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"Unfairer Vorteil": Außenministerium kritisiert deutschen Exportüberschuss
DPA

Kritik an Deutschlands Exportüberschüssen hat die Bundesregierung bislang stets zurückgewiesen. Nun kommen aus dem SPD-geführten Außenministerium neue Töne: Europa-Staatsminister Roth fordert, den "unfairen Vorteil gegenüber unseren Partnerländern" aufzugeben.

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farbenseher 24.02.2014, 16:08
370. Ein vernünftiger Kommentar von Seiten der SPD...

...wer hätte das gedacht? Aber das gerade bei SPON jede Menge hirngewaschene Exportfetischisten zu finden sind, die genau diese lohndumpingsbasierte Exportweltmeisterei auch noch absolut super finden, war ja irgendwie zu erwarten. D-Land ist nicht "wahnsinnig erfolgreich", das ist in diesem Kontext billigster FDP-Neusprech, sondern es konkurriert seine unmittelbaren Nachbarn zu Boden, indem es seit Jahren gegen den Maastrichtvertrag verstößt und das Inflationsziel unterläuft indem es die Lohnentwicklung von der Produktivität abkoppelt. Kleiner Vergleich mit dem (von der deutschen Mainstream-Presse) vielgescholtenen Frankreich: http://www.querschuesse.de/wp-content/uploads/2012/03/1a29.jpg

Wir exportieren Armut, FR ist der Konsummotor Europas. Da können wir wirklich stolz drauf sein, alles was D-Land mal wirtschaftlich WIRKLICH stark gemacht hat, werfen wir seit Jahren mit Anlauf über Bord. Aber feiert ihr mal weiter unsere sensationellen Exporte. Das böse Erwachen kommt noch.

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kfp 24.02.2014, 16:08
371.

Zitat von andre_22
Jett muss sich die Deutsche wirtschaft dafür entschuldigen das Sie Erfolgreich ist!!! Eher sollten sich die anderen EU Staaten mal fragen warum Sie das mit der Exportwirtschaft nicht in die Reihe bekommen!Unglaublich!!
Die deutsche Wirtschaft soll sich in der Tat entschuldigen, dass sie "erfolgreich" ist: Darin, Gewinne einzufahren, sich aber dann vom Steuerzahler retten zu lassen (Kurzarbeitergeld, ALG und Sozialbeiträge für die Befristeten, Ü50-Jährigen, in den Burnout oder andere überlastungsbedingte Krankheiten Getriebene, erhöhte Rentenbeiträge aufgrund zunehmender Unvereinbarkeit von Familie und Beruf und daher Abschaffung des Nachwuchs' usw.), ihren Beschäftigten keinen Cent davon abzugeben und den Rest Europas, der bei der dt. Selbstausbeute noch nicht freiwillig in vollem Umfang mitmacht, in die Verelendung zu treiben... Was fällt denn den Südeuropäern ein, mehr zu lachen, gesünder zu leben und mehr Kinder zu haben als wir? Unglaublich!!! - Das treiben wir denen so lange aus, bis die genauso wenig Freude am Leben haben wie wir...

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kfp 24.02.2014, 16:08
372.

Zitat von Fechi
Es kann doch nicht sein, dass die Südländer reformunfähig bleiben und statt dessen drehen wir an der Lohnspirale, um die Reformunfähigkeit der Südländer zu kompensieren.
Das liegt daran, dass wir genauso reformunfähig sind und in dt. Selbstausbeutermanie weiter Überstunden scheffeln bis zum Umfallen und die Gürtel enger schnallen, wo wir genau das Gegenteil tun müssten, um uns einem gemeinsamen Niveau anzugleichen...

Wir sind wie die übereifrige Hausfrau, die beim Essen ständig aufspringt und den Tisch schon abräumt, bevor alle fertig sind, nur um sich anschließend über die fehlende Hilfe zu beklagen. Würden wir mal 5 Minuten ruhig am Stück sitzen bleiben, würde vielleicht jemand anderes das Salz rüberreichen bzw. eine spanische Baufirma das beste Gebot für die nächste Ausschreibung vorlegen. Anstatt das wir das Projekt an uns reißen, obwohl wir sowieso schon überlastet sind und dann nur noch dafür arbeiten, das Geld nach Spanien zu zahlen, das den gefeuerten Ingenieuren seiner pleitegegangenen Firma unter die Arme greifen muss...

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michael_bamm 24.02.2014, 17:47
373. Exportüberschüsse Deutschlands: Seit wann ist Europa eine geschlossene Veranstaltung?

Roth geht von falschen Ursache-Wirkungsbeziehungen aus, wenn er glaubt, "prekäre" Arbeitsverhältnisse und "Niedriglöhne" seien der Grund für die hohen Exportüberschüsse Deutschlands. Er liegt mit seinen Überlegungen aber auf Linie der EU-Kommission, die meint, die Deutschen würden zu viel exportieren und zu wenig zu wenig konsumieren. Dabei machen wir Deutschen genau das, was sich das Ausland von uns wünscht: Wir konsumieren so viel wie nie zuvor. Wir waren in der Vergangenheit zuerst der „Kranke Mann Europas“, dann die Exportlokomotive und sind jetzt die Konsumlokomotive. Zur Jahrtausendwende konsumierten wir Waren und Dienstleistungen im Wert von 1,2 Billionen Euro, Im vergangenen Jahr waren es 1,53 Billionen Euro. Der in der Vergangenheit häufig schwächelnde Konsum in Deutschland hat sich mittlerweile zum echten Wachstumstreiber gemausert. Daher liegt auch die Sparquote mit rund zehn Prozent im langfristigen Vergleich sehr niedrig, sie befindet sich auf dem niedrigsten Wert seit der Wiedervereinigung. Dazu kommt ein Arbeitsmarkt mit 42 Millionen Beschäftigten und weniger als drei Millionen Arbeitslosen. Und schließlich sind die Tarifabschlüsse erfreulich für die Arbeitnehmer ausgefallen, und das bei einer vergleichsweise niedrigen Inflation. Zum Vergleich: Der Konsum in Deutschland legte im vergangenen Jahr um 0,9 Prozent zu, in Frankreich sank er um 0,3 Prozent, in Spanien lag das Minus bei 2,1 Prozent und in Italien gar bei 4,2 Prozent. Für die kommenden Jahre wird der Konsum in Deutschland wohl noch etwas höher sein.

Überlegungen von Michael Roth, aber auch der Europäischen Kommission, Deutschland wegen seiner hohen Leistungsbilanzüberschüsse zu bestrafen, weil es zu wenig konsumiere, gehen also schlicht am Problem vorbei: Deutschland konsumiert nicht zu wenig, sondern ein großer Teil der Eurozonen-Länder hat einfach ein Produktivitätsproblem weltweit und kommt deshalb auf keinen grünen Zweig. Wenn man die Eurozone aber – wie das einige in Brüssel tun – als geschlossene Veranstaltung sieht und die weltweiten Verflechtungen ignoriert, kann für Europa insgesamt nichts Gutes herauskommen. Das ist dann so, wie wenn man dem FC Bayern vorschreiben würde, nur mit zehn Mann auf dem Spielfeld anzutreten – ein merkwürdiges Verständnis von Wettbewerb, oder?

Im übrigen entspricht es nicht den Tatsachen, dass der Exportüberschuss Deutschland auf Importüberschüsse der südeuropäischen Länder zurückzuführen ist. Wenn man die Werte von 2008 bis 2012 genauer untersucht, stellt man fest, dass die Exporte Deutschlands nach dem Einbruch in 2009 weltweit stark zugenommen haben, die Exporte in die Eurozone aber sogar leicht zurückgegangen sind. Deutschland erzielt also Exportüberschüsse trotz Euro und Eurozone. Stark gewachsen sind nämlich die Exporte in die bekannten Schwellenländer sowie nach Südostasien und nach Amerika.

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Eliza 24.02.2014, 18:21
374.

Zitat von Fechi
Es kann doch nicht sein, dass die Südländer reformunfähig bleiben und statt dessen drehen wir an der Lohnspirale, um die Reformunfähigkeit der Südländer zu kompensieren. Die wirtschaftlich schwächeren Südländer werden vom für sie zu starken Euro stranguliert und können nicht exportieren. Deutschland Exportüberschüsse sind die andere Seite der Medallie, und dafür kritisiert Deutschland sich jetzt selbst. Das ist verrückt.
Nachdrückliche Zustimmung.

Besonders auch zu Ihrer Kritik der Unverschämtheit, über den Export-Überhang Deutschlands zu predigen, ohne zugleich das zugrundeliegende Problem, den Zwangsverbund in der Euro-Zone, an dem sowohl die Nord- als auch die Südländer kranken, auch nur eines Blickes zu würdigen.

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Kassandro5000 24.02.2014, 18:55
375. Klein Erna-Ökonomie

Wohin wird denn die zusätzliche Binnennachfrage gehen? Südkoreanische Unterhaltungselektronik? Türkei-Urlaube? iPhones? Thailändische T-shirts?

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leader63 24.02.2014, 22:16
376. hallo,

um das Problem zu lösen muss der Euro ganz einfach 30 % aufgewertet werden, das verteuert die Ausfuhren, die Industrie muss produktiver werden und solange das andauert sinken die Exporte und die Importe steigern sich denn der Verbraucher kann sich wesentlich mehr leisten durch die Aufwertung des Euro. Das würde natürlich ein Katastrophe auslösen in 12 der 16 Euroländer aber Exportüberschuss der Deutschen würde für Europa abgebaut. Alle wären zufrieden ausser denjenigen die überschuldet sind, das sollte uns aber nicht jucken.
mfg

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Illoinen 25.02.2014, 07:51
377. Eine leider seltene Stimme der Vernuft.

Zitat von sysop
Kritik an Deutschlands Exportüberschüssen hat die Bundesregierung bislang stets zurückgewiesen. Nun kommen aus dem SPD-geführten Außenministerium neue Töne: Europa-Staatsminister Roth fordert, den "unfairen Vorteil gegenüber unseren Partnerländern" aufzugeben.
Eine Stimme der Vernunft im anhaltenden Irrsinn, interessanterweise gerade aus dem Ministerium des Agenda-2010-Consigliere Steinmeier, der für die hier kritisierte Politik maßgeblich mitverantwortlich ist. Nur verstehe ich nicht das Wort “Vorteil” – in Lohndumping-Deutschland haben vielleicht die Unternehmen Vorteile, aber die Arbeitnehmer – für mich “Deutschland” – doch erhebliche Nachteile.

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