Forum: Wirtschaft
Urteil: Gericht lockert Streikverbot für Kirchenmitarbeiter
dapd

Mitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen dürfen künftig unter bestimmten Umständen für bessere Arbeitsbedingungen streiken. Das entschied das Bundesarbeitsgericht am Dienstag in Erfurt.

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ChrisQa 20.11.2012, 16:27
1. Extrawurst

Was ist daran christlich, seinen Mitarbeitern als Unternehmen, denn nichts anderes sind Diakonie und Caritas, nicht auf Augenhöhe begegnen zu wollen? Und wieso diese ganzen Sonderregelungen für die Kirchen? Wir leben in einem sekularen Saat, steht zumindest so im Grundgesetz.

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Klaus-Otto 20.11.2012, 16:37
2. Halelujah!

Das ist jetzt hoffentlich der Anfang vom Ende der mittelalterlichen und längst überholten Privilegien unserer Amtskirchen. Gleiches (Streik-) Recht für alle, auch für die Arbeitnehmer in den "Tendenzbetrieben".

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thetan 20.11.2012, 16:38
3. leider nicht

Zitat von ChrisQa
Wir leben in einem sekularen Saat, steht zumindest so im Grundgesetz.
Nein, genau das ist (leider) falsch. Blättern Sie das Grundgesetz doch am Besten einfach mal durch und suchen den entsprechenden Artikel.
Dies zeigen übrigens neben den arbeitsrechtlichen Sonderregeln sehr eindrucksvoll die Finanzierung von Bischofsgehältern aus Steuermitteln (NICHT Kirchensteuer), das Einziehen der Kirchensteuer durch den Staat, die Mitgliederverwaltung durch Standesämter und -- last, but not least -- die bestehenden Staatskirchenverträge.
Auch sind "christliche Werte" explizit in vielen Landesverfassungen verankert.

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RoLf132 20.11.2012, 16:46
4. optional

Es geht nicht alleine um das Streikrecht kirchlicher Mitarbeiter. Statt eines Beitriebsrats gibt es eine Mitarbeitervertretung, der nur ein Anhörungsrecht zusteht. "Wir haben Sie jetzt pflichtgemäß angehört. Das wars."

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Anton 100 20.11.2012, 17:00
5. Von wegen säkular

ChrisQa heute, 16:27 Uhr
"Wir leben in einem sekularen Saat, steht zumindest so im Grundgesetz."
Wie schon von einem anderen Leser bemerkt, stimmt das leider nicht mit unsere säkularen Bundesrepublik. Artikel 140 GG übernimmt wörtlich die Art. 136-139 und 141 der Weimarer Verfassung, die eigentlich schon damals auf den Prüfstand gehört hätten. Zusammenfassend begründen sie die Sonderstellung der beiden großen christlichen Kirchen als Körperschaften des öffentlichen Rechts mit Sonderjustiz und zahllosen Privilegien, die bis heute gelten.
Die von einem Mit-Diskutierer erwähnten Bischofsgehälter berechnen sich übrigens nach dem jeweils aktuellen Gehalt eines Staatssekretärs der Bundesregierung. In Bayern erhalten auch die kath. Gemeindepfarrer ein staatliches Gehalt, etwa entsprechend dem eines Oberstudienrats. Aber auch ohne Neid-Diskussion: Was in der Öffentlichkeit noch viel weniger gesehen wird: Rund 90 % der Mittel für kirchliche Sozialarbeit werden vom Staat beigestellt. Und da beansprucht die Kirche ein Sonderrecht für ihre "Bediensteten" (so der Terminus für kirchlich Angestellte)?
Eine der wichtigsten staatsbürgerlichen Aufgaben wäre die Einführung einer wirklichen Trennung von Kirche und Staat in Deutschland.

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exterminate 20.11.2012, 17:03
6.

Damit ist endlich einmal ein Anfang gemacht. Jetzt muss den kirchlichen Ausbeutern allerdings noch untersagt werden, sich ins Privatleben ihrer Angestellten einzumischen und eine Kirchenmitgliedschaft zu verlangen. Besser noch wäre, die Kirchen ihre ach so sozialen Einrichtungen selbst finanzieren zu lassen, statt aus Steuergeldern. Dann dürften sie von mir aus ihr Bevormundungsrecht sogar behalten.

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martin-gott@gmx.de 20.11.2012, 17:09
7. Zukunft

Zitat von sysop
Mitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen dürfen künftig unter bestimmten Umständen für bessere Arbeitsbedingungen streiken. Das entschied das Bundesarbeitsgericht am Dienstag in Erfurt.
hoffentlich brauchen sich bald auch kirchlich Beschäftigte in Kindergärten und Krankenhäuser (wahrscheinlich zum Grossteil vom Steuerzahler oder Sozialkssen finanziert) nicht mehr vorschreiben lassen wie sie zu leben haben. Vor allen nicht von alten Männern ohne Lebenserfahrung.

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max-mustermann 20.11.2012, 17:14
8.

Zitat von ChrisQa
Was ist daran christlich, seinen Mitarbeitern als Unternehmen, denn nichts anderes sind Diakonie und Caritas, nicht auf Augenhöhe begegnen zu wollen? Und wieso diese ganzen Sonderregelungen für die Kirchen?
Na weil vor dem Gesetz alle gleich sind, nur manche (in diesem Fall die kirchlichen Institutionen) sind eben gleicher.
Wie sie schon richtig erkannt haben ist "die Kirche" auch nur ein Unternehmen, das ganze Geschwätz von Gleichheit und Nächstenliebe sind nur hohle Phrasen. In Wirklichkeit geht es bei den organisierten Religionsgemeinschafften genau so knallhart um Geld und Macht wie überall sonst auch.

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karlv 20.11.2012, 17:20
9. als doch (fast) kein Streikrecht

Zitat von sysop
Mitarbeiter in kirchlichen Einrichtungen dürfen künftig unter bestimmten Umständen für bessere Arbeitsbedingungen streiken. Das entschied das Bundesarbeitsgericht am Dienstag in Erfurt.
Liest man sich die beiden Entscheidungen durch, bleibt wohl nur die Feststellung, dass es mit dem Streikrecht der Kirchenmitarbeiter nichts geworden ist. Kein Streikrecht, wenn die Gewerkschaft am Tisch sitzt. Kein Streikrecht ohne Grundlagenvertrag zur Friedenspflicht. "Entscheidet sich die Kirche" ... heißt es im Urteil. Übertragen ins "richtige Leben" heißt das kein Streikrecht für Arbeitnehmer, wenn sich der Arbeitgeber entscheidet, die Arbeitsbedingungen über Tarifverträge zu vereinbaren - Traumstände für Arbeitgeber.

Das kann so nicht bleiben - und wird es dank Straßburg auch nicht.

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