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Unerlaubte Anrufe: Verbraucher beschweren sich immer häufiger über Telefonwerbung
DPA

Sie ist oft lästig und nicht selten unerlaubt: Telefonwerbung. Verbraucher wehren sich immer häufiger - die Zahl der Beschwerden bei der Bundesnetzagentur ist in diesem Jahr stark gestiegen.

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Sibylle1969 28.12.2017, 12:42
40. Dialer Software

Bei Werbeanrufen durch Callcenter ist meist eine Dialersoftware im Einsatz, dh da wählt kein Mitarbeiter manuell irgendwelche Nummern und ruft später noch mal an, wenn niemand erreicht wird. Das macht alles der Computer. Man erkennt das, wenn man rangeht, dass erst nach einer kurzen Pause sich jemand meldet. Wenn ich merke, da ist ein Dialer dran, leg ich meist sofort auf. Außerdem probieren die Dialer oft auch einfach Telefonnummern aus, ohne vorher zu wissen, ob es die gibt. Dass Dialer meist Festnetznummern anrufen, liegt daran, dass das deutlich billiger ist als Mobilnummern.

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neue_mitte 28.12.2017, 12:45
41.

Zitat von m.m.s.
[...] Schlussfolgerung: Alle politischen Parteien müssen ihre Versprechungen schriftlich bestätigen, bevor es zu Wahlen kommt. Dies ist der richtige Schritt. [...]
Das nennt sich "Wahlprogramm" und gibt es schon seit Jahrzehnten. Das ist und bleibt das einzig gültige Programm, auf das man noch vertrauen kann. Das hat die Partei abgesegnet. Was einzelnen Politiker sonst im Wahlkampf absondern und nicht mit dem Wahlprogramm übereinstimmt, ist halt eine Einzelmeinung.

Zum Thema: Mich fasziniert das gesamte Geschäftsmodell an sich. Der Leiter eines Call Centers, der sich hier bereits geoutet hat, warb um Verständnis und Höflichkeit und beklagte sich über die gesetzlichen Fesseln, an die sich andere nicht halten.

Aber was ist denn überhaupt die Grundlage dieses ganzen Geschäftes? Wo ist der gesellschaftliche Mehrwert? Oder wo liegt überhaupt der Wert bzw. die Berechtigung? Wenn es von heute auf morgen keine Call Center für Werbung/Umfragen etc. mehr gibt... die Mehrheit wird antworten: Na und? Oder mehr so: Herrlich. Was sagt das über die Berechtigung dieses Zweiges aus?

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cobaea 28.12.2017, 12:56
42.

Zitat von tomtom
Ich leite so ein Call Center. Meine Mitarbeiter rufen im Namen großer Unternhemen deren Kunden an. Wir machen dies nur, wenn die ausdrückliche Einwilligung des Kunden dazu vorliegt. Wie halten uns an alle geltenden Gesetze. ...Aber - die ganze Debatte ist lächerlich. Hey - es ruft jemand an und manchmal hat er sogar ein gutes Angebot. Jeder kann freundlich nein danke sagen und auflegen. Mal nüchtern betrachtet: Anrufe sind ohne Einwilligung verboten. An meiner Haustür aber darf jeder klingeln. Wie bescheuert ist es, dass mein Autohändler erst von mir eine Einwilligung braucht bevor er mich anrufen darf um mir zu sagen, dass jetzt das Auto für die von mir gewünschte Probefahrt bereit steht. Ganz ehrlich - mich nervt jeder TV Spot mehr als ein Anruf, den ich innerhalb weniger Sekunden beenden kann.
Okay, wenn ich ein Call Center leiten würde, würd ich vielleicht auch so argumentieren - man will ja schliesslich Geld verdienen. Angerufene sehen das anders. Freundlich Nein sagen und auflegen, bringt nämlich bei den sogenannt unseriösen Callcenters gar nichts. Da hat man noch nicht richtig aufgelegt, hängen sie schon wieder in der Leitung. Manche werden sogar ob der Ablehnung ihres Angebot ausgesprochen pampig. Das vergeht einem die Höflichkeit.

Ja, an meiner Haustür darf jeder klingeln, ohne zuvor meine Einwilligung eingeholt zu haben. Aber ich hab auch noch nie erlebt, dass einer, der dann freundlich abgewiesen wurde, gleich wieder geläutet hätte ...und wieder ... und wieder. Abgesehen davon, dass das für den Besucher ziemlich aufwändig ist (Anreise, Besuch etc. kosten Zeit und Geld), avisiert man spätestens beim dritten Mal die Polizei, die ihn wegen Hausfriedensbruchs abholt. Machen Sie das mal mit einem Call-Center-Agenten, der zum 5. Mal anruft obwohl Sie schon viermal aufgelegt haben.

Das Beispiel mit dem Autohändler ist zudem Quatsch: Sobald ich bei diesem eine Probefahrt vereinbare, stimme ich dem Anruf zu, wenn er mir erklärt, er gebe Bescheid, wenn das Auto bei ihm zur Verfügung stehe. Das ist völlig normales Verkaufsverhalten. Die Zustimmung ist also durchaus erfolgt.

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neue_mitte 28.12.2017, 12:58
43.

Bei solchen Anrufen ist das Prinzip an sich schon Blödsinn. Es gibt keinen Mehrwert, man muss sich bloß dieser unsinnigen ungebetenen Anrufe erwehren. Ein gutes Angebot sucht man sich wo, wann und wie man will. Was auch immer man oftmals ungelesen angehakt hat, dass einen die Firma anrufen darf, man rechnete bestimmt nicht damit, dass da ein Wald-und-Wiesen Call Center anruft und nicht mal die Firma selbst. Würde es die Firma selbst tun, am besten der eigene bekannte Ansprechpartner, wäre das ganze noch eher Okay.

Mein Telefon ist dafür bestimmt, dass da Leute drauf anrufen, die mich privat und erwünscht erreichen wollen. Für's Geschäftliche gibt's Diensthandy. Mein Telefon ist nicht als Einfallstor für unerwünschte Angebote/Umfragen... bestimmt, die ich ständig abwimmeln muss. SIE sind nicht das einzige Call Center in Europa. Es sind Hunderte, Tausende...

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hr.lich-daemlich 28.12.2017, 13:02
44. Naja

Ich habe so ein Call-Center kennen gelernt. Da werden die Leute aus dem Jobcenter unter Androhung von Kürzung hingeschickt. Vorstellungsgespräch ist Pflicht, sonst Kürzung. Job annehmen muss man allerdings nicht zwingend, da die Arbeitstechnischen Bedingungen dem Jobcenter wohl bekannt sind und mit gut begründeter Ablehnung man auch keine Strafe erwarten muss. Das läuft allerdings unter Duldung, also ist hier der Jobcenterkunde in einer schlechten Situation, da das Jobcenter zur Not auch mit dieser Ablehnung Druck machen kann.
Der "Arbeitgeber" wiederum nimmt die Leute gerne, so lange sie einen Vermittlungsgutschein mitbringen. Wenn ein Jobcenterkunde mindestens ein halbes Jahr im Unternehmen verbringt, dann kann das Unternehmen die volle Förderung für die Integration im Arbeitsmarkt einfordern und hat keine Verpflichtung mehr gegenüber dem Jobcenter. Die daraus entstehenden "Arbeitsverhältnisse" sind zumeist befristet und überstehen selten bis nie 2 Jahre, da nach zwei Jahren die Festanstellung Pflicht würde.
Ach so. Bei der Jobvorstellung im Jobcenter ging es damals um Supporttätigkeiten in einem CallCenter. Beim Vorstellungsgespräch wurde hauptsächlich von Verkauf geredet und meine Nachfrage nach den Supporttätigkeiten wurde mit einer (wohl eher virtuellen) Hocharbeitungstruktur abgespeist und auf eine Abteilung verwiesen, die gerade mal aus einer Handvoll Leuten bestand während das Unternehmen gerade dreimal so viel zum Vorstellungsgespräch geladen hatte.
Die Menschen in den CallCentern tun mir zum Teil Leid, aber nur wenn sie dort scheitern und nichts verkaufen. Ich selbst musste dort nie anfangen und habe einen anderen Job gefunden.

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herkurius 28.12.2017, 13:15
45.

Zitat von neue_mitte
wo liegt überhaupt der Wert bzw. die Berechtigung?
Es gibt keine Berechtigung und keinen Wert, sondern es ist Körperverletzung. Bei meinem Vater, in seinen letzten selbständigen Lebensjahren bereits reichlich senil, habe ich es erlebt, daß er durch derlei Werbeanrufe und, damals noch gängig, Telefaxe (die bei ihm auf das Sprechtelefon gingen) tagelang durcheinander war und immer wieder den Sinn erfragte, denn er wollte sich das Verständnis der Vorgänge in seiner Umgebung möglichst noch nicht nehmen lassen. Nun bin ich schon im Rentenalter und habe ich in den letzten Jahren zwei Unfallverletzungen mit dem Zweirad gehabt. Andererseits lebe ich allein und habe weit entfernte Freunde in meiner Altersklasse, kann also nicht einfach Telefonanrufe ignorieren, für den Fall, daß jemand ein Problem hat oder Zuspruch braucht (konkrete Fälle: Ehepartner gerade gestorben; Mietkündigung gekommen). Ziemlich oft stehe ich also vom Ausruhen oder auch der Rekonvaleszenz schnell auf und falle, des Alters noch etwas ungewohnt, wieder um, wegen Kreislauf und Gleichgewichtsorgan. Mit dem Ausruhen oder Ausschlafen, im Gefolge dieser Unfälle oft nach einer schmerzvollen und schlaflosen Nacht, ist es natürlich auch vorbei.
Wie man vielleicht schon herausgehört hat, kann ich (Wirtschaftliche Ausbildung incl. Marketing, auch wenn das zu meiner Zeit Absatzwesen hieß) Reklame nicht leiden und weiß, wo sie herkommt - also mache ich natürlich keine Preisausschreiben oder Gewinnspiele mit, gebe meine E-Mail-Adresse nicht für Newsletter an und ent-hake grundsätzlich bei allem Schriftlichen bzw. am Bildschirm den unverschämten Vermerk: "[ ] Ich bin damit einverstanden, von Zeit zu Zeit über Neuheiten informiert zu werden" usw.
Wenn ich es dann zum Telefon im Nebenraum, nahe genug zum Aufwecken, geschafft habe, festgestellt habe, dass ich gefoppt wurde, UND dann noch gesagt kriege, man habe meine Adresse von einem Gewinnspiel, das ich gemacht und dann vergessen haben müsse, ist der Tag erst einmal gelaufen. Dem Gegenüber wenigstens ein bisschen von seinem zu nehmen, jemanden, der sogar hier in der Diskussion frech genug ist, die Preisausschreiben-Lüge zu wiederholen, bringt's wenigstens ein bisschen wieder.
Ich hatte nur ein einziges Mal Gelegenheit, tatsächlich im Bekanntenkreis einer Person, die in dieser dubiosen Branche tätig ist, klar zu machen, daß sie in meinem Freundeskreis nichts zu suchen hat, aber es muss Leute geben, die sich bei so einem Unternehmen bewerben (z.Z. gibt es aber auch überall woanders Arbeit für Ungelernte), es muss Vermieter geben, es muss Menschen geben, die mit diesen Kreisen Freundschaft pflegen, die sie bedienen und umwerben, warum? Hier kann man als Bürger auch direkt eingreifen. Wenn in fernen Ländern die Totengräber als unrein gelten, die unentbehrliche schwere Arbeit tun, wieso werden kriminelle Center-Betreiber hierzulande noch hofiert?!

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mglenewinkel 28.12.2017, 14:03
46. falsche Sichtweise

Zitat von tomtom
ehrlich - mich nervt jeder TV Spot mehr als ein Anruf, den ich innerhalb weniger Sekunden beenden kann.
Und mich nervt ein Anruf bei mir zuhause weitaus mehr, als einen Fernseher, den ich leise oder gleich ganz abschalten kann.
Mich nervt ein Anruf sogar mehr als der unzählige Email Spam.
Der Grund ist ganz simpel, das Klingeln des Telefons reißt mich auf jeden Fall aus meinen jeweiligen Tätigkeiten raus, ganz gleich ob ich am Rechner sitze und SPON lese oder in der Küche am kochen bin oder im schlimmsten Fall es mir gemütlich gemacht habe.
Ich will nicht immer dran denken müssen das Telefon abzuschalten, geschweige denn, das ich mir das immer erlauben kann.

Wenn ich dann noch freundlich bleiben soll und mir erst anhören muss, worum es geht um dann freundlich abzulehnen, dann ist das meine rare und freie Zeit, die ich für weitaus wichtigere Dinge aufbringen kann, als mit wildfremden Menschen zu telefonieren, die nur an meine Kohle wollen.

Bei "seriösen" Callcentern mag man schnell seine Ruhe haben, bei richtig unseriösen Klitschen ist daran nicht zu denken.
Telemarketing ist einfach eine Seuche.

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doitwithsed 28.12.2017, 14:09
47.

Zitat von tomtom
Aber - die ganze Debatte ist lächerlich. Hey - es ruft jemand an und manchmal hat er sogar ein gutes Angebot. Jeder kann freundlich nein danke sagen und auflegen.
Was bringt Sie zu der Ansicht, dass ich auch nur eine einzige dieser Belästigungen für akzeptabel halte? Sie, und auch ihre abertausenden von Gleichsinnigen haben kein Anspruch darauf mich aufgrund Ihrer finanziellen Interessen aus welcher Tätigkeit auch immer herauszureißen, um mir für irgendwelchen Dreck zu verkaufen. Ich kann mich ja noch wehren, aber welche Unbedarften ziehen Sie mit den Tricks alle über den Tisch? Und es sind ja nicht nur Sie, alle anderen würden sich das gleiche herausnehmen - man käme aus dem Geseiere mit den Callcenterlohnsklaven ja gar nicht mehr heraus.

Nein, hier gibt es nur eines: Nulltoleranz. Das Gewerk ist für die Entwicklung und Fortbestand der Gesellschaft absolut überflüssig. Gemäß Pispers: Würden alle Werbecallcenterleiter auf einem Schlag tot umfallen, welcher gesamtgesellschaftlicher Verlust würde dadurch entstehen? Keiner!

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neue_mitte 28.12.2017, 14:18
48.

Zitat von tomtom
[...] Aber - die ganze Debatte ist lächerlich. Hey - es ruft jemand an und manchmal hat er sogar ein gutes Angebot. Jeder kann freundlich nein danke sagen und auflegen. [...]
Hey es ruft jemand an? Werter Herr tomtom, das passiert nicht bloß 1x am Tag, das passiert zu Spitzenzeiten 10x am Tag. Finden Sie es in Ordnung, dass man 10x am Tag zu Hause ans Telefon gehen muss, nur um ständig freundlich Nein Danke zu sagen und wieder aufzulegen?

Vielleicht erwarten Sie auch gerade einen wichtigen Anruf und 10x ist er es nicht. Das macht einen fertig. Oder noch schlimmer, Sie hoffen, dass ein Anruf eben nicht kommt und bei einem Familienmitglied alles in Ordnung ist. Und dann schrecken Sie in Beefürchtung hoch, weil das Telefon klingelt. Der Werbespot im TV ist der Webespot im TV. Da schalte ich um oder schaue zu - alles selbstbestimmt. Auch der Werbebanner im Internet. Da gibt es auch Software gegen, wenn man das möchte.

Das Telefon ist für private Dinge da, die man selbst haben möchte, nicht für Ihr Call Center. Sie dringen damit in meine Privatsphäre ein. My home is my castle. Und das Telefon ist bloß ein geduldetes Schlupfloch in der Burgmauer. Für Sie und Ihre Firma mag es das Wirtschaftsprinzip sein, Ihre Grundlage. Aber auch das Dealen von Drogen, um es mal ganz krass zu übertreiben, ist die Wirtschaftsgrundlage von vielen Leuten. Ist das immer noch Okay? Heiligt allein der Zweck (Grundlage für Wirtschaft) die Mittel? Doch eher nicht, oder?

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jujo 28.12.2017, 14:22
49. ....

Wie man mit unerwünschten Anrufen umgeht, soll jeder für sich entscheiden. Um das Übermaß an Telefonwerbung einzudämmen scheint mir am wichtigsten zu sein, das es zwingend ist das der Abschluß eines Vertrages schriftlich erfolgt und durch Unterschrift (en) rechtsgültig wird. Am Telefon sollte das nicht mehr sein als eine nicht rechtsungültige Absichtserklärung.

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