Forum: Wirtschaft
US-Attacken auf Nord Stream 2: Die Sabotage
DPA

US-Botschafter Richard Grenell droht deutschen Firmen unverhohlen mit Strafen wegen des Baus von Nord Stream 2. Berlin hält an der Gaspipeline fest. Zurecht - oder hat Kanzlerin Merkel Fehler gemacht?

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theodtiger 14.01.2019, 23:57
10. Ergänzungen

Der SPON Beitrag hätte noch erwähnen müssen, dass ein ukrainisch - russischer Disput um (angeblich) nicht bezahlte Gaslieferungen in die Ukraine zweimal vor etwa 10 Jahren ( Winter 2006 und 2008 nach meiner Erinnerung) die europäische Gasversorgung stark beeinträchtigt hatte (Russland lieferte deutlich weniger in die Ukraine, woraufhin die Ukraine wohl Transitgas für eigene Zwecke abgezweigt hatte). Das wurde zwar offiziell nie genau geklärt, führte aber dazu, dass insbesondere in Bulgarien und der Slowakei wochenlang die Wohnungen kalt blieben. Daher der Versuch die Gasversorgung in der EU zu diversifizieren (Nordstream), insbesondere auch durch Kapazitäten, um Gas von West nach Ost fließen zu lassen. Polen hat allerdings erfolgreich Lobbying gegen Nord-Stream betrieben (wohl auch weil sie lieber Transitgebühren bei Nutzung älterer Pipelines auf ihrem Gebiet hätten), sodass auch die Haltung der EU Kommission eher skeptisch gegen Nordstream ist. Das ist energiepolitisch allerdings schwer nachvollziehbar.

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m.klagge 15.01.2019, 00:01
11. Lieber Herr Bidder,

selbst wenn die Frage zu Beginn des Artikels rhetorisch sein sollte, ist sie höchst überflüssig und entwertet den ganzen Text. Auch für die Atlantikbrückler, denen die Interessen der US Konzerne mehr am Herzen liegen als das Wohl der deutschen Bevölkerung sind solch Versuche Stimmung zu erzeugen sicher nicht hilfreich.

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rwinter77 15.01.2019, 00:06
12. Angst der osteuropäischen Staaten

Viele osteuropäische Staaten haben eine komplizierte Geschichte mit Russland. War Russland schon zu Zarenzeiten ein schwieriger und auch aggressiver Nachbar, so steigerte in den 20-50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die stalinistische Diktatur noch den Terror und die Opferzahlen. Das ist zwar glücklicherweise Vergangenheit, diese ist aber nicht aufgearbeitet. Gerade in der Ukraine sieht man, wie diese vergangenen Konflikte wieder ans Tageslicht treten - Bandera-Verehrung vs. unkritische Darstellung der Taten der sowjetischen Partisanen und der Roten Armee. Dies bedingt eine zum Teil irrationale Furcht vor dem „Bären“ im Osten, und die osteuropäischen Staaten fürchten (wieder), dass sich Deutschland und Russland auf ihre Kosten einigen. Auf der anderen Seite ist es aber fast schon lächerlich - die heutige Ukraine möchte nicht mehr mit Russland zu tun haben und betrachtet es als „Aggressor“, besteht aber gleichzeitig auf den Einnahmen aus dem Gas-Transit. Für Polen gilt das selbe - wenn man den russ. Bären so verabscheut, warum dann das Geld für den Transit von ihm nehmen? Beschworen wird auch der russ. Drang nach einer Landbrücke zur Krim, dass sind aber mehr als 300 km durch ukrainisches Territorium, wogegen die Brücke von Kertsch ja bereits fertig ist. Und das sich die USA als Schutzpatron des „neuen Europas“ darstellen und das „alte“ kaltstellen wollen, haben wir ja schon zu Zeiten des Irak-Krieges aus dem Munde von Dick Cheney gelernt! Mittlerweile ist Nord-Stream 2 ein Symbol für eine eigenständige deutsche Außen- und Energie-Politik geworden und ein Einlenken wäre verheerend in einer Zeit, wo immer stärkere Zweifel an einer verlässlichen wertegetriebenen US-amerikanischen Politik angebracht sind!

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prà ncipe 15.01.2019, 00:09
13. Immer Merkel

Hätte Frau Merkel nicht auf Nord Stream 2 gesetzt, hätte man sie als Schwächling bezeichnet. Nun wird sie als Feind der EU-Nachbarn und Russlandfreund beschimpft. Eine tragische Situation. Dennoch hat Trittin recht. Die USA wollen nur ihr eigenes Gas verkaufen und man könnte schnell vom russischen Gas unabhängig werden, was wiederum ein Hebel wäre, um auf Russland einwirken zu können. Die brauchen unsere Waren schließlich auch. Weiter bauen und abwarten ist nicht die schlechteste Strategie.

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Kambrium 15.01.2019, 00:14
14. Eigentlich ganz einfach...

...wenn es gelingt, Russland aus dem Gasgeschäft mit Europa zu drängen erschließen sich die USA für Ihr Fracking Gas endlich den dringend benötigten und äußerst lukrative Absatzmarkt Europa mit der nicht ungewollten Nebenwirkung, Russland auf Dauer wirtschaftlich in die Knie zwingen zu können.

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claude 15.01.2019, 00:15
15. Ein Schuh

Umgekehrt wird ein Schuh draus: Man stelle sich vor, Europa wäre in Punkto Energie, abhängig von den USA, abhängig von einer launenhaften Trump-Regierung. Soweit ist es gekommen, dass man da doch mindestens so sehr auf Putin vertraut.
Richtig ist, mehre Optionen zu erhalten, um so weder von den einen oder den anderen zu sehr abhängig zu sein.

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YoshiBloom 15.01.2019, 00:21
16.

>> Die Sorge der US-Führung um die Sicherheit der Europäischen Union ist vielleicht ein bisschen abhängig von der Tagesform. Neulich fand US-Präsident Donald Trump noch Frankreichs Vorstoß zur Bildung einer neuen europäischen Armee "sehr beleidigend".

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paulus_pax 15.01.2019, 00:34
17. Oho, Verdacht!

Europa und vor allem Deutschland muss endlich mal Haltung zeigen. Wenn man immer wieder einknickt, ständig den Kotau vor Amerika macht und Russland schon lange vor der Ukraine-Krise grundlos die ausgestreckte Hand ausschlägt, dann hat man am Ende weder die USA noch Russland an seiner Seite. Vor allem Außenminister Maaß hat im ausgeklügelten internationalen Geschäft völlig die Orientierung verloren bzw. nie gehabt. Und DER SPIEGEL schreibt: „In Berliner Regierungskreisen wird deshalb der Verdacht gehegt, die USA zielten auch deshalb mit Sanktionen auf Nord Stream 2, um ein Konkurrenzprojekt vom europäischen Gasmarkt zu verdrängen.“ Oho, den Verdacht gehegt! Meine Kollegen und ich sind sich dessen schon seit Monaten sicher. Alles keine Politiker und keine Journalisten…

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helmut_langer 15.01.2019, 00:37
18. Wundern?

Mich wundert der Aufschrei, der schon seit Anfang der North Stream 2 - Pläne zu hören ist, überhaupt nicht. Wenn man sieht, wem eine Blockade einer Direktbelieferung nützt und wer am lautesten schreit (nicht nur Ukraine, Polen, USA ..., sondern auch "Transatlantiker" wie Joschka Fischer oder Trump, Grenell, Stoltenberg...) ahnt die Strategie: Eigene Vorteile gewinnen und den Gegner schaden (evtl. günstig übernehmen).

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Lua-Lua 15.01.2019, 00:57
19. Geht auf das wesentlichste nicht ein...

Leider geht dieser Bericht, auf dem m.M. nach wichtigsten Punkt nicht ein. GER hat ein Export Überschuss von circa $ 300 mrd vs Importe. Das US Geschäft für sich alleine steht für circa $ 70mrd plus.Gemäß U.S. State Dept hängt jeder 4 Job in GER am Export. ("Every fourth job in Germany depends on exports, which accounted for 38.5% of Germany’s GDP in 2016"). Dieser Zahl erscheint mir als durchaus realistisch. Ein Produkt oder eine Dienstleistung verkauft sich durch a) Preis/Leistung (Qualität zum Preis ) und b) Politisches und Gesellschaftliches Wohlwollen. Punkt b) ist hies der Casus Knacksus. Jawohl, die USA macht das tsinober, um Ihr teureres LNG zu verkaufen(Pkt 2 im Artikel). Jawohl, das Russische Gas stellt nicht eine einseitige sondern eine beidseitige (Ger Rus) Abhängigkeit dar und ist daher ein limitiertes Risiko. Pkt 1 im Artikel ist daher völlig Richtig - und trotzdem völlig falsch, wegen der am Anfang beschrieben Exportabhängigkeit des deutschen Arbeitsmarktes. Was nun, wenn die USA Ihren Markt für vehicles ($29.0 billion), machinery ($23.0 billion), pharmaceuticals ($13.0 billion), optical and medical instruments ($9.0 billion), and electrical machinery ($7.8 billion) zudrehen oder den Zugang erschweren ? Was wenn die EU Partner "Ihren" Marktzugang erschweren ? Was wenn die Konsumenten "Made in Germany" boykottieren, weil die politische Führung(en) und die einheimischen Medien darauf einwirken ? Die exportlastige Wirtschaft, die jahrelang als Wohl beschrieben wurde, könnte uns wohl auf die Füße fallen ...Übrigens; habe letztens ein interview von Trittin im Handelsblatt bzgl. Northstream gelesen. Auch er ging nur auf die Einkaufsseite ein.

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