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Trotz Handelsstreit und Bexit-Sorgen: Exporte steigen 2018 auf Rekordwert - aber...
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Die deutschen Exporte haben 2018 zum fünften Mal in Folge einen Rekord erreicht. Mit 1318 Milliarden Euro stiegen die Ausfuhren um drei Prozent - zuletzt schwächte sich der Außenhandel aber deutlich ab.

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dirk_row 08.02.2019, 08:55
10. Exportüberschussland wie Deutschland

Der Leistungsbilanzüberschuss kommt daher auch, dass Deutschland seine Waren zu einem erheblichen Teil gegen Kreditfinanzierungen der Bundesbank, die sogenannten Target-Kredite verkauft. Dabei handelt es sich großteils um Überziehungskredite, den die Bundesbank ausländischen Käufern gewährt. Die Schuldtitel der Defizitländer, die Exportüberschussländer wie Deutschland akkumuliert haben, werden von den jeweiligen Notenbanken zurückgekauft – und in Buchschulden ihrer Notenbanken gegenüber dem Eurosystem, und damit vor allem gegenüber der Bundesbank, verwandelt. Die deutschen Exportgüter werden also zum Teil mit Krediten bezahlt, die die Importeure direkt oder indirekt ebenfalls in Deutschland aufgenommen haben. Nicht bei den Exporteuren, die sind ja nicht umsonst die großen Euro-Freunde, sondern bei den Sparern und den Steuerzahlern. Und wenn die dann später in Rente gehen, sind die Gelder großteils nicht mehr da. Die Notenbanken sind Einrichtungen mit beschränkter Haftung. Der jeweilige Staat hat keine Nachschusspflicht. Das heißt, wenn die überschuldet sind und ihre Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen können, gehen sie pleite. Dieses Geld sehen wir nie wieder.

Deutschland erwirtschaftet also ständig mehr Geld als im Inland ausgegeben wird. Die Überschüsse werden im Ausland investiert. So hat sich seit Anfang der 2000er Jahre ein gigantisches Vermögen aufgebaut. Netto verfügt Deutschland derzeit über Forderungen von 1,5 Billionen Euro, mehr als 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Man muss bezweifeln, dass dieses Geld gut angelegt ist. Denn das deutsche Auslandsvermögen besteht letztlich aus den Verbindlichkeiten der anderen. Wenn am Ende überschuldete Staaten und Unternehmen ihre Schulden nicht vollständig zurückzahlen können, weil die Schuldner Pleite sind, muss Deutschland Forderungen abschreiben. So einfach ist das. Derartige Verluste werden umso wahrscheinlicher, als die stark expansive Geldpolitik der Notenbanken die Kurse von Anleihen und Aktien stark in die Höhe getrieben hat. Wenn deutsche Sparsamkeit und Lohnzurückhaltung Überschüsse produzieren, die zum Teil einfach verloren gehen, stellt sich schon die Frage, ob diese Strategie so weise ist. Eigentlich seltsam, dass dies keinen politischen Aufschrei auslöst. Besser wäre es, in die Infrastruktur, Bildung, Spitzenforschung, klimaneutraler Verkehr in Deutschland zu investieren.

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5Minute 08.02.2019, 08:59
11. exportüberschuss

Für 227 mrd Euro Waren mehr exportiert als importiert. Wir haben Warenmäßig also ein Verlustgeschäft gemacht. das sind pro D Bürger 2800 Euro. Geht man davon aus, das in Summe die erhaltenen Papierscheinchen niemals wieder im Ausland vollständig eingelöst werden können (was durchaus wahrscheinlich ist und seit Jahrzehnten der Fall ist) heisst das, dass jeder Bürger 2018 um 2800 Euro Wohlstand erleichtert wurde.

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joomee 08.02.2019, 09:05
12. 10% Rückgang kein Drama?

Zitat von bluestar2000
Wenn amn die Überschrift liest, hat man Befürchtung, die deutsche Wirtschaft geht unter. Der Anstieg der Exprote beträgt "nur" 3 anstatt 5%. Waaaaaaas für ein Drama!!!! "Damit scheint nun auch die deutsche Exportwirtschaft die internationalen Handelskonflikte und die Unsicherheit wegen des anstehenden Brexits stärker zu spüren." Aha, trotz steigerung des Exports spüren wir Probleme??? Was für ein argumentativer Schwachsinn! Selbst ein Rückgang der Export bis zu 10% würde in meinen Augen kein Drama darstellen! Deutsche Firma können doch eh schon kaum "atmen" vor lauter Aufträgen, weil wir angeblich einen Fachkräftemangel haben! Also wäre ein Rückgang doch ganz entspannd und unkritisch zu sehen. Und überhaupt, wenn es mal einen Rückgang um 10% gäbe und man von jährlichen Steigerungsraten der letzten Jahre in Höhe von durchschnittlich 3% ausginge, wäre man nach einer 10-%-Absenkung gerade mal bei den Exportdimensionen von vor 4 bis 5 Jahren ... und wenn es "uns" damals gut ging, was ja absolut der Fall war, dann geht es uns auch heute mit 10%igem Abschlag gut! Aja, der Großkapitalismus wächst nicht ungehemmt und die oberen 10000 verdienen dann nicht exponentell mehr ... das ist selbstverständlich ein Drama!!!!
10% Rückgang wären kein Drama? Also mal kurz 138 Mrd. weniger Umsatz in den Unternehmen? Also in der Höhe von dem Bruttoinlandsprodukt von Ungarn?

Sie scheinen wirklich nicht viel von Betriebs- und Volkswirtschaft zu verstehen. Aber da Sie mir ja mit Sicherheit nicht glauben, dass das wirklich ein Drama wäre, fragen Sie doch am besten mal bei den Gewerkschaften Ihres Vertrauens nach - oder auch bei den Wirtschaftsexperten Der Linke, den Grünen oder sonstigen in Bezug auf Wirtschafts- und Unternehmerfreundlichkeit unverdächtige Personen oder Institutionen.

Glauben Sie mir, Sie werden erstaunt sein und - mit Verlaub - höchstwahrscheinlich sich auch schämen, jemals so etwas naives von sich gegeben zu haben und der Wet mitgeteilt zu haben, wie erschreckend wenig Sie tatsächlich von den Zusammenhängen verstehen - und diese Nichtkenntnis auch noch voller innerer Überzeugung und Polemik vortragen.

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karlo1952 08.02.2019, 09:11
13. Es sind schon Tagträu,er, die glauben,

dass es immer weiter aufwärts gehen muss. Wenn man bedenkt welche politischen Rahmenbedingungen momentan vorherrschen, kann man sich nur wundern, dass es überhaupt so gut läuft im Export. Sobald er nicht von Jahr zu Jahr zunimmt, reden wir sofort ein Krise herbei. Nach dem jahrelangen Zuwachs, der auch nicht ganz zu erklären war, weil er über den Prognosen lag, braucht sich doch jetzt niemand zu wundern, wenn's mal ein paar Jahre nicht mehr so läuft. Da kommen wir wenigstens mal wieder auf den Boden der Tatsachen.

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dgs 08.02.2019, 09:14
14. Nur Gewäsch

Ich habe so langsam das Gefühl, dass das Herbeireden von Krisen nur dazu dient, Lohnsteigerungen zu verhindern.
Mein Vorschlag: Sinkende Exporte, deshalb großzügig die Löhne erhöhen, um die Binnennachfrage zu stärken. Das bringt auch mehr Frieden mit den Nachbarn.

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kirschlorber 08.02.2019, 09:14
15. Fette Jahre. Für wen?

Der deutsche Außenhandel eilt von einem Rekord zum anderen. Seit Jahren. Die Konzerngewinne explodieren. Betriebsrente Herr Winterkorn 300.000/Monat. Trotzdem werden Scholz und Altmeyer nicht müde, irgend einen Abschwung herbeizureden. Und erst die sogenannten Wirtschaftsweisen. Es gibt wohl keinen Bericht dieser Lobbygesteuerten „Experten“, welcher nicht düstere Wolken an den Himmel malt. Und wenn die Konjunktur noch so steil nach oben zeigt. Und übrigens. Herr Scholz, von wessen fetten Jahren reden sie eigentlich, die nun vorbei sein sollen? Beim normalen Arbeitnehmer sind keine angekommen. Der darf sich weiter auf die von Ihnen und Schröder gekürzte Rente von 43% freuen.

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muellerthomas 08.02.2019, 09:15
16.

Zitat von dirk_row
Der Leistungsbilanzüberschuss kommt daher auch, dass Deutschland seine Waren zu einem erheblichen Teil gegen Kreditfinanzierungen der Bundesbank, die sogenannten Target-Kredite verkauft. Deutschland erwirtschaftet also ständig mehr Geld als im Inland ausgegeben wird. Die Überschüsse werden im Ausland investiert. So hat sich seit Anfang der 2000er Jahre ein gigantisches Vermögen aufgebaut. Netto verfügt Deutschland derzeit über Forderungen von 1,5 Billionen Euro, mehr als 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).
Bei jedem Leistugnsbilanzüberschuss entsteht eine Forderung des Überschusslandes gegenüber dem Defizitland.

SInd es nicht sogar rund 2 Bio. NIIP?
https://www.bundesbank.de/en/statistics/external-sector/international-investment-position

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karlo1952 08.02.2019, 09:16
17. @ 7. Dummerweise kostet es Jobs etc.

Das kann man auch positiv sehen. Da wir ja Fachkräftemangel haben, brauchen wir schon keine ausländischen Migranten einstellen und kommen mit unseren eigenen Bürgern aus. Das sollte den Firmen eigentlich entgegenkommen.

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5Minute 08.02.2019, 09:20
18.

Zitat von dirk_row
So hat sich seit Anfang der 2000er Jahre ein gigantisches Vermögen aufgebaut. Netto verfügt Deutschland derzeit über Forderungen von 1,5 Billionen Euro, mehr als 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Man muss bezweifeln, dass ......
Super Beitrag!
Man stelle sich vor D hätte die 1.5 bio. Euro (nach der mir vorliegenden Statistik sogar deutlich mehr als 2.5 bio) die letzten 20 Jahre nicht verschenkt.

Der Zweck des Handels ist immer, etwas für das Verkaufte einzutauschen und nicht, Devisen durch Exportüberschüsse anzusammeln, und dadurch das Ausland mit Krediten zu versorgen.

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muellerthomas 08.02.2019, 09:20
19.

Zitat von 5Minute
Für 227 mrd Euro Waren mehr exportiert als importiert. Wir haben Warenmäßig also ein Verlustgeschäft gemacht. das sind pro D Bürger 2800 Euro. Geht man davon aus, das in Summe die erhaltenen Papierscheinchen niemals wieder im Ausland vollständig .....
Grundsätzlich korrekt - nur das "seit Jahrzehnten" stimmt nicht. Deutschland hatte bis Anfang der 2000er eine mehr oder weniger ausgeglichene Leistungsbilanz.

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