Forum: Wirtschaft
Telekom-Brandbrief-Schreiber: Revolutzer 2007

Auf einmal luden ihn TV-Talkshows ein: Mit einer Protestmail ans Management brachte der Telekom-Beamte Lutz Paege die Stimmung Tausender Kollegen auf den Punkt - und wurde nach 32 Berufsjahren plötzlich ein Promi. Auf ein Gespräch mit seinem Vorstandschef wartet er bis heute vergeblich.

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Jay's 19.12.2007, 16:57
1. Demoting nicht nur in der Industrie

Demoting, degradieren scheint ueberall die Devise zu sein. In der Industrie wird ausgelagert. Dort wo ich arbeite schafft man eine neue Arbeitskategorie. "Dies ist eine mehr adaequate Stellung" wird dann gesagt "..und wir wollen sie natuerlich nicht verlieren, da sie solch eine wertvolle Arbeitskraft sind". Die neue Kategorie hat natuerlich weniger Bezahlung.

Ich spreche nicht von der Industrie, nein sondern von staatlich gefoerderten Universitaeten in den USA. Da werden dann Kompensationsgelder fuer die oberen Etagen bezahlt. Das Universitatestmanagement erhoeht natuerlich sine eigenen Gehaelter waehrend die Angestellten seit Jahren nie eine Erhoehung bekommen haben. "Die Gehaelter muessen erhoeht werden, sonst bekommen wir nicht die Topleute" wird dann gesagt.

Also Vorsicht: Auslagerung kann auch schon bald den oeffentlichen Dienst treffen.

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telegraph-hill 19.12.2007, 17:26
2. Hmm....

Ich habe den Brief selber gelesen und er war noch recht harmlos formuliert wenn man Ihn mit der angestauten Wut vergleicht.

Auf der anderen Seite erleben die "Mächtigen" dadurch auch mal wie es sich anfühlt wenn die Politik und Medien die ganze Zeit nur Thematisieren und uns alle PAUSCHAL als Co2 Verursacher, zu teuer in der Arbeit, unausgebildet und blöde Masse bezeichnet.
Vielleicht sollten wir nun auch endlich "Manager" wegrationalisieren die bedingungslos Mitarbeiter an Aktionäre (Fondsmanager) verkaufen und einzelnen Politiker ausschalten die das "Volk" nur an die grossen Konzerne binden wollen. Es ist nur eine Minderheit die sich Sozial Strafbar macht aber wenn wir uns dieser Ungerechtigkeit nicht schnell erledigen dann kommen vielleicht noch mehr solcher Briefe. Diese fungieren dann als Streichholz. Gereizt ist die Stimmung im Lande ja schon länger und jeden Tag wird weiter fleißig weiter an der Vergrößerung der Lunte gearbeitet.

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ElOmda 19.12.2007, 17:51
3. Feigling !

Das ist das Einzige was mir zu Herr Obermann und seinen Vorstandskollegen einfällt. Was nicht passt wird unter den tisch gekehrt.
Womit explizit die Kritik bestätigt wird.
Es zeigt aber auch das die Bosse bei der Gewerkschaft auch nicht besser sind.
50 000 Menschen verkauft um eine Firma vor der angeblichen Pleite zu retten statt beharrlich zu streiken. Ein paar Tage nach dem Einknicken war dann von einem Milliardengewinn die Rede !!
Die GDL macht es vor und die in Leipzig haben es uns auch vorexerziert : "WIR sind das Volk !"
Und jetzt ?
ver.di Chef Bsirske fordert 8 % für Beamte !! Und was hat er seit 2000 !!!! für Zeitungsträger getan ? NICHTS.
Drucker 16 % Plus. Zeitungsträger Null %
Und wo sitzt der Bsirske alle drin ? Na ratet mal. In Vorständen und Aufsichtsräten die genauso handeln wie der feine Herr Obermann !
Und da glaube einer an Unschuld ! So wie an den Weihnachtsmann !

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Kassian 19.12.2007, 18:13
4.

Geht es nur mir so, oder gibt es bei YouTube keinen Usernamen "Revolutzer 2007" ???

Bei einem aktuellen Bericht hätte ich mir etwas anderes erwartet. ;)

Zum Thema an sich: war eine gute Aktion der Brief :)

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BerndTaunusstein 20.12.2007, 12:57
5. Allenthalben...

Zitat von Kassian
Geht es nur mir so, oder gibt es bei YouTube keinen Usernamen "Revolutzer 2007" ???
Lassen Sie die Leerstelle weg. Sie haben es sicher schon selbst bemerkt.

Zum Thema:
Was mich immer wieder wundert ist, dass sich solche "Manager" anscheinend immer noch sicher fühlen in der Öffentlichkeit, obwohl ihre Zahl zunimmt. Ohne es herbeischreien zu wollen: Wenn ich weiß, dass ich eine breite Öffentlichkeit gegen mich aufbringe, weil ich ihre Existenzgrundlage in Frage stelle, ich hätte eine verdammte Angst, da nicht unversehrt rauszukommen. Die riesigen Polizeiaufgebote und der wachsende Markt für Sicherheitsdienstleister und Bodyguards sprechen da Bände.

Insgesamt glaube ich schon, dass diese Methoden der systematischen persönlichen Bereicherung auf Kosten der Allgemeinheit über kurz oder lang keine Zukunft mehr haben werden. Die Abzocknomaden haben eigentlich in Zeiten des Internets keine Perspektive mehr.

Voraussetzung wäre natürlich, dass deutsche Staatsbürger endlich einmal solidarisch handeln würden. Ein kollektives "Nein" ließe sich ohne Weiteres durchsetzen.

Anscheinend geht es uns aber immer noch viel zu gut...

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indosolar 20.12.2007, 21:08
6. Ja Herr Koehler

liegt da nicht noch irgendwo ein zurueck gegebenes Bundesverdienstkreuz rum? Der Herr Lutz Paege waere bestimmt ein ein wuerdiger Vertreter. Es bringt nicht jeder fertig, seine Meinung nach oben mitzuteilen, ohne Ruecksicht auf die eigene Person.

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Revolutzer2007 20.12.2007, 23:12
7. Danke für die Zustimmung

Ich hatte einfach nur die Nase voll davon, dass immer so getan wird, als wenn wir Beschäftigten die Schuld daran hätten, dass es bei uns nicht so läuft wie es sollte und könnte.
Wir "Fußvolk" reißen uns seit Jahren sonst was aus um den Laden am Laufen zu halten und jeder neu eingestellte Manager, muss unbedingt jedes mal das Rad neu erfinden und alles "besser" und anders machen, als sein Vorgänger.
Nur wir werden nicht gefragt und für Dumm verkauft.
Wenn ich den Brief dann nicht abgeschickt hätte, wäre ich wohl geplatzt.
Die Resonanz der Kollegen war überwältigend, hätte ich mir nie träumen lassen, dass der Brief solche Wellen schlägt.
Es hat sich ja dann auch heraus gestellt, dass es in vielen - viel zu vielen - Firmen genauso hergeht.
Ob die Verantwortlichen schlauer werden, wage ich mal zu Bezweifeln, dann müssten sie ja Ihr Handeln kritisch hinterfragen und womöglich einige ihrer getroffenen Entscheidungen in Frage stellen. So viel Größe hat in dieser Liga aber kaum Einer.
Da aber einige Menschen durch meinen Brief aufgerüttelt wurden, sich ein Herz gefasst haben und "Befehle" auch wieder hinterfragen und nicht nur ausführen oder durchreichen, hat der Brief mehr bewirkt, als ich mir je träumen ließ.
Und das ist gut so.
Viele Grüße aus Berlin

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elliotrakete 21.12.2007, 12:55
8. Diesen Brief kann man gleich an den Siemens Vorstand weiterleiten

Leider ist das in anderen Firmen das gleiche Spiel.Ich habe 20 Jahre für Siemens gearbeitet und in dieser Zeit wurde die Firma auch immer mehr Gesundgeschrumpft.Unsinnige Umstrukturierungen die von den Nachfolgern wieder aufgehoben wurden und als super neue Idee verkauft wurden, waren an der Tagesordnung.Eingespielte Teams wurden aufgrund unsinniger Vorstandsentscheidungen auseinander gerissen, ohne einmal die Basis zu fragen, was die davon hält, oder Geschweigeden, die Kundschaft!
Ich habe in der selben Sparte gearbeitet wie Herr Paege und genau diese Sparte ist bei Siemens jetzt vor dem Aus!
Gott sei Dank habe ich schon vor 5 Jahren den Absprung geschafft um das nicht noch miterleben zu müssen!
Ich habe bei Siemens gelernt und hätte auch bei Siemens in Rente gehen wollen, doch das haben die Herren Vorstände zu verhindern gewusst.
Ich glaube, diesen Brief kann man fast unverändert an jede größer Firma senden, er trifft immer ins Schwarze

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helivox 21.12.2007, 18:56
9. Weinerliche Selbstbeweihräucherung von Telekom-Weicheiern

Einige richtige Punkte hat Herr Paege in seiner Email erwähnt, so die Abkopplung der Vorstände von dem, was tatsächlich im Unternehmen passiert. Der Tenor ist jedoch eher eine Selbstbeweihräucherung von Telekom-Weicheiern, oft ist vom "wir" die Rede und man hat den Eindruck, als sei die Rede von einer großen Familie, in der man sich ganz doll lieb hat. Und dann das weinerliche Beschweren über die angeblich mangelnde Wertschätzung, die die Mitarbeiter erfahren. Letztendlich geht es eben um ein Unternehmen und dessen Angestellte, nicht um enttäuschte Liebe. Und ich behaupte, das Mitarbeiter der Telekom keine Ahnung haben, wie sich ein wirklich rauer Wind in anderen Unternehmen anfühlt.

christoph

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