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Ungleichheitsforscher Atkinson: "Deutschland sollte einen Staatsfonds gründen"
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Ein Mindesterbe für alle, höheres Kindergeld und ein staatlicher Investitionsfonds: Der Brite Anthony Atkinson hat Ideen für eine gerechtere Gesellschaft entwickelt - jetzt erscheint sein neues Buch in Deutschland. Ein Interview von Nicolai Kwasniewski

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yvowald@freenet.de 28.08.2016, 10:40
40. Wer sollte den Staatsfonds initiieren?

Die regierenden und kapitalismus-orientierten Parteien CDU, CSU, SPD und FPD würden einen Staatsfonds zu verhindern wissen.
Denn es soll ja alles so bleiben wie es ist: da sind die Reichen und Superreichen auf der einen und die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, kleinen Selbstständigen und Freiberufler auf der anderen Seite.
Wer also sollte diesen "Staatsfonds" anregen und durchsetzen?
Etwa DIE LINKE? Die hätte dazu vermutlich nicht die Kraft und nicht den notwendigen Zuspruch.
Schade!

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sapereaude! 28.08.2016, 10:56
41. Wo kann man das studieren?

Was bitte schön ist denn ein "Ungleichheitsforscher"?

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marcw 28.08.2016, 11:48
42.

Zitat von Rosbaud
Das praktiziert Deutschland bereits im großen Stil mit seiner merkantilischen Politik, mit seinem Exportnationalismus. Im angelsächsischen Sprachraum bezeichnet man eine solche Politik als "Beggar-thy-Neighbour-Politik", was soviel heißt wie "Plündere deinen Nachbarn aus".
Niemand wird gezwungen deutsche Produkte zu kaufen.

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Rosbaud 28.08.2016, 13:52
43. Da braucht es keinen Zwang

Zitat von marcw
Niemand wird gezwungen deutsche Produkte zu kaufen.
Stimmt, die Konsumenten werden nicht zum Kauf deutscher Produkte gezwungen. Ich werde jetzt versuchen - zugegeben sehr schematisch -, den Grund für den Erfolg deutscher Produkte zu erklären.

Nehmen wir drei T-Shirts. Das eine ist sehr günstig, verliert aber schon nach wenigen Wäschen die Form und auch die Farbe geht aus. Das zweite T-Shirt behält wesentlich länger Form und Farbe, kostet aber das Doppelte. So, und jetzt kommt das dritte (deutsche) T-Shirt, es hat dieselbe oder sogar noch bessere Qualität als das doppelt teure T-Shirt, aber es kostet nicht das doppelte, sondern weniger. Wie werden sich da jetzt viele Konsumenten entscheiden?

Deutschland stellt Waren mit hoher Qualität her, die aber nicht so teuer sind, wie man es erwartet. Möglich ist das nur, weil Deutschland seit Jahren Lohn-, Sozial- und Steuerdumping betreibt, also dem eigenen Land den Gürtel enger schnallt, um sich dann die unweigerlich fehlende Nachfrage beim "Nachbarn" zu besorgen.

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futtereimer 28.08.2016, 14:09
44.

Zitat von marcw
Atkinson fordert ein Mindesterbe, damit junge Menschen nicht mit einem Schuldenberg in Form von Studienkrediten ins Erwerbsleben starten. Hierzulande ist Hochschulbildung allerdings zum Glück beinahe kostenlos und wird für die Kinder von Geringverdienern auch noch kräftig gefördert. Ich glaube daher nicht, dass eine Einmalzahlung von einigen zehntausend Euro ein sinnvolles Instrument ist. So eine Einmalzahlung verläuft ganz schnell im Sande, wenn einer netto 3000 Euro und der andere 1000 Euro verdient.
Wir haben "das Glück", nicht zu den "Geringverdienern" zu gehören. Aber seit unsere Kinder studieren, haben wir WENIGER als ein Hartz4ler.....weil wir keine "Förderung" bekommen, da wir ja über dem Satz liegen.
also, wenn ich jetzt kündige, mich auf die faule Haut lege, den lieben Gott nen guten Mann sein lasse, bekommen meine Kinder Förderungen, ich brauch nicht sparen, weil meine Kinder ja Automatisch ja was vom Staat erben.... tolle Idee...mach ich gleich mit--und tausende andere auch.. Mal gespannt, wo das dann hinführt...

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Patrik74 28.08.2016, 14:09
45. Eben nicht

Zitat von Palmstroem
Alle Versuche - Gleichheit zu verwirklichen haben ein Ergebnis gehabt - am Ende waren alle gleich arm. Ja - es stimmt, die Reichen werden in Deutschland immer reicher, aber auch die Armen werden immer reicher!
Wenn es so wäre, gäbe es wenig Grund sich zu beschweren, aber tatsächlich werden nur die reichen reicher, und die anderen eben ... nicht.

Real sind die Arbeitseinkommen in den letzten Jahrzehnten in Deutschland stagniert (bestenfalls), während die Kapitaleinkommen und Vermögenspreise explodiert sind. Da sich der Großteil der Sozialtransfers an den Arbeitseinkommen orientiert gilt, stagnierten auch sie (bestenfalls).

Hinzu kommt, die Vernachlässigung der öffentlichen Infrastruktur und Leistungen, die hauptsächlich den "unteren" 90% zugute kommt, denn die "Elite" hat Alternativen (private Schulen, Krankenhäuser, Sicherheitsdienste, etc.)

Der "soziale Vertrag" wonach alle an "der Wirtschaft" teilhaben sollen, ist eben aufgegeben worden, und ihre These gilt eben nicht mehr - DAS ist das Problem.

Dabei geht es nicht nur um Altruismus und Gerechtigkeit, sondern man kann auch nachweisen, dass ab einem gewissen Grad von Ungleichverteilung der Wohlstandszuwachs stagniert oder gar abnimmt. und DANN sind am Ende alle gleich arm, nicht wenn man alle mitnimmt.

Man kann unser Wirtschaftssystem vielleicht mit einem Kernreaktor vergleichen: Das ganze System ist unglaublich energiegeladen, und je mehr man die Steuerstäbe zieht, desto mehr erzeugt es - wenn man sie aber zu weit zieht, entsteht eine Kettenreaktion, die in der Katastrophe endet.

Die Finanzkrise hat uns einen Vorgeschmack gegeben, und das schlimmste konnte mit einem "Notaus" grade noch verhindert werden (obwohl es einige "Kollateralschäden" gab), aber wenn wir nicht erkennen, dass es Zeit ist, die Steuerstäbe wieder zurückzuschieben, dann fliegt uns das Ding um die Ohren.

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Patrik74 28.08.2016, 14:23
46. Der Vergleich hinkt

Zitat von Rosbaud
Deutschland stellt Waren mit hoher Qualität her, die aber nicht so teuer sind, wie man es erwartet. Möglich ist das nur, weil Deutschland seit Jahren Lohn-, Sozial- und Steuerdumping betreibt, also dem eigenen Land den Gürtel enger schnallt, um sich dann die unweigerlich fehlende Nachfrage beim "Nachbarn" zu besorgen.
Unbestritten ist, dass es ein Problem mit der Verteilung der Erträge in Deutschland gibt.

Aber wenn ein Bäcker zum selben Preis bessere Brötchen verkauft, dann ist es nicht unbedingt ein Zeichen von "Dumping", sondern schlicht das Ergebnis technologischer Konkurrenz - vielleicht hat er einfach das bessere Rezept, oder die bessere Methode - die muss nicht teurer sein, ganz im Gegenteil, oftmals gehen höhere Qualität, Effizienz und Profitabilität Hand in Hand (Stichwort: Total Quality Management); das haben die Japaner in den 80ern ja eindrucksvoll gezeigt.

Wenn deutsche Produkte sich auf dem Weltmarkt durchsetzen, hat das nicht unbedingt mit "Beggar thy neighbor"-Politik zu tun - sollen sich andere halt bessere Produkte herstellen - was aber nicht geht, ist, dass die damit zusammenhängen Überschüsse lediglich bei einer "Elite" hängenbleiben - das ist aber ein rein innerdeutsches Problem, das nur politisch gelöst werden kann.

Ob unsere Politikerkaste dieses Problem aber tatsächlich angehen will/darf, sei mal dahingestellt...

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g0r3 29.08.2016, 09:25
47.

Zitat von vitalik
Also ich gehen arbeiten damit ich ein Gehalt bekomme. Ob ich mit meiner Arbeit irgendwelche Renditen für jemanden anderen erwirtschafte interessiert mich nicht. Bei Ihnen klingt das irgendwie nach Neid. Verdienen Sie nicht genug und wollen mehr? Übrigens, es hält Sie niemand davon ab selbst eine Firma zu gründen. Auch wenn Sie es gern behaupten, aber nicht alle erfolgreiche Unternehmer haben die Firma oder Geld geerbt. Also, schluss mit Ausreden und Neid, bauen Sie selbst etwas auf.
Keine Sorge, mir geht es finanziell gut. Und ich trete demnächst einen Job an, bei dem es mir finanziell noch viel besser geht.

Im Gegensatz zu Ihnen sorgt bei mir der finanzielle Wohlstand aber immerhin nicht dafür, dass sich eine breite Ignoranz gegenüber vorhandenen Problemen ausbreitet.

Und das Gesetz des Kapitals gilt natürlich auch bei Firmengründungen, speziell heute: Man kann durch ehrliche Arbeit reich werden. Aber nicht durch die eigene, sondern durch die Arbeit anderer. Gut zu daran erkennen, dass jene, welche als Selbstständiger in solchen Bereichen führen, oft am Hungertuch nagen.

Während man sich anderswo wieder mit Investoren-Millionen hochpumpen lässt. Damit die Firma, die gegründet und groß wird, wieder jenen gehört, die eh schon die anderen Firmen und einen großen Teil der restlichen Investitionsgüter besitzen.

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dingstabumsta 29.08.2016, 11:22
48. Nur drei von...

....von 15 konkreten Maßnahmen für die Bereiche Technologie, Arbeit, soziale Sicherheit sowie Kapital und Steuern.
Schon seit geraumer Zeit geht die Richtung unseres Sozialstaates und der Solidargemeinschaft nur in eine Richtung mit dem Namen Ungerechtigkeit!
Ansetzen müsste man bei der Chancenungleichheit, die in Deutschland extreme auswüchse angenommen haben, als beispiel: wer arm geboren wurde, hat weniger Chancen als reich Geborene....
Leider wurde das Thema Einkommen ausgespart.... Die abschaffung des Mindestlohns muss her, den der entwickelt sich als Kommunistisches Instrument der Wirtschaft, bedeutet: der Mindestlohn führt zu Leistungs und - Enwicklungsstillstand.
Alles was gegen die Armut geht, wird verhindert, und gesellschaftlich als Linker Sozialismus oder Kommunismus abgetan, dabei geht es eigentlich darum eine Gesellschaft die Solidarisch dieses Land gestalltet, und nicht Egoistisch, von falschen Lobbyisteninteressen und Gier.
Herr Atkinson polarisiert damit, dass es immer einen anderen Weg geben wird, der das allgemeinwohl mit einbeziehen kann, und nicht so, wie es sich derzeit darstellt -Chancenungleich!

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