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Tausende unbesetzte Stellen: Spahn wirbt um Pflegekräfte aus dem Kosovo
Bernd von Jutrczenka/ DPA

Gesundheitsminister Jens Spahn hat eine Vereinbarung unterzeichnet, um Pflegekräften aus dem Kosovo den Start in Deutschland zu erleichtern. Angesichts des Pflegenotstands könnten weitere Länder folgen.

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Gelber Rabe 15.07.2019, 20:20
80. Ich kannst nicht mehr hören,

Wie sollen denn die Arbeitsbedingungen verbessert werden, solange es kein Personal gibt.
Das kann Herr Span nicht irgendwo verzaubern.
Die Gehälter sind schon gestiegen, das allein bringt überhaupt nichts, wenn die Arbeit unerträglich ist.
Die Situation bestand schon lange vor Herrn Span und ist total verfahren.
Immerhin beschäftigt er sich damit, niemand kann erwarten, dass er das Problem innerhalb kurzer Zeit löst.
Und Angehörige sind oft aus verschiedenen Gründen keine Option.

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Gelber Rabe 15.07.2019, 20:34
81. Die Gehälter sind, je nach Wohnort

gar nicht so schlecht. Anscheinend ist es dem Großteil der Foristen hier nicht zu vermitteln, dass auch bei besserem Gehalt die Zustönde nicht zu ertragen sind.
Wer will wochenlang ohne freien Tag durcharbeiten, unter Umständen , bei denen man schon nach kurzer Zeit nicht mehr kann.
Wollten diejenigen hier, die immer behaupten bessere Bezahlung würde das Problem lösen, auf jede Freizeitplanung verzichten?
Man braucht nun mal erst Personal, bevor sich die Arbeitsbedingungen bessern.
Auch gut bezahlende Einrichtungen haben Probleme, Personal zu bekommen.
Es ist unfair auf Herrn Span rumzuhacken, der für die Umstände nichts kann.

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tbline67 15.07.2019, 22:01
82. Ach lieber Gelber Rabe Nr81

Ach Herr Spahn hat also nicht unrecht und die Gehälter sind ja genug. Wissen Sie in einem Land, wo man seinen Vorstandpanzer für knapp 100 € die Stunde in ner Wekstatt durchcheken lässt, ist die Arbeit am Menschen Herrn Spahn doch glatt 14€ wert. Wahnsinn! Und Spahn kann kein Personal anwerben ? Na ja vielleicht sollte er erstmal seinen Pflegestaatsekretär Herrn Westerfellhaus entlassen. Außer Zwangsverkammerung kann der mal nix . Was sagen denn die ach so nützlichen Pfelgekammern dazu, dass „Fachkräfte“, die eben nicht nach dem europäischen Referenzrahmen ausgebildet werden, nun zu uns kommen ? NICHTS! Wenn man als JungDynamiker mal die Probleme richtig anginge, dann würde die deutsche Pflege auch nicht am Boden liegen. Welches Signal senden denn die zukünftigen Mindestlohnkräfte an die vielen Fachkräfte ? Jetzt fehlt nur noch das Herr Spahn Verteidigungsminister wird. Herr steh uns bei !

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vera gehlkiel 15.07.2019, 22:13
83. @w.k.t.

Zitat von w.k.t.
In der Praxis stellen sich viele Dinge anders da, als man vermuten möchte. Ein großer Teil der Bewohner eines Pflegeheims befindet sich in einem komatösen Zustand und ist nicht dazu in der Lage irgendetwas zu äußern. Eine Beziehung zwischen Pflegekraft und Klient ist häufig entsprechend einseitig. In der Tendenz haben wir eine starke Zunahme an Bewohnern, die sehr stark pflegebedürftig sind und über keinerlei eigene Ressourcen mehr verfügen. Die ressourcenerhaltende Pflege ist eine nette Idee, die sich sehr gut anhört, aber häufig mit der Realität nichts zu tun hat. Der Anteil an Bewohnern "mit denen sich etwas erarbeiten lässt" ist in der Regel sehr überschaubar, denn die Tendenz ist folgende: Man bleibt so lange es irgend geht zu Hause. Viele Bewohner kommen bereits als Schwerstpflegefälle ins Heim, häufig nach Ereignissen wie Schlaganfällen. Oft genug auch nach jahrelanger Mangelversorgung durch überforderte Angehörige. Von Personalseite kommt hinzu, dass eine Mehrheit der Beschäftigten in Teilzeit arbeitende Frauen sind, die ein Zweitgehalt zum Haushalt beisteuern. Es mag grausam klingen, aber langjährige Erfahrung zeigt: denen sind berufspolitische Aspekte meist egal, da sie es häufig nicht nötig haben überhaupt zu arbeiten. Das Ergebnis ist dann, dass es weder einen schlagkräftigen Berufsverband noch erzwungene arbeitsrechtliche Konsequenzen DURCH die Pflegenden selbst gibt. Was der Pflege fehlt, insbesondere in den Heimen, sind Pflegefachkräfte in Vollzeit.
Dass mit komatoesen Bewohnern/Patienten ressourcenorientierte Pflege unmöglich sein soll, müssten Sie mal mit Palliativfachkraeften respektive Intensivfachkraeften en detail erörtern, es ist schlicht ein mangelhafter Kenntnisstand, der solcherlei Aussagen hervorbringt. Mobilisierende Pflege fängt bei Lagerung, Atemunterstuetzung und Kontrakturenvermeidung etc.pp. an, und hört beim gemeinsamen Spaziergang mit fundiertem Austausch zu Hobbies und Vorlieben noch lange nicht wieder auf. Und die den Pflegenden dargebotene Bandbreite des Erlebnisses "Begegnung" erfährt man eben fast nur in dem Beruf so unmittelbar. Um die Seele dafür allerdings zu öffnen, muss die Ausbildung im Hinblick auf alle Aspekte von Psychodynamik aber auch Pädagogik, Oekotrophologie, Verständnis von Kunst und Politik sowie Sozialwissenschaft gründlich erweitert werden, dazu kommt angepasster Sport, Kynaesthetik, Physiologie. Teilzeitkraefte müssen in ein supervisorisches Regime integriert werden, Pflege am Patienten/Bewohner als allein wertschoepfender Teil der Arbeit muss das allein maßgebliche Kriterium der Dienstplangestaltung sein, die endlich dem System "Guenstlingswirtschaft" entrissen gehört. Das Gleiche gilt für Aufstiegschancen, die bisher viel zu oft nur diejenigen haben, die mit einer Stationsschwester befreundet sind oder gut mit der Pflegedirektorin "können", keineswegs etwa die Befaehigtsten...

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vera gehlkiel 15.07.2019, 22:37
84. @Gelber Rabe

Zitat von Gelber Rabe
Wie sollen denn die Arbeitsbedingungen verbessert werden, solange es kein Personal gibt. Das kann Herr Span nicht irgendwo verzaubern. Die Gehälter sind schon gestiegen, das allein bringt überhaupt nichts, wenn die Arbeit unerträglich ist. Die Situation bestand schon lange vor Herrn Span und ist total verfahren. Immerhin beschäftigt er sich damit, niemand kann erwarten, dass er das Problem innerhalb kurzer Zeit löst. Und Angehörige sind oft aus verschiedenen Gründen keine Option.
Sind Kernproblem nicht z.b. exorbitant hohe Krankenstaende in den Einrichtungen?! Komplett fehlgehendes Controlling, wegen dem ein Grossteil der doch noch anwesenden Pflegekraefte den Grossteil der Arbeit garnicht Patienten- /Bewohnernah verbringt, sondern mit einer hanebuechen rueckschrittlichen Administration? Mit Computern, die nix je vernünftig hochladen, Formularkram, komischen Orgien eines absurden Klappordnerhervorbringens, damit man sein QM- Label ins OnlinePortal stellen darf, wofür ein kommerzieller Anbieter dann eine Stange Geld abkassiert?! Etc.pp. Ich bin keine Krankenschwester und will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen aber mir deucht doch, die ministerielle Initiative sei weitgehend ne Herumdokterei mit kaum was an vertieftem Einblick in die Materie. Die Kosovoschwester wird wohl vor Ort erstmal als Legitimation wahrgenommen werden, sich gelbe Scheine zu holen, und sie dann alles machen zu lassen, wozu man selbst keine Lust hat. Habe ich als studentische Aushilfe nicht anders erlebt. Aber ich konnte mir meine Einsamkeit zusammen mit Oma Kasuelske und Co. wenigstens wegquatschen, während ich sie astrein bettfein machte.

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w.k.t. 15.07.2019, 22:53
85.

Als jemand der aus der pflegerischen Praxis stammt, mit jahrelanger Erfahrung im Bereich der Klinik, der Altenpflege und der Fort -und Weiterbildung muss ich ihnen da leider widersprechen.
Es besteht ein großer Unterschied zwischen dem von mir erwähnten Begriff "ressourcenerhaltend" und dem von ihnen benutzten Begriff "ressourcenorientiert". Fakt ist schlicht, dass die Anzahl der Bewohner, die schwer bis schwerst pflegebedürftig sind rapide steigt. Natürlich ist dies fachlich anspruchsvoll. Das Element der "Begegnung" wie sie es nennen wird jedoch für Pflegende immer weniger, denn es ist verständlicherweise für unsere Auszubildenden reizvoller mit aktiven Bewohnern zu arbeiten (und etwas zu erarbeiten), als überwiegend Apalliker zu versorgen. In der Folge stellen wir fest, dass es immer schwieriger wird junge Menschen, die z.B. ein Praktikum absolvieren, vom Pflegeberuf zu überzeugen (auch der Wegfall des Zivildienstes ist ein Problem). Der Verdienst spielt dabei eine absolut untergeordnete Rolle.
Im Übrigen ist die Pflegeausbildung, entgegen des häufig erweckten Eindrucks, sehr abwechslungsreich und deckt unter anderem viele Bereiche der Sozialwissenschaften ab. Supervision ist Standard bereits in der Ausbildung, aber sicherlich kein Wundermittel, der Nutzen häufig überschätzt.
Ebenfalls gibt es ein sehr breites und gutes Fort- und Weiterbildungsangebot in Deutschland, dass aber selten ausgereizt wird, was wiederum zu meinem eigentlichen Einwand zurückführt, der Frage der vielen Teilzeitkräfte in Pflegeheimen.

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so-long 16.07.2019, 07:26
86. Mogelpackung

Spahn will im Kosovo (3.Welt!) das Gesundheitssystem aufbauen (was heißt das konkret???), wirbt dort Leute ab, die mit hoher Wahrscheinlichkeit erst ausgebildet werden müssen (woher soll deren Qualifikation denn kommen?). Dann kann er auch Leute aus D ausbilden und diese angemessen entlohnen. Nur dann fliegen ihm und uns die Kosten um die Ohren. Davor fürchtet sich jeder.

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alafesh 16.07.2019, 08:13
87. Hallo, Ivi

Zitat von ivi007
... können wir uns nicht leisten. Schon jetzt explodieren die Pflegekosten. Kann man doof finden, ist aber leider eine Tatsache.
Dann sind sie bitte - falls Sie mal im Krankenhaus mit Angst und Schmerzen liegen- verständnisvoll, wenn Sie elend lange warten müssen oder gar von einer überlasteten Pflegeperson angeranzt werden.
Können Sie doof finden. Ist auch doof.

Diese doofe Tatsache haben wir u.a. der Privatisierung zu verdanken.

Mit der gleichen Logik ("Krankenhäuser/ Pflegeheime müssen Gewinne machen") müssten auch Kindergärten und Schulen Gewinne machen.

Aber da kommen wir auch noch hin mit CDU CSU SPD FDP, dnen wir ja schon den Status Quo verdanken.

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new#head 16.07.2019, 08:39
88.

Mal sehen ob diese Diskussion die Zeit Wert war. Es wird ja darüber spekuliert, dass Spahn vielleicht v.d.Leyen ersetzt.
Das würde ja ins Bild passen. Ob dann ein Nachfolger diese Ideen weiterführen wird? Wir werden sehen.

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cave68 16.07.2019, 08:56
89. macht mal halblang

es ist alles richtig:Altenpfleger müssten besser bezahlt werden für ihre Arbeit und ein weiteres Problem dürften die Träger sein mit ihrem gewinnorientierten Denken.
All das ändert aber nichts daran,dass der Beruf im Vergleich zu vielen anderen Berufen (und darum geht es ja bei der Berufswahl)auch früher nie sonderlich gut bezahlt war.
Selbiges gilt für nahezu alle anderen Berufe,die mittlerweile unter eklatantem Personal- und Nachwuchs-Mangel leiden.
In meinem Beruf (Bäcker) ist es kein Deut besser und viele andere Handwerksberufe ebenso.
Kurioserweise war es in den 70er,80er-Jahren ,als unser Beruf wirklich mies bezahlt wurde einfacher Fachkräfte zu finden als heute.
Man könne ja natürlich die Löhne immer weiter erhöhen und auch so weit,dass sie weit über denen der anderen Branchen liegen...aber damit verschiebt man das Problem doch auch nur hin zu diesen anderen Branchen,weil man das Hauptproblem nicht erkennt oder wahrhaben will.
Wir haben ein Millionenheer von Hilfsempfängern,die sich dauerhaft im sozialen Netz breit gemacht haben und nie auch nur den Anspruch haben einem Job nachzugehen...sei es der deutsche "Sozialadel"...seien es Migranten,wie die libanesischen Clans (die zu allem Überfluss auch noch den Staat von hinten bis vorne betrügen)...oder wie neuerdings Roma aus Osteuropa,wo ganze Dörfer hierhin kommen und eine Gesetzeslücke ausnutzen und eine Scheinselbständigkeit anmelden um in den Genuss von Hartz4 zu kommen.
Und selbige Klientel besitzt auch meist überdurchschnittlich viele Kinder,denen sie diese Lebensweise mit auf den Weg geben.
Man kann hier im Internet die Folgen davon sehen,nämlich dass es mittlerweile ganze Schulklassen gibt ,die vom Lehrer nicht aufs Berufsleben vorbereitet werden sondern nur noch lernen,wie sie später mit Hartrz4 umgehen sollen.Unfassbar....
Und genau diese mindestens 10 Prozent Unterschicht sind diejenigen die hier auf dem Arbeitsmarkt fehlen....wir hätten vor 30 Jahren unser Sozialsystem komplett umgestalten müssen ....wir haben es nicht getan und nun wird uns dieses Malheur in spätestens 10 Jahren dermassen um die Ohren knallen......die Pflegedebatte ist hier nur der Anfang.

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