Forum: Wirtschaft
Untersuchung des Arbeitgebers: Japanerin nach 159 Überstunden gestorben
DPA

Mit nur 31 Jahren wurde eine japanische Reporterin tot in ihrem Bett gefunden. Vier Jahre später räumt ihr Sender ein, dass die Ursache massive Überarbeitung war.

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j_stiebel 06.10.2017, 11:32
20. Weshalb die Leerzeit nicht mit privatem Liegengeblienem befüllt?

Zitat von frenchie3
japanischen Spedition in Deutschland gearbeitet, damals hatte die gerade in D aufgemacht. Arbeitspensum eine Stunde am Tag, der Rest Zeit totschlagen. Die japanischen Kollegen saßen trotzdem bis 22:00 da. Während dieser Zeit wurde gespielt, gelacht, einfach nur da sein. Wir Germanen gingen um 17:00, voll ausgeruht. Nach einem Monat wurde ich aufgefordert mehr zu arbeiten, sprich auch weit über die offizielle Arbeitszeit (bezahlt!!!) zu bleiben. Ich kündigte wegen mangelnder Arbeit (schlagt mal sieben Stunden ohne wenigstens Internet tot). Als ich am letzten Tag meinem japanischen Chef auf wiedersehen sagte schloß er die Tür und fragte mich ob die Kündigung tatsächlich ernst war! Sicher denken jetzt alle ich fieberphantasiere hier, so etwas kann nicht wahr sein. Aber sicher ist daß ich seitdem meine eigenen Gedanken über japanische Arbeitseffizienz habe
Haben Sie die leere, versessene Zeit mit der Erledigung privaten Bürokrams genutzt? Oder war dies (vom Arbeitgeber her) Ihnen verboten?
In manchen Krankenhäusern und Pflegeheimen sitzt das Personal ebenfalls die Arbeitszeit ab. Es dürfte sich um das von Ihnen aus der japanischen Firma Berichtete um nicht etwas Japanisch-Spezifisches handeln.

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marianne.weber 06.10.2017, 11:33
21. Me first!

Erschreckend, was in japanischen, aber auch in deutschen Firmen alles abgeht. Da kann man wirklich nur froh sein, wenn man einen Arbeitgeber findet, der die Arbeit sowohl finanziell als auch menschlich zu schätzen weiß und bei dem man aufgrund eines angenehmen Arbeitsklimas (gute Kollegen, Zusammenhalt, Wertschätzung) auch gerne arbeitet. Bei den meisten Menschen ist Arbeit nun mal der größte Teil des alltäglichen Lebens. Da sollte niemand sich aus falsch verstandenem Loyalitätsgedanken oder Pflichtbewusstsein an einen Arbeitgeber gebunden fühlen. Wenn man nicht glücklich ist und das Gefühl hat, sich tot zu arbeiten, ist es Zeit zu gehen.

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Jasro 06.10.2017, 11:39
22. In Südkorea ist das nicht anders

Kürzlich gab es auf Arte eine interessante Reportage über Südkorea, welches ja in seiner Arbeitskultur mit Japan eng verwandt ist. Dort gibt es das Phänomen, dass sogar südkoreanische Ärzte(!) lieber als Farmarbeiter in den USA arbeiten, weil in den USA, der Arbeitsdruck vergleichsweise geringer ist als in Südkorea:

Das Wirtschaftswunder in Süd-Korea, das hat seinen Preis, schon von ganz klein auf: Der Kampf um die Noten, damit man bloß auf die besten weiter führenden Schulen und die Elite-Universitäten kommt, dann ein Examen mit Auszeichnung für den Spitzen-Job in einem der großen Unternehmen des Landes – brutalster Wettbewerb und strengste soziale Kontrolle von Kindesbeinen an, bis ins Erwachsenenleben und selbst dann nur Zeit für die Arbeit und sonst nichts. Reich sein, Einfluss haben - damit gewinnt man Ansehen in der Gesellschaft und darum geht es in Südkorea, doch das wollen viele junge Leute nicht mehr mitmachen.

In Zahlen: 9 von 10 jungen Menschen in Südkorea tragen sich mit dem Gedanken abzuhauen – und viele ziehen das auch durch, in Richtung Europa, Amerika oder Australien. Dabei akzeptieren sie auch Jobs, die ihrer Ausbildung und Qualifizierung nicht entsprechen: Junge Ärzte werden Landarbeiter, Ingenieure lernen Schweißer, damit sie eine Green Card für die USA bekommen und in einem Land leben dürfen, in dem ihre Familien eine gelassenere Gegenwart leben dürfen. In Südkorea ist sogar das zu einem boomenden Geschäft geworden: Arbeitsagenturen vermitteln Jobs im Ausland, Schulen bieten Kurse für künftige Handwerker an und lehren Fremdsprachen im Crashkurs. Unsere Reporter zeigen uns Südkorea von einer Seite, die wir gar nicht kennen.


Video:
http://info.arte.tv/de/suedkorea-die-jungen-hauen-ab

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oldman2016 06.10.2017, 11:41
23. Tragischer Fall

Der frühe Tod der japanischen Reporterin ist nach Behördenangaben auf Überarbeitung zurück zu führen. Warum ihr Arbeitgeber dies erst nach vier Jahren öffentlich einräumt, ist für mich zwar nicht nachvollziehbar aber er hat es immerhin publiziert. Das Arbeitsverhältnis - also die Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer - ist nicht nur kompliziert, es ist vor allem für die allermeisten Menschen für Jahrzehnte der Mittelpunkt ihres Lebens. Alles muss sich dem Arbeitsverhältnis unterordnen zumindest aber anpassen. Freizeitgestaltung und Wohnort, die Schulbiographie der Kinder, die Vereinsamung der zurückgebliebenen Großeltern. Alles ist auch auf das sogenannte Arbeitsverhältnis zurück zu führen. Da aber kein Mensch eines anderen Menschen Untertan sein soll und sein darf, sind stringente Rechtsnormen erforderlich, die die Grenzen des Erlaubten defininieren. Hier sind Deutschland in den letzten Jahren leider viele Errungenschaften für Arbeitnehmer auf dem Altar des Geldes geopfert worden. Zum Dank dafür erwartet viele Arbeitnehmer im Alter die Armut.

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frenchie3 06.10.2017, 11:47
24. @20 Sicher hätte ich meinen privaten

Bürokram machen können. Hätte der Chef nicht mal bemerkt, der sprach/las gerade mal halbwegs englisch. Aber mal unter uns, haben Sie echt für sieben Stunden am Tag, fünf mal die Woche, privaten Bürokrams? Da würde ich mir überlegen was da falsch läuft :-))

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ag_guerel 06.10.2017, 11:54
25. Arbeitsbedingungen!

Es ist in Deutschland auch nicht unüblich,dass die Arbeitnehmer in einigen Bereichen Überstunden machen! Z.B. Messebauer, Eventmitarbeiter! Manche Unternehmen bezahlen nicht mal diese Überstunden! Sie bieten den Arbeitnehmer Gehalt an! Und die Arbeitnehmer bekommen festen Gehalt,obwohl sie teilweise im Monat mehr als 200 Überstunden sammeln. Wirtschaftsmoral der Unternehmen liegt beinahe auf Null! Egal ,ob man in Japan oder in Deutschland ist.

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naklar261 06.10.2017, 12:10
26. @9 kein Problem

Hier in Japan gab es im August 146 offene Stellen für 100 Arbeitssuchende. Sie müssen nur flexibel sein. Nennt sich Globalisierung. Zum Artikel...in den meisten Fällen sind Überstunden leider unnötig genau wie der Tod der hier beschriebenen Dame.

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schorsch_69 06.10.2017, 12:26
27. Och Joh!

... sind wohl rund 16 Stunden Arbeit. Wie auch immer diese auch hier einmal mehr definiert wird.

Insofern sehe ich hier nichts besonderes, auch wenn sich viele hier erstaunt geben.
Ich habe diese Anforderung in mindestens 6 Monaten pro Jahr zu leisten gehabt - echte Arbeit, nahezu ohne Pause, und machte dies selbstgewählt über 20 Jahren als Selbständiger. Die anderen Monate entsprachen dann ansatzweise der normalen "Tarifarbeitszeit" von Angestellten und Beamten.
Vorher als Angestellter, habe ich im Durchschnitt der Jahre zuvor, rund 90 Überstunden pro Monat geleistet - voll bezahlt und durchaus gerne erledigt. Die Spitze hier waren über 220 bezahlte Überstunden. Ja, auch ich habe vor echter Müdigkeit einmal die Einkaufstüten vor der Wohnungstür "vergessen" und die Polizei sturmklingelte mich daraufhin aus dem Bett - die Nachbarn hatten diese informiert.

Inzwischen habe ich selbstverordnet und absolut stringent ein paar Stunden tägliche Freizeit/Urlaub (vor/bis Sonnenuntergang min. 2 Stunden) bei meinen Tieren ohne smartes Phone usw., usw. - absolut jeden Tag, 365 Tage im Jahr, Urlaub als solches, habe ich zuletzt im Juli 5 Tage gemacht, davor irgendwo um 1998 rum auch mal eine Woche.

Ich glaube kaum, das die kolportierte Überstundenzahl allein, zu diesem bedauerlichen Tod geführt hat.
Macht sich aber besser in der medialen Vermarktung auch dieser Story!

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superstrom 06.10.2017, 12:43
28. Karoshi

Karoshi ist kein Wort, das erfunden wurde, es ist ein zusammengesetztes Wort. Nämlich aus 過労, Karou, Überarbeitung, Überanstrengung und 死, Shi, Tod.
Briefmarkensammlung ist ja auch kein erfundenes Wort, das die Sammlung von Briefmarken beschreibt.

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fiegepilz 06.10.2017, 12:47
29.

Was ein Wahnsinn. Kapitalismus im Endstadium

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