Forum: Wirtschaft
US-Chef von VW im Kongress: "Was werden Sie im Gefängnis lesen?"
AP

Mit einer großen Geste der Entschuldigung tritt der Amerika-Chef von Volkswagen vor den US-Kongress. Die Verantwortung für die Schummelsoftware schiebt Michael Horn einzelnen Technikern zu. Manchem Abgeordneten fällt es da schwer, die Ruhe zu bewahren.

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out_of_chicago 10.10.2015, 23:22
290. Horn hat das schon richtig gemacht

Zitat von moistvonlipwik
Was würden Sie denn anders machen? Horn wurde vor der Befragung vereidigt. Falsche oder unvollständige Angaben wären daher mit erheblichen Konsequenzen verbunden gewesen.
Vielleicht nicht elegant, nicht sonderlich eloquent, aber im Grossen und Ganzen richtig. Er bekam in der Presse und von der EPA uebrigens extra Bonuspunkte - und zu recht - dafuer dass er in der Anhoerung bekanntgab, dass in den betroffenen Motoren noch weitere Software enthalten ist (eine sogenannte Auxilliary Emissions Control Device), haette gemeldet werden muessen.

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SkeptikerXY 10.10.2015, 23:31
291. Anhörung komplett

Habe mir gerade 2h 22m Anhörung vor dem Kongress angesehen. Spannend wie ein Gerichts-Thriller und extrem aufschlussreich. Letzteres gilt leider nicht für das eigentliche Thema des Abgasbetruges durch VW. Dazu konnte Herr Horn nichts substantielles in den über 2 Stunden sagen.
Aber er konnte klar zeigen, dass er ausschließlich Ahnung von Händlerbetreuung hat. Er hat keinerlei technisches Verständnis ("I'm not an engineer."), kann nicht einmal erklären, was schon zur Wirkungsweise des defeat devices veröffentlicht wurde. Konkrete Nachfragen auf die technische Wirkungsweise der Abgasbehandlung konnte er nicht beantworten. Sogar bei der korrekten Angabe der US-amerikanischen Abgaslimits kam er ins Schleudern. Er ist ein reiner sales guy, der aber nicht einmal den amerikanischen Kunden verstanden hat. Die Kongressmitglieder mussten ihm das erst mehrfach und nachdrücklich erklären. Ebenso das US-Amerikanische Verständnis der Rolle und der Verantwortung eines CEO. Dieser muss nämlich aktiv möglichem Fehlverhalten nachgehen und ist für das Produkt, welches er Kunden verkauft, umfassend verantwortlich. Das scheint Herrn Horn ("to my knowledge") nicht einmal ansatzweise bekannt gewesen zu sein. Was sich mit der Anhörung grundlegend geändert haben sollte. Wenn er clever ist, nimmt er den nächsten Flieger.
Trauriges Fazit aus der Anhörung: VW hat nicht nur ein Abgasproblem, sondern ein grundlegendes Management- und Organisationsproblem. Entweder der Konzern bringt Leute in Top-Positionen, die sie grundlegend nicht ausfüllen können. Oder Betrug am Produkt und Kunden ist Teil der Prozesse bei VW. Beide Erklärungsmöglichkeiten würden ein solche strukturelle Schwäche von VW bedeuten, dass man die Zukunft des ganzen Konzerns in Frage stellen muss. So etwas verändert man nicht mit ein paar Entlassungen und Veränderungen, so etwas macht den Kern und den eigentlichen Wert eines Unternehmens aus.
Sorry, ich bin eigentlich kein Schwarzmaler, aber VW ist für mich ein tönerer Riese, der so ein grundlegendes Problem hat, dass man sich fragen muss, was der ganze Laden überhaupt noch wert ist.
Noch ein Schlussbemerkung. Falls sich bei SPON mal wieder anti-Amerikanische Vorurteile austoben. Seht Euch mal so eine Anhörung an, dann bekommt ihr eine Vorstellung von Demokratie, Interessenvertretung für Bürger und Transparenz. Da sind wir, und nicht zuletzt Herr Horn mit seinem unpassendem Grinsen meilenweit entfernt. Die Lektion hat gesessen.

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FBFB 10.10.2015, 23:52
292. VW lernt nichts dazu

auch wenn VW das US Geschäft bereits abgeschrieben hätte ist es doch mehr als naiv zu glauben dass sich der Kongressauschuss vom regionalen Leiter, der Konzern technisch doch nicht die geringste Entscheidungsgewalt hat, einfach so abspeisen lässt. Im Gegenteil, VW schießt sich dadurch vorsätzlich nochmal selbst ins Bein. Wenn sich dieser Ausschuss veräppelt fühlt, was ganz offensichtlich der Fall ist, wird er sich nicht nur ganz gemütlich zurücksetzen und die Flut an Schadensersatz Klagen ungebremst auf VW abrauschen lassen sondern dies auch noch unterstützen. Es wurde kein anderer als der neue Vorstandsvorsitzende erwartet. Aber das geht der arroganten Vorstandselite einfach nicht in ihre naiven, bornierten Quadrat Schädel.

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rathat 10.10.2015, 00:09
293. @aurichter

Das haben Sie sich aber Ihre Seele vom Leib geschrieben. Aber Ihr Text ist nunmal auch der der Beweis, dass Quantität nunmal nicht auch Qualität bedeutet. In welcher Welt leben Sie bitte, in der noch Lehman Bros. existieren? In welcher Welt leben Sie, in der VW gute Produkte herstellt - nach Turbo-, DSG- und Steuerkettenproblemen sollten Sie sollten Sie spätestens jetzt eines Besseren belehrt sein - ? Ihre Argumentation, allen, die jetzt Kritik äußern, vorzuwerfen unpatriotisch zu sein, ist unterste Schublade. VW hat den Standort Deutschland und seine Produkte in der gesamten Welt bloßgestellt. Das ist unpatriotisch. Die von Ihnen angeführten 'über 100 Toten' (124) sind Ihnen dabei näher, als die Toten, die man eben nur statistisch wird nachweisen können, die aber ebenso vorhanden sind und dies in einer viel höheren Größenordnung tun werden (10.000+). Einen Vergleich anzustellen ist immer erlaubt, jedoch muss man anerkennen, wenn der Vergleich hinkt. Zudem, muss nicht jeder Vergleich eine Relativierung mit sich ziehen - wobei ich mich frage, ob Sie mit diesem Wort (relativieren) überhaupt etwas anfangen können, oder ob Sie sich einen Sch*** dafür interessieren; genauso, wie scheinbar für die neue deutsche Rechtschreibung - aber leider haben Ihre werten Mitforisten eben genau dies getan. Fakt ist einzig und allein: eine deutsche Firma hat richtig großen Mist gebaut und dies sogar auf Nachfragen der EPA noch lange Zeit verleugnet und ihr Unwissen vorgeworfen. Bei dieser Aktion wurden Personen in großem Umfang mehr geschädigt, als es ohne die Betrügerei passiert wäre. Insofern muss man dieser Firma den Prozess machen und dafür sorgen, dass eben jene Firma nie mehr einen Menschen schadet. Wenn Sie andere, ähnlich große Schweinereien anderer Firmen ebenso gut nachweisen können, steht es Ihnen natürlich frei, an jedem ordentlichen, deutschen Gericht Anzeige zu erstatten. Bis dahin bleiben Ihre kruden Verdächtigungen bloße Hirngespinste.

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out_of_chicago 10.10.2015, 01:29
294. Fakten und Meinungen

Ich denke ich habe mich in meinem Beitrag nicht am Schlamassel von VW oder von GM ergoetzt. Ich habe lediglich versucht die Fakten darzustellen, die hier im Forum oft durcheinandergeworfen werden. (e.g, das mit dem schweren Schluesselbund ist Fakt, ein laeppischer Ausloeser fuer 124 Todesfaelle). Sie haben natuerlich ein Recht auf ihre eigene Meinung, aber kein Recht auf ihre eigenen Fakten.

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Jens Mueller 10.10.2015, 03:26
295. oh, ein paar Ingenieure

Die Schuld auf ein paar Ingenieure zu schieben ist schlicht erbärmlich. Horn hatte mehrere Wochen Zeit sich auf die Anhörung vorzubereiten und kann zur Frage, wie die Software funktioniert keine Auskunft geben.
In den Leserkommentaren amerikanischer Zeitungen lacht man sich seit Tagen über die Crazy Germans kaputt:

"Yes, of course it was the engineers! The management knew nothing about this. Yeah, sure."

"This is very very clear scapegoating of the software engineers by this person. Car design is not done by a few software engineers! The fact that a significant hardware fix is needed shows that the core issue was done across the whole design team, and most likely came from a directive from above.
I think we can see clearly how VW think they are going to be handling this problem - lie and hope to get away with it."

"The guy [Horn] isn't doing his job. Fire him... except I think the VW board hasn't had one meeting about the scandal, but plenty of meetings about how to save their collective bacon."

Mit dem ungeschickten Auftreten hat Herr Horn nicht nur VW blamiert, sondern auch den Wert deutscher Manager im Ausland gefühlt halbiert.

Der Schaden wird auf jenseits der 50 Mrd geschätzt - WOB und Umgebung werden auf Jahre hinaus keine Steuern mehr sehen.
Falls es VW als Konzern in Zukunft noch geben sollte: man wird die Unternehmensgeschichte in zwei Teilen sehen - vor und nach dem 18. September.

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baerliner_73 10.10.2015, 04:06
296.

Zitat von Reza Rosenbaum
GM: versehentlich defekten Zuendschalter konstruiert VW: *absichtlich* defekte, illegale Autos gebaut GM: absichtlich vertuscht VW: absichtlich vertuscht Sie sehen, es gibt schon einen Unterschied. Sie koennen das auch auf andere Straftaten uebertragen: nehmen Sie an, Sie toeten einen Menschen und vertuschen das dann, um nicht erwischt zu werden. Sie fliegen auf. Glauben Sie wirklich, es macht dann keinen Unterschied beim Strafmass, ob Sie diesen Menschen absichtlich umgebracht haben, oder ob es ein Unfall war, z.B. wegen zu schnellen Fahrens bei Nacht und Nebel?
Wenn ich sie fahrlässig in eine lebensgefährliche Situation bringe und sie dann ABSICHTLICH in dieser Situation sterben lasse, finden sie das harmlos? Also die meisten Rechtssysteme finden das richtig übel! GM wusste, dass Kunden und andere Verkehrsteilnehmer in Lebensgefahr schwebten und sie haben NICHTS unternommen ihre Produkte von dieser Gefahr zu befreien.

Nochmal für sie es gibt strafrechtlich Situationen in denen besondere Schutzpflichten zum Handeln zwingen, unterbleibt dieses Handeln macht man sich sogar durch Unterlassen strafbar. Ein Hersteller, der von lebensgefährlichen Mängeln seiner Produkte Kenntnis erlangt muss handeln.

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baerliner_73 10.10.2015, 04:17
297.

Zitat von out_of_chicago
Dieser staendige Vergleich von Aepfel und Birnen (GM Zuendschloesser und VW Defeat Devices) ist doch nur ein Versuch den VW Betrug zu relativieren. Doch die beiden Faelle habe ausser dass Automobilhersteller im Zentrum stehen wenig miteinander zu tun. GM hat Zuendschloesser falsch (zu schwach) ausgelegt; wenn am Schluesselbund schwere Sachen befestigt waren konnte es dazu kommen, dass der Schluessel in die Off-Stellung zuruecksprang, das Auto verlor Bremskraft, Lenkkraftunterstuetzung etc. und es kam zu ca. 124 toedlichen Unfaellen. GM hat das festgestellt und hat staerkere Schloesser eingebaut, hat aber keinen Rueckruf gestartet und auch der Aufsichtsbehoerde das nicht gemeldet. Die Aufsichtsbehoerde hier ist die NHTSC, die fuer die Sicherheit der Fahrzeuge zustaendig ist. Die 900M USD auf die sich GM mit der NHTSC geeinigt haben sind ein aussergerichtlicher Vergleich und die Strafe dafuer, dass GM die NHTSC nicht rechtzeitg beachrichtigt hat. Eine weitere Bestrafung durch die NHTSC und das Justizministerium fuer dieses Verhalten ist nach dem Vergleich fuer drei Jahre auf Bewaehrung ausgesetzt. Die einzelnen Todesfaelle sind damit nicht abgegolten, die Hinterbliebenen koennen immer noch GM verklagen und es laufen einige Class Action Verfahren, die GM ein Mehrfaches kosten koennen. VW hat eingestanden bewusst gegen Abschnitt 203 des Clean Air Act verstossen zu habe um die Zulassung der TDI Motoren in den USA zu erhalten, incl. Steuersubventionen fuer die Kauefer. Die dafuer zustaendigen Behoerden sind die EPA und in Kalifornien die CARB. Die moegliche Strafe wird nicht auf Grundlage der erhoehten Emmissionen berechnet (ist auch so nicht moeglich) sondern auf Grundlage der Anzahl der verkauften Autos, die nur durch den Einbau einer ausdruecklich verbotenen Steuereinrichtung die generelle Zulassung erhielten (Clean Air Act 204). Bestraft wird also nicht die Abgasmenge sondern der 'Zulassungsbetrug'
Ja GM wusste genau, dass über 2 Mio Kunden mit lebensgefährlichen Fahrzeugen rum fahren und hat viele Jahre nichts dagegen unternommen. Viel krimineller geht es ja gar nicht mehr.

Mit VW habe ich kein Mitleid und ich relativiere da nichts. Hier bekommt man aber derzeit das Gefühl das wäre das schlimmste was es je in der Wirtschaft gegeben hat und das ist schlicht und ergreifend eine totale Übertreibung.

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out_of_chicago 10.10.2015, 09:30
298. @303 Baerliner..

Ich gebe Ihnen voellig Recht. GM hat wirklich kriminell gehandelt und jeder Todesfall kann und wird daher auch noch weiter vor Gericht verhandelt werden. Doch sollte jeder Vorfall - ob VW oder GM - gesondert betrachtet werden, und nicht wenn der Eine erwischt wird auf den Anderen mit dem Finger zeigen und "der macht es doch auch" als Entschuldigung oder Relativierung herangezogen werden. Natuerlich pinkeln alle Kinder in den Pool, aber das macht doch den Einzelfall nicht besser, oder weniger eklig? Und VW und GM sind eben beim Pinkeln erwischt worden, beide vom Sprungbrett.

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KurtT. 10.10.2015, 09:53
299.

Zitat von oecher
Stellt sich die Frage, warum (das) ausgerechnet jetzt und ausgerechnet einem deutschen Konzern passiert? * * Hat natürlich "nichts" mit TTIP zu tun ...
Diesen Zusammenhang zu sehen, ist mehr als nur "naheliegend" - und belegt wieder mal eindeutig, wie sehr (auch) in den USA die "Demokratie" bereits zur "Lobbykratie" degenerierte! Und das in einem Land, in dem es korrupten und skrupellosen Advokaten besonders "gut" zu gelingen scheint, ihre Gewinnmargen in fast schon "astronomische" Dimensionen zu steigern! Diese "Rabulisten"-Szene sollte unbedingt "ausgebremst" werden - aber dafür dürfte es wohl schon zu spät sein, auch in Sachen "TTIP" ...*

* Dazu kommt noch, dass die hier involvierten deutschen Wirtschaftsführer zu großen Teilen das Ergebnis einer "negativen Selektion" sind > in einer "geschlossenen Gesellschaft", deren von den politischen "Marionetten" hofierte Protagonisten von Untugenden wie Habgier und Egoismus gesteuert werden > die sich fast nur noch "aus sich selbst heraus" zu reproduzieren versuchen, so gut wie ohne moralisch, ethische Korrektive und glaubwürdigem Verantwortungsgefühl für die unverzichtbaren "Werte" in einem auch nach sozialen Kriterien bzw. Parametern funktionierenden System - das de facto ein "Schneeballsystem" ist: zu dem ebenso gehört, dass die übergroße Mehrheit für die Fehler einer marginalen Minderheit einer angeblichen "Elite" zu zahlen hat!

PS: Man muss kein "Linker", ein "marxistisch" analysierender Systemkritiker sein, um das zu erkennen > siehe Abraham Lincoln, dazumal US-Präsident:

"Ich sehe in naher Zukunft eine Krise heraufziehen. In Friedenszeiten schlägt die Geldmacht Beute aus der Nation, und in Zeiten der Feindseligkeiten konspiriert sie gegen sie. Sie ist despotischer als eine Monarchie, unverschämter als eine Autokratie, selbstsüchtiger als eine Bürokratie. Sie verleumdet all jene als 'Volksfeinde', die ihre Methoden in Frage stellen und Licht auf ihre Verbrechen werfen. Eine Zeit der Korruption an höchsten Stellen wird folgen, und die Geldmacht des Landes wird danach streben, ihre Herrschaft zu verlängern - bis der Reichtum in den Händen von wenigen angehäuft und die Republik vernichtet ist."

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