Forum: Wirtschaft
Tarifabschluss in der Metallbranche: Nur Gewinner
DPA

Es war einer der härtesten Tarifkonflikte der vergangenen Jahre - und am Ende sind alle Gewinner: IG Metall und Arbeitgeber haben einen Kompromiss gefunden, der als Blaupause für die Arbeitswelt der Zukunft dient.

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Martin205 06.02.2018, 20:07
1. genau meine Meinung

Nach diesem Tarifabschluss können sich beide Parteien noch in die Augen sehen. Gleichzeit gibt es für beide Parteien die Möglichkeit nach mehr Flexibilität, sowohl Richtung 40h, als auch Richtung 28h. Die Lohneröhung ist den guten Wirtschaftsdaten geschuldet und stellt eine Anerkennung für die Mitarbeiter dar.
Bleibt zu hoffen, dass das ein Leuchtturm für die anderen Branchen darstellt und am Ende alle Arbeitnehmer davon profitieren können.
-Chapeau-

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alternativloser_user 06.02.2018, 20:15
2. ...

Also nachdem die Gewerkschaften jahrelang auf Lohnerhöhungen wegen der "schlechten Wirtschaftslage" verzichtet haben, die Inflation aber jedes jahr so bei 2-3% lag, haben die Arbeitnehmer jetzt einmal 4% mehr Lohn bekommen und dafür wurde die 35 Stunden Woche aufgeweicht, was bei der aktuellen Wirtschaftssituation natürlich mehr Belastung für alle bedeutet.
Die Arbeitgeber werden die Arbeitnehmer mehr arbeiten lassen, die prozentuale Steuerlast steigt so dass von den 4% mehr Lohn und den 5 Stunden Mehrarbeit pro Woche beim Geld nicht wirklich viel überbleibt.
Und wenn es "der Wirtschaft" mal wieder schlecht geht (der geht es übrigens IMMER schlecht wenn man die Arbeitgeber fragt), dann wird wieder mit Kündigungen gedroht und im dann neuen Tarifvertrag steht plötzlich was ganz anderes.

Bei dem aktuellen Boom hätten die Gewerkschaften 5% mehr Lohn pro Jahr fordern sollen, festgeschrieben auf 4 Jahre, mit der Option die Arbeitszeit pro Woche auf 25-30 Stunden zu reduzieren wenn der Boom nachlässt. DAS wäre Arbeitnehmerfreundlich gewesen.

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whitewisent 06.02.2018, 20:24
3.

Blaupause für die Arbeitswelt der Zukunft. Omg, aus welcher Phrasenkiste stammt sowas? Da haben sich 2 Partner gefunden, die völlig untypisch sind für Deutschland. Sowohl was die Bezahlung als auch die Bindung an Arbeitgeber betrifft, stehen diese Arbeitnehmer immer über allen Anderen.

Gilt diese Blaupause auch für die Reinigungskräfte, Leiharbeiter und befristet Beschäftigte? Wahrscheinlich nicht. Es setzt sich nur die Spaltung der Gesellschaft fort, unter dem Jubel der Gewerkschaften, welche sich nur noch als Interessenvertreter ihrer Mitglieder darstellen. Was nicht schlimm wäre, wenn diese Lobby nicht immer behaupten würde, soziale Verantwortung für die gesamte Gesellschaft zu tragen.

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MisterD 06.02.2018, 20:28
4. Es gibt nicht nur Gewinner...

ganz im Gegenteil. Keiner meiner Kollegen ist scharf auf einen 40h- Vertrag. Die Jungen ohne Kinder nicht, die Alten schon gar nicht und die Mittdreißiger mit kleinen Kindern erst Recht nicht... das wird darauf hinauslaufen die Belegschaft gegeneinander auszuspielen... "Klar können Sie 28h auf 2 Jahre machen. Dann muss Herr XYZ eben auf 40h. Wollen Sie es ihm direkt selbst sagen? Achso und nach den 2 Jahren kommen Sie auch auf 40h, das Verpasste wieder aufholen. Schönen Tag noch..." Die Industrie soll Fachkräfte ordentlich bezahlen, dann findet man auch wieder welche. Wenn man alles über Ferchau und Co macht, ist es klar, dass für den Mickerlohn keiner arbeiten will...

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aktiverbeobachter 06.02.2018, 20:44
5. Weitreichende Möglichkeiten?

Wo sind denn für den Arbeitgeber die weitreichende Möglichkeiten, im Gegenzug zum Anspruch auf Teilzeit andere Beschäftigte 40 Stunden arbeiten zu lassen?? Das ist mit diesem Abschluss an strenge hoch interpretative und damit durch den Betriebsrat immer wegdiskutierende Faktoren limitiert. „Wenn in einem Betrieb Fachkräftemangel herrscht, kann die Quote auf 30 Prozent erhöht werden„ Das als win-win verkaufen zu wollen zeigt leider keine betriebliche Kenntnis. Es war sowieso hoch skurill, das AG individuelle Wünsche von Mitarbeitern/innen auf 40h Vollzeit nicht umsetzen konnten, da der Betriebsrat diesem widersprochen hat, obwohl Mitarbeiter/in und AG das wollen. Dieser Abschluss ist sicherlich für die IG Metall ein kurzfristiger Erfolg, aber für die AG langfristig eine Katastrophe. Und damit leider für alle Beschäftigten eine Bedrohung ihres Arbeitsplatzes.

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febra 06.02.2018, 21:03
6. Hmm...

Bei uns hatten die meisten heute den Eindruck, dass die Arbeitgeber ziemlich gut dabei weggekommen sind. Lange Laufzeit, moderate Erhöhung in dieser Wi-Lage, Möglichkeit für 40h-Woche. Die 28h werden wohl eher selten werden...

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dancar 06.02.2018, 21:55
7. jetzt nur noch die exponentielle Erhöhung abschaffen

...wenn die IG Metall zukünftig noch die exponentielle Erhöhung mit Prozentsätzen abschafft oder zumindest mindert, dann wäre es perfekt.
Wie jedes Kind in frühen Schulalter lernt, ist der Zinseszinseffekt nicht zu vernachlässigen und hohe Gehälter bekommen zusätzlich noch höhere Gewinnbeteiligungen und Pensionszusagen.
Bespiel: aus EUR 100.000 Jahreseinkommen (ERA 12 aufwärts mit 40h Verträgen) werden bei jährlich 2,5% Erhöhung nach 20 Jahren EUR 163.800,- aber aus EUR 40.000 (ERA 5-6) werden nach 20 Jahren leider nur EUR 65.500,-.
Warum nicht max. 1% prozentual und den Rest in absolut gleichen Beträgen für alle ERA Stufen erhöhen? Was hindert die IG Metall daran?

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wordfix 06.02.2018, 22:25
8. Wenn das der härteste Kampf seit Langem war

dann müssen wir uns nicht wundern, wieso Arbeitgeber über Plebs und Gewerkschaften herzhaft lachen. Oder glaubt wer, daß wir Pflege-notstand hätten, wenn Verdi einmal die Eier zum Kampf gehabt hätte, statt mit der Politik über Betriebsratsplätze zu kungeln ?

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andib81 06.02.2018, 22:32
9. nicht blenden lassen

Die gut 4% Lohndteigerung ist ja nicht ab 01.01. sondern ab 01.04. Dadurch hat man somit nur 8/12 der 4% herausgeholt. Ziemlich mager. Und zu dem Arbeitszeitmodell.. der AG wird die volle Arbeitsleistung natürlich gern mitnehmen.. kündigen kann er danach oder kurz vor Ende immer noch.

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