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Umfrage zu Wirtschaftskraft: Ökonomen bezweifeln weiteres Aufholen Ostdeutschlands
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30 Jahre nach Mauerfall halten es viele Volkswirte für unwahrscheinlich, dass die ostdeutschen Bundesländer wirtschaftlich in den nächsten Jahrzehnten zu Westdeutschland aufschließen. Die Gründe sind gravierend.

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k70-ingo 10.05.2019, 23:15
130.

Zitat von Patrik74
q.e.d. Was beweist, dass die neoliberale Theorie Unfug ist; wären ihre Annahmen richtig, hätten sich viele Unternehmen durch die niedrigen Löhne angezogen fühlen müssen - haben sie aber nicht! Andersherum wird ja auch immer wieder behauptet, dass hohe Löhne das Kapital vorgeblich fliehen lassen wie das scheue Reh. Ist ebenso unsinnig ist, sonst wären die Schweiz oder Skandinavien mittlerweile komplett deindustrialisiert. Die Theorie stimmt einfach vorne und hinten nicht, egal wie man es dreht und wendet.
Da haben Sie ja mal alles durcheinandergeschmissen - aber immerhin das Modewort "neoliberal" eingebaut.

Also: wenn Großunternehmen Interesse an Standorten mit niedrigen Löhnen haben, dann gründen sie dort verlängerte Werkbänke oder andere Tochterunternehmen, ziehen aber nicht komplett mit den Zentralen dorthin.

Abgesehen davon stellt sich die Frage der örtlich verfügbaren Fachkräfte. Keine Firma zieht dorthin, wo sie keine Mitarbeiter findet.
Ein ideales Beispiel ist die Versicherungsbranche, in der ich tätig bin: 1990 gab es in der DDR nur eine Handvoll Leute, die sich damit auskannten, und die saßen alle in der Staatlichen Versicherung der DDR, die komplett von der Allianz geschluckt wurde.
Für alle anderen über 100 privaten Versicherungsunternehmen war der Osten somit vollumfänglich fachpersonalfreies Brachland - warum um alles in der Welt hätte man sich dort niederlassen sollen?

Ach ja, im Finanzsektor spielt der Punkt "niedrige Löhne" keine Rolle - schon irgendwann in den 90ern wurden (jedenfalls im Versicherungsgewerbe) die Ost-Tarife abgeschafft (bei meinem Arbeitgeber wurden sie gar nicht erst eingeführt).
Was aber ziemlich egal ist, denn im Osten gibt fast keine bei den Versicherungsunternehmen direkt fest angestellten Tarifbeschäftigten. Die örtlichen Vertreter sind üblicherweise selbstständige Kaufleute.

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Patrik74 11.05.2019, 09:51
131. Das Gegenteil ist der Fall

Zitat von k70-ingo
Abgesehen davon stellt sich die Frage der örtlich verfügbaren Fachkräfte. Keine Firma zieht dorthin, wo sie keine Mitarbeiter findet.
Mitarbeiter findet man dort, wo man angemessene Löhne zahlt, das kann Mitten in der Wüste sein oder auch in der Arktis.

Der Kennzeichen am Neoliberalismus ist eben, dass er nicht auf Evidenz (also beobachtbares reales Verhalten) beruht, sondern es oft genug ignoriert oder gar ins Gegenteil verkehrt (wie hier), Hauptsache es geht in die richtige Richtung....

Hätte man den Leuten im Osten schneller höhere Löhne gezahlt, wäre viele dort nicht weggezogen, es gäbe ausreichend Fachkräfte UND Kaufkraft und damit auch Unternehmen - und vermutlich auch weder AfD noch Dritter Weg...

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kreuzschnabel 11.05.2019, 10:23
132.

Zitat von rdiess
Ich kann das Gejammer über die Ungleichheit nicht mehr hören. Ich kaufe im Urlaub auf Rügen beim selben Discounter wie zu Hause in Bayern. Dasselbe Sortiment - aber bis zu 40%(!) niedrigere Preise - und das bei Ladenöffnung auch am Sonntag. ...
Meine Beobachtung ist genau eine andere: Im hochpreisigen Stuttgart lagen die Discounterpreise um bis zu 40 % niedriger als im Raum Halle/Leipzig, bei besserer Qualität von Obst und Gemüse und längeren Öffnungszeiten. Sogar der hochwertigere Kaffee war günstiger zu haben!

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kreuzschnabel 11.05.2019, 10:40
133.

Zitat von mitch72
Auch wenn es hart klingt (komme selber aus dem Osten), aber: Bevor Deutschland geteilt wurde, war der Osten auch Agrarland. Warum sollte es nun anders sein, wo die Industrien in D doch allgemein zurückgehen? Wir sollten uns auf die Perlen und die Naturbelassenheiten im Osten konzentrieren.
Das mit dem Agrarland ist für Sachsen, Thüringen, südliches Sachsen-Anhalt und Berlin schlichtweg falsch. Dort dominierte vor(!) und nach der Teilung Maschinenbau und Chemie! Kleiner Tip: Besuchen sie mal die zahlreichen Industriemuseen in Mitteldeutschland. Und dass sie aus dem Osten kommen, hat nichts zu sagen.

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kreuzschnabel 11.05.2019, 10:51
134.

Zitat von totalausfall
Ich finde den Ost-West Vergleich nicht mehr angebracht. Wie kommt man denn zu dieser Unterscheidung hier ? ... Gerade in den 2000er haben die alle enorm zugelegt. Natürlich auf Kosten der kleineren Städte und der ländlichen Regionen. Im Westen das gleiche.
Sie betreiben die Selektion von Fakten, die sie anderen vorwerfen. Das Sachsen oder Sachsen-Anhalt seit 1990 1/4 ihrer Bevölkerung verloren haben, blenden sie einfach aus. Da nützt es nichts auf die wenigen Leuchtturmstädte zu verweisen.

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Einhorn 12.05.2019, 15:58
135.

Zitat von LoHan
Lieber Spiegel, an diesen Kommentaren(und Kommentatoren) könnt Ihr sehen, was Ihr mit Eurem unterschwelligen, latenten "Ossi-Rassismus" angerichtet habt. Bitte haltet Euch von jeglichen Einheitsjubelfeiern, von allen Berichten darüber fern! Denn Ihr meine Lieben, ja Ihr da in Hamburg habt einen nicht geringen Anteil daran zu tragen, dass die Mauer in den Köpfen vieler Deutscher größer denn je ist! Gern dürft Ihr diesen Beitrag zensieren ...... wir Ossis waren das gewohnt. ;)
Ich persönlich tue Ihnen allerdings den Gefallen, mich von Einheitsfeiern fern zu halten. Ich habe den Aufbau für eine gesehen - hier in Stuttgart. Mehrere Hundertschaften Polizei begegneten mir schon morgens um 6 in der Stadt - da wusste ich, die Ferienreise war die einzig mögliche Entscheidung. Denn in Stuttgart herrschte zu diesem Zeitpunkt politische Unruhe, und die durfte um keinen Preis ins Fernsehen, drum wurde großräumig abgesperrt.

Ja, liebe/r LoHan, die "Ostzone" hat bis heute kein Privileg auf Schwierigkeiten. Den Blick über den Tellerrand heben hilft - aber Achtung, es führt manchmal zur Relativierung der eigenen Opferrolle. Und dann wirds hard, denn dann droht die Eigenverantwortung.

Der Mauerfall ist bald 30 (ja DREISSIG) Jahre her und Sie geben den bösen Wessis bis heute die Schuld an der Politik. Wie viel Energie die Lamentiererei Sie persönlich kostet weiß ich nicht, aber dass man mit einer negativen Grundhaltung kaum Positives erreichen kann, erklärt Ihnen jeder Psychologe im ersten Semester.

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