Forum: Wirtschaft
Vergleichsrechnung 2007 vs. 2017: War der Immobilienkauf früher leichter?
Westend61/ imago images

Viele jüngere Leute klagen: Noch nie war es so schwierig, sich eine Immobilie zu kaufen. Aber stimmt das überhaupt? Experten haben nachgerechnet.

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Rennbahner 17.04.2019, 09:12
1. Grunderwerbssteuer

Ein weiterer Punkt fehlt: Die Grunderwerbsteuer ist seit 2007 von 3,5 Prozent auf 4,5 bis 6,5 Prozent, je nach Bundesland, gestiegen. Der Staat hat damit diese Steuer zum Teil fast verdoppelt und profitiert zudem von den gestiegenen Hauspreisen.

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R.Ts 17.04.2019, 09:14
2. Welcher Mittelwert ?

Solche Beispielrechnungen sind immer schön. Ich bin Mathematiker, ich mag die. Aber ich weiß auch, dass man zur Anwendung der Rechnung immer nochmal kritisch nachfragen muss: welcher Mittelwert wurde denn bei den Einkommen genommen? Die Löhne in meinem Umfeld sind nämlich in den 10 Jahren nicht um 19% gestiegen. Nicht mal annähernd.

Und: die Zinsbindung von 20 Jahren ist ja nett, aber ein viel höherer Hauspreis bedeutet auch nach 20 Jahren eine viel höhere Last. D.h. durch die hohen Preise muss man sich überproportional viel für die (dann ja doch unberechenbare) Zukunft als Last auferlegen.

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benigno 17.04.2019, 09:16
3. Es war früher einfacher

Und zwar nicht nur wegen der niedrigeren Preise. Ein wichtiger Grund: bis vor ca. zehn Jahren waren noch viel mehr Immobilien auf dem Markt, man hatte als Käufer Auswahl. Jetzt kann man die Angebote in westdeutschen Ballungszentren an zwei Händen abzählen. Was den Immobilienkauf auch deutlich erschwert, ist die seit 2016 geltende Wohnimmobilienkreditrichtlinie, die den Banken sehr strenge Vorgaben diktiert.

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valensine 17.04.2019, 09:17
4. Nicht jeder bekommt eine Immobilie

Vergessen sind die psychologisch-gesellschaftlichen Komponenten: selbst wenn man das Geld aufbringt, bekommem bestimmte Leute nicht die gewünschten Wohnungen /Häuser. Beispielsweise: Bei Menschen "mit Migrationshintergrund" gab es zwar schon immer das Problem, aber der Immobilienmarkt hat sich spürbar verschärft. Mehr Menschen bewerben sich auf eine Immobilie, daher haben die Verkäufer die Wahl-und die wählen eben eher ihresgleichen...

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pharcyde 17.04.2019, 09:18
5. Die nächste Krise kommt bestimmt

Wenn der Markt leergefegt ist, kann ja rein statistisch nicht jeder Käufer ausreichend vorgesorgt haben, um dem hohen Eigenkapital-Bedarf vorzubeugen. Dann braucht es nur einen Dämpfer im Arbeitsmarkt und die Preise purzeln, da viele Häuslebauer nicht mal mehr das Geld für den Kredit aufbringen können und verkaufen müssen. Wer jetzt noch ein Haus kaufen will, sollte noch ein (vielleicht zwei) Jahre warten - der Zins wird nicht so schnell steigen wie die Preise fallen durch den unabwendbaren Überhang (kommt natürlich auch auf die Stadt an, München & Stuttgart sind eher weniger volatil in Preisschwankungen).

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renozeross 17.04.2019, 09:20
6. Nicht so einfach linear rechnen

Hat man aber vor 10 Jahren den teuren Zins gehabt, kann man heute auf den günstigeren Zins umschulden und ggf. ist einem sein Gehalt auch mitgewachsen.
Kauft man heute, steigen die Zinsen eher als das sie fallen und ob die Gehälter weiter in dem Maße steigen ist auch nicht bekannt. Somit ist das zukünftige Risiko schon höhrer für die Leute die jetzt kaufen. Und ich baue nicht gerade weil ich die Knete so locker habe oder der Markt gerade günstig ist, sondern einfach weil ich diese Lebensphase gerade erreicht habe mit Job/Familie/ Restzeit zum abzahlen etc. Das habe ich mir nicht vollständig frei aussuchen können.

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0Kugelfang0 17.04.2019, 09:20
7. Nicht nur die Grunderwerbssteuer ist gestiegen!

Die Grundsteuer ist auch schon eine kleine Miete! Mal sehen was Scholz daraus macht, gut für uns Bürger, wird es wohl kaum enden, er kommt aus der SPD, das bedeutet nichts gutes!

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einerkeiner 17.04.2019, 09:21
8. Anschlussfinanzierung?

Der Autor hätte sich ruhig etwas kritischer mit der Lobby-Studie befassen können. Wer tilgt denn bitteschön innerhalb von 20 Jahren die Immobilie komplett? Und wie sieht es mit der Anschlussfinanzierung aus? Man sieht ja dass sich die Hauspreise an die niedrigen Zinsen angepasst haben. Aber was wenn die Zinsen wieder steigen, und die Hauspreise sich dann an die höheren Zinsen nach unten anpassen? Die Schulden bleiben in gleicher Höhe bestehen und müssen zu hohen Zinsen refinanziert werden, während das Haus weniger wert ist (daher ist ein Notverkauf schlecht möglich). Da lauert die Privatinsolvenz. Wer zu den hohen Preisen kauft, der wettet im Grunde darauf dass die Draghi-Nullzins-Blase (und der Euro) über eine lange Zeit bestehen bleibt, aber das ist eine riskante Wette.

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der_gott 17.04.2019, 09:21
9. Preise

Wie kommt die Studie zu den Preisen? Für 380tEuro bekommt man in Frankfurt eine Zweizimmerwohnung (Neubau). Ein Reihenhaus selbst im Umland 20km sind als Fertighaus ca. 650k plus 14% Nebenkosten, bei Bestandsimmobilien 60iger 70iger mit Renovierung eben so.

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