Forum: Wirtschaft
Treuhand-Funktionär Scheunert: "Der Jammer-Ossi ging mir maßlos auf die Nerven"
Patrick PIEL / Gamma-Rapho via Getty Images

Er war der einzige Ostdeutsche zwischen lauter West-Managern: Detlef Scheunert trieb als Treuhand-Direktor Verkauf und Schließung alter DDR-Betriebe voran - und galt seinen Bekannten deshalb bald als Kollaborateur.

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claus7447 09.11.2019, 10:09
1. Danke für dieses Interview!

In früheren Beiträgen hatte ich ja schon mal geäußert, das mich mein Berufsleben ca. 7 Jahre vor der Wende oft in die DDR geführt hatten um Aufträge des Westens bei DDR Betrieben zu platzieren, bzw. geeignete Betriebe zu suchen. Das geschah natürlich immer unter strenge Aufsicht des Ost-Berline Handelsministeriums. Wir waren (teilweise) erfolgreich - allerdings oft mit großem Aufwand, d.h. Zulieferung von Bestandteilen aus dem Westen, weil es diese in der DDR nicht gab. Das fing von Lacken an und hörte bei zertifizierten Elektrokabeln auf. Es war erschütternd was dort anzusehen war. Der Standard in vielen Betrieben entsprachen Vorkriegs Ausrüstung. Produktivität war gegen 0 - es war ja auch egal. Der Wechselkurs Westmark zu Ostmark in diesem Geschäft war 1:4 bis 1:7, Hauptsache, es kamen Devisen rein. Es gibt mittlerweile gut recherchierte Literatur im Markt, der mit Nachweisen und Details aufwartet - die sind überprüfbar da die Akten jetzt weitgehend geöffnt. Die Wirtschaft der DDR war 1989 schlicht pleite. Und isch stelle immer die Frage: Wie hätten sich die Bürger der DDR verhalten, wenn die Ostmark weiterhin Währung gewesen wäre um im alten Wirtschaftsgebiet der RGW zu operieren - oder - wer hätte die riesigen Verluste die aus dem Wechselkursverlust entstanden wäre getragen? Und ich gebe dem Interviewten recht: die AfD wie die Linke - aber auch Frau Köpping versucht hier in der Mitleidswelle zu fischen! Es ist nicht aufrichtig!

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JohnC. 09.11.2019, 10:09
2.

Die letzten beiden Sätze sagen eigentlich Alles, warum "die Einheit" scheitert. Weil der Westen sich nicht für den Osten interessiert. So wie Herr Scheuert. Der hat sofort begriffen, wie man im Westen Karriere macht. Anpassen und mit den Wölfen heulen. "Die gesellschaftlichen Auswirkungen haben damals keine Rolle gespielt." Auch so ein Satz. Auch so ein Grund.

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raeuber.hotzenplotz 09.11.2019, 10:10
3. Pflichtlektüre für die Braunen und die SED-Nachfolgepartei

Klar sind Dinge schief gegangen, und hinterher ist man immer schlauer...das ist unvermeidlich bei so einem Projekt wie der Einheit. Niemals zuvor gab es so ein Projekt.

Wir alle in Ost und West sollten stolz drauf sein, wie wir das gepackt haben. Und die ewigen Nörgler, die auch heute noch nur Benkenträger und Beleidigte sind so wie es auch der Autor erlebt, wenn er in seine Heimat fährt, werden zum Glück mit der Zeit immer weniger. Problematisch sind die vielen jungen Leute, die das alles als Kleinkinder erlebt haben und heute dunkelbraun oder ex-SED wählen. Hier hat unsere Bildung versagt, am Geld kann es nicht gelegen haben bei den hunderten von Milliarden, die in den neuen Bundesländern investiert wurden.

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hegoat 09.11.2019, 10:15
4.

Was für eine Selbstbeweihräucherung. Ich bin der Geilste, Ossis alle Jammerlappen und in der Treuhand arbeiteten die Top-Leute. Komisch, warum die dann statt 600 Mrd. Gewinn 200 Mrd. Verlust gemacht hat. Ein bisschen Selbstreflexion wäre hier angebracht. Und nein, ich komme nicht aus dem Osten.

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Harald Schmitt 09.11.2019, 10:16
5. Wo haben sie den ausgegraben

Ich habeda Story von Wessis gehört, Roland Berger hat da kräftig mitgemischt und Betriebe weit unter Wert bewertet damit die eine große deutsche Bank zum Schnäppchenpreis bekommen hat.
Ossis, die jahrelang in den Betrieben gearbeitet haben, hatten keine Chance die zu übernehmen , die Treuhand hat die dann verscherbelt.
Da wurden Betriebe für eine DM verkauft und die Grundstücke dann für mehrere hundert DM weiter verscherbelt.
Warum wohl sind die meisten in Westhand gewandert mit Bürgschaften vom Staat?
Westbetriebe haben von den 50% Sonderabschrebungen massiv gebraucht gemacht und dann die Maschinen in den Westen gekarrt.
Da wurde auf verbrannte Erde gesetzt, Konkurenz für den Westen ausgeschaltet und die Maschinen und das KnowHow von der Konkurenz im Osten für eine symbolische DM abgestaubt.
Nicht alles im Soten war schlecht. Das gesamte Volkseigentum der DDR + 200 Millarden DM sind größtenteils an Wessis geflossen und dann fragen sie sich warum der Osten aus Frust AFD wählt.
Man sieht ja die Unfähigkeit udn fehlende Weitsicht der Politik bei BER, Stuttgart 21 und der Energiewende. Die haben kein Gefühl für Geld und lassen sich von Beratern Gesetze diktieren und übern Tisch ziehen.

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hmhb 09.11.2019, 10:18
6. Der Osten ...

... sollte endlich gleich gestellt werden. Soli abschaffen. Subventionskultur verstärkt das Gefühl Bürger zweiter Klasse zu sein. Wenn es bald wegen Arbeitskräftemangels verstärkt Betriebsschließungen geben wird (wie überall in D), wer wird dann im Osten der Schuldige sein?

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WolfThieme 09.11.2019, 10:19
7. Wen interessieren schon Fakten?

Die Meinung über die Treuhand hat sich im Osten verfestigt. Wer also hört da noch hin? Verdrängt, wie marode Bitterfeld aussah, wie veraltet Robotron war. Auch die Jugendfreundin wird mit dem Abstand von 30 Jahren immer schöner. Fast die Hälfte der Ostdeutschen fühlt sich vom Westen abgehängt, drei Viertel der Westdeutschen sehen die Ostdeutschen nicht abgehängt, sondern als gleichwertige Bürger (wie ich). Wer redet den Ostdeutschen Minderwertigkeitskomplexe ein? Herr Platzeck? Frau Witt?

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petruschkaforever 09.11.2019, 10:20
8. Bei mir ist es anders

Mir gehen Leute auf die Nerven, die wie die Made im Speck leben und nicht verstehen, wie es einem geht, wenn man vieles oder sogar alles verloren hat.

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klugeelse 09.11.2019, 10:25
9. Ein Untersuchungsausschuss muss sein

Wer nichts zu verbergen hat, kann alles offen legen.
Ich kenne Menschen, welche in der Treuhand mitwirkten, die von beraterischen Märchenhonoraren berichteten und vom rücksichtslosen Verscherbeln. Der größte Wirtschaftsbasar der Geschichte, welcher die Strukturen im Osten zerschlug und im Westen zu größeren Einheiten hin veränderte, z. B. Energieunternehmen zu Riesen wurden. Ohne Strukturförderung.. Banken wurden auch gerettet PPlan

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