Forum: Wirtschaft
Tücken der Euro-Krise: Gefährliches Rennen um den ersten Platz

Überschüsse sind nicht immer gut, Defizite nicht immer schlecht: In der Euro-Zone muss man die Ungleichgewichte entweder politisch managen, oder man muss sich ausreichend gegen sie versichern, meint Wolfgang Münchau. Sonst kracht das ganze System zusammen.

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ballymichael2 22.02.2012, 14:50
1. gut

Zitat von sysop
Überschüsse sind nicht immer gut, Defizite nicht immer schlecht: In der Euro-Zone muss man die Ungleichgewichte entweder politisch managen, oder man muss sich ausreichend gegen sie versichern, meint Wolfgang Münchau. Sonst kracht das ganze System zusammen.
Nun ja, als Aufklärer wirtschaftlicher Grundideen gegenüber ein exportbessessenes deutsches Publikum gefallen Sie mir besser, Herr Münchau, wie als hysterische Cassandra, die den Untergang des Euros "binnen höchstens zehn Tage" prophezeit.

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Progressor 22.02.2012, 14:55
2. Einfache Lösung

Mit dem Hebel Mindestlöhne die Lohnstückkosten so anpassen, dass die Leistungsbilanzen zum Ausgleich kommen. Das geht zwar nicht schnell, mehr brauchts darüber hinaus aber auch nicht.

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Zereus 22.02.2012, 15:05
3. ...

Hmm. Irgendwie denke ich, dass da etwas mit der Logik schief gelaufen ist. Einerseits:

Zitat von sysop
In einer Währungsunion muss man die Ungleichgewichte entweder politisch managen, oder man muss sich ausreichend gegen sie versichern. Im ersten Fall müsste man die Wirtschaftspolitik bis auf das Steuersystem weitgehend harmonisieren. Im zweiten Fall müsste man die Banken und die Arbeitslosenversicherungen europäisieren. Beides bedarf eines Grades an politischer Integration, der momentan kaum realisierbar sein dürfte.
Andererseits aber die Feststellung:
Zitat von sysop
Die Target-2-Überschüsse sind der Grund, warum wir eine politische Union mit Euro-Bonds brauchen. Ansonsten bricht die Kiste zusammen.
Ich nehme einfach einmal an, dass eine "politische Union" mehr enthalten würde, als eine europäisierte Arbeitslosenversicherung oder Wirtschaftspolitik. Wie soll man etwas mit einem Mittel retten, das politisch und gesellschaftlich kaum vermittelbar geschweige denn überhaupt durchzusetzen wäre?

Der Euro hat fertig, das ist die richtige Schlußfolgerung. Man kann sich - aus welchen Gründen auch immer - noch eine Weile an ihn klammern, das wird seine Explosion aber nur schlimmer machen, als sie sowieso schon wird. Das zeigen alleine schon die Zahlen aus dem Target2-System. Die 500 Milliarden von heute können wir sowieso abschreiben, wenn es in zwei Jahren 1000 Milliarden sind, müssen wir 1000 Milliarden abschreiben. Was sollte man also tun, wenn die nötigen Mittel, das System zu stabilisieren, "kaum realisierbar sein dürften"?

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MrStoneStupid 22.02.2012, 15:07
4. Lösungsansatz

1. Länder verschulden sich nicht unnötig, d.h. sie kaufen nur das,w as sie sich leisten können. => automatisch stellt sich ein Export-Import-Gleichgewicht ein (es kann nicht mehr exportiert als importiert werden).

2. Wenn Deutschland mehr leisten als exportieren kann, muss Deutschland mehr im Inland arbeiten, als z.B. Deutschland verbessern, z.B. mit Bunkerbau, Städtemodernisierung, Gründung und Pflege von Naturreservaten, BGE und geringbezählte Dienste für die Gemeinschaft (z.B. Patrouille gehen), EU-Großprojekte (z.B. Raumfahrt, KI, ...), IT-Projekte (z.B. eigenes supersicheres Betriebssystem), etc.

Das Problem ist der Konsumwahn - sparen und Nachhaltigkeit schaffen Ressourcen, die für die Verbesserung der Welt verwendet werden können. Zu viel Export ist verschenkte Arbeitskraft - man muss nur genug exportieren, um seine Importe bezahlen zu können.

Dank Automatisierung, Arbeitsteilung und vieler gebildeter Arbeitskräfte gibt es einen riesigen Produktivitätsübschuß (auch in Griechenland) und damit sollte man endlich mal was sinnvolles anfangen. Private Banken und Versicherungen sind schädlich (kosten Geld, binden Arbeitskräfte), besser ist eine Staatsbank und staatliche Universalversicherung, die keine Beiträge benötigt, sondern ggf. Kredite vergibt (steuerfinanzierte Teilkasko), siehe auch Schönes neues Deutschland. (alles imho)

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mailschlucker 22.02.2012, 15:09
5. Der Aufmacher ist schon arg konstruiert, denn ...

... ich verstehe unsere Wirtschaftspolitik nicht so, dass es Ziel ist, Export- oder Überschussweltmeister zu werden.
Wenn es gewisse Instrumente gibt, mit denen Exporte gefördert werden (z.B. Hermes-Bürgschaften), so dienen diese wohl dem ersten und Hauptzweck, Arbeitsplätze im Inland zu erhalten.
Auch ist nicht zu erkennen, dass die Politik auf der Kostenseite (Löhne / Tarife) wesentlichen Einfluss nimmt, um hierüber die Außenhandelsbilanz zu beeinflussen.
Wenn dennoch Außenhandelsüberschüsse erzielt werden, so ist das eher ein Nebeneffekt der auf andere wirtschaftliche Ziele gerichteten Politik (Beschäftigung, Wachstum). Wenn sich hierzulande eine Regierung mit ihren Erfolgen in der Wirtschaftspoltik brüstet, dann geht es fast immer um Beschäftigtenzahlen, Arbeitslosenquoten und BIP-Wachstum.

Deshalb: Auch wenn ich vor vielen Jahren mal gelernt habe, dass es eigentlich keine "falschen Fragen" gibt, so muss ich deshalb der im Artikel aufgeworfenen ersten Frage "Ist es moralisch richtig, dass ein Land sich zum Ziel setzt, Überschüsse zu erwirtschaften?" genau diese Eigenschaft bescheinigen.
Ein (unser) Land setzt sich nicht zum Ziel, Überschüsse zu erwirtschaften. Deshalb geht hier auch die Frage nach der Moral an den falschen Adressaten. Doch der einzelne Unternehmer kann auch nicht gemeint sein, denn der muss nach allgemeinen ökonomischen Grundsätzen nun mal (auch) nach Gewinn streben - und sei es durch Exportgeschäfte ...

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nudelsuppe 22.02.2012, 15:19
6.

Zitat von SPON
Ein Land hat einen Leistungsbilanzüberschuss, wenn es - vereinfacht gesagt - mehr exportiert als importiert. Das führt zumeist zu einer strukturell schwachen Binnennachfrage, so wie in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt. Wenn alle Länder dieses Modell übernehmen, dann brechen am Ende auch für Deutschland Exportmärkte ein.
Das leuchtet mir nicht ein. Wir exportieren nicht so viel, weil es billig ist, sondern weil die Güter gut sind. Also ist diese Schlussfolgerung (Einbruch des Exports) falsch.

Zitat von SPON
In dem Maße, in dem Deutschland mehr exportiert als importiert, exportiert Deutschland auch seine Ersparnisse in das Ausland.
Das soll mir mal einer erklären! Ich halte die Ausssage für Schwachsinn.

Zitat von SPON
Ein Leistungsbilanzüberschuss ist also nur dann ein Segen, wenn die Schuldner auch bezahlen.
Es wird doch nicht alles auf Pump gekauft, oder? Und wenn, dann wird die Kohle zurück gezahlt. Sonst bekommt man keine mehr.

Zitat von SPON
Sinn behauptet ebenfalls, dass in dem jetzigen System die Defizitländer keinen Anreiz zum Schuldenabbau haben, weil die Zentralbanken die Defizite des Privatsektors grenzenlos finanzieren. Da das System grenzenlos Schulden produziert, droht es irgendwann zu zerbrechen.
So ein Blödsinn, grenzenlose Schulden im Privatsektor. Privatleute müssen die Schulden zurückzahlen. Das ist nicht wie mit Griechenland.

So werden also Eurobonds herbei geredet. Das kann ich nicht nachvollziehen. Eurobonds sind doch die Lizenz zum ungebremsten Schuldenmachen. Daraus ensteht irgendwann Inflation. Wer braucht das den? Na klar, die Überschuldeten. Und der Ehrliche ist mal wieder der Dumme. Tolle Vorstellung!

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oracle1 22.02.2012, 15:26
7.

Zitat von sysop
Überschüsse sind nicht immer gut, Defizite nicht immer schlecht: In der Euro-Zone muss man die Ungleichgewichte entweder politisch managen, oder man muss sich ausreichend gegen sie versichern, meint Wolfgang Münchau. Sonst kracht das ganze System zusammen.
Wenn ich Herrn Münchau in seiner geforderten Konsequenz, also "eine politische Union mit Euro-Bonds" folge, bedeutet das doch im Endeffekt nichts anderes, als das wir auch noch unsere eigenen Exporte zum Großteil selbst bezahlen werden.

Ausgleich unserer Target2 Forderungen durch Eurobonds, an welchen wir wiederum den Hauptteil zu tragen hätten...?

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anderton 22.02.2012, 15:26
8. ...

Zitat von sysop
Überschüsse sind nicht immer gut, Defizite nicht immer schlecht: In der Euro-Zone muss man die Ungleichgewichte entweder politisch managen, oder man muss sich ausreichend gegen sie versichern, meint Wolfgang Münchau. Sonst kracht das ganze System zusammen.
Ich finde es immernoch lustig, wie die Ökonomen und wirklichen Experten, die diese Entwicklung vorausgesagt haben, als Euro-Skeptiker tituliert werden. Als wäre es auf der Seite der Warner eine "Ahnung", "Krankheit" oder sogar "Ideologie". Andersrum wird ein Schuh draus. Der Karren steckt wohl nachweißlich und unübersehbar im Dreck. Anstatt eine Lösung zu suchen diese unsägliche und unvernünftige Wähungsunion aufzulösen, wird immer weiter gemacht bis der Karren wirklich auseinanderfliegt. Aber anstatt die Fehlentwicklungen anzuerkennen und eine ruhige und geplante Rückabwicklung ins Auge zu fassen, soll nun das europaweit vollzogen werden, was bei der (vergleichbaren) Wiedervereinigung schon nicht geklappt hat.

Wenn jedes Land wieder seine eigene Währung hat, kommt jede Nation automatisch wieder auf den Lebensstandard, den sie sich selbst erarbeiten kann bzw. will. Das diese Gesetze wissentlich von den EU-Romantikern - trotz der aktuellen Lage - ausgeblendet werden ist für mich absolut unbegreiflich.

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goodgulf 22.02.2012, 15:26
9. Bin kein Volkswirtschftler, aber ...

Zitat von sysop
Anstatt alternative Metaphern zu finden, möchte ich drei Fragen zu Überschüssen stellen, deren Antwort den einen oder anderen überraschen mag. Ist es moralisch richtig, dass ein Land sich zum Ziel setzt, Überschüsse zu erwirtschaften? Ist es ökonomisch immer von Vorteil? Kann .....
ich würde das verstehen, wenn die Summe der Güter und Dienstleistungen konstant ist. Was ist mit Rohstoffen, die gefördert und exportiert werden?
Die Überschüsse werden doch auch auf dem Weltmarkt erwirtschaftet und nicht nur in der Eurozone.

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