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Urbanes Leben der Zukunft: "Die Stadt beobachtet mich aus Tausenden Augen"
DPA

Computertechnik durchdringt unseren Lebensraum: Werbetafeln messen die Gesichtszüge von Passanten, Turnschuhe erstellen Psychoprofile ihrer Träger. Wie werden wir künftig in den Städten leben? Werden wir auf Schritt und Tritt vermessen? Ein Interview mit IT-Visionär Adam Greenfield.

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cato-der-ältere 24.04.2012, 10:31
1.

Was gar nicht groß hinterfragt wird ist wer da wen beobachtet, und warum (es wird eher technokratisch diskutiert). Beziehungsweise dass diese Systeme in erster Linie dem Kapitalismus dienen, dem Verkaufen, und dann vor allem der Kontrolle durch den Staat: wer ist verdächtig...?
Möglich wären natürlich auch völlig andere Ansätze, sozial und kulturell nützliche, die uns wirklich voran bringen. Aber dafür sind die Budgets viel geringer.
Wer das Geld hat setzt also diese Systeme für sein Zwecke ein. Allein schon deshalb kann einem da Angst und Bange werden. Weil eben die Basis unserer Gesellschaft in so hohem Maße auf Ungleichheit beruht und auf Interessen die nicht unbedingt ethisch sind. Was bisher schon nicht überzeugend funktioniert hat und sich durch diese neue Informationsmacht sich verschärfen kann, und wird.

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Vorzeichen 24.04.2012, 10:48
2.

Zitat von sysop
Immer mehr unserer Taten werden gespeichert und sind für alle Zeit abrufbar.
Evolution in dem Sektor sieht Herr Greenfield offensichtlich nur bei der HW, nicht aber bei Algorithmen. Warum soll es in einer Welt, in der überall Daten anfallen, nicht auch automatisierte Löschprozesse geben?
Außerdem werden keine Taten erfasst, sondern rohe Daten. Taten lassen sich aus den Daten vielleicht rekonstruieren oder auch nur interpretieren, aber dazu wiederum benötigt man mindestens Analyse-, wenn nicht gleich Warehousing-SW.

Zitat von
Lügen werden rascher auffliegen, die Affäre eines Verheirateten zum Beispiel.
Ob eine Affäre auffliegt oder nicht, hat eher etwas mit dem Geschick des Ehebrechers zu tun als mit Technik. Künftig muss er vielleicht noch besser aufpassen, aber mehr auch nicht.

Zitat von
Oder Wertesysteme wie die Ehe werden mit der Zeit toleranter gegenüber menschlichem Fehlverhalten.
Hier wird's gänzlich esoterisch. Nach Greenfieldscher Deutung werden ja, s.o., auch Verbrechen schneller auffliegen. Da würde mich mal interessieren, ob sich da auch Wertesysteme wandeln. Wird es keine Verbrecher mehr geben oder werden wir ihnen gegenüber toleranter?

Ich seh's schon kommen. Demnächst stehe ich an der Bushalte neben einem anderen Mann und eine zuckersüße Frauenstimme aus dem Werbeplakat für ein Einkaufszentrum erklärt uns, wo wir beste Dessous kaufen können. Wen von uns meint das Plakat? Habe ich vergessen, meine Cookies zu löschen? Was denkt der Typ neben mir jetzt?

Wer verliert zuerst die Nerven?

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seine_unermesslichkeit 24.04.2012, 11:09
3.

Warum gibt es bei all dieser Vernetzung und itelligenten Technik immer noch kein Telefon oder Handy, welches dem Anrufer vor beabsichtigter Anwahl mitteilt, dass er gerade stören würde, wenn er anruft?
Kein höflicher Mensch kommt auf die Idee, in eine Konversation hineinzuplatzen, aber telefonisch ist das immer noch möglich!

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vhe 24.04.2012, 11:10
4. Schoen waer's...

Zitat von Autor
Sie könnten sich eine Anonymous-Maske aufsetzen.
aber leider gibt's bei uns ein Vermummungsverbot.

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seine_unermesslichkeit 24.04.2012, 11:12
5.

Warum gibt es bei all dieser Vernetzung und itelligenten Technik immer noch kein Telefon oder Handy, welches dem Anrufer vor beabsichtigter Anwahl mitteilt, dass er gerade stören würde, wenn er anruft?
Kein höflicher Mensch kommt auf die Idee, in eine Konversation hineinzuplatzen, aber telefonisch ist das immer noch möglich!

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MrStoneStupid 24.04.2012, 11:18
6. Intelligente Supercomputer ...

... steuern in Zukunft Megastädte (Verkehr, Energie, Verwaltung, ...) und Roboter warten die Städte, der Mensch muss kaum noch etwas tun - vielleicht schon dieses Jahrhundert. In Folge gibt es intelligente Superraumschiffe, die einen Staat bilden und das Universum beherrschen (das dauert noch etwas länger).

Ein anderer Aspekt ist der des Schwarmbewusstseins - inwieweit kann man eine Stadt und insbesondere einen Staat als Schwarmwesen betrachten? Die elektronische Vernetzung fördert dieses und die Entwicklung intelligenter Supercomputer ist die nächste alles entscheidende technische Revolution - unvermeidlich, denn kein Land kann darauf verzichten. (alles imho)

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pförtner 24.04.2012, 11:28
7. Der Menschwird frei geboren!

Zitat von sysop
Computertechnik durchdringt unseren Lebensraum: Werbetafeln messen die Gesichtszüge von Passanten, Turnschuhe erstellen Psychoprofile ihrer Träger. Wie werden wir künftig in den Städten leben? Werden wir auf Schritt und Tritt vermessen? Ein Interview mit IT-Visionär Adam Greenfield.
Wir werden Kriege im Namen der Freiheit führen,
obwohl wir slbst nicht mehr Frei sein werden.

Der Mensch wird frei geboren, trotzdem liegt über die Hälfte der Menschheit gefesselt in Ketten!

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PJanik 24.04.2012, 11:31
8. Risoken gibt es aber auch grosse Chancen!

Zitat von cato-der-ältere
Was gar nicht groß hinterfragt wird ist wer da wen beobachtet, und warum (es wird eher technokratisch diskutiert).
Lese ich nicht so heraus. Was man aber akzeptieren muss ist das es die technischen Moeglichkeiten der Datenaufzeichnung an (fast) jedem oeffentlichen Ort geben wird. Und sie sind so kostenguenstig das JEDER damit diese Daten aufzeichnen koennen wird. Nicht nur der Staat (wir frueher) oder Konzerne (wie jetzt), sondern ALLE.

Zitat von cato-der-ältere
Beziehungsweise dass diese Systeme in erster Linie dem Kapitalismus dienen, dem Verkaufen, und dann vor allem der Kontrolle durch den Staat: wer ist verdächtig...?
Anders herum. Diese Technik wird helfen alles im oeffentlichen Raum transparent zu machen. Das wird genauso viele Verkaeufe verhindern wie befoerdern. Wenn ich ein Produkt einscanne kann ich mir z.B. seinen Carbon-Footprint anschauen und kriege X-Alternativen angeboten. oder ich sehe wie gut die Firma (Markt und/oder Hersteller) ihre Mitarbeiter behandelt und kann dann entscheiden ob ich hier oder im kleinen Laden um die Ecke einkaufe wo es das gleiche zwar fuer X-Euro teurer gibt aber da verdient keine Kette sondern ein Alleinunternehmer.

Zitat von cato-der-ältere
Möglich wären natürlich auch völlig andere Ansätze, sozial und kulturell nützliche, die uns wirklich voran bringen. Aber dafür sind die Budgets viel geringer. Wer das Geld hat setzt also diese Systeme für sein Zwecke ein.
Ja, wer Geld hat kann sich heute Image kaufen. Weil Transparenz fehlt. In einem in-transparenten Markt greife ich zu der billigeren Ware/Dienstleistung, weil mir die Qualitaetskriterien unbekannt sind die mich, wuesste ich Bescheid, eine andere Entscheidung treffen lassen wuerden.

Zitat von cato-der-ältere
Allein schon deshalb kann einem da Angst und Bange werden. Weil eben die Basis unserer Gesellschaft in so hohem Maße auf Ungleichheit beruht und auf Interessen die nicht unbedingt ethisch sind. Was bisher schon nicht überzeugend funktioniert hat und sich durch diese neue Informationsmacht sich verschärfen kann, und wird.
Umm. Ungleichheit gibt es seitdem der Mensch existiert.
Das muss man akzeptieren. Man kann es regulieren (Durch Steuern z.B., wobei da Erbschaftssteuern viel wichtiger sind als die Einkommensteuer z.B.) und Startchancen nivellieren (auf hoeherem Nivaeu nivellieren, aber da muesste man mehr Geld in die Bildung stecken)

Menschen sind eigennuetzig und faul (Schlaue suchen die Luecken im System. Oder machen das System so kompliziert das nur sie sich zurecht finden). Live with that.

Der Kapitalismus ist ja ein Wirtschaftssystem das diesen beiden Eigenschaften (Sind nicht die einzigen, aber halt sehr wichtig) fuer sich einspannt.

Als Souveraen muessen wir eine Regierung an die Macht bringen die einerseits die Auswuechse begrenzen kann und andererseits dafuer Sorge traegt das wir in Europa wettbewerbsfaehig bleiben und ressourcenschonender arbeiten.

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PJanik 24.04.2012, 11:38
9. KI ist ein Maerchen...

Zitat von MrStoneStupid
... steuern in Zukunft Megastädte (Verkehr, Energie, Verwaltung, ...) und Roboter warten die Städte, der Mensch muss kaum noch etwas tun - vielleicht schon dieses Jahrhundert. In Folge gibt es intelligente Superraumschiffe, die einen Staat bilden und das Universum beherrschen (das dauert noch etwas länger). Ein anderer Aspekt ist der des Schwarmbewusstseins - inwieweit kann man eine Stadt und insbesondere einen Staat als Schwarmwesen betrachten? Die elektronische Vernetzung fördert dieses und die Entwicklung intelligenter Supercomputer ist die nächste alles entscheidende technische Revolution - unvermeidlich, denn kein Land kann darauf verzichten. (alles imho)
.. bis dato ist Informationsverarbeitung sehr DUMM und einfach gehalten. Gadgets, auch die die so weit verbreitet sind wie Kuhfladen, sind Strohdumm und arbeiten in einer (Endlos-)Schleife einfachste Anweisungen ab. Daran aendert auch der naechste (menschengemachte) Patch auch nichts.

Immerhin hat man schon Roboter gebaut die das Verhalten von Kakerlaken imitieren koennen mit recht wenig verwendeter menschgemachter Logik.

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