Forum: Wirtschaft
Tausende unbesetzte Stellen: Spahn wirbt um Pflegekräfte aus dem Kosovo
Bernd von Jutrczenka/ DPA

Gesundheitsminister Jens Spahn hat eine Vereinbarung unterzeichnet, um Pflegekräften aus dem Kosovo den Start in Deutschland zu erleichtern. Angesichts des Pflegenotstands könnten weitere Länder folgen.

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vera gehlkiel 15.07.2019, 18:48
70. @ivi007

Tatsache ist leider, dass die Pflegekosten aufgrund unsinniger Macken im System explodieren, wie irrationaler struktureller Wissensdefizite von Aerzten, die aufgrund von dysfunktionaler Fort- und Weiterbildung nicht behoben werden, mangelnder Fachkunde der Pflegenden selbst und auch von Angehörigen. Alles dieses wurde woanders, etwa in den Niederlanden, schon seit Jahrzehnten ganz abgestellt respektive zumindest massiv eingedämmt. Bei uns hat sich nicht einmal die flächendeckende Supervision als eine essentielle Maßnahme des gelingenden Teambuildings durchsetzen lassen. Jeder Trainer einer guten Kreisligamannschaft weiss über den direkten Zusammenhang zwischen gelingenden Teambuilding und Krankenstand heute mehr, als ein von Berufs wegen natürlich wichtig tun müssender, aber an sich komplett hilfloser Pflegedirektor. Dem jeden Tag lauter gelbe Scheine nur so auf den Schreibtisch segeln. Ausser permanenter Appelle an das höchst gefährliche Helfersyndrom, das Pflegende, Angehörige aber auch die Klientel selbst immer kranker macht, ist kaum noch strukturierendes Agieren im Sinn geplanter Pflege drin. Diese sich drehende Preispirale ist zwar sehr teuer, aber keinesfalls besonders effektiv. Leute wie Jens Spann wissen das auch genau...

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max-mustermann 15.07.2019, 19:18
71.

Unglaublich, jetzt werben wir also schon den armen Ländern in Europa ihre Fachkräfte ab auf das dort alles zusammenbricht nur damit wir an den Löhnen und Arbeitsbedingungen in Deutschland nichts ändern müssen.
Sehr christlich.

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ws56 15.07.2019, 19:20
72. Herr Spahn

Warum denn in die Ferne schweifen wenn es Arbeitslose gibt so nah. Wie wäre es mit besserer Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen? Es ist unglaublich was inzwischen in diesem Land hier abgeht.

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vera gehlkiel 15.07.2019, 19:30
73. @w.k.t.

Zitat von w.k.t.
In der Praxis stellen sich die Dinge oft differenzierter dar, als es gerne angenommen wird. Ich denke kaum, dass sich das primäre Problem des Personalmangels durch bessere Bezahlung lösen lässt. Es gibt durchaus Arbeitgeber, die einiges in diese Richtung unternehmen und dennoch unter Personalnot leiden, darunter auch sehr gute Einrichtungen. Denn, die Arbeit wird nicht attraktiver, nur weil mehr bezahlt wird. Die Arbeit in der Klinik und weit mehr noch in den Pflegeheimen wird immer mit mehr Unannehmlichkeiten verbunden sein als die meisten Arbeitsstellen. Hinzu kommt, dass Patienten und Bewohner nicht nur immer älter werden, sondern dank der modernen Medizin häufig auch länger schwerer pflegebedürftig sind, als das früher der Fall war. Auch daran ändert die Bezahlung erstmal nichts. Nicht falsch verstehen: Ich bin absolut für eine bessere Bezahlung, aber ich bin auch realistisch: ein paar hundert Euro mehr wird kaum mehr junge Leute dazu bringen den Pflegeberuf zu ergreifen. Wir werden deshalb in Zukunft noch mehr als bisher auf Einwanderung angewiesen sein. Dass das eine ganze Menge moralischer und ethischer Begleiterscheinungen hat ist unausweichlich und auch sehr zu bedaueren; ebenso bin ich der Ansicht, dass es hier eine Menge Verbesserungsbedarf in Sachen Fairness und Aufklärung gibt. Unentschuldbar halte ich jedoch einige rassistisch motivierte Kommentare hier im Forum, die vergessen, wieviele ausländische Kräfte (aus allen möglichen Ländern, mit allen möglichen Sozialisierungen) in Deutschland ihr bestes geben um Menschen zu helfen.
Was heisst "Unannehmlichkeiten"?! Ob es eine reine Quälerei ist, morgens im Akkord faltige Popos zu waschen und abgestandenen Urin zu entsorgen, hängt weitgehend einfach davon ab, was noch ist in diesem Beruf. Gibt es wirkliche Beziehung zwischen Personal und Klient, getragen von gegenläufigem Respekt und einer effizienten Rollendisposition? Ist die Pflege in solch einer Einrichtung auch im Mittelpunkt (statt der Verwaltung) wie es sein muss, da sie schließlich alleine die wertschoepfende Tätigkeit verrichtet? Ich kenne zum Beispiel Einrichtungen, da besteht eine Vorgabe, den Dienst so einzuteilen, dass sonst fällige Wechselschichtzulagen definitiv vermieden werden. Regelhaft werden Pflegekraeften bestimmte arbeitsrechtliche Tatbestände vorenthalten, etwa zur Vermeidung von allfaelligen Engpässen bei der Urlaubsplanung. Darüber hinaus gibt es in der Regel keinerlei sinngefuegtes Ineinandergreifen von Abläufen unter Erhalt eigener Ressourcen der Klientel. So etwas mit den alten/eingeschränkten Menschen zu erarbeiten macht nicht nur ungeheuren Spaß, sondern es ist auch im Bereich Nachhaltigkeit zutiefst erfüllend. Pflege als die Profession einer exakt adaptieren Alltagsbewaeltigung, mit eigenständigen Diagnose- und Controlling- Tools, diese schlichte Forderung stammte schon aus den Siebzigern. Passiert ist seither (siehe auch Klimawandel): Null! Nur die Autos auf den Parkplätzen vor den Kliniken dürften jetzt das Dreifache wiegen.

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bartsuisse 15.07.2019, 19:31
74. Lohn Arbeitsbedingungen Kompetenzen

Deutschland soll endlich allgemein bessere Löhne zahlen, es gibt viel zu wenig Pflegende pro Patient im Vergleich zu anderen Staaten, also Bedingungen verbessern und dann muss dringend das Niveau der deutschen Pflege angehoben werden auf Niveau Schweiz, Italien, Frankreich. Dann klappts vielleicht

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aausmade 15.07.2019, 19:34
75. warum müssen denn

Leute aus dem Ausland angeworben werden und dort mittelfristig für Mängel sorgen? Von den mehreren 100Tausend Menschen die in den letzten Jahren aus welchen Gründen auch immer nach Deutschland kamen werden doch wohl ausreichend Menschen sein die entweder ausgebildet sind oder die Ausbildung beginnen wollen!!!

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gluonball 15.07.2019, 19:42
76. Smart

So hebelt man den Markt aus. Der Markt würde die Gehälter nach oben regeln und damit die Nachfrage nach dem Job erhöhen. Durch solche Aktionen senkt man gezielt die Gehälter (oder lässt sie unten).
Nun könnte man meinen, dass es ja für die Bevölkerung dadurch billiger würde. Aber die Rente dieser Leute muss dann natülich wieder aufgestockt werden.
Aber das Problem wurde dann eben gekonnt auf die Zukunft verschoben. Und wen hat die je interessiert? Was ist eigentlich mit den über 1,5 Millionen Flüchtlingen? Sind die nicht potentielle Pflegekräfte? Jedenfalls wurde das so gesagt oder nicht?

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thoms1957 15.07.2019, 20:03
77. Bloß nicht mehr Lohn zahlen!

Dann lieber Fachkräfte aus dem Nicht-EU Ausland. Die fehlen dann zwar dort aber uns egal. Müssen wir nicht mal ausbilden. Mit Ärzten klappt das auch schon. Millionen an Ausbildungskosten gespart! Und über Arbeitnehmerrechte werden die auch nicht so genau Bescheid wissen. Man könnte kotzen vor soviel neoliberaler Arroganz eines Jens Spahn. Frage: Es gibt doch in den südlichen EU Ländern Millionen arbeitslose Jugendliche. Wenn angeblich hier keine Pflegekräfte zu bekommen sind, warum holt Spahn die nicht von dort? Vermutlich lohnt es sich nicht für die, hierher zu kommen. Dann müssten sie nämlich mit den bescheidenen Löhnen die hiesigen Lebenshaltungskosten bestreiten und Miete zahlen. Womit wir wieder am Anfang wären: Bloß keine besseren Löhne zahlen müssen! Lieber die Heimimmobilien -Investoren mit hohen Renditen pampern.

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w.k.t. 15.07.2019, 20:04
78.

Zitat von vera gehlkiel
Was heisst "Unannehmlichkeiten"?! Ob es eine reine Quälerei ist, morgens im Akkord faltige Popos zu waschen und abgestandenen Urin zu entsorgen, hängt weitgehend einfach davon ab, was noch ist in diesem Beruf. Gibt es wirkliche Beziehung zwischen Personal und Klient, getragen von gegenläufigem Respekt und einer effizienten Rollendisposition? Ist die Pflege in solch einer Einrichtung auch im Mittelpunkt (statt der Verwaltung) wie es sein muss, da sie schließlich alleine die wertschoepfende Tätigkeit verrichtet? Ich kenne zum Beispiel Einrichtungen, da besteht eine Vorgabe, den Dienst so einzuteilen, dass sonst fällige Wechselschichtzulagen definitiv vermieden werden. Regelhaft werden Pflegekraeften bestimmte arbeitsrechtliche Tatbestände vorenthalten, etwa zur Vermeidung von allfaelligen Engpässen bei der Urlaubsplanung. Darüber hinaus gibt es in der Regel keinerlei sinngefuegtes Ineinandergreifen von Abläufen unter Erhalt eigener Ressourcen der Klientel. So etwas mit den alten/eingeschränkten Menschen zu erarbeiten macht nicht nur ungeheuren Spaß, sondern es ist auch im Bereich Nachhaltigkeit zutiefst erfüllend. Pflege als die Profession einer exakt adaptieren Alltagsbewaeltigung, mit eigenständigen Diagnose- und Controlling- Tools, diese schlichte Forderung stammte schon aus den Siebzigern. Passiert ist seither (siehe auch Klimawandel): Null! Nur die Autos auf den Parkplätzen vor den Kliniken dürften jetzt das Dreifache wiegen.
In der Praxis stellen sich viele Dinge anders da, als man vermuten möchte. Ein großer Teil der Bewohner eines Pflegeheims befindet sich in einem komatösen Zustand und ist nicht dazu in der Lage irgendetwas zu äußern. Eine Beziehung zwischen Pflegekraft und Klient ist häufig entsprechend einseitig. In der Tendenz haben wir eine starke Zunahme an Bewohnern, die sehr stark pflegebedürftig sind und über keinerlei eigene Ressourcen mehr verfügen. Die ressourcenerhaltende Pflege ist eine nette Idee, die sich sehr gut anhört, aber häufig mit der Realität nichts zu tun hat. Der Anteil an Bewohnern "mit denen sich etwas erarbeiten lässt" ist in der Regel sehr überschaubar, denn die Tendenz ist folgende: Man bleibt so lange es irgend geht zu Hause. Viele Bewohner kommen bereits als Schwerstpflegefälle ins Heim, häufig nach Ereignissen wie Schlaganfällen. Oft genug auch nach jahrelanger Mangelversorgung durch überforderte Angehörige.
Von Personalseite kommt hinzu, dass eine Mehrheit der Beschäftigten in Teilzeit arbeitende Frauen sind, die ein Zweitgehalt zum Haushalt beisteuern. Es mag grausam klingen, aber langjährige Erfahrung zeigt: denen sind berufspolitische Aspekte meist egal, da sie es häufig nicht nötig haben überhaupt zu arbeiten. Das Ergebnis ist dann, dass es weder einen schlagkräftigen Berufsverband noch erzwungene arbeitsrechtliche Konsequenzen DURCH die Pflegenden selbst gibt.
Was der Pflege fehlt, insbesondere in den Heimen, sind Pflegefachkräfte in Vollzeit.

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PriseSalz 15.07.2019, 20:04
79. Pfui!

Andere Länder die Ausbildung bezahlen lassen (ja, ich habe es gelesen, auch deutsche Träger bilden dort aus, aber die Masse dürfte das kaum sein) und dann die Ausgebildeten absaugen. Das ist schändlich, passt aber ins Bild dieser durch und durch unfähigen Regierung. Es ist ja nicht so dass kein Geld da wäre um Altenpfleger ausreichend zu bezahlen oder hiesige Leute auszubilden. Es wird halt prioritär für Anderes ausgegeben. 'Normale' Bürger sind dieser Regierung sowas von egal!

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