Forum: Wirtschaft
Studie mit Arbeitslosen in Finnland: Grundeinkommen macht gesünder, aber bringt keine
DPA

Zwei Jahre lang hat Finnland das bedingungslose Grundeinkommen mit Arbeitslosen getestet. Die Bilanz ist gemischt.

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Palmstroem 09.02.2019, 08:53
60.

Hartz IV und die Grundsicherung im Alter sind ja bereits bedingungsloses Grundeinkommen. Das bei Hartz IV bei 3% der Bezieher zeitweise Sanktionen verhängt werden, ist dabei ohne Bedeutung. Was man ändern könnte, ist die Höhe des Schonvermögens, etwa auf 100.000€ oder eine eigengenutzte Wohnung. Allerdings sollte im Erbfall dann dieser Teil an den Staat zurückfallen.

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goodcharlotte 09.02.2019, 08:53
61. Erpressbar?

Zitat von pgn
Man kann nicht oft genug darauf hinweisen: Finnland war *kein* Bedingungsloses Grundeinkommen. Es war lediglich ein partielles und weit nicht existenzsicherndes Grundeinkommen für eine kleine Zahl von Menschen, und die Laufzeit auf 2 Jahre begrenzt. Ergebnisse sind deshalb zwar Aussagen über das spezifische Experiment, jedoch nicht einfach auf das Bedingungslose Grundeinkommen übertragbar. Das Bedingunslose Grundeinkommen ist durch vier Kriterien definiert: 1. individuelles Recht für alle und bis ans Lebensende. (In Finnland: eine kleine Gruppe Erwerbsloser für 2 Jahre) 2. ohne Bedürftigkeitsprüfung (Finnland: Vorraussetzung war Erwerbslosigkeit, also Bedürftigkeit und weiterhin Prüfungen) 3. ohne Zwang zu Arbeit und Gegenleistungen 4. In existenz- und teilhabesichernder Höhe. (Finnland: Betrag weit unter Existenzminimum. Ist Kriterium 4 nicht erfüllt, dann de facto 3.auch nicht. Wer kein existenzsicherndes Auskommen hat, ist weiterhin zu Erwerbsarbeit egal zu welchen Bedingungen gezwungen und erpressbar. Finnland war nur eine besondere Variante einer üblichen Sozialleistung für Erwersblose.
Dass ein Lebewesen für Essen und Unterkunft aktiv werden muss ist normal und nicht Erpressung. Die Gesellschaft, die für andere aufkommen muss, kann sich da eher erpresst fühlen.

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goodcharlotte 09.02.2019, 09:00
62. Ungerechtigkeit

Zitat von wilfriedbenn@t-online.de
Warum soll es normalen Arbeitnehmern nicht auch finanziell und gesundheitlich etwas besser gehen wie unseren Beamten die sich um Ihr Einkommen und Pension niemals Sorgen machen brauchen!
Es war Menschen OHNE Arbeit. Jede/r kann sich bilden und sich entscheiden, in der Verwaltung zu arbeiten und evtl verbeamtet zu werden. Warum soll es Menschen, die sich von anderen mit versorgen lassen, besser gehen als denn, die sie versorgen?

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Beat Adler 09.02.2019, 09:01
63. Die Industriegesellschaft 4.0 kommt, das BGE ist KEINE Loesung!

Zitat von ky3
Die Idee des BEDINGUNGSLOSEN (!) Grundeinkommens ist auch nicht mehr Menschen in Jobs zu lotsen. Vielmehr geht es darum für die Zukunft, in der es durch technischen Fortschritt immer weniger Jobs geben wird, eine gesunde und wertschätzende Grundsicherung für alle zu bieten. Es ist schon jetzt so, dass aufgrund der altbackenen Marktwirtschaftsdenke künstlich Jobs geschaffen werden um die Menschen in sinnfreie Hamsterräder zu packen. Diese sogenannten "Bullshit-Jobs" verbrauchen u.a. die Recourcen unseres Planeten und stehlen den Menschen Zeit sich zum Beispiel sinnvoll ehrenamtlich zu betätigen.
Die Industriegesellschaft 4.0 kommt, das BGE ist KEINE Loesung!

Auch wenn in wenigen Jahren, Jahrzehnten all das, was wir heute mit "Arbeit" bezeichnen, von Automaten/Robotern erledigt wird, ist das bedingungslose Grundeinkommen keine Loesung.

Wir Menschen behalten Zwerlei: Den Kosum und den Besitz. Diese "Last" nimmt uns kein Atomat/Roboter ab;-)

Die Loesung ist, dass wer konsumiert auch besitzt.

Es kann nicht sein, dass die Besitzer einer menschenlosen Firma, viel produzieren und verkaufen, Geld in Huelle und Fuelle scheffeln und all die NICHT-Besitzer leer ausgehen!

Wer also etwas kauft, eine Dienstleistung beansprucht, wird durch den Kauf gleichzeitig Mitbesitzer des Hersteller. Er ist am Gewinn, der menschenlos erzielt wird, beteiligt. Das genuegt, um jeden, jede, im arbeitslosen Paradies zu befriedigen!
mfG Beat

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goodcharlotte 09.02.2019, 09:11
64. Anspruchshaltung

Zitat von reverend.speaks
"Alle anderen sollten keine Angst vor staatlicher Unterstützung haben, sondern vor dem Verhungern. Und das meine ich ernst!" Oh, Sie sind aber verbittert. Ist das die Folge Ihrer Mangelwirtschaft?
Hoeffertobias gibt auch meine berufliche Erfahrung mit H4 Empfängern wider. Die Anspruchshaltung ist immens. Keine Arbeit ist zumutbar. Bäcker finden keine Azubis mehr, weil man da früh aufstehen muss. Die Floristin auch nicht, weil man da nasse Hände bekommt. Aber das Steuergeld dieser Menschen wird gerne angenommen. Das Bewusstsein, dass das GG eigentlich nur vor Verhungern und Erfrieren schützen soll, ist völlig abhanden gekommen. Ich kann nur empfehlen, Flüchtlinge kennen zu lernen und sich mal anzuhören, wie die Realität im Rest der Welt aussieht!

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goodcharlotte 09.02.2019, 09:17
65. Falsche Zielgruppe

Vielleicht sind Menschen arbeitslos, weil sie dem Stress von Arbeit an sich nicht gewachsen sind. Zumindest bei H4 / Langzeitarbeitslosen dürften Probleme dieser Art bestehen. Für die ist eine Nannyversorgung natürlich stressbefreiter als der normale Druck, sich selbst zu versorgen.
Ich bezweifle, dass das allgemeine Aussagen zum BGE zulässt.

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fördeanwohner 09.02.2019, 09:19
66. -

Zitat von aibe
Gehen wir von rund 70 Millionen Volljährigen in Deutschland aus und nehmen wir an, dass wir jedem 1.500€ pro Monat bedingungsloses Grundeinkommen zur Verfügung stellen möchten, so würde das pro Jahr 1,26 Billionen Euro kosten. Klingt erst einmal nach viel Geld. Nun haben wir in Deutschland ein jahrliches Finanztransaktionsvolumen von etwa 240 Billionen Euro und hier reden wir nur von der Summe, die über Banken und Börsen gehandelt wird. Würde man diese Transaktionen mit lächerlichen 0,5% besteuern - diesen Wert könnte man erheblich drücken, wenn ausnahmslos jede Finanztransaktion besteuert werden würde, also auch der Einkauf im Supermarkt, Geld abheben usw. -, ein BGE wäre mühelos finanzierbar. Da durch ein BGE natürlich alle anderen Unterstützungen wie Kindergeld, Hartz 4 usw. ebenfalls obsolet würden, ist ein bedingungsloses Grundeinkommen per se ohne Probleme zu finanzieren. Man müsste es also nur wollen...
Jemand anderes hat sich darüber auch schon Gedanken gemacht. Und ich finde diese Sorge durchaus berechtigt: Bekämen das dann auch alle EU-Bürger, die zuwandern? Nichts für ungut, ich bin für Freizügigkeit, aber das kann nicht funktionieren, wenn Menschen aus ärmeren EU-Ländern dieselben Rechte diesbezüglich haben. Ich könnte jeden arbeitslosen oder geringverdienenden Bulgaren, Spanier usw. verstehen, der sich deswegen nach D aufmacht.

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Jörg-Detlef 09.02.2019, 09:20
67. Volksdividende

Man sollte das Ganze nicht „bedingungsloses Grundeinkommen“ nennen, sondern beispielsweise „Volksdividende“. Wer in unser Land hineingeboren wurde, hatte Vorfahren, die dazu beigetragen haben, dass der existierende Reichtum entstand. Aber die Wenigsten erhalten einen angemessenen „Erbteil“. Ein solcher kann natürlich nur pauschaliert werden, muss aber unter diesem Aspekt nicht notwendigerweise kostendeckend im Sinne einer Grundversorgung sein, sollte es aber sein, so lang der Reichtum im aktuellen Ausmaß vorhanden ist. Es liegt auf der Hand, dass die Finanzierung zu Lasten derjenigen gehen muss, die „überproportional geerbt“ haben.

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Baalsebul 09.02.2019, 09:25
68. Erfolg

Schon allein, dass der Mensch gesünder wird, ist ausreichend um das Ganze positiv zu sehen. Es sei denn, man will nicht dass Menschen gesund sind (oder gar irgendwie "glücklicher"). Sagt dann jedoch viel aus über das System und seine Fans.

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im_ernst_56 09.02.2019, 09:26
69.

Zitat von m82arcel
Noch mag das BGE eine Utopie sein, aber das war der Mindestlohn vor gar nicht mal so langer Zeit auch noch. Ich bin mir recht sicher, dass im Zuge fortschreitender Digitalisierung und Automatisierung das BGE unumgänglich wird. Finanziert durch die Besteuerung der von "Maschinen" geleisteten Arbeit. Die einzige Frage ist, wann es soweit sein wird - sicher nicht in den nächsten 10-15 Jahren, aber sicher auch nicht erst in 50 Jahren.
Solange es die Menschheit gibt, mussten die Menschen für Unterkunft und Verpflegung arbeiten. Die Utopie eines BGE, von dem man so gut leben kann, dass man nicht arbeiten muss, wenn man keine Lust hat, ist der Traum von der Rückkehr ins Paradies, wo die Früchte von den Bäumen hängen (wobei auf diesen Bäumen dann auch noch Geld wächst). Wie wollen Sie denn Maschinen besteuern, die Arbeiten für das Gemeinwohl erledigen, etwa den Müll wegräumen und alte Menschen pflegen? Die Idee von einem sich quasi selbst finanzierenden System, das von der Ökonomie unabhängig ist und das im Ergebnis eine Arte Hängematte für jedermann ermöglicht, kann ich mir irgendwie nicht vorstellen.

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