Forum: Wirtschaft
Tarifkampf der IG Metall: Schräges Lohnsystem
DPA

Die IG Metall sollte jetzt ein fettes Lohnplus herausholen. Doch sie verhandelt über Arbeitszeiten - und lässt sich damit wohl eine historische Chance entgehen. Schuld daran ist unser leistungsfeindliches Abgabensystem.

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Heinrich_Hoert 14.01.2018, 20:23
90. In den meisten Punkten Stimme ich mit Ihnen überein

Zitat von Spiegelleserin57
Industrie 4.0 hält Einzug in die Firmen und es werden immer weniger Arbeitskräfte benötigt da die Roboter die Arbeit übernehmen. Somit wird sich das Problem Freizeit sowieso von selbst lösen. Um unser Sozialsystem aufrecht zu erhalten müssen die Abgaben so hoch bleiben, auch da die Bevölkerung nicht gesünder und besonders der Stress am Arbeitsplatz viele Kranke erzeugt. Der Soli dürfte heute schon rechtswidrig sein da er nicht mehr seiner Bestimmung entspricht und somit schon lange seine Aufgabe erfüllt hat. Diese Abgabe war als vorübergehend deklariert worden und ist immer noch vorhanden und das Geld wird wohl für andere Zwecke verwendet.
"Der Soli dürfte heute schon rechtswidrig sein da er nicht mehr seiner Bestimmung entspricht und somit schon lange seine Aufgabe erfüllt hat".

Hierin allerdings nicht, der Soli ist auf alle Einkunftsarten zu entrichten, trifft mithin also auch Selbstständige und Vermögende. Die ursprüngliche Aufgabe des Solis mag scheinbar überwunden sein, aber es gibt nicht wenige Gebiete in der BRD wo die Kommunalen und Aufgaben etwa Schulerhalt und Sanierung der Infrastruktur heute dringender sind als in den östlichen Provinzen.

Sehen Sie sich die Städte im Bereich des Ruhrgebiets an. Wieviel mancht den der Soli an den Abgaben aus?

Man sollte aus dem Soli eine Infrastrukturabgabe machen.

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mk1964 14.01.2018, 20:28
91. Mehr Freizeit muss man sich leisten können.

Das war schon bei der 35-Stunden-Woche so. Was mir in letzter Zeit auffällt: Die Leute arbeiten lieber in einem Zweitjob auf 450 Euro-Basis als dass sie im Hauptjob mehr arbeiten. Vermutlich, um die Abgaben reduzieren zu können. Vielleicht möchte die IG Metall das noch weiter fördern?

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willi_ac 14.01.2018, 20:45
92. Na, na, ein bisschen weniger Schaum vor dem Mund ...

Zitat von ich-geb-auf
Muss man sich mal vorstellen, dass ich erst ab Mitte des Monats für meinen Geldbeutel arbeiten gehe!! Wenn Versicherungen die ersten 2-3 Jahre das eingezahlte Geld für Vertrag, Aufwandsentschädigung kassieren, dann ist das Geschrei groß. Wenn der Staat aber 40% oder mehr von AN nimmt, dann soll man ruhig sein? Zudem netto nicht netto ist, es kommen noch MwSt, Ökosteuer, Lebensmittelsteuer, Erbschaftssteuer usw drauf... Der Staat müsste schlanker werden, ich habe nichts gegenb mehr Bildung, Ausbau der Schulen usw.., bessere soziale Leistungen aber man muss auch schauen, wo der Staat sparen kann. Wie kann es sein, dass die Regierung Oktober 2017 gewählt wurde, bisher nichts zustande gebracht hat (was ja nicht mal schlecht ist, wenn man sieht, was für Gesetze die so raus gebracht hatten) und dann als erstes mal ihre Diäten um mehrere 100euro erhöhen , wo ein Arbeitnehmer nur träumen kann. Da waren die Politiker gleich dabei und sogar vor vollem Bundestag (der sonst fast immer leer ist, wegen Nebeneinkünften)
... wäre vielleicht auch nicht verkehrt. Es ist natürlich immer richtig, dass der Staat sorgfältig mit den Einnahmen umzugehen hat. Wenn man sich ärgert, dass bei uns die Abgabenquote so hoch ist, muss man aber auch sehen, dass hier z.B. Schulbildung und auch ein Hochschulstudium kostenfrei sind, dass es ein soziales Sicherungssystem gibt, dass wir eine vergleichsweise zuverlässige und vertrauenswürdige Verwaltung haben etc.
Es gibt natürlich vieles zu kritisieren und zu verbessern, aber es gibt doch nur vergleichsweise wenige Länder auf der Welt, in denen es in der Summe besser läuft. Eine geringere Abgabenquote sagt nicht viel aus, wenn ich dafür viele Leistungen aus dem eigenen Portmonnaie bezahlen muss und die Risikoabsicherung gering ist.

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KlausMeucht 14.01.2018, 20:54
93. Druckmittel politisch genommen

Zitat von krypton8310
Die Gewerkschaft sollte somit mal einen geeigneten Weg finden, dass Tarifverträge wieder verstärkt Anwendung in Unternehmen finden. Dann wirds auch was mit mehr Mitgliedern.
Welches Druckmittel hat die Gewerkschaft dafür?

Jeder Arbeitgeber ist frei, dem Arbeitgeberverband aus der entsprechenden Branche ein- oder auszutreten.

Die Politik hat die Möglichkeit Tarifvereinbarungen als allgemein verbindlich zu erklären.

Die Gewerkschaft hat noch ein weiteres Problem. In einer funktionierenden Marktwirtschaft ist es wichtig dass der Wettbewerb funktioniert. Und Wettbewerb ohne Verlierer gibt es nicht. Es ist wichtig dass schlecht geführte Betriebe Pleite gehen. Gewerkschaftsmitglieder die in solch einem Betrieb angestellt sind, sehen das natürlich anders.

Was für den einzelnen Betrieb gut ist, kann für die Branche schlecht sein. Akzeptiert man für Betriebe die in Schwierigkeiten sind niedrigere Löhne, geraten Betriebe die noch hohe Löhne zahlen in Schwierigkeiten.

Gerade weil ich für Wettbewerb bin, ist für mich eine gute soziale Sicherung wichtig. Die Frage wie wir mit Verlierern des Wettbewerbs umgehen ist unabhängig von Bildung. Wir werden auch mit der besten Bildung und größtmöglicher Disziplin aller Menschen Verlierer des Wettbewerbs haben.

Die starke Schwächung unseres Sozialstaats durch die Agendapolitik, die automatischen Schuldvorwürfen an Langzeitarbeitslose hat die Gewerkschaften geschwächt. Die Erkenntnis einen Betrieb eben pleite gehen zu lassen fällt schwer, wenn Gewerkschaftsmitglieder dann ins Bodenlose fallen.

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alsi 14.01.2018, 20:56
94.

Zitat von Teile1977
Eine Gewerkschaft ist nur Mächtig wenn sie viele Mitglieder hat. In Zeiten jedoch wo die meisten jüngeren eine Mitgliedschaft für unnütze Kosten halten die man sich sparen kann (sollen doch die anderen für mich streiken und bezahlen) haben die Gewerkschaften immer weniger Macht. Welches Drohpotential hat die IGM wenn nur 30% der Mitarbeiter Mitglieder sind? Da läuft jeder Streik ins leere. Solange für die meisten das Geld automatisch vom Arbeitgeber kommt ( inkl Steigerungen aus dem Nichts) wird sich daran auch nichts ändern.
in zeigen wo immer mehr betriebe aus der tarifbindung aussteigen sollte die Politik von ihrem recht gebrauch machen und tarifabschlüsse für allgemeinverbindlich erklären.
aber die verstecken sich lieber hinter Tarifautonomien was aber nur ein vorgeschobenes Argument ist da der Tarifvertrag ja von den Parteien ausgehandelt wurden.
so wird Ostdeutschland ewig niedrieglohnland bleiben und die Fachkräfte weiterhin da hingehen wo es Geld giebt.

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brasshead 14.01.2018, 20:59
95.

Zitat von curiosus_
Also, Leistungsbilanzüberschüsse gehen immer einher mit ähnlich hohen Kapitalexporten.
Nanu. Der, der Buchhaltung für fernab der Realität hält und empirische Details für unbedeutend erklärt weil er den Blick fürs große Ganze pflegt argumentiert buachhalterisch und verwendet kleinstmögliche Mikromodelle um ein Makrophänomen zu erklären. Ja Potzblitz.

Sie werden aber nun sicher nicht bestreiten wollen, dass das Geld für die Exporte zunächst ins Land fließt (s. Target2) und dort prinzipiell erstmal für alles Mögliche verwendet werden kann.

"womit würde Dorf B denn bei Dorf A die Importüberschüsse in Höhe von 7€ bezahlen?"

Es bezahlt die 7 entweder aus einem Kredit, oder einfach aus seiner Wirtschaftsleistung. Der Betrag steht dann im Dorf B nicht mehr als Nachfrage zur Verfügung. Warum muss es zwangsläufig einen Kredit aufnehmen? Bei Kreditvergabe entsteht zudem immer(!) neues Geld, warum würde dafür unser Geld benötigt?

"Setzen Sie Dorf A = Deutschland und Dorf B = Rest der Welt, dann befinden Sie sich im hier und jetzt."

Nunja. Bis auf dass die Welt nicht aus zwei Ländern besteht und nicht beide Länder mit einem (Volks-)Vermögen von 0 starten.

Kapitalbilanz- und Leistungsbilanzsaldo sind im Sinne doppelter Buchführung immer spiegelbildlich gleich hoch. Die Leistungsbilanz erfasst Güterströme, die Kapitalbilanz Geldströme. Dorf A hat eine positive Leistungsbilanz, weil es mehr exportiert hat als importiert und eine negative Kapitalbilanz, weil es weniger gekauft hat, als verkauft. Das ist erstmal alles.

"Ein werdendes Gläubigerland hat einen Leistungsbilanzüberschuss. Diese Überschüsse aus der Leistungsbilanz fließen sofort wieder ins Ausland als Kapitalexporte"

Wikipedia ist vielleicht nicht immer die beste Quelle.

"Die chronischen deutschen Leistungsbilanzüberschüsse gehen einher mit einem stetigen Nettokapitalexport, die primär Forderungen gegenüber dem Ausland darstellen"

Die BWL meint mit Kapital Geld, die VWL aber Sachwerte. Das kann schon mal verwirren. Dem durch Exportüberschüsse zusätzlich eingenommenen Geld steht in der Gesamtheit des exportierenden Landes kein realer Gegenwert gegenüber, darum sind es solange nur Forderungen auf Sachwerte, bis wieder mehr importiert wird.

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wauz 14.01.2018, 21:12
96. Die Gründe dafür ...

Es gibt mehrere Gründe für diese Strategie der IG Metall. Und zwar gute Gründe. Es fängt damit an, dass ein Großteil der organisierten Metaller in der Autoindustrie tätig sind. Eine Branche, die vor einem gewaltigen Umbruch steht. Eine Branche, in der ein Rationalisierungsschub durch neue Technologie ansteht. Es wird gar nicht lange dauern, bis die mechanischen Komponenten für Autos Nebensache werden. Ein großer Teil der genutzten Fahrzeuge könnte dann von handwerklichen Karosseriebauern gefertigt werden. Nur der sehr einfache Antriebsstrang und die Elektronik werden dann noch großindustriell gefertigt. Um diesen absehbaren Abbau von Arbeitsplätzen abzupuffern, braucht es eben die Arbeitszeitverkürzung und die Möglichkeit, sich selbst neu zu orientieren bzw. fortzubilden.
Der zweite Grund: gerade in der Metallindustrie sind die nicht- tarifgebundenen Bereiche von der Lohnentwicklung der tarifgebundenen abgekoppelt. Ein Lohnplus für organisierte Metaller wird den Druck auf die Löhne anderweitig extrem verschärfen. Das könnte ein Nullsummenspiel zu Lasten der Solidarität geben.
Der dritte Grund: die Arbeitsbelastung wächst seit Jahren. Die tariflichen Metaller sind, was den Lohn angeht, eher gut gestellt. Sie sehnen sich aber zu recht danach, ihr Leben auch genießen zu können.
#.

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curiosus_ 14.01.2018, 22:16
97. Na, der der...

Zitat von brasshead
Nanu. Der, der Buchhaltung für fernab der Realität hält und empirische Details für unbedeutend erklärt weil er den Blick fürs große Ganze pflegt argumentiert buachhalterisch und verwendet kleinstmögliche Mikromodelle um ein Makrophänomen zu erklären. Ja Potzblitz.
...von mir nicht mehr zitiert werden möchte (Zum wiederholten mal) reagiert auf mein Zitat? Irgendwie inkonsequent, oder?

Also, zum "Mikromodell", ausnahmsweise mal nicht Wikipedia:

Die Makroökonomik befasst sich als Teilgebiet der Volkswirtschaftstheorie im Gegensatz zur Mikroökonomik mit dem gesamtwirtschaftlichen Verhalten ganzer Sektoren.

Quelle: GABLER WIRTSCHAFTSLEXIKON

Wie kommen Sie beim Dorf A - Dorf B - Beispiel auf "Mikromodelle"? Das Beispiel erfüllt obige Definition, oder etwa nicht? Was sind überhaupt "Mikromodelle"? Klären Sie mich auf.

Und zu Target2: Das hatten wir doch schon, Stichwort "Bitte hören Sie auf mich zu zitieren und zitieren sich weiter selbst". Ausnahmsweise mal nicht "mich selbst" zitiert.

"Nunja. Bis auf dass die Welt nicht aus zwei Ländern besteht und nicht beide Länder mit einem (Volks-)Vermögen von 0 starten.": Was "Modell" bedeutet ist Ihnen aber schon klar? Und die Aufspaltung in Deutschland (Dorf A) und nicht-Deutschland (Dorf B) ist legitim wenn das Verhältnis von Deutschland zum Rest der Welt betrachtet werden soll. Und was hat "nicht beide Länder mit einem (Volks-)Vermögen von 0 starten" mit der Problematik zu tun?

"Wikipedia ist vielleicht nicht immer die beste Quelle.": Na, dann nichts wie her mit der besseren. Ich warte.

"Dem durch Exportüberschüsse zusätzlich eingenommenen Geld steht in der Gesamtheit des exportierenden Landes kein realer Gegenwert gegenüber, darum sind es solange nur Forderungen auf Sachwerte, bis wieder mehr importiert wird.": Richtig. Nichts anderes sagt mein Dorf-Modell aus. Es wurden Leistungen erbracht gegen das Versprechen des Importlandes zukünftig ebenso Leistungen zu erbringen (gegen Kredit). Oder gegen das Überlassen von Werten im Importland.

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spmc-12355639674612 14.01.2018, 22:20
98. Viel zu hohe Steuern und Abgaben? Egal!

Zitat von helmut.alt
worin die Logik der IG Metall bestehen soll. Bei weniger Arbeitszeit wird zu Zeiten einer Hochkonjunktur das Wirtschaftswachstum gebremst oder die Arbeiter werden durch Überstunden noch mehr beansprucht. Jetzt satte Lohnsteigerungen verlangen, das reduziert den Handesbilanzüberschuss, gibt den Arbeitern mehr finanziellen Spielraum und ist gerechtfertigt. VW hat es vorgemacht was bei schlechter Konjunktur sinnvoll ist: Arbeitszeitverkürzung bei nicht vollem Lohnausgleich. Das Hauptübel bleibt leider unangetastet: viel zu hohe Steuern und Abgaben.
Die Höhe der Steuern und Abgaben ist vollkommen egal. Schließlich möchte ich nicht die Polizei abschaffen, nur um weniger Steuern zu zahlen, um dann eine private Leibwache rund um die Uhr beschäftigen zu müssen, wie es in manchen anderen Ländern üblich ist.
Wichtig ist, was unterm Strich übrig bleibt, und das könnte nicht nur mehr sein, sondern sollte jetzt dringend mehr werden. Das Gerede mit der Zurückhaltung, die Arbeitnehmer gefälligst zu üben haben, kennen wir inzwischen zur Genüge. Hier ist die Diskussion um eine (zeitlich begrenzte) Arbeitszeitverkürzung mit der Möglichkeit, in Vollzeit zurückzukehren, durchaus sinnvoll, denn sie wird unter dem Strich zu höherer Produktivität führen - in Zeiten von Industrie 4.0 und Digitalisierung sowieso eines der zentralen Themen.

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Ein_denkender_Querulant 14.01.2018, 23:41
99. EU kaputt machen

Zitat von curiosus_
...Weil die IGM es immer richtig gemacht hat? Oder nicht vielleicht deshalb, weil wir aufgrund niedriger Gehälter extrem wettbewerbsfähig sind?
Ich schrieb, es waren moderate Abschlüsse, im Gegensatz zu anderen Gewerkschaften, die ihre Klientel komplett verkauft haben. Und ja, das Niedriglohnland Deutschland macht die EU kaputt. Die in der EU vereinbarte Inflationsrate von 2% wird eingehalten. Dazu müssten unsere Löhne weiter steigen. Ein vergleichender Blick nach Frankreich zeigt, wie es hätte aussehen sollen. Frankreich hat heute eine signifikant höhere Produktivität als Deutschland und höhere Löhne.

Die IG-Metall handelt kurzsichtig. Der Exportweltmeister zerstört andere Volkswirtschaften. Unsere Waren, die mit Schulden bezahlt werden, bekommen wir langfristig nicht bezahlt. Siehe Griechenland mit Schuldenschnitt, etc...

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