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Tausende unbesetzte Stellen: Spahn wirbt um Pflegekräfte aus dem Kosovo
Bernd von Jutrczenka/ DPA

Gesundheitsminister Jens Spahn hat eine Vereinbarung unterzeichnet, um Pflegekräften aus dem Kosovo den Start in Deutschland zu erleichtern. Angesichts des Pflegenotstands könnten weitere Länder folgen.

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Forums-Geschwurbel 15.07.2019, 17:46
50.

Zitat von BonTempi
Das ist genau der Weg um das schlechte Pflegeniveau dass wir in Deutschland haben, noch mehr nach unten zu bringen. Gute Idee Herr Spahn.
Das fängt schon beim Image dieses Berufes in Deutschland an ...
In den USA und Kanada (und sicher nicht nur dort) ist man als
Registered Nurse eine hochangesehene Fachkraft.
In Deutschland hat der Beruf einen Ruf, wie Müllmann oder
noch schlimmer ... und dementsprechend werden Pflegekräfte
in Deutschland auch für völlig aufgabenfremde Tätigkeiten, wie putzen etc, missbraucht. Mit Geld allein wird das nix!
Das ganze Berufsbild befindet sich noch in den 50er Jahren!
Und DAS muss sich zuallererst ändern.

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cobaea 15.07.2019, 17:47
51.

Zitat von sandiro
Jetzt soll mit Gewalt aufgeholt werden was verschlafen wurde. Und zusätzlich werden neue Probleme in anderen Ländern geschaffen. Das Ganze nur weil hier nicht vernünftig ausgebildet und bezahlt wird. Das fängt in der Schule an und geht in der Ausbildung weiter. Aus einem Land Menschen anzuwerben, die dort dringend gebraucht werden nur um sie hier wieder unter schlechten Verhältnissen arbeiten zu lassen finde ich unwürdig. Warum kann Spahn nicht verboten werden so etwas zu versuchen.
Die jungen Leute, die hier angeworben werden sollen, werden im Kosovo nicht "dringend gebraucht". Das ist ja genau das Problem des Kosovo: eine Jugendarbeitslosigkeit von 25 bis 30%. Es gibt für diese jungen Leute - von denen viele eine gute Schulbildung haben - einfach keine Stellen zuhause. Pflegekräfte werden dort vorläufig auch nicht in grossem Maße gebraucht: Mindestens ein Viertel der Bevölkerung ist unter 25, aber nur 5 bis 7% sind über 65. Erst wenn die heute Jungen mal alt sind, könnte ein Pflegenotstand entstehen - also in etwa 30 bis 40 Jahren.

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anchises 15.07.2019, 17:51
52. @45 Es is genug Geld im System

nur leider vollkommen falsch verteilt. Oder was glauben Sie weshalb bei sogenannten Investoren deutsche Altenpflegeheime hoch im Kurs stehen.

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cobaea 15.07.2019, 17:56
53.

Zitat von new#head
Hört sich ja gut an. Da jedoch der Beruf des qualifizierten Pflegers reglementiert ist bedarf es für ausländische Bewerber einer staatlichen Anerkennung der Ausbildung. Ausländische Ausbildungsinhalte lassen das jedoch nicht zu. In der Regel sind aufwändige Nachqualifikationen und Prüfungen nötig. Das kostet jedoch viele Monate, da schon das Anerkennungsverfahren mindestens 3 Monate benötigt. Das hindert natürlich die Pläne von Herrn Spahn, aber er sollte das doch wissen.
Es gibt in Kosovo und Albanien bereits deutsche Unternehmen, die Pflegefachschulen betreiben und die SchülerInnen nach deutschen Regeln und Vorschriften ausbilden und in denen auch Deutsch unterrichtet wird. Diese Ausbilder hatten bisher einen ziemlichen bürokratischen Hindernislauf zu bewältigen, bis die Ausgebildeten die Zulassung für Deutschland erhalten. Andere Kliniken unterhalten solche Ausbildungsstätten schon längst auf den Philippinen und/oder in China. Auch deren Ausgebildete lernen bereits in ihrem Herkunftsland auch Deutsch und werden dann in Deutschland innerhalb einiger Monate weiter ausgebildet, bis sie die Bedingungen für die deutsche Zulassung erfüllen und die Anerkennung erhalten. Das ist also alles nicht wirklich neu. Neu ist nur, dass die bürokratischen Hürden für den Kosovo verringert werden.

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liberalissimo 15.07.2019, 17:56
54. Guter Vorschlag

Ich finde den Vorschlag von Herrn Spahn gut und richtig. Es herrscht ein Pflegekräftemangel und der ändert sich nicht von heute auf morgen durch bessere Bezahlung der Pflegekräfte. Die Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen ist verständlich - eine Verbesserung dort führt aber allenfalls langfristig zu einer Entspannung beim Pflegekräftemangel.
Spahn hat hier zudem schon eine substantielle Erhöhung des Entgelts vorgeschlagen. Und diejenigen, die noch mehr fordern, sollen mal überlegen, wo dafür eigentlich das Geld herkommen soll. Ich kann das aus eigener Erfahrung sagen: für eine vollstationäre Pflege müssen monatlich etwa 2000 Euro zugezahlt werden. Welcher Rentner kann das heute? Und wer kann sich Pflege dann noch leisten, wenn die Kosten nochmals deutlich steigen?

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glise 15.07.2019, 17:56
55. Ich glaub wir haben hier genug gute Leute hier,

die man nur ordentlich zu bezahlen braucht. Da brauchen wir keine "Fachkräfte" aus aller Herren Länder. Ich selbst würde sofort in der Pflegebranche arbeite, wenn es entsprechene Anerkennung gäbe. Dass ich keine Ausbildung haben macht nichts, da man die Arbeit durch Mitarbeiten schnell lernt. Stattdessen steckt man potentielle Pflegekräfte erstmal Jahr in nichtsnutzige Ausbildung und Berufsschule und zahlt einen Hungerlohn

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ÖstlichesMorgenrot 15.07.2019, 17:57
56. Niemand will in der Pflege arbeiten.

Niemand will in der Pflege arbeiten. Deshalb fehlen dort die Kräfte und es werden weniger. Wie Spahn in dem Zusammenhang nun auf den Kosovo kommt, weiß wohl nur er allein. Möglicherweise denkt er, die Menschen würden immer noch alle per se davon träumen, in Deutschland zu leben UND zu arbeiten. Ersteres mag unter bestimmten Voraussetzungen für bestimmt Bevölkerungsschichten stimmen. Letzteres geht indes völlig fehl. Das verwechselt Spahn, so wie viele, mit der goldenen Gastarbeiterzeiten.

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rainerwäscher 15.07.2019, 17:58
57.

Altenpflege ist ein lukratives Geschäft. Es werden Renditen bis zu 20% versprochen.
Wieder alle Heime verstaatlichen und die Pflege wird billiger..

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Hansi_aus_dem_Ruhrgebiet 15.07.2019, 17:59
58. Erfahrungsbericht aus dem Ruhrgebiet

Ich habe mir nur für diesen Kommentar angemeldet.

Ich bin gelernter Krankenpfleger. Bin aber seit 2009 nicht mehr in dem Beruf tätig. Die Bedingungen waren katastrophal (Vollzeit 1300 EUR; 12 Tagewoche, unbezahlte Überstunden, unbezahlte Rufbereitschaft, Stress...) und sind seither nur schlimmer geworden. Der Ausstieg war damals richtig. Ich bereue nichts.

Meine Ex-Frau ist ebenso Krankenpflegerin; Teilzeit. Eine Vollzeitstelle kam und kommt nicht in Frage. Warum? Wegen der Belastung und dem im Verhältnis zur Arbeit lächerlichen Lohn.

Ich kenne im unmittelbaren Bekanntenkreis 2 weitere ähnliche Situationen; eine Krankenpflegerin, die nun in einer privaten Praxis als Arzthelferin arbeitet. Sie wird nie wieder in die Pflege zurückkehren. Die Bedingungen waren miserabel.

Eine gute Freundin, ebenso Krankenpflegerin, hat erst kürzlich ihre Stelle reduziert, um schnellstmöglich aus dem Job raus zu kommen. Richtige Entscheidung. Sie studiert nun. Und wissen Sie was, Herr Spahn? Diese Leute kennen Leute die es genauso machen...

Ihr Plan wird nicht aufgehen. Da helfen weder schließende Kliniken, noch Menschen aus dem irgendwo. Das Zauberwort heißt Lohnerhöhung. Ist hier aber scheinbar nicht möglich. Lieber weiter den Preis drücken.

Warum seit ihr Politiker alle so weltfremd? In welcher Welt lebt ihr eigentlich? Ihr habt von den Bedingungen da draußen keine Ahnung.

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fritzfettke 15.07.2019, 18:01
59. Ich fühle mich nur noch verarscht...

Ich bin seit zwanzig Jahren in der Pflege. Arbeite auch gern in dem Beruf, das Problem ist nur das Leben in Deutschland von Jahr zu Jahr teurer wird und sich bei uns einfach gar nichts tut. Habe schon den Arbeitgeber gewechselt um dem Hungerlohn des Katholischen Trägers zu entgehen, die kirchlichen Träger zahlen nämlich nochmal deutlich schlechter als Private Träger. Wenn ich die Forderungen von Herrn Spahn lese kommt mir nur noch das Kotzen ! Wir jammern nicht grundlos ! Pflege betrifft jeden einmal und ist genau so wichtig wie eine funktionierende Infrastruktur und Bildung. Der psychische Aspekt das man sich Tag für Tag nur noch mit dem Sterben befasst verlängert das eigene Leben nicht und macht einen unter Umständen ganz schön nüchtern. Sowas hat man in einem Bürojob nicht, gibt es dafür einen Ausgleich ? Nein ! Finanziell werden seit Jahren die Schrauben enger angezogen, dazu kommt noch die ständige Einsparung von Personal. Der neueste Clou der Regierung ist der massenhafte Einsatz von Pflegerhelfern in Vollzeitstellen wo sie im Grunde nur helfen sollen. Werden bei uns immer mehr, Syrische/Afrikanische Flüchtlinge die schon mit den simpelsten Tätigkeiten maximal überfordert sind und oft nach 1-2 Wochen hinschmeissen. Die Jungs sind nicht so dumm wie wir und schuften sich für den Hungerlohn den sie auch so bekommen kaputt. Das kaum einer von den Helfern auch nur einen brocken Deutsch spricht und sich sehr oft zu fein für niedere Tätigkeiten ist kommt auch noch hinzu. Die Leitungen der Klinik sehen nur die besetzten Stellen und blenden die kulturellen/qualifikationsspezifischen Probleme einfach aus. Es geht ja nur um die Kohle. Jede ungelernte Kraft die bei uns im Haus anfängt und auf einmal Tatäigkeiten erledigt für die wir hier in Deutschland eine sehr anspruchsvolle und kräftezehrende Ausbildung erfüllen mussten wertet unseren Berufsstand weiterhin ab. Dafür werden immer mehr Anwälte eingestellt die immer mehr werdende Klagen von Patienten und Angehörigen wegen Pflegefehlern ausbaden sollen. Alles kein Geheimnis mehr.
Seit Jahren wird unser Krankenhaus ausgebaut, immer mehr, immer größer immer teurer. Millionen Investitionen, aber die Betreuung durch die Pflege wird bis zum zerreissen gestreckt. Das dieses kranke System in Deutschland nocht nicht völlig kollabiert ist liegt nur an der Disziplin und dem merkwürdigen Pflichtverständnis der Deutschen Pflegekräfte. Viele meiner Kollegen bekommen schwere Psychische Probleme oder versterben kurz nach dem Renteneintritt weil sie völlig ausgebrannt sind.

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