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Studie mit Arbeitslosen in Finnland: Grundeinkommen macht gesünder, aber bringt keine
DPA

Zwei Jahre lang hat Finnland das bedingungslose Grundeinkommen mit Arbeitslosen getestet. Die Bilanz ist gemischt.

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m82arcel 09.02.2019, 07:37
50.

Noch mag das BGE eine Utopie sein, aber das war der Mindestlohn vor gar nicht mal so langer Zeit auch noch. Ich bin mir recht sicher, dass im Zuge fortschreitender Digitalisierung und Automatisierung das BGE unumgänglich wird. Finanziert durch die Besteuerung der von "Maschinen" geleisteten Arbeit. Die einzige Frage ist, wann es soweit sein wird - sicher nicht in den nächsten 10-15 Jahren, aber sicher auch nicht erst in 50 Jahren.

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faz-leser 09.02.2019, 07:41
51. Mindestlohnregelungen anpassen statt BGE

Soweit es im Niedriglohnsektor negative Auswüchse gibt, wäre diesen mit geeigneten Mindestlohnregelungen zu begegnen. Derlei Auswüchse können aber auf keinen Fall ein im Kern an sich eben gerade nicht solidarisches, sondern im Gegenteil höchst unsolidarisches BGE rechtfertigen.

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Mastermason 09.02.2019, 07:56
52.

Was ich nicht verstehe: der finnische Staat hat das Experiment nach einem Regierungswechsel stark verändert. Irgendwie gehört es doch zur journalistischen Sorgfaltspflicht, diese unbedeutende Tatsache zu erwähnen.

Tatsächlich hat die finnische Regierung das ursprüngliche Projekt erheblich gestutzt. Ein Institut mit dem politischen Auftrag, Sozialexperimente zu entwickeln, hatte ursprünglich vorgeschlagen, in Finnland ein bedingungsloses Grundeinkommen zu testen (...)
Einzig: Nach dem Regierungswechsel veränderte die liberal-konservativ-rechtsnationale Koalition die Zielsetzung des Projekts. Zwar redete sie weiter vom Grundeinkommen, aber sie wollte keine gesellschaftliche Utopie testen. Stattdessen strebte die Regierung jetzt das Gegenteil an: Sie wollte mit Hilfe der Forscher herausfinden, wie Arbeitslose dazu gebracht werden können, auch schlecht bezahlte Jobs und Teilzeitstellen anzunehmen, um ihre Sozialleistungen aufzustocken und sich auf diese Weise aus der Erwerbslosigkeit zu arbeiten

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t_565 09.02.2019, 08:01
53. Utopie hoch zehn

Der Grundgedanke des BGE ist auf den ersten Blick interessant: weniger Bürokratie, keine Bevormundung, usw. In der Realität abseits der Sandkastenspiele bleibt die Frage wie das flächendeckend für ALLE bezahlt wird, und wie sich das Gesamtsystem entwickelt. Nimmt der Staat die Einsparungen in Bürokratie (übrigens auch Arbeitsplätze) mit und lässt die Inflation die Sätze auf gewohntes Maas einschleifen? Und wie gerecht und motivierend ist das, wenn man mit seinen Steuerabgaben den Nachbarn querfinanzieren muss, der vielleicht einfach keine Lust hat? Und da sind wir noch nicht bei den EU-Bürgern und anderen angekommen, die dann alle das gleiche Recht haben. Jede Partei die das fordert würde ich im Leben nicht wählen. Vielleicht wenn man eine gemeinsame europäische Sozial- und Asylpolitik hätte. Vorher nicht. Geld kann nur einmal ausgegeben werden und dann scheint mir Bildung sinnvoller zu sein.

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aibe 09.02.2019, 08:05
54. Ein BGE wäre ohne weiteres finanzierbar

Gehen wir von rund 70 Millionen Volljährigen in Deutschland aus und nehmen wir an, dass wir jedem 1.500€ pro Monat bedingungsloses Grundeinkommen zur Verfügung stellen möchten, so würde das pro Jahr 1,26 Billionen Euro kosten. Klingt erst einmal nach viel Geld. Nun haben wir in Deutschland ein jahrliches Finanztransaktionsvolumen von etwa 240 Billionen Euro und hier reden wir nur von der Summe, die über Banken und Börsen gehandelt wird. Würde man diese Transaktionen mit lächerlichen 0,5% besteuern - diesen Wert könnte man erheblich drücken, wenn ausnahmslos jede Finanztransaktion besteuert werden würde, also auch der Einkauf im Supermarkt, Geld abheben usw. -, ein BGE wäre mühelos finanzierbar. Da durch ein BGE natürlich alle anderen Unterstützungen wie Kindergeld, Hartz 4 usw. ebenfalls obsolet würden, ist ein bedingungsloses Grundeinkommen per se ohne Probleme zu finanzieren. Man müsste es also nur wollen...

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roithamer 09.02.2019, 08:08
55. Bedingungsloses Taschengeld

Der Betrag des finnischen BGE wird kaum die Miete abgedeckt haben. 560 Euro pro Monat sind kein Einkommen, sondern allenfalls eine angenehme Aufstockung schlecht bezahlter Jobs. Kein Wunder, dass keine Effekte bei der Jobsuche nachweisbar waren.

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Ratzekarl 09.02.2019, 08:15
56. Gerechtigkeit und Bürokraie

Das Problem bei der Verteilungsgerechtigkeit durch Ermittlung der "Bedürftigkeit" ist eben, dass ein Bürokrat praktisch nebenher laufen muss und stets nachrechnen, ob und wie sehr die Bedürftigkeit noch gegeben ist. Ist das eigene Auto zu rechtfertigen, wenn derjenige 40% der Zeit im Jahr arbeitslos ist? Muss man den Unterstützungsempfänger zwingen, sein Haus zu verkaufen um dann regelmäßige Mietzahlungen leisten zu müssen, falls er keine Arbeit findet? Wenn er Arbeit findet, aber immer noch unterhalb der Bedüruftigkeitsschwelle liegt, nimmt man ihm einen Teil des verdienten Gelds wieder weg und gibt es ihm indirekt an seinen Haushalt wieder.. Hat der Empfänger sich nicht ordentlich beworben? Dann wird sein Haushalt bestraft, indem man ihm Geld wegnimmt. Das umständliche Nachrechnen wird effektiv zur Gängelung. Man fragt sich, wie die Regierung Schröder überhaupt mal glauben konnte, so ein Vorgehen sei rechtens und sinnvoll.

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watch15 09.02.2019, 08:24
57. Selbst enttarnt

Schön dass es in diesem Artikel so offen angesprochen wird ... es geht darum, den Niedriglohnsektor auszubauen. Das heißt dann wohl, dass Unternehmen gnadenlos die Löhne drücken können und ungeniert Horden von Billiglöhnern beschäftigen. Die so gesparten Gehälter werden dann über das Grundeinkommen ausgeglichen. Das bezahlt wiederum der Steuerzahler. Eine geniale Logik für die Unternehmen und Konzerne, die sich noch mehr die Taschen füllen und weiter jedes Steuerschlupfloch ausnutzen. Die Altersarmut mit Mindestlohn ist vorprogrammiert ... aber da haben wir dann noch einen Rentenbonus ... für den wieder die Allgemeinheit aufkommen muss. Arbeit muss endlich vernünftig bezahlt werden. Beispiel: Die Preise in den Pflegeheimen steigen exorbitant, während das Personal nicht mit Lohnerhöhungen partizipiert. Die Pflege"Konzerne" erhöhen die Profite, darum geht es. Und warum sollte ich als Bezieher eines bedingungslosen Grundeinkommens einen Job beispielsweise in der Pflege aufnehmen, diverse Schichten auf unterbesetzten Stationen malochen, wenn ich das Geld auch so bekomme und dafür schön am See liegen kann? Ich finde, das bedingungslose Grundeinkommen ist nett gemeint, wäre aber nicht nötig, wenn Arbeit vernünftig bezahlt wird.

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mhuz 09.02.2019, 08:37
58.

Das Hauptproblem wird sein, was sagt die Gesellschaft über Menschen, die Geld bekommen für nichts tun.
Vor Harz 4 gab es 8vielleicht heute noch) die auf Malle lebten und vom Staat Geld bekamen. Leute die nichts taten und von dem lebten was der Staat ihnen gab. Der Neidfaktor spielt besonders in Deutschland eine große Rolle. Wenn die einen im Grunde von dem Geld leben, das die erarbeiten - "soll ich schuften, wenn andere Gemütlich das Geld bekommen "

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naive is beautiful 09.02.2019, 08:40
59. Wo bleibt die Fairness?

Viele fabulieren über Bewerbungsstress, Druck vom Amt, inakzeptable Kürzungen bei Arbeitsunwilligkeit, unfaire Löhne für Wiedereinsteiger aus Hartz-Bezügen. Wo aber bleibt die Fairness bedingungsloser Alimentierung gegenüber Eigenfinanzierung des täglichen Lebens durch eigene Hände Arbeit? Oder die Fairness von mit hinreichend alimentierter Freizeit ausgestatteten Hartz- oder gar bedingungslosen Grundeinkommensempfängern zur gelegentlichen bar entlohnten Handreichungen für eine dezente Vervollständigung des täglichen Lebensbedarfs - gegenüber eigenfinanzierten Vollzeit-Arbeitsnehmern, die ganz nebenbei auch noch dazu beitragen, dass die Steuerkassen stets gefüllt genug sind, auch allfällige soziale Daueralimente mitzufinanzieren? Bedingungsloses Grundeinkommen killt Eigenverantwortung und diskriminiert Leistungsbereitsachaft. Fair...?

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