbeitslosen getestet. Die Bilanz ist gemischt.

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Gerdd 09.02.2019, 03:41
40. Wofür wir eigentlich eine Lösung brauchen ...

... ist der Zustand, wenn viele Jobs wegen Automatisierung wwgfallen - und das bei weitem nicht nur im Niedriglohnsektor. Wenn es keine Trucker mehr braucht und fast keine Programmierer mehr. Wenn auch die Bahn eines Tages ohne Lokführer und Stellwerksbediener besser funktioniert als heute mit ...
Dann brauchen wir bedingungslose Grundeinkommen für Menschen, deren Arbeitskraft voraussichtlich bis an ihr Lebensende nicht mehr gebraucht wird. Und wir brauchen dann noch viel mehr - angefangen mut einem neuen Lebenssinn. Das hätte man in Finnland mal antesten sollen. Oder in Deutschland - wenn wir mal wieder eine Regierung haben, die nicht den Kapitaleignern gehört ...

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suedseefrachter 09.02.2019, 04:53
41.

Auf Sozialstaaten kann ich dank Deutschland getrost verzichten.
Vor allem wenn dieses System auf meinem Rücken ausgetragen wird und ich mit Stress meinen Status halten muss. Und wenn ich nicht ordnungsgemäß (lt. Staatsdefinition) funktioniere (auch wenn dieses "ordnungsgemäß" nicht mal in der Theorie möglich ist) werde ich finanziell abgestraft.

Somit können mich Sozialstaaten mal gewaltig, und ich lebe jetzt auch in einem Land wo der Sozialstaat wirklich nur minimal ist.
Lieber sterbe ich in der Gosse als noch einmal in einem Sozialstaat wie Deutschland zu leben - der mich vor lauter Stress nur krank macht. Ein gutes Einkommen ist nicht für alle geschenkt, es gibt Leute die es sich erarbeiten müssen.

Der einzig negative Faktor in Deutschland für mich war der Staat - ich habe vom Anfang bis zum Ende nichts positives erlebt.
Verantwortung kennen die Leute beim Staat ja überhaupt nicht, die Steuerzahler bzw. Leute in der Wirtschaft müssen diese aber regelmäßig für ihr handeln Verantwortung tragen und auch für die Konsequenzen geradestehen.
Das System in Deutschland ist einseitig geplant und es gibt immer nur einen Gewinner - dieser nennt sich Staat (=Beamte, Politiker).

Das Ende der Geschichte - nicht mit mir.

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Draw2001 09.02.2019, 05:01
42. Was bedeutet eigentlich „Arbeit“?

Ich habe es unseren Auszubildenden mal so erklärt: Wenn Sie im Urwald aufwachsen, werden Sie sich irgendwie versorgen müssen. Sie werden Wasser holen, Ihre Strohhütte instandhalten. Werkzeuge bauen, damit Abläufe leichter zu erledigen sind. Auch das Vorhalten von Wärme - also die Feuerstelle in Gang halten gehört dazu. Und Sie werden durch die Jagd oder das Anpflanzen für Nahrung sorgen. Man ist sozusagen den ganzen Tag „unterwegs“. Sicherlich fanden auch diese Menschen soziale Unterstützung in Ihrer Gruppe, wenn sie älter oder krank wurden. Heute „arbeitet“ man um all die aufgezählten Dinge zu erhalten. So bezahlt man den Öllieferanten, damit die Heizung (Feuerstelle) an bleibt. Wie damals gibt es auch heute die Arbeitsteilung. Eigentlich tut man das, was man am besten kann, da man auf diesem Gebiet die höchste Motivation entwickelt. Nun das wäre also insgesamt das laufende Grundmodell. Das Problem liegt einfach darin, dass der Platz, an welchem die Sogenannte Arbeit verrichtet werden soll nicht überall gleichmäßig verteilt ist. So kann es durchaus sein, dass man sich an einem Ort befindet, an welchem diese Plätze schon besetzt sind. Soll man nun umziehen, um an einem anderen Ort eine Arbeit zu finden? Wer will sich dann schon von seinem sozialen Umfeld trennen? Dies ist der Knackpunkt. Während die Elefanten einfach hunderte Kilometer weiter ziehen, bleiben wir lieber „vor Ort“.
Und hier beginnt diese Geschichte mit der Unterstützung, und damit auch die Diskussion ob dieser oder jener Mensch sich durch seine Tätigkeit nicht doch irgendwie an seiner eigenen Versorgung beteiligen könnte. Damit startet auch gleichzeitig das Wertemuster der Zumutbarkeit. Letztendlich „Nicht tätig sein“ geht schon, aber dann nur bei dauernder Krankheit oder Altersschwäche- wie früher im Urwald.

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odapiel 09.02.2019, 05:25
43. Äpfel mit Birnen

Zuerst einmal geht es bei einem BGE natürlich NICHT darum, Menschen in Arbeit zu bringen. Es geht darum sie möglichst unbürokratisch und gerecht an der Produktivität teilhaben zu lassen. Es wäre auch völlig irrsinnig, anzunehmen, daß bei einer bestehenden Arbeitslosenquote (unsere ist keineswegs sooo viel kleiner!) von 6 oder 8% eine andersartige Verteilung des Existenzminimums nun für Arbeit sorgen sollte. Wie denn? Das ist doch kein Arbeitsmarktinstrument. Bestenfalls sorgt es für einen minimal erhöhten Inlandsverbrauch. Mehr nicht.

Wenn ein solches BGE die Leute jedoch gesünder und zufriedener macht, dann ist der Zweck absolut erreicht und dem Staat an sich sogar zuträglich, denn gesündere Menschen verbrauchen weniger Ressourcen im Gesundheitsbereich.

Und wer das zahlen soll? Vielleicht einfach mal jene, die derzeit den Rahm erhöhter Produktivität abschöpfen, ohne auch nur im Ansatz faire Steuern zu bezahlen. Nein, ich rede selbstverfreilich nicht von kleinen Einkommen bis 100,000 Euro/Jahr.

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thequickeningishappening 09.02.2019, 06:04
44. Ein BGE kann keine gut bezahlten Stellen schaffen

Die nicht existieren. Es wird in Zukunft exponentiell weniger Vollzeitstellen geben und zwar in allen Bereichen. Der psychologische Effekt wurde im Experiment nachgewiesen. Außerdem wird Dem Lohnsklaven Sektor Die Grundlage entzogen!

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casbavaria 09.02.2019, 06:37
45. Weder finanzierbar noch hilfreich

Ein BGE ist weder finanzierbar noch das Allheilmittel, als das es dargestellt wird, und würde mal wieder nach dem Giesskannenprinzip Geld verteilen anstelle wirklich bedürftigen zu helfen. Und viele würden mit einem halbwegs bezahlbaren BGE weniger als jetzt bekommen - denn BGE bedeutet - wenn man den Verwaltungswasserkopf abbauen will - es gibt genau diesen Betrag und NICHTS zusätzlich. Und das sieht dann in einer Metropole so aus:
- angenommenes BGE 1000€
- davon gehen schonmal weg: Miete 500€, KV 200€, Strom/Öffis 100€
- bleiben 200€ für Essen, Kleidung, Möbel, Teilhabe
Na da möchte ich mal das lange Gesicht von einem HARTZler sehen, wenn er dafür, dass er keine Termine vom Amt mehr wahrnehmen muss, eben weniger Kohle bekommt.
Aber super wäre ein BGE für Leute wie mich - ich würde sofort meine Arbeitszeit um genau die Stunden reduzieren, die 1000€ netto ausmachen - damit würde schonmal eine 25% Arbeitsstelle frei - blöd nur, dass die nicht von einem HARTZ-ler ohne Ausbildung und ohne Sprachkenntnisse besetzt werden kann....

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mj.s62 09.02.2019, 06:56
46.

Dieses auf 2 Jahre befristete Experiment war weder richtungweisend, noch auf Deutschland übertragbar. Unsere Experten haben das alles schon durchgerechnet und die Parameter für die einzelnen Stellschrauben im System realitätsnah eingegrenzt. Zuallererst muss die Gesellschaft dafür aber bereit sein, die jeweiligen individuellen Talente einer jeden arbeitsfähigen Person so zu fördern, das der größtmögliche Nutzen für die gesamt Gesellschaft entsteht. Das heißt, das einige Leute radikal umdenken müssen. Das Schulsystem ist derzeit nur im privaten Sektor ansatzweise geeignet, die Kinder nah an ihren individuellen Talenten zu fördern. Die gesamte Wirtschaft muss umstrukturiert werden, was die größte Hürde mit sich bringen wird, da gerade dort noch zu viel Entscheider in ihren alten Denkweisen verharren. Aber zuallererst braucht es ein neue Generation Politiker die diese Art von sozialer Marktwirtschaft überhaupt umsetzen können. Ich hoffe das ich (56jährig) das noch wenigsten an Anfang des Wandels erlebe!

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Finnländer 09.02.2019, 07:17
47. Genau richtig

Zitat von pgn
Man kann nicht oft genug darauf hinweisen: Finnland war *kein* Bedingungsloses Grundeinkommen. Es war lediglich ein partielles und weit nicht existenzsicherndes Grundeinkommen für eine kleine Zahl von Menschen, und die Laufzeit auf 2 Jahre begrenzt. Ergebnisse sind deshalb zwar Aussagen über das spezifische Experiment, jedoch nicht einfach auf das Bedingungslose Grundeinkommen übertragbar. Das Bedingunslose Grundeinkommen ist durch vier Kriterien definiert: 1. individuelles Recht für alle und bis ans Lebensende. (In Finnland: eine kleine Gruppe Erwerbsloser für 2 Jahre) 2. ohne Bedürftigkeitsprüfung (Finnland: Vorraussetzung war Erwerbslosigkeit, also Bedürftigkeit und weiterhin Prüfungen) 3. ohne Zwang zu Arbeit und Gegenleistungen 4. In existenz- und teilhabesichernder Höhe. (Finnland: Betrag weit unter Existenzminimum. Ist Kriterium 4 nicht erfüllt, dann de facto 3.auch nicht. Wer kein existenzsicherndes Auskommen hat, ist weiterhin zu Erwerbsarbeit egal zu welchen Bedingungen gezwungen und erpressbar. Finnland war nur eine besondere Variante einer üblichen Sozialleistung für Erwersblose.
Vielen Dank für diese Klarstellung - genau so is es. Das finnische Experiment hat mit einem BGE genau nichts zu tun, auch wenn es interessierte Kreise gerne so darstellen wollen. Der ausgezahlte Betrag reicht auch in der tiefsten (billigeren) Provinz nicht zum Leben - zur Teilhabe schon gar nicht; man ist also auf die Beziehung weiterer Hilfen (Wohngeld) und/oder auf Nebenerwerb angewiesen. Mag sein, dass der eine oder andere desillusionierte "Lebenskünstler" eine zeitlang damit zurecht kommt - als gesellschaftliches Modell sowie auf Dauer taugt das jedenfalls nichts. Das Ganze als "bedingungsloses Grundeinkommen" zu bezeichnen ist reiner Etikettenschwindel und man muss auch SPON ganz klar fragen was hier mit diesem eindeutig manipulativen Journalismus bezweckt werden soll - die andere Möglichkeit wäre schlechte Recherche - beides stünde SPON schlecht zu Gesicht, würde aber zum Niedergang der letzten Jahre passen.
Die jetzige bürgeliche finnische Regierung hat sich jedenfalls entschlossen im vorigen Jahr ein sanktionsbasiertes "Aktivierungssystem" für Arbeitslose einzuführen, ganz nach Hartz4 Vorbild (der amtierende Ministerpräsident Sipilä ist bekenneder Merkel-Fan - wird dann wohl auch seine letzte und einzige Amtszeit gewesen sein), einzuführen. Das bringt genau nichts - ausser den privaten Psychiatern wie meiner Frau, welche sich seitdem vor Patienten kaum retten kann (Atteste zur Arbeitsunfähigkeit) - die psychischen Auswirkungen von Langzeitarbeitslosigkeit und befristeter Tätigkeit im Niedriglohnsektor werden nämlich gerne von interessierten Kreisen (und leider in Finnland gerade herschenden) ausgeblendet bzw. bewusst nicht zur Kenntnis genommen.

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Finnländer 09.02.2019, 07:24
48. ...

Zitat von tobias78
Schön und gut, aber irgendwer muss das auch bezahlen und das sind meist die, die arbeiten ..?
Es ist mehr als genug Geld da und man sollte sich ehrlicherweise mal fragen, wieso es so einen offensichtlichen Neid und rgelerechten Hass gibt auf jene, welche in unserer ach so humanistischen und entwickelten Gesellschaft im 21. Jahrhundert mit dem Existenzminimum abgespeist werden - vielleicht ist es ja doch die immer grössere Spanne zwischen arm und reich und dem zugrunde liegendem nicht realisierten Abstandsgebot?

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im_ernst_56 09.02.2019, 07:34
49.

Zitat von DerDifferenzierteBlick
Die Frage ist doch nicht, ob es sich rechnet, sondern ob es finanzierbar ist. Wenn es finanzierbar wäre, dann würde es das schon längst überall geben. Und ich kann Ihnen versichern: Kein mir bekanntes Modell (und ich habe mir einige Dutzend angesehen), das unseren jetzigen Standard mindestens hält, ist auch nur ansatzweise finanzierbar. Die Finanzierungslücke bei einem echten BGE ist dabei bei vielen Hundert Milliarden - deutlich größer als unser Bundeshaushalt... (alle Einsparungen und dann wegfallenden Leistungen sind dabei schon sehr großzügig zur Finanzierung gegengerechnet!) Wenn Sie also auf ein finanzierbares Modell stoßen, dann sollten Sie immer eine Frage stellen: Sind insbesondere die Alten und Schwachen (Rentner, Kranke, Pflegefälle etc.) genauso gut abgesichert wie in unserem bisherigen System.
Und dann ist die Erwartungshaltung beim BGE, dass es dynamisch mitwächst, also ähnlich wie die Rente. Und natürlich auch gezahlt wird, wenn die Wirtschaft nicht mehr läuft und die Steuereinnahmen nicht mehr sprudeln. Und irgendwann werden diejenigen, die das BGE mit ihren Steuern finanzieren, fragen, warum eigentlich. Deshalb gibt es bei Meinungsumfragen zum BGE bei uns keine Mehrheit dafür.

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