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Tourismusbranche: Dumping-Löhne im Ferienparadies
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Ihr Job ist es, urlaubsreife Deutsche zu beglücken. Die Bezahlung ist mies: Laut einem Zeitungsbericht verdienen mehr als zwei Drittel der Vollbeschäftigten in der Tourismusbranche weniger als den bundesweiten Niedriglohn.

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01099 30.07.2012, 09:35
1. Willkommen in der Gastronomie-Realität

Diese Entwicklung hat zwei Ursachen. Die eine ist, das der Deutsche sich zum pathologischen Sparer entwickelt hat, der auch den Urlaub oder seinen Restaurantbesuch zum möglichst günstigsten Preis haben will, auch wenn er dafür mehr Geld ausgeben könnte. So kommt wenig Geld in der Kasse der Betreiber von Hotels und Restaurants und die Angestellten können nur schlecht entlohnt werden oder es wird auf Pauschalkräfte zurückgegriffen.
Die zweite ist der Geiz der Gastronomen, denen die Arbeit und die Bedingungen, unter denen sie geleistet wird, völlig egal sind. In diesem Berufszweig wird es als gegeben angesehen, das Angestellte rund um die Uhr verfügbar sind, auf Sommerurlaub verzichten und zu unbezahlter Mehrarbeit bereit sind und das alles zu Niedrigstlöhnen. Es ist kein Wunder, das gerade in dieser Branche die Zahl der Alkoholiker zu hoch ist.
Leider haben diese Angestellten keinerlei Möglichkeit, sich Gehör zu schaffen, da es praktisch keine Interessenvertretung in Deutschland gibt. Es existiert zwar eine (Schein-)Gewerkschaft", die sich NGG nennt, doch ist da kaum einer Mitglied, da sich dies negativ auf eine eventuelle Einstellung auswirken könnte oder man sich schlicht die Beiträge nicht leisten kann. Zudem würde die Zeit fehlen, sich aktiv für bessere Bedingungen einzusetzen. Ein Mitarbeiter in Hotel oder Gaststätte kann eben nicht einfach freinehmen, um an einer Demonstration teizunehmen und deshalb hat auch noch niemals eine solche stattgefunden oder hat irgendjemand schon Köche oder Kellner auf der Straße gesehen?
Für diese Arbeitswelt interessiert sich keiner mehr. Sie ist das Abstellgleis für Menschen, die ohne die Schufterei auf Hartz4 angewiesen wären bzw. so schon aufstocken gehen müssen. Das Schlimme daran ist, das ein Angestellter in der Gastronomie kaum noch Chancen hat, dieses Berufsfeld zu verlassen oder gar aufzusteigen. Es ist eine Falle.

Für mich ist es beschämend, das sich ganz Deutschland für irgendwelche verhätschelten und hochbezahlten Opel-Mitarbeiter starkmacht, aber die Situation des Kellners, Kochs oder Zimmermädchens um die Ecke keinen mehr interessiert. Auch die Politik verschließt die Augen vor die Zuständen.
Das führt dazu, das sich heute kaum noch einer auf einen Ausbildungsplatz in dem Metier bewirbt, es sei denn, er wird von der Agentur für Arbeit dazu gezwungen oder er hat schlicht keine andere Wahl. So wird die Situation immer weiter verschärft.

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jagenauundso 30.07.2012, 09:36
2. Sicher?

Zitat von sysop
Ihr Job ist es, urlaubsreife Deutsche zu beglücken. Die Bezahlung ist mies: Laut einem Zeitungsbericht verdienen mehr als zwei Drittel der Vollbeschäftigten in der Tourismusbranche weniger als den bundesweiten Niedriglohn.
Ist das der reine Lohn oder sind da Dinge wie freie Kost und Logis und kostenloser Transport schon mit eingerechnet (wenn wir von den Mitarbeitern vor Ort im Urlaubsparadies sprechen)?

Gilt das auch für die Mitarbeiter hier in den Reisebüros?

Anders gesagt: relevante Informationen fehlen, somit hat der Artikel kaum Aussagekraft.

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Ambermoon 30.07.2012, 09:58
3.

Zitat von jagenauundso
Anders gesagt: relevante Informationen fehlen, somit hat der Artikel kaum Aussagekraft.
Was denn für ein Artikel? Das sind sieben Sätze...

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medhusahh 30.07.2012, 10:17
4. Aha

Allein diese aussagekräftige Bildununterschrift "Urlauberin in Mannheim: Dumpinglöhne"

Das ist tatsächlich kein Artikel, sondern eine Frechheit. Es wird keine Aussage darüber getroffen, wo denn nun diese Billiglöhne gezahlt werden, in Deutschland oder in den Urlaubsländern. Warum werden in der Tourismusindustrie nur Deutsche "beglückt"? Wird in Hotels in denen ausländische Gäste in Deutschland absteigen etwa besser gezahlt? Werden die Beiträge bei SPON von automatischen Textrobotern erstellt? Aber wenn man schon auf Bild als Quelle zurückgreift, kann wohl kaum etwas anderes dabei herauskommen.

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Vox libertatis 30.07.2012, 10:22
5. Bild und Bildunterschrift

demonstrieren, wie unhaltbar die Zustände geworden sind. Nein, ich meine nicht das völlige Fehlen eines Bezugs zum Text oder die angesprochene Lohnhöhe, sondern die Tatsache, dass junge und gesunde Menschen inzwischen ihren Urlaub anscheinend in Mannheim verbringen müssen.

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Peter Werner 30.07.2012, 10:22
6.

Geiz ist geil...
Eine Woche Türkei 400 €; AI im 5 Sterne Ressort inkl. Flug.
Was soll da noch für die Mitarbeiter übrig bleiben?
Solange viele Menschen nicht bereit sind, den Wert einer Dienstleistung anzuerkennen und entsprechend dafür zu bezahlen, so lange wird sich nichts daran ändern.
Die Jagd nach dem ultimativen Schnäppchen ist mittlerweile zum Volkssport geworden; dies gilt auch für Urlaubsreisen. (Fast) nichts bezahlen wollen, rummeckern wenn vor Ort mal 10 Minuten auf ein Getränk gewartet werden muss, mit dieser "Begründung" dann noch das Trinkgeld verweigern.

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Die Exklusivmeldung 30.07.2012, 10:26
7. Wozu mehr zahlen?

Zitat von 01099
Diese Entwicklung hat zwei Ursachen. Die eine ist, das der Deutsche sich zum pathologischen Sparer entwickelt hat, der auch den Urlaub oder seinen Restaurantbesuch zum möglichst günstigsten Preis haben will, auch wenn er dafür mehr Geld ausgeben könnte.
Das war aber schon immer so, und niemand gibt freiwillig mehr Geld aus als nötig. Ich weiß auch nicht, woher das Wehklagen der Beschäftigten in dieser Branche nun kommt. War es denn jemals anders, daß Zimmermädchen oder Hotelpförtner nur wenig Geld verdienten?

Ja, die Gäste wollen wenig Geld ausgeben. Ich auch. Ich übernachte recht häufig in Hotels u.a. in Frankfurt und bin über die teilweise günstigen Preise natürlich entzückt. Die Zeiten, wo ich mal im Maritim in Köln für's Doppelzimmer 322 € (das war 2003!) bezahlt habe, sind vorbei. Für 60 € bekommt man auch schon ein sauberes Zimmer inklusive Frühstück. Wozu mehr zahlen?

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henryb_de 30.07.2012, 10:35
8. Niedriglohn ?

Masse statt Klasse scint das Motto zu sein.
Wenn man 1-2 mal wöchentlich essen (oder sollte man Fressen schreiben) gehen will, darfs für Normalverdiener einfach nicht so viel kosten. Und da nimmt man da Abstriche in Service (ungelernte, Studenten ...) und Qualität der Speisen in Kauf. Man könnte ja auch 1-2 mal im Monat gehen und dort zu etwas mehr Geld guten Service und interessante Speisen suchen. Liegt an einem selbst.

Und ja, das Geld wird dann auf weniger Leute verteilt. Des Rest ist dann eben Überkapazität und muss dicht machen.

Aber wieso sind 1800 Euro Niedriglohn? Vielleicht im Westen verglichen mit den Schaubern bei VW etc. Im Osten klingen 1800 Euro für viele nichtakademische Facharbeiter/Kaufleute/sonstige Dienstleister gar nicht so übel ... leider.

Ach ja, ich ziehe ehrlich den Hut vor allen, die sich der Herausforderung Gastronomie/Hotellerie freiwillig oder unfreiwillig stellen. Habe selbst mal 2 Monate dort arbeiten "dürfen". Als Jugendlicher ohne Familie kein großes Problem. Aber für ein geregeltes Familienleben meiner Meinung nach "tödlich".

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01099 30.07.2012, 10:40
9.

Zitat von Die Exklusivmeldung
Das war aber schon immer so, und niemand gibt freiwillig mehr Geld aus als nötig. Ich weiß auch nicht, woher das Wehklagen der Beschäftigten in dieser Branche nun kommt. War es denn jemals anders, daß Zimmermädchen oder Hotelpförtner nur wenig Geld verdienten? Ja, die Gäste wollen wenig Geld ausgeben. Ich auch. Ich übernachte recht häufig in Hotels u.a. in Frankfurt und bin über die teilweise günstigen Preise natürlich entzückt. Die Zeiten, wo ich mal im Maritim in Köln für's Doppelzimmer 322 € (das war 2003!) bezahlt habe, sind vorbei. Für 60 € bekommt man auch schon ein sauberes Zimmer inklusive Frühstück. Wozu mehr zahlen?
Das typisch deutsche Argument: "Das war schon immer so". Da geht mir das Messer in der Tasche auf!
Na klar gebe ich mehr Geld aus, wenn ich guten Service und beste Qualität will!? Was denn sonst?
Wir leben auch nicht mehr im 19. Jahrhundert, als Mamsell und Diener nichts wert waren. Woher das Wehklagen kommt? Nun, der Lohn in der Branche führt dazu, das die Angestellten kaum irgendwas in die Rentenkasse einzahlen können und mit 67 dann auf die Sozialämter laufen werden, um Unterstützung zu beantragen. Diese Menschen haben sich ihr ganzes Leben ihren Hintern aufgerissen, Überstunden gemacht, auf Urlaub verzichtet und körperlich hart gearbeitet und das soll dann das Ergebnis sein??

Sie sollten mal hinterfragen, was Ihr Verhalten gesellschaftlich bewirkt. Das Sparen hört nämlich nicht bei Ihrem Portemonaie auf, sondern setzt sich in Küchen und Lohntüten fort.

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