Forum: Wirtschaft
US-Finanzkrise: Amerika - wo sich Scheitern lohnt

Sorglosigkeit, Verschwendung, Gier - dieses Modell des US-Kapitalismus ist in der Finanzkrise mit einem großen Knall implodiert. Nur hat die Bush-Regierung das noch nicht gemerkt: Sie will Feuer nicht mit Wasser, sondern mit Brennstoff löschen und belohnt die Versager der Wall Street für ihr Tun.

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tito 28.09.2008, 19:25
30. 1977 - 1992 - 2008

Zitat von keats
Nein - es ist in "Wirklichkeit" ganz anders, denn die wahren Opfer sind doch eigentlich die Banken und Schuld bzw. Ursache an der Finanzkrise hat einzig und allein der Staat.

Herr Steingart hat wohl übersehen, dass der Staat, US Government genannt, mit dem CRA (Community Reinvestment Act) im Jahre 1977 und 1992 die Lawine ins Rollen gebracht hat.

"Good Intentions Paved The Road To Subprime-Stoked Meltdown
http://www.ibdeditorials.com/IBDArti...07061229501695
For those looking for a real start to today's financial meltdown and government rescue, you need to go back — way back — to 1977, and the Jimmy Carter presidency."

1992 gab es Initiativen im Kongress, die beginnende Subprime Krise zu stoppen:
http://www.ibdeditorials.com/IBDArti...07322285431688
"That year, Sen. John McCain, one of three sponsors of a Fannie-Freddie reform bill, said: "If Congress does not act, American taxpayers will continue to be exposed to the enormous risk that Fannie Mae and Freddie Mac pose to the housing market, the overall financial system and the economy as a whole."

(Fast nur nebenbei:)1994 hat Obama vor Gericht gegen eine Bank (Citibank)Klage erhoben, weil sie systematisch zu wenig Subprime Loans vergeben hat.
http://www.suntimes.com/news/politic...-law17.article

Wenn das US Government jedem ein quasi kostenloses Haus verspricht, wird doch jeder potentielle Subprime Lender unruhig. Und wenn korrupte Banken wie Countrywide und Fanny und Freddie M. diese Subrimes in den Markt pressen, können natürlich viele der Versuchung nicht widerstehen. Oder erwartet herr Steingart etwa, dass nur in den USA - anders als in Deutschland (IKB, DB, Landesbanken ....) nur Finanzgenies leben. Wirtschaft ist nicht nur Finanzmathematik, sondern auch Psychologie.

Frage: Wieviel haben Countrywide und die FMs kurz vor ihrer Pleite noch welchem P-Kandidaten gespendet?

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Antagonist 175 28.09.2008, 19:46
31. Gier

Ich weiß gar nicht was ihr wollt, dass System funktioniert doch prima! Gewinne werden kapitalisiert und die Verluste sozialisiert. Ist doch alles im grünen Bereich:-)

So ein Mann wie Steinbrück der hat es schon vor Bush begriffen. Der IKB mal eben 10 Milliarden Steuergeld hinterher werfen und danach für 100Mio. an eine Heuschrecke verkaufen. Ist schon ein toller Hecht unser Finanzminister. Und der Mann hat recht, wir können alle nur nicht richtig rechnen. Deswegen ist Herr Steinbrück auch Finanzminister und wir nur dumme Steuerzahler. Wo der bloß so schnell das Geld her hatte, wo die Kassen doch leer sind? Für solch tolle Geschäfte verzichtet man doch gerne auf die Pendler pauschale.
Das können die in Amerika wahrscheinlich noch besser. 700 Milliarden hört sich doch gleich viel besser an. Da wird denn nicht nur der Amerikanische Steuerzahler für aufkommen, sondern gleich der Rest der Welt ordentlich mit zur Kasse gebeten. Unter Freunden hilft man sich ja schließlich. Damit dann auch möglichst schnell wieder aberwitzige Gehälter gezahlt werden können. Schließlich konnte man ja jetzt gut feststellen, die Herren Manager waren jeden Cent wert.

Ein hoch auf die grenzenlose Gier!

Antagonist

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G2c 28.09.2008, 19:50
32. Jammer, jammer

Seit der großen Depression 1930 basiert das amerikanische Wirtschaftwachstum auf einem Schneeballsystem. Im Zuge der Globalisierung hat dieses nunmehr den ganzen Erdball erfasst und damit alle möglichen Teilnehmer erreicht womit eine Fortführung unmöglich geworden ist. Insofern ist die Bankenkrise nicht Ursache sondern Wirkung.
Allerdings haben wir im Vergleich zum Lebensstandard der Jäger und Sammler allesamt recht gut davon profitiert, während alle Versuche ein staatlich gelenktes Wirtschaftssystem zu etablieren notwendigerweise kläglich gescheitert sind. Voraussetzung für den Erfolg eines zentralistisch gesteuerten Wirtschaftsystems wäre die absolute Gleichschaltung der Denkweise aller menschlichen Gehirne (!).
In zwei Jahren werden die Amerikaner es wieder einmal fertiggebracht haben, sich wie weiland Münchhausen am eigen Schopf aus dem Sumpf gezogen haben, während wir Europäer uns in unserem jämmerlichen Selbstmitleid lang und breit - und staatlich gesteuert - darüber auslassen werden, warum wir die Chance nicht geutzt haben ...
Weiterhin frohes "Ausdiskutieren".

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calkid1306 28.09.2008, 19:54
33. Sehr guter Artikel

Wirklich guter Artikel zur Finanzkrise. Mit dem 700 Mrd. bailout ist die Krise keinesfalls vorueber. Dieser Bailout wird keinen einzigen Arbeitsplatz schaffen, sondern dazu fuehren, das die USA noch tiefer in die Krise stuerzen.

Die U.S Medien berichten sehr oberflaechlich und "biased" ueber die Geschehnisse, wirkliche Informationen und gute Analysen findet man nur in den Blogs.


Hierzu kann ich "Mish´s Global Economic Trend Analysis" und den "Market Ticker" von Karl Denninger nur empfehlen!

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Bernd Klehn 28.09.2008, 20:35
34. Pointe fehlt

Gabor Steingart hat sich um die Pointe gebracht

Die Überschrift hätte lauten müssen:

„Amerika - wo sich Scheitern lohnt- das Ausland bezahlt alles und noch viel mehr“

Leider hat er schlecht recherchiert „An jedem Werktag steigt die amerikanische Auslandsverschuldung um knapp eine Milliarde Dollar.“ stimmt nicht, denn die Auslandsverschuldung hat seit 2001 zu Marktwerten von 2,2Billionen Dollar (deutsch) auf 1,7 abgenommen. Die Jungs in Southampton sind seit 2001 mit 5Billionen Auslandsgeld gesponsert worden, wovon sie großzügig einen kleinen Teil ans gemeine Volk weitergereicht haben. Nun wird’s allerdings ein bisschen enger, wenn die Ausländer zu zweifeln beginnen, ob ihr Geld wirklich gut in Amerika angelegt ist. Dieses muss natürlich verhindert werden und ein neuer Trick muss her, die neue Story lautet wahrscheinlich „Es war nie so günstig sich in den USA einzukaufen“. Dumm wer darauf reinfällt, denn die USA waren und sind einfach nicht kreditwürdig.

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Ernst August 28.09.2008, 21:03
35. Zustimmung

Zitat von Hy_perion
Der beste Artikel den ich in diesem Magazin gelesen habe.
Ich schließe mich ihrer Meinung an.
Alles steht in dem Artikel - mehr gibt es zur Lage nicht zu sagen.

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rudyguy 28.09.2008, 21:08
36. Sozialisierung der Verluste? Unfug!

Regierung und Kongress machen einen Deal (!) mit der Finanzwirtschaft.
Kredite (keine Zuwendungen!) oder nur das Versprechen darauf lassen sie sich teuer mit realen Unternehmensbeteiligungen (siehe AIG) bezahlen. Die werden heute günstig eingekauft - und später teuer verkauft.
Paulsen versteht als ehemaliger Investmentbanker was davon (im Gegensatz zu vielen Forumteilnehmern hier).
Das Modell ist nicht neu: es hatte einst Chrysler gerettet und den amerikanischen Steuerzahlern in Konsequenz einen Riesengewinn eingebracht.
Die Germans waren eingeladen, sich an dem Sanierungsprozess zu beteiligen (schließlich waren sie ja mitten mang) und haben dies in widerlich schadenfroher Weise abgelehnt. Solidarität mit dem Land, das auch sie einst von den Faschisten (also von sich selbst) befreite, aufbaute mit Marshall-Geldern, Berlin vor dem Zugriff der Sowjetunion rettete und jetzt einmal kurzzeitig Hilfe benötigt? Fehlanzeige - soviel menschliche Qualität (Nehmen heißt auch Geben) erwartet auch kein zu Empathie fähiger Mensch von den aktuellen, selbstgerechten Germans.
Aber dass sie unfähig sind ein Geschäft zu erkennen schadet ihnen alleine.
Der aktuelle Prozess ist Teil der bereits jetzt in Gang gesetzten Neuerfindung Amerikas, zu dem es in regelmäßigen Abständen fähig ist (allein im 20. Jahrhundert: Roosevelt - Kennedy - Clinton). Das alte hat ausgedient - lasst uns was neues probieren. Es werden in den kommenden Jahren mehr Regulierung und mehr Vernunft in das Land zwischen den beiden Ozeanen einziehen und es stark machen wie vor dem Bush-Unfall.
Am Schluss werden die USA ihre Finanzwelt (Wall Street) saniert haben und für die Steuerzahler (Main Street) einen saftigen Gewinn einfahren. Und die neunmalklugen Germans schauen in die historische Röhre, wie eh und je.

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klaus1201 28.09.2008, 21:24
37. Nur Jahre zu spät.

Zitat von Hy_perion
Der beste Artikel den ich in diesem Magazin gelesen habe.
Und ausgerechnet von einem Journalisten der vor kurzem noch den "Lobgesang auf die Wall-Street" gesungen hat.
Entweder er war so lang so blind, oder es hat einen Sperrtermin dazu gegeben.

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verdi 28.09.2008, 21:48
38. Steingart

Zitat von sysop
Sorglosigkeit, Verschwendung, Gier - dieses Modell des US-Kapitalismus ist in der Finanzkrise mit einem großen Knall implodiert. Nur hat die Bush-Regierung das noch nicht gemerkt: Sie will Feuer nicht mit Wasser, sondern mit Brennstoff löschen und belohnt die Versager der Wall Street für ihr Tun.
Herr Steingart, sie haben recht und sind unglaubwürdig.
Vor 18 Jahren nannte man ihre geistig moralische Erneuerung einfach Wendehals.
Dies ist kein Journalismus sondern Geschichtsbuch schreiben,
ein Armutszeugnis für Spiegel und Spiegel-Online.

mfg
WW

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dagmar lücke 28.09.2008, 22:04
39. Tragik am Ende mit K

Zitat von morpheus1
Die Tragig ist jetzt, dass die die sich kein Haus oder ein kleineres Haus gekauft hatten, die brav ihre Steuern und Hypotheken zahlen,jetzt fuer eine unverantwortliche Sozialpolitik gerade stehen muessen
Sozialpolitik über den Finanzhebel, das kann ja nur schiefgehen, aber was soll man von einer Bush-Administation schon für eine Sozialpolitik erwarten.
Und was soll man von einem us-amerikanischen Finanzminister Paulsen halten, der vor Nancy Pelosi nicht nur förmlich, sondern tatsächlich konkret auf die Knie fällt, um dieses 700-Dollar-Geschenk für die Wirtschaft zu erwirken.

Einem Finanzminister, der sich für die Durchführung dieser Hilfs-Aktion völlige Handlungsfreiheit ausbedingt, völlig freie Hand über diesen immensen Betrag, den er letztlich der "Kreativität" der Finanzkonzerne übereignet.

Ein ungeheuerlicher Vorgang, der scheinbar auch die deutschen Redaktionsstuben nicht kalt lässt; sssooooo liberal möchte man es im gesamtdeutschen Konsens dann doch nicht haben.

Ach ja, und dann muss Marx wieder herhalten:

Erst zitiert ihn Steinbrück, jetzt Steingart in ganzen Abschnitten, na das kann ja heiter werden.

- meinetwegen gerne!

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