Forum: Wirtschaft
Teure Verkehrsprojekte: Scheuer weiß nicht, warum die Kosten explodieren
Michael Kappeler / dpa

Ob Straße oder Bahn: Ein Großteil der Verkehrsprojekte wird teurer als geplant. Doch im Verkehrsministerium versuche man erst gar nicht, die Ursachen zu verstehen, kritisiert der Bundesrechnungshof nach SPIEGEL-Informationen.

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Frusti 19.04.2019, 08:27
80. Planungsdefizite

Zitat von alsterherr
Nein, das wäre dann das Problem der Bieter, einfach später die Preise erhöhen geht nicht! Änderungen, Nachbeauftragungen, etc ... damit wird Geld gemacht.
... und warum werden Änderungen und Nachbeauftragungen erforderlich/möglich? Weil das bisher Beauftragte das Erforderliche nicht wiedergibt.
Und warum ist das so? Weil dann vor Baubeginn schon offenbar wäre, was das Ganze letztlich kosten würde.
Und warum will man das vorher nicht wissen? Weil dann viele Finanzierungen/Projekte gar nicht erst zustande kämen.
Aber einfacher ist natürlich die Schuld den ausführenden Firmen in die Schuhe zu schieben, als wenn die sich selbst nachbeauftragen könnten...

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Frusti 19.04.2019, 08:38
81.

Zitat von foxb3b3
Ist doch klar warum es die Kostensteigerungen gibt. Die Wirtschaftlichkeit. Daran würden viele Projekte wie Stuttgart 21 oder BER scheitern, wenn man Sie nach realen Zahlen planen würde. Hat man doch am besten bei Stuttgart 21 gesehen. Wären die realen Zahlen auf den Tisch gekommen, wäre das Projekt sofort verworfen worden. Also wird runtergerechnet und geschustert, bis es irgendwie passt. Wenns danach dann viel teurer wird, tjaa...wer konnte damit rechnen, aber es muss dann ja fertig gebaut werden, weil man ja ansonsten 1-2-3 Mrd Eur in den Sand geschossen hat. Das ist volle Absicht. Eine weitere Ursache ist der Zwang der Internationalen Ausschreibung und der Tatsache, dass man im Prinzip den günstigsten Anbieter nehmen muss. In Österreich muss/soll der Zweitgünstigste genommen werden. Interessanterweise läuft es da viel besser, weil die Firmen deutlich realere Berechnungen abgeben um eventuell den Zuschlag zu erhalten, nicht nur billig, billig.
Muss leider ein wenig korrigieren. Nicht auf das günstigste sondern auf das wirtschaftlichste Angebot ist der Zuschlag zu erteilen. Dies nähert sich dem österreichischen Modell schon sehr an.
Leider wird diese wirtschaftliche Erwägung (gerne) mit "billigste" fehlinterpretiert. Ergo: Selbst schuld.

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demokrat2 19.04.2019, 09:06
82. CSU-Verkehrsminister Scheuer verletzt seine Pflichten und ....

....darf weiter wursteln. Dieser Verkehsminister kommt uns auf Dauer sehr teuer (der Scheuer). Was geschieht jetzt? Wird der Fall im Parlament zur Sprache kommen oder war es das? Bitte mehr Informationen. Hat das Verhalten von Scheuer Konsequenzen?

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tempus fugit 19.04.2019, 09:21
83. Eben,...

Zitat von Leser_01
Vielleicht geben Unternehmen auch einfach nur zu niedrige Kostenvoranschläge ab um den Zuschlag zu erhalten.
...das wäre verdeckter vorsätzlicher Betrug am Staat.

In der Regel heisst ein Volumenangebot kann - sagen wir mal 10% - überstiegen werden aber dann mit Nachweis
der Gründe.
Wenn die Schweiz einen Gotthard-Basistunnel zeitlich und kostenmässig baut, ohne bemerkenswerte Steigerungen/ Verzögerungen dann?

Ja dann: Viva la Banana!

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yvowald@freenet.de 19.04.2019, 10:05
84. Wer läuft gegen diese Großprojekte Amok?

Zitat von skeptikerjörg
Nein, so einfach ist es eben nicht. Die Crux liegt im politischen Bereich. Würden Großprojekte hinsichtlich Ausschreibung, Lastenheft, Kostenschätzung etc. seriös angelegt, kämen die meisten nicht durch den Haushaltsausschuss und würden also nicht finanziert. Daher ist es Usus, sie gegen besseres Wissen an der unteren Grenze anzusetzen und dann nachträglich mit Änderungen, Zusatzleistungen der Realität näher zu bringen. Und natürlich lassen die Auftragnehmer sich das bezahlen. Würden bei Projekten wie S21, BER, Elbphilharmonie, Autobahnbrücken, Hochgeschwindigkeitsstrecken usw. die real kalkulierbaren Endkosten vorausgesetzt und publik gemacht, würden Bürger, Bund der Steuerzahler, jeweilige Opposition in den Palamenten Amok laufen.
Interessante Theorie. Warum laufen wir Bürgerinnen und Bürger, der Bund der Steuerzahler und die parlamentarische Opposition nicht auch dann Amok, wenn sie sich allesamt von der Exekutive getäuscht fühlen? Vermutlich dürfte es so sein, daß die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger mit finanziellen oder sonstigen Zuwendungen "geködert" werden, um solche Großprojekte nicht zu gefährden, um am Ende die enormen Gewinnerwartungen nicht zu reduzieren. Es wäre längst an der Zeit, daß der Bund der Steuerzahler(innen) diese Ursachen endlich offenlegt und immer wieder publiziert. Wer sollte dies denn sonst tun?

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urbuerger 19.04.2019, 12:51
85. Schon die Deutsche Hanse hat Buchhaltterische Mindestanforderungen ...

… definiert, nach welchen der rechtmäßige Kaufmann handeln sollte!
Wer schon mal etwas in dieser Richtung gelernt hat, weiß sehr gut worum es sich dabei handelt!

Wenn man ein Geschäft abschließt, überprüft man den Kostenvoranschlag genau, um zu verhindern, dass es diverse Nachverhandlungen möglich machen, die Kosten explodieren zu lassen!

Jeder Privatmann, der sich seinen Hof pflastern lässt, setzt vertraglich fest, das der Kostenvoranschlag die gesetzlichen Regelungen nicht überschreitet, etwa 10% der Gesamtsumme!

Wie wir schon aus dem Verteidigungsministerium wissen, werden diese einfachen Regeln nicht eingehalten!
Es kann eigentlich nicht möglich sein, dass in den Ministerien nur solche Menschen mit Verträgen umgehen, die von der Materie keine Ahnung haben, weshalb es dort andere Gründe geben muss!
Wenn von dem Verteidigungsministerium Flugzeuge bestellt werden, aber nur ein kleiner Teil der Lieferung überhaupt einsatzfähig ist, dürfte den Unternehmen kein Geld ausgezahlt werden, da der Vertrag nicht erfüllt wurde!
Sieht man sich die Kostenexplosion der Restaurierung der Gorch Fock an, muss man zu dem Schluss kommen, dass es hier um Korruption ging, da ja auch Kredite an Staatsbedienstete von Seiten der Werft gab!

Geht man wieder zum Verkehrsministerium zurück, stellt man fest, dass viele Aufträge im Straßenbau keiner Kontrolle unterliegen, ob die vertraglichen Bedingungen erfüllt wurden!
Es gibt Bundesstraßen, die vor 5 Jahren eine komplett neue Decke bekamen, mit samt der Kofferrung, welche nun, Fünf Jahre später wieder einem Ackerweg gleichen, mit Schlaglöchern in denen man sich die Beine brechen kann. Nun ist dieser 1,8 KM lange Abschnitt wieder gesperrt und er bekommt eine neue Decke und an manchen Stellen wird sogar der Koffer (Unterbau der Fahrbahndecke) nochmals erneuert, weil beim ersten Anlauf so stark gefuscht wurde.
Unser Bürgermeister schlug bereits seit Beginn der Bauarbeiten vor 5 Jahren Alarm, weil die Baufirma nicht vorschriftsmäßig gearbeitet hatte und am Material deutlich gespart hatte, leider völlig ergebnislos!
Da es sich um eine Bundestraße handelt, ist der Einfluss von Kommunalpolitikern hierbei gleich Null!

Aber auf diese Weise werden Steuergelder versemmelt, denn ohne Kontrolle, tanzen die Mäuse bekanntlich auf den Tischen und es bleibt die Vermutung im Raum, ob es bei den ausschreibenden Behörden nicht sogar um Korruption geht!

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franciszek_wisniewska 21.04.2019, 22:59
86. Politiker entscheiden - ob man sie nochmal wählt

da werden sie sich doch nicht selber kontrollieren. Und gar nicht, aber auch gar nie selber kritisieren.
Der Rechnungshof sollte nicht nur kontrollieren - sondern besonders Unfähige sanktionieren.

ICh wüsste eine Projekt: Weg mit den Alpen, freie Sicht aufs Mittelmeer

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Miere 23.04.2019, 00:50
87. Hauptsache, der Pofalla ist versorgt.

Dafür ist die Bahn ja immer gut: Versorgungsposten für ausgeschiedene Politiker. Irgendwie schaffen die Schweizer es, ihre Großprojekte pünktlich fertig zu bekommen, und zu den vorgesehenen Kosten. Die Dänen auch, glaube ich, zumindest bei dieser Brücke, die Schleswig-Holstein sich nicht leisten kann. Vielleicht dort mal nachfragen, was da anders läuft?

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Peter Bernhard 23.04.2019, 10:57
88. Kein Zurück mehr

(...) Projekt überhaupt fertiggestellt werde. Wenn das Ministerium etwa bei "Schienenbauprojekten die Ziele bereits mit dem Verkehren eines Eröffnungszuges als erfüllt ansieht, stellt dies keine ausreichende Erfolgskontrolle dar". An dieser Stelle des Artikels fiel mir auf: bekommen könnte man dem phänomenalen Überhaupt mit einer Differenzierung einer Relation zwischen "Fertigstellenden" - zunächst wollte ich "Anbieter", also "Bieter"sagen und einer Relation zwischen dem Überhaupt, nämlich dem Staat, und dem worum es geht. Letzteres ist wie bei Seuchen, äh, und Krieg letztlich "definiert", also auch die entsprechende Lösung - dabei kann Geld durchaus eine Rolle spielen - sicher aber sekundär! Im Verhältnis der Ausführenden - und der Beste hat schon gewonnen - das bleibt er dann auch logischerweise beim Nicht-machen-werden von Abstrichen. Da gibt's eh' kein Zurück mehr.

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yvowald@freenet.de 23.04.2019, 17:33
89. Kapitalismus pur

Zitat von Leser_01
Vielleicht geben Unternehmen auch einfach nur zu niedrige Kostenvoranschläge ab um den Zuschlag zu erhalten.
Nicht nur "vielleicht". Die Preisgestaltung bei der Kalkulation von Leistungen im Rahmen öffentlicher Aufträge (Verkehrsprojekte, Rüstungsprojekte usw.) hat immer "zwei Gesichter". Einmal werden möglichst niedrige Angebotskosten offeriert, die sich am Ende verdoppeln oder gar verdreifachen. Dagegen müßten die öffentlichen Auftraggeber "Sperren" einbauen, damit dem Treiben ein Ende gesetzt wird.
Aber, es fehlt der Politik der Mut, sich gegen die wirtschaftlich Mächtigen durchzusetzen. Wer bestimmt die Richtlinien der Politik? Nicht die Bundeskanzlerin oder die Ministerpräsidenten der Länder. Sondern die Wirtschaftsverbände, die Preiskartelle stützen, um das System der grenzenlosen Gewinne nicht zu gefährden. Kapitalismus? Ja, Kapitalismus pur.

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