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Unterwegs mit griechischem Steuerfahnder: "Wenn du ehrlich bist, bist du hier fast ei
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In Griechenland gilt Steuerhinterziehung als Volkssport. Doch die Gläubiger des Landes machen Druck, endlich gegen Steuersünder vorzugehen. Ein harter Job für die Fahnder - sie "stehen kurz vor dem Kollaps".

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JanIi 04.10.2017, 11:23
1.

"Doch die Gläubiger des Landes machen Druck, endlich gegen Steuersünder vorzugehen."

Ach wirklich? Also ich habe in den 7 Jahren der Sparprogramme nur dan Druck gesehen, wenn es um Rentenkürzungen und Massenentlassungen ging. Diese Massenentlassung betrafen übrigens auch die Steuerbehörde.
Erst seit Tsipras 2015 übernahm, hat sich im Bereich der Steuereintreibung einiges geändert.
Das griechische Finanzministerium will eigentlich noch mehr Leute als Kontrolleure, leider verbietet dass die Troika und das obwohl ein Steuerfahnder viel mehr Geld einbringt, als er kostet.
Deshalb hat das Finanzministerium nun einige eigene Mitarbeiter der Steuerbehörde gegeben.
Dass die Gläubiger bei der Eintreibung von Steuern Druck machen ist also völliger Unsinn.
Ohne der Regierung von Tsipras wäre immer noch alles gleich. Wachstum und Primärüberschuss hat schon seine Gründe.

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chrismuc2011 04.10.2017, 11:46
2.

In Italien zahlt nicht nur der Wirt, sondern auch der Gast eine Strafe.

Damit wurde sehr schnell und relativ effizient der Steuerbetrug in der Gastronomie vor Jahren ausgehebelt.
Das sollten die Griechen auch machen. Denn so kontrolliert der Gast indirekt den Wirt.

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brux 04.10.2017, 11:47
3. @Janli

Noch ne Lüge.
Natürlich könnten die Griechen mehr Steuerfahnder einstellen und diese auch besser bezahlen, gerne auch mit Anteil an den eingebrachten Summen. Die Troika setzt eher abstrakte Ziele, es ist an den Griechen diese zu erreichen. Aber man will halt nicht.

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theresarain 04.10.2017, 11:48
4. Die großen Fische

der Vorwurf, dass die großen Fische in Ruhe gelassen werden, stimmt sogar leider. Die großen Reeder zahlen meist 0 Prozent Steuern. Kaum zu glauben, aber wahr. Da müsste man ansetzen.

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haresu 04.10.2017, 11:53
5. 700 Euro?

Ein Kulturwandel braucht Zeit aber wenn die griechische Regierung ihn wirklich wollte müsste sie noch deutlich mehr investieren und die Steuerfahnder auch vernünftig bezahlen. Und selbstverständlich auch die Reichen und Mächtigen angehen denn sonst wird man den einfachen Bürger nie überzeugen.

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regenwurm 04.10.2017, 11:53
6. Soviel zu "gemeinsamen europäischen Werten"

Zwei Zitate, die ich mal rausgegriffen habe:
" Denn gewohnheitsmäßiger Steuerbetrug ist einer der Hauptgründe für Griechenlands finanzielle Bredouille. Es gilt bei vielen Griechen noch immer als Kavaliersdelikt."
...
"Die Wahrheit ist, dass die Steuerüberprüfungen erst seit Kurzem in Griechenland mit solch einer Akribie durchgeführt werden"

Bis vor kurzem war das ja politisch nicht korrekt, solche Wahrheiten auszusprechen. Vielen Dank für den profunden Bericht und die klaren Worte!

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kumi-ori 04.10.2017, 11:56
7.

Die Situation ist ein bisschen schwierig. Jahrzehntelang haben die griechischen Regierungen, auch die von Alexis Tsipras, die wirklich Super-Reichen von allen Steuern verschont. Aus unerfindlichem Grunde glaubt jetzt Otto Normalgrieche, dass ihm dieses Recht auch zustünde. Das Gegenteil ist selbstverständlich der Fall, wenn die obersten Zehntausend keine Steuern bezahlen, müssen die anderen dafür umso mehr entrichten. Da können nicht mal die bösen Deutschen was für. Wenn die Reeder etc. auch in das System des Steuerzahlens eingebunden werden, könnte ich mich sogar mit weiteren Hilfen an die griechische Wirtschaft anfreunden. Aber ich fühle mich als deutscher Steuerzahler nicht zu Unterwürfigkeitszahlungen an griechische Großkapitalisten verpflichtet.

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kayakclc 04.10.2017, 12:04
8. Die Gläubiger machen Druck: wohl noch nicht genug

Es ist doch selbstverständlich, ja eine nationale Pflicht, wenn der eigene Staat pleite ist, endlich das Geld, das man dem Staat schuldet, auch zu bezahlen. Das gleiche gilt für die Sozialabgaben: nur wenn ehrlich die Renten-, Gesundheits- und Arbeitslosenbeiträge in voller Höhe abgeführt werden, können die Renten etc in der nötigen Höhe ausbezahlt werden. Es sind schon bizzare Vorstellungen, die hier Leute äußeren, die Gläubiger seinen für die Rentenkürzungen verantwortlich. Nein, wenn die Griechen nichts einzahlen, und ihre Einnahme unter der Hand an den Behörden vorbeischmuggeln, sind eben die Kasse leer. Es ist ja nicht Aufgabe der Gläubiger, das System aus Steuerbetrug und Sozialschmarozertum in einem Land aufrecht zu erhalten. Und der öffentliche Dienst im 20% Anteil an den Gesamtbeschäftigen in Griechenland ist überproportional groß. Deutschland kommt mit 13.6% aus. Wenn die Verwaltung effektiv und super arbeiten würde wäre gegen 20% nichts einzuwenden. Eigentlich müssten genügend Leute da sein. Nur ist die Frage, was die vielen Leute (700.000!) im öffentlichen Dienst auch machen?

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Barath 04.10.2017, 12:10
9. ...

Zitat von kumi-ori
Die Situation ist ein bisschen schwierig. Jahrzehntelang haben die griechischen Regierungen, auch die von Alexis Tsipras, die wirklich Super-Reichen von allen Steuern verschont. Aus unerfindlichem Grunde glaubt jetzt Otto Normalgrieche, dass ihm dieses Recht auch zustünde. Das Gegenteil ist selbstverständlich der Fall, wenn die obersten Zehntausend keine Steuern bezahlen, müssen die anderen dafür umso mehr entrichten. Da können nicht mal die bösen Deutschen was für. Wenn die Reeder etc. auch in das System des Steuerzahlens eingebunden werden, könnte ich mich sogar mit weiteren Hilfen an die griechische Wirtschaft anfreunden. Aber ich fühle mich als deutscher Steuerzahler nicht zu Unterwürfigkeitszahlungen an griechische Großkapitalisten verpflichtet.
Was sollen sie denn an griechische Großkapitalisten zahlen bzw haben sie bisher gezahlt?

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