Forum: Wirtschaft
Symptom der Wirtschaftsflaute: Zahl der Kurzarbeiter steigt deutlich
Martin Schutt/ DPA

Die schlechte Auftragslage der deutschen Industrie hinterlässt Spuren: Die Zahl der Beschäftigten in Kurzarbeit hat sich mehr als verdoppelt.

realist19 03.12.2019, 13:45
1. Interessant

Die letzten Wochen lösen sich die Medialen Berichterstattung über unsere Wirtschaft im Wechsel mit Positiv und Negativ ab . Erst wurde vor einer aufkommenden Rezession gewarnt und die Signale waren schon zu sehen ! Dann plötzlich war die Rezessionen schon vorbei und keiner hat es gemerkt ,?! Jetzt plötzlich schwächelt die Wirtschaft doch, da es deutlich mehr Kurzarbeit gibt ???…Ja was denn nun ?. Bin mal gespannt wenn man zuverlässige Aussagen bekommt was den nun wirklich mit unserer Wirtschaft los ist !

Beitrag melden Antworten / Zitieren
airfresh 03.12.2019, 14:17
2. "Die Wirtschaft"

Geht "sie" hoch oder runter? Schwarz oder weiß? ;-)

Evtl. gibt es ja verschiedene Branchen, Regionen, Nischen, Zukunftsfähigkeit, Kostenstrukturen, Kundenabhängigkeiten etc.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
echobravo 03.12.2019, 14:19
3. Tarifverhandlungen

Im Frühjahr stehen wieder Tarifverhandlungen zwischen den Metallarbeitgebern und der IG Metall statt. Vorher müssen die AG natürlich erklären, warum bald 100% der Betriebe pleite sind. Keine Lohnerhöhungen möglich, Rückkehr zur 48h Woche ohne Lohnausgleich, etc.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
stelzerdd 03.12.2019, 17:10
4. Zahl der Kurzarbeiter verdoppelt

Wenn die Zahl der Kurzarbeiter sich verdoppelt klingt das sehr schlimm. Panik.
Wenn es sich bei der Verdoppelung um einen Anstieg von 0,07% der Beschäftigten auf 0,14% handelt, klingt es schon weniger dramatisch.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
spiegelleser987 03.12.2019, 19:11
5. 48 Stunden?

Zitat von echobravo
Im Frühjahr stehen wieder Tarifverhandlungen zwischen den Metallarbeitgebern und der IG Metall statt. Vorher müssen die AG natürlich erklären, warum bald 100% der Betriebe pleite sind. Keine Lohnerhöhungen möglich, Rückkehr zur 48h Woche ohne Lohnausgleich, etc.
Warum Rückkehr zur 48-Stunden-Woche? Ich kenne jemanden, bei dem wurde Anfang des Jahres von Zweischicht- auf Einschichtarbeit umgestellt. Im September wurde es dann zu Teilzeitarbeit. Was heißt Teilzeitarbeit? Null Stunden pro Tag. Nur ab und zu gab es mal einen Anruf: "Komm morgen mal wieder vorbei und arbeite einen Tag". Mitte November wurde er dann gefragt, ob er bereit wäre, arbeitslos zu werden, weil er in einigen Monaten Rentner wird. Er hat zugestimmt und ist nun arbeitslos.

Die Firma musste die Produktion fast einstellen, weil die ein Zulieferer für die Autoindustrie und andere große Unternehmen der Metallbranche waren. In den vergangenen Tagen konnten wir in mehreren Zeitungen lesen, wie nicht nur die Autoindustrie immer mehr abgebaut wird. Und wenn jetzt die Kohle verschwinden soll, gibt es noch mehr Arbeitslose.

Da hilft die 48-Stundenwoche überhaupt nicht. Es muss dann auf die 1-Stunden-Woche reduziert werden. Wenn das dann mit den Zusatz-CO2-Steuern losgeht, wird es noch mehr zusammenbrechen.

Die Politik sollte zwar Ziele stellen, es aber nicht von einem Tag auf den nächsten festlegen. Das vernichtet die industrie, schafft Arbeitsplätze ab und schafft neue Billigjobs. Das Prinzip hat damals Gorbatschow erkannt und die Perestroika eingeführt..

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rsb 03.12.2019, 21:08
6. letzter Lohnabschluss

Der letzte Lohnabschluss hat die Wettbewerbsfähigkeit im globalen Vergleich geschadet. Solche Lohnabschlüsse können nicht jahr-für-jahr durch Produktivitätssteigerungen bzw. bessere Produkte kompensiert werden. Hoffentlich sind sich die Arbeitnehmervertreter mal ihrer Verantwortung für den langfristigen Erhalt von Arbeitsplätzen bewusst. Diese maßlosen Forderungen müssen endlich mal ein Ende haben, sonst ist der Industriestandort Deutschland nicht mehr zu halten. Durch die Personalkosten fehlen die Gelder für Investitionen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
brasshead 04.12.2019, 01:56
7.

Zitat von rsb
Der letzte Lohnabschluss hat die Wettbewerbsfähigkeit im globalen Vergleich geschadet. Solche Lohnabschlüsse können nicht jahr-für-jahr durch Produktivitätssteigerungen bzw. bessere Produkte kompensiert werden. Hoffentlich sind sich die Arbeitnehmervertreter mal ihrer Verantwortung für den langfristigen Erhalt von Arbeitsplätzen bewusst. Diese maßlosen Forderungen müssen endlich mal ein Ende haben, sonst ist der Industriestandort Deutschland nicht mehr zu halten. Durch die Personalkosten fehlen die Gelder für Investitionen.
Selten so einen Stuss gelesen.

(1) Deutschland steht nicht im Lohnwettbewerb mit dem Rest der Welt, denn für die Wettbewerbsfähigkeit zwischen Ländern unterschiedlicher Währungen sind ausschließlich die Lohnstückkosten (Löhne/Produktivität) maßgeblich. Reiner Lohnwettbewerb wird langfristig von den Wechselkursen kompensiert und führt damit zu nichts außer nationalen Wohlstandsverlusten.

(2) Die deutschen Löhne sind in den letzten 20 Jahren auf historisch und global beispiellose Weise hinter der Produktivitätsentwicklung zurückgeblieben. Die kumulierte Lohnzurückhaltung (der entstandene Verteilungsspielraum) beträgt inzwischen etwa das BIP eines Jahres. Genau dieser Betrag ist seit 1999 also zugunsten der Arbeitgeber umverteilt worden und genau so viel könnten die Arbeitnehmer heute mehr verdient haben, wenn sich die Löhne gemäß der Produktivitätssteigerung entwickelt hätten (was sowohl der historische, als auch der globale Normalfall ist).

(3) Die deutschen Reallöhne sind demgemäß in den Jahren 1999 bis 2014 nicht gestiegen, sondern in der Zeit bis 2009 sogar stetig gesunken. Die Arbeitnehmer haben also mindestens 13 der letzten 19 Jahre reale Lohneinbußen hingenommen.

(4) Gleichzeitig haben sich die Unternehmensgewinne im fraglichen Zeitraum nahezu verdoppelt, völlig ohne dass daraus mehr Investitionen finanziert worden wären. Im Gegenteil ist die Investitionsquote stetig gesunken.

(5) Normalerweise werden Investitionen grundsätzlich nicht aus der Portkasse finanziert, sondern per Kreditaufnahme. Der Portokassen-Zustand, in dem sich die Unternehmen seit Anfang des Jahrtausends befinden ist, tatsächlich, ein historisches Novum. Im Normalfall "fehlt" das Geld für Investitionen also immer und wird bei Bedarf per Kredit finanziert. Wie problemlos diese Option im aktuellen Zinsumfeld ist, brauche ich Ihnen wohl nicht auch noch erklären.

Bei der schrillen und arbeitnehmerfeindlichen Angstpropaganda, die Sie hier verbreiten, sind Sie offenbar Unternehmer. Vielleicht denken Sie mal eine Sekunde darüber nach, wie der jahrzehntelange Lohnverzicht der Arbeitnehmer, die Güternachfrage und die Investitionsflaute zusammenhängen könnten. Ein Tipp: Autos kaufen keine Autos.

Beitrag melden Antworten / Zitieren