Forum: Wirtschaft
Türkische Währungskrise: Das riskante Schuldenspiel des globalen Finanzkapitalismus
REUTERS

Die Türkei ist ein besonders krasses Beispiel für die globale Schuldenmanie, die nach der Finanzkrise auf die Schwellenländer übergesprungen ist. Die Risiken waren bekannt, die Warnungen laut. Genutzt hat es nichts.

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Mach999 19.08.2018, 14:27
1.

Gut analysiert: Die Schwellenländer, insbesondere die Unternehmen dort wollten billige Kredite in Fremdwährung nutzen und haben diese Kredite bekommen. Die Regierungen dort haben sich nicht dagegen gestellt. Was ich an dem Artikel allerdings nicht verstehe, ist dann die Volte, dass der globale Finanzkapitalismus schuld daran sein soll. Ich bin ja für jede begründete Kapitalismuskritik zu haben, aber in diesem Fall ist das doch wohl eher die Schuld der Kreditnehmer. Niemand hat sie gezwungen, Kredite in Fremdwährung aufzunehmen. Ein bisschen Eigenverantwortung muss man von Unternehmern und Staaten schon erwarten können.

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Ein_denkender_Querulant 19.08.2018, 14:27
2. Wo ist das Problem?

So what? Die Banken haben für die Kredite an die Türkei über Jahrzehnte fette Gewinne germacht. Zinsen zwischen 10 und 15% sprechen Bände. Und jetzt wird es vermutlich Ausfälle geben.

Ärgerlich wird es für niemanden. Die Banken haben bisher genug verdient, Erdogan wird abgewählt, und der "kleine Mann" in der Türkei wirdauf das Niveau zurück fallen, was er ohne Verschulung hätte. Das mag bitte klingen, aber mehr hat er halt nicht erwirtschaftzen.

Eigentlich gibt es nur Gewinner. Die einen haben schon genug bekommen, der drohend Machtentzug des Dispoten ist für alle gut und ein "kleiner Mann", der aufwacht, ist auch gut. So what?

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Hoberg 19.08.2018, 14:31
3. was sind 3,6 Billionen?

Zuviel ? ausreichend viel? es ist zunächst eine reine Zahl. Sie entspricht im Moment in etwa der Exportleistung dieser Länder für ein Jahr. Das ist zunächst mal nicht zuviel, wenn das Wachstum stimmt. Dieses ist auch Folge von good Gouvernance . Natürlich sind Zölle und Handelskriege hier schädlich. Hat also nichts mit Funktionieren oder Überwachung der Märkte zu tun. Sorry. Die Funktionieren . Man gab sich optimistisch . Und nicht mal übermäßig. Im Moment zumindest .

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rubberducki 19.08.2018, 14:32
4. Die Kehrseite des Kapitalismus ...

Geld ist in industrialisierten Wertesystemen nicht nur ein Garant für Lebensqualität und Weiterwicklung ... nein ... Geld ist mittlerweile die gefährlichste Waffe der Welt ... man kann ohne einen Schuss und ohne einen Tropfen Blut einen sehr grausamen Krieg führen, der primär auf die Zivilbevölkerung abzielt. Ein toter Soldat ist eine Tragödie ... eine zusammenbrechende Wirtschaft eine biblische Kathastrophe für Generationen ...

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trackingerror 19.08.2018, 14:50
5.

Naja, ob ein ausländischer Kredit in der Inlands- oder Auslandswährung notiert, spielt bei einer Abwertung der Währung für das Risiko in letzter Konsequenz keine Rolle. Bei Notation in Inlandswährung (z.B. Lira) würde der ursprüngliche Gegenwert in der Referenzwährung nicht wieder erreicht werden und bei Notation in ausländischer Währung (z.B. EURO) würde auch nur ein Teil der Forderung getilgt werden können. In beiden Fällen würde es zu einer Wertberichtigung kommen. Dieses Risiko ist auch der Grund, warum sog. Credit Spreads erhoben werden. In Kombination mit den im Vergleich höheren Marktzinsen, dem damals moderaten Wechselkurs und des Wirtschaftswachstums machte es absolut Sinn, in der Türkei zu investieren. Erdogan hat sich mit seinem autoritären Anspruch um den Erfolg seiner eigenen Mühen gebracht. Die Türkei ist kein Land, das autark agieren kann. Wenn schon keine Autarkie möglich ist, dann benötigt es innovativer Technologien. Auch das ist in der Türkei im Vergleich kaum gegeben. So hart es klingt: solche Länder sind auf Gedeih und Verderb dem Diktat volkswirtschaftlich stärker Nationen ausgesetzt. Übrigens: selbst wenn im Euro- und US-Raum die Zinsen höher gewesen wäre, wäre eine Rezession in der Türkei oder anderen Schwellenländern wohl die Folge gewesen. Das kann auch kein weltpolitischer Anspruch sein.

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rgsf 19.08.2018, 14:54
6. So what, genau.

Stimme Nr2 zu. Die Nettovorteile der expansiven Geldpolitik der letzten 10 Jahre waren es global wert (und zwar für alle sozialen Schichten). Die ZB’s können nicht für das Versagen der Demokratie verantwortlich gemacht werden. Eine Austeritätspolitik à la Bundesbank wäre schlechter gewesen. Die dt. Politik kann und sollte die dt. Banken bzgl. vielleicht stärker Auslandsrisiken regulieren bzw. das auf EU-Ebene vorantreiben. Das Verhalten der Märkte ist bekannt, darauf können sich alle Akteure einstellen. Ohne Risiko kein Kapitalismus. Und trotz seiner Nachteile glaube ich nicht dass Sozialismus uns weiter brächte (siehe zB der „real existierende“).

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hannesmann 19.08.2018, 14:59
7. Zu 2

Die von Ihnen erwähnten Zinssätze gab es aber nur für Lirakredite. Das Problem sind aber die Kredite in Fremdwährung und die liegen deutlich niedriger.

Wie auch im Kommentar erwähnt liegt das Problem darin, dass die Notenbanken in Japan, USA, Europa etc. Geld drucken bis zum Abwinken für das es keine rentable Verwendung in diesen Volkswirtschaften gibt. Also fließt das Geld in die Schwellenländer. Wenn nun dort das Risiko steigt werden die Gläubiger versuchen das Geld zurück zu holen. Den letzten beißen dann die Hunde.

Geld muss eben etwas kosten und nicht für Null die Märkte überschwemmen.

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arviaja 19.08.2018, 15:02
8. Die alte Leier

Geld ist eine künstliche Ressource. Sie wird durch ein paar Mal Drücken auf der Tastatur gemacht. Schulden sind auf der anderen Seite die Assets der Verleiher. Das Risiko wird mit den Zinsen bepreist. Wenn einer seine Schulden nicht begleichen kann, dann platzt eben dieses künstliche Asset.

Am Ende hat jemand jemand anderem ein Stück Papier gegeben mit dem Versprechen, das wieder zurückzugeben, mit einem Risikoaufschlag. Es ist nichts anderes als ein Rechtsgeschäft mit einem immateriellen Gut.

Das Problem ist wie der Artikel richtig sagt, der Finanzkapitalismus (nicht der Kapitalismus an sich!). Da wir uns in den letzten 30 Jahren ein System aufgebaut haben, in welchem die künstliche Ressource Geld wichtiger ist als tatsächliche Wertschöpfung, sind wir halt so verwundbar.

Wird sich aber wieder einkriegen. Entweder kommen die Staatenlenker auf den Trichter und übernehmen wieder das Ruder von den Technokraten oder die Damen und Herren (vulgo Mob) mit den Heu- und Mistgabeln nehmen die Sache in die Hand. Das kann ekelig werden (siehe 1930-1945), mir wäre das lieber, das kommt nicht so.

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Chris CNX 19.08.2018, 15:03
9. Bitte?!

"Auf die Selbstverantwortung der einzelnen Akteure zu setzen, genügt nicht." Man soll UNTERNEHMEN (die sich verschulden) die Selbstverantwortung entziehen? Oder den Banken die Geld verleihen? Geht´s noch? Wie im Artikel steht, die Warnungen gibt es seit 2014.

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