Forum: Wirtschaft
Tarifeinheitsgesetz: Maßlosigkeit ist kein Grundrecht
DPA

Heute verabschiedet der Bundestag das Gesetz zur Tarifeinheit. Spartengewerkschaften wie die GDL verteufeln die Initiative. Sie fürchten ihr Ende. Doch das Gesetz birgt auch Chancen.

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dalaigalama 22.05.2015, 17:17
390.

Zitat von UweZ+
Mit Verlaub, ich bin seit über 40 Jahren ununterbrochen Gewerkschaftsmitglied unter dem Dach des DGBs. Und ich kenne ne Menge mit dem äusserst seltsamen Schmusekurs der DGB-Gewerkschaften gegenüber den Arbeitgebern und ihren politischen Marionetten unzufriedene Mitgewerkschafter. Der Stachel des gewerkschaftlich tolerierten Agenda-2010 Sozialkahlschlags sowie der zeitgleichen Reallohnstagnation sitzt immer noch schmerzhaft tief im gewerkschaftlichen Fleisch... Sofern Sie sich tatsächlich über die GDL aufregen sollten, dann rate ich als oller Gewerkschafter Ihnen, sich ein wenig Hornhaut auf dem arg reiz-empfindlichen Herzchen zuzulegen. Denn da rollt ein überlaufendes Fässchen auf Sie zu, dessen Wirkmacht Sie sich offensichtlich nicht mal vorstellen können...
Meinen Glückwunsch,

sehr gute Beiträge von ihnen, gefällt mir.

Und weil es in den Medien ständig FALSCH dargestellt wird, hier nochmal ein Link in dem wirklich erklärt wird, wofür die GDL kämpft:

Worum geht es im GDL-Streik eigentlich?

http://www.nachdenkseiten.de/?p=23873

Meine Sympathie und Solidarität liegt hier eindeutig auf Seiten der GDL auch als nicht Bahnmitarbeiter.

Wenn das Volk jemanden dafür verantwortlich machen will, dass solche Arbeitskämpfe in kritischen Infrastrukturbereichen überhaupt notwendig sind, dann sollte das VOLK sich an die Politiker wenden, denn DIE sind durch die Privatisierung solcher Infrastruktur diejenigen, die das verursacht haben.

Im übrigen sollte ohnehin jeder Politiker, der Privatisierungen voran, treibt sich vor Gericht für seine Veruntreuung von Volksvermögen verantworten müssen.

Aber wir haben ja gelernt, dass Amtseide nur Show fürs Volk sind und nicht eingehalten werden müssen.

Traurig, dass solche Gestalten unserer jungen Generation als Vorbild dienen müssen.

Ferdinand Lassalle würde sich schämen, wenn er sehen könnte, was aus seiner Bewegung dank Sigi und Nahles heute geworden ist.

Wer hat uns verraten?

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dfritzg 22.05.2015, 17:21
391. wartet noch 10 - 20 Jahre

dann ist die 60h Woche bei regelmäßiger Samstags Arbeit wieder Pflicht. Sozialkassen und Arbeitsschutz sind bis dahin auch eingespart denn die kosten nur. Das Einzig schöne ist dann das ihr wieder eure Kinder häufiger seht, nämlich direkt neben euch am Arbeitsplatz ......

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happy2010 22.05.2015, 17:36
392.

Zitat von UweZ+
Mit Verlaub, ich bin seit über 40 Jahren ununterbrochen Gewerkschaftsmitglied unter dem Dach des DGBs. Und ich kenne ne Menge mit dem äusserst seltsamen Schmusekurs der DGB-Gewerkschaften gegenüber den Arbeitgebern und ihren politischen Marionetten unzufriedene Mitgewerkschafter.
Und wer sich mal aus der Vogelperspektive die ganze Angelegenheit ansieht, der stellt fest, dass die Unzufriednenen gerne wechseln, oftmal dann in Spartengewerkschaften

Und wer es noch genauer ansieht, der stellt fest, dass in ganz vielen Unternehmen die Masse der Arbeiter, nennen wir diese mal "die Austauschbaren" in Gewerschaft A, und die Schlüsselspieler in Gewerkschaft B beheimattet sind

Und dann wundern sich erwachsene Menschen, dieso die Gewerkschft der "Austauschbaren" nicht genug Machtmittel für einen wirklich lukrativen Arbeitskampf zustande bringt, wenn die schlüsselspieler in einer anderen Gewerkschaftliga spielen

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happy2010 22.05.2015, 17:59
393.

Mir fällt auf, das eigentlich kein einziger der Foristen die Auswüchse im AUsland durch Spartengewerkschaften würdigt.

Weis das keiner?
Will es keiner wissen?
Macht es keinen Spaß, sich vor dem Posten informieren zu müssen?

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Isfet 22.05.2015, 18:05
394.

Zitat von dfritzg
dann ist die 60h Woche bei regelmäßiger Samstags Arbeit wieder Pflicht. Sozialkassen und Arbeitsschutz sind bis dahin auch eingespart denn die kosten nur. Das Einzig schöne ist dann das ihr wieder eure Kinder häufiger seht, nämlich direkt neben euch am Arbeitsplatz ......
Ihnen ist aber schon bekannt, dass es nicht die Spartengewerkschaften waren, die die Errungenschaften für die Arbeitnehmen erreicht haben, sondern die ach so bösen großen Gewerkschaften?

Und dass die auch mal einen "Kuschelkurs" fahren statt das Unternehmen in den Konkurs zu streiken, ist vielleicht gar nicht so verkehrt.

Was ich nicht verstehe ist dieses Feindbild, das viele inzwischen verinnerlicht haben. Eigentlich sollte man doch ein gutes Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer anstreben - dass das nicht immer funktioniert, ist mir dabei auch aus eigener Erfahrung durchaus bewusst.

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fischblase 22.05.2015, 18:09
395.

"Es ist Gift, wenn es innerhalb eines Unternehmens unterschiedliche Bedingungen für gleichwertige Arbeit gibt. Wenn es Gutverdiener gibt, die auf weniger gut Verdienende herabschauen."
======
Wenn dem so wäre, warum befeuern es die Arbeitnehmer selbst durch Werksverträge und Leiharbeit, dass es für gleiche Arbeit höchst unterschiedliche Entlohnungen gibt? Da ist es dann auf einmal alles willkommen, aber zwei Tarifabschlüsse, nein das ist zuviel verlangt, und beschwört nur Neid und Missgunst und Missgunst und Neid in der Belegschaft. Das ist natürlich widerspruchsfrei :-D

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Ossi! 22.05.2015, 18:15
396. Neoliberaler Wahnsinn in Fortsetzung

Ich bin Mitglied im Marburger Bund und möchte niemals wieder von ÖTV / Verdi vertreten werden. Jahrelang wurden während der zurückliegenden Tarifgemeinschaft unsere Interessen nicht vertreten oder berücksichtigt. Prozentuale Lohnsteigerungen für die unteren Gruppen uns Festbetrag für die oberen, 8 Stunden Schichten für die Schwestern und 72 Stunden und mehr für Assistenzärzte, mit der Begründung, man habe eine sicheren Arbeitsplatz ( als befriste angestellter Arzt im Praktikum mit einem drittel des Normalgehaltes zu Zeiten der "Ärzteschwemme". Das hat sich erst geändert, als die Tarifgemeinschaft beendet wurde. Als dann über eine Ausgleich der zurückliegenden niedrigen Abschlüsse verhandelt wurde, galte die Forderungen als maßlos. Und die Arbeitgeber, Krankenhäuser waren mittlerweile in privater Hand oder aus der Tarifbindung ausgeschieden.

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Robert_Rostock 22.05.2015, 19:00
397.

Zitat von UweZ+
Warum denn nur "ein paar"...??? Ich verlinke Ihnen lieber gleich alle deutschen Bahnstrecken, die seit der Umwandlung der Deutschen Bundesbahn (also unserer ehemaligen Staatsbahn) in die privatrechtliche Deutsche Bahn AG stillgelegt worden sind. http://www.eba.bund.de/DE/HauptNavi/Infrastruktur/Stilllegung/stilllegung_node.html Stillgelegt wurden vom privatrechtlichen Vorstand der Bahn AG in Deutschland 5137,8 km des Streckennetzes.
Sie sollten das, was Sie verlinken, auch mal lesen...

"Das Eisenbahn-Bundesamt ist für die bundeseigenen Betreiber von Schienenwegen (z.B. die DB Netz AG) die zuständige Behörde für das Erteilen einer Genehmigung zur dauernden Einstellung des Betriebes einer Eisenbahnstrecke "

Die Deutsche Bahn kann und darf also gar nicht einfach mal so profitmotiviert Strecken stilllegen.

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CastroSempre 22.05.2015, 19:17
398. Das Gesetz ist ganz klar verfassungswidrig

Art 9 III GG schützt die Koalitionsfreiheit. Diese umfaßt nicht nur das Recht sich zu Gewerkschaften zusammenzuschließen, sondern auch das Aushandeln von Tarifverträgen. Das Streikrecht ist Teil der Tarifverhandlung. Nun führt das Gesetz dazu, daß eine Gewerkschaft wie die GDL zwar einen Tarifvertrag aushandeln darf. Soweit hat man sich bemüht das Grundrecht nicht einzuschränken. Der Winkelzug der Regierung ist nun, daß der Tarifvertrag der GDL nur in den Betrieben gilt, in denen sie mehr Mitglieder hat als jede andere Gewerkschaft.
Anders als die Regierung argumentiert ist das Eingriff in Art 9 III, da ja nun die GDL in den Minderheitsbetrieben keinen wirksamen (!) Tarifvertrag abschließen kann. Formal darf sie es zwar, materiell ist der Tarifvertrag unwirksam. Dies stellt einen Eingriff in Art 9 III dar. Fraglich ist nun wie dieser Eingriff gerechtfertigt werden können, vorbehaltslose Grundrechte können nämlich zugunsten der Grundrechte anderer oder Rechtsgüter mit Verfassungsrang geschützt werden. Die Rechte anderer Gewerkschaften sind durch das Handeln kleinerer Gewerkschaften nicht berührt. Die können ja weiterhin für ihre eigenen Mitglieder Tarifverträge abschließen.
Die Unternehmen sind durch das Handeln von Gewerkschaften eingeschränkt, da im Kollektiv bessere Arbeitsbedingungen ausgehandelt werden können. Gerade dies wird aber durch Art 9 III geschützt. Im Falle kleinerer Spartengewerkschaften könnte man argumentieren, daß diese aufgrund ihrer besonderen Stellung mehr Druck ausüben können. Dies hindert den Unternehmer aber nicht daran eine Einigung zu erzielen. Sinn und Zweck von Art 9 III GG ist es auch die Stärke von Gewerkschaften zu schützen wie man an Art 9 II GG sieht.

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Robert_Rostock 22.05.2015, 19:22
399.

Zitat von UweZ+
Mit Verlaub, ich bin seit über 40 Jahren ununterbrochen Gewerkschaftsmitglied unter dem Dach des DGBs. Und ich kenne ne Menge mit dem äusserst seltsamen Schmusekurs der DGB-Gewerkschaften gegenüber den Arbeitgebern und ihren politischen Marionetten unzufriedene Mitgewerkschafter. Der Stachel des gewerkschaftlich tolerierten Agenda-2010 Sozialkahlschlags sowie der zeitgleichen Reallohnstagnation sitzt immer noch schmerzhaft tief im gewerkschaftlichen Fleisch... Sofern Sie sich tatsächlich über die GDL aufregen sollten, dann rate ich als oller Gewerkschafter Ihnen, sich ein wenig Hornhaut auf dem arg reiz-empfindlichen Herzchen zuzulegen. Denn da rollt ein überlaufendes Fässchen auf Sie zu, dessen Wirkmacht Sie sich offensichtlich nicht mal vorstellen können...
So leid es mir tut, Ihr Beitrag hat mit meinem nicht das geringste zu tun. Außer, dass es um Gewerkschaften geht.
Aber Hauptsache wieder schön rumgeschwurbelt.

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