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Vergütung: Warum ehrliche Manager mehr verdienen sollten

Wer Führungskräfte nur nach Leistung bezahlt, öffnet die Tür für krumme Geschäfte. Was fehlt, ist ein finanzieller Anreiz zur Rechtschaffenheit. Allerdings können viele Unternehmen die Bedeutung von Integrität ihrer Manager für den Geschäftserfolg schwer einschätzen.

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don_tango 22.10.2008, 13:29
1. Manager

Warum reden wir nicht mal über ehrliche Arbeiter die immer weniger Geld bekommen für immer mehr Arbeit und Verantwortung?
Im letzten Jahr bekamen Manager und Geschäftsführer im Schnitt 60% mehr Boni als 2006 wenn ich richtig gelesen habe. Reichts nicht irgendwann einfach mal?

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Harald E 22.10.2008, 13:44
2. Am Elend verdient man besser

Zitat von sysop
Wer Führungskräfte nur nach Leistung bezahlt, öffnet die Tür für krumme Geschäfte. Was fehlt, ist ein finanzieller Anreiz zur Rechtschaffenheit. Allerdings können viele Unternehmen die Bedeutung von Integrität ihrer Manager für den Geschäftserfolg schwer einschätzen.
Wird imho schwierig praktikable Kriterien anzusetzen und obendrein nahezu unmöglich auf dem heutigen Markt ehrliche Manager zu finden.

Ich kann mich noch gut (als Parallele) an das Geschrei der Bundesärzteschaft erinnern, als vor ein paar Jahren (im Sinne der Patienten und der Kassen) gefordert wurde, die Honorare an der Gesundheit der Patienten zu bemessen. Also.
Je gesünder der Patient, desto mehr Geld für Arzt und Pharmaindustrie.

Da die Pharma-Industrie jedoch wesentlich besser an kranken (bzw. künstlich krank gehaltenen) Menschen verdient, wurde die gute Idee abgeschmettert.

Das wird hier imho ähnlich laufen.

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rumpel84 22.10.2008, 14:15
3. Verdienen und bekommen

Ehrlich Manager verdienen Anerkennung, unsere Manager verdienen Einzelhaft. Bekommen tun sie allerdings jede Menge € / $.

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apiecha 22.10.2008, 14:41
4. Schieflage

Leider ist mein Beitrag am Thema vorbei, aber trotzdem: Warum diskutiert eigentlich keiner ernsthaft darüber, was Erzieherinnen, Krankenpfleger und Schulbusfahrer verdienen? Auch das sind hochqualifizierte Arbeitskräfte, die große Verantwortung tragen. Unser gesamtes System hat eine gewaltige Schieflage: Der Verdienst hat nicht mit Leistung oder Verantwortung oder Bedürftigkeit zu tun, sondern damit welcher Branche man angehört. Was ließe sich da ändern? Wie wäre es mit Götz Werners Vorschlag, ein bedingungsloses Grundeinkommen (http://www.grundeinkommen.de/) einzuführen?

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Schlaubi555 22.10.2008, 15:02
5. Modell

Es muss ein Modell her, wo die Einkünfte der Chefetagen und die Renditen der Investoren an die Zahl und Einkünfte der Angestellten, bis hinunter zur Hilfskraft gekoppelt sind. Wobei der Gewinn der Unternehmer und Manager nicht gedeckelt werden sollte, aber sich durch Regelmechanismen bei ca. dem 20-30 fachen eines Normalarbeiters einpendeln sollte. Gleichzeitig muss es aber eine Mindestschwelle/Mindestlohn bei der Arbeiterschaft geben, damit das unternehmerische Risiko, was die 20fache Entlohnung rechtfertigt, nicht auf die unteren Etagen ausgelagert wird.

Auch Bonuszahlungen sind denkbar, wenn sie einen nachhaltigen Charakter haben, zB. für 4Jahre rückwirkend mit Einberechnung der Prognose für das nächste Jahr, was dazu führt, dass man als Manager erst ab dem 5. Jahr Anrecht auf Boni hat.

Es muss geschafft werden, das ein Bewusstsein entsteht, dass die Mannschaft nicht abgehängt wird. Als Vergleich dient eine Bergbesteigung mit Gepäck, was schwerer wird, je höher ich steige, ohne zu frustrieren.

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dutchinnz 05.11.2008, 12:46
6. Hier wird

mal wieder über ein theoretisches Modell philosophiert, das in der Realität genausowenig ausführbar ist und zur Pleite führt wie der ehemalige Kommunismus in z.B. der DDR. Ich warte schon mein ganzes Leben auf denjenigen, der sagt: "Mich interessiert viel mehr ein soziales Ideal als das Kapital, was ich zusammengespart und jetzt investiert habe". Nur diejenigen, die nicht selbst Kaptial haben, können sich erlauben so schön sozial zu sein; das ändert sich z.B. schon dann ganz plötzlich, wenn sie über ihre eigene Gehaltserhöhung reden. Marx hatte auch so eine von vornherein zum scheitern verurteilte Prachtidee, die aber nur daraus hervorging, daß er versuchte sein Ausschließlich-auf-Kosten-anderer-leben zu rechtfertigen.

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Rainer Helmbrecht 06.11.2008, 07:38
7. Ein weiß gestrichene Spielecke, ersetzt keine Kinderstube.

Zitat von don_tango
Warum reden wir nicht mal über ehrliche Arbeiter die immer weniger Geld bekommen für immer mehr Arbeit und Verantwortung? Im letzten Jahr bekamen Manager und Geschäftsführer im Schnitt 60% mehr Boni als 2006 wenn ich richtig gelesen habe. Reichts nicht irgendwann einfach mal?
Ihre Frage beleuchtet das ganze Dilemma. Was ist ehrliche arbeit? Schwitzt ein ehrlicher Arbeiter, schwitzt er mehr als ein unehrlicher, oder ist Angstschweiß auch ein Zeichen von ehrlicher Arbeit.

Die gerechte Bezahlung nimmt ein gerechter Chef vor. Was ist ein gerechter Chef, ein großzügiger der seine Firma vor lauter Güte an die Wad fährt, oder einer, der dafür sorgt dass es der Firma gut geht.

Wir haben einfach ein gesellschaftlich, moralisches Problem. Die Erziehung hat nicht statt gefunden und die Auswirkungen werden erst 30 - 40 Jahre später sichtbar. Man hat sich auf den Resten der Moral eingerichtet. Das Pendel ist vielleicht schon am Wendepunkt, vielleicht aber noch nicht.

MfG. Rainer

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dr.stiller 07.11.2008, 04:04
8. Wann war nochmal die "geistig moralische Wende"?

Zitat von Rainer Helmbrecht
... Wir haben einfach ein gesellschaftlich, moralisches Problem. Die Erziehung hat nicht statt gefunden und die Auswirkungen werden erst 30 - 40 Jahre später sichtbar. Man hat sich auf den Resten der Moral eingerichtet. Das Pendel ist vielleicht schon am Wendepunkt, vielleicht aber noch nicht. MfG. Rainer
Wenn, dann hat die Erziehung ja wohl in den bildungsnahen, wohlhabenden Haushalten versagt, aus denen sich die "Leistungsträger" rekrutieren.
2008 minus 35: Der Jahrgang 73 hat seine komplette Gymnasiums- und Unizeit in der Ära Kohl gehabt. Ob es vielleicht ...

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querdenker13 07.11.2008, 15:27
9. So lange dauert es nicht

Zitat von Rainer Helmbrecht
... ...Wir haben einfach ein gesellschaftlich, moralisches Problem. Die Erziehung hat nicht statt gefunden und die Auswirkungen werden erst 30 - 40 Jahre später sichtbar. Man hat sich auf den Resten der Moral eingerichtet. Das Pendel ist vielleicht schon am Wendepunkt, vielleicht aber noch nicht. MfG. Rainer
Meiner Meinung nach dauert es noch allerhöchstens 5-10 Jahre dann ist der gesellschaftliche Verfall eingetreten. Danach wird der 'kleine Mann' wieder seinen Frondienst wie im Mittelalter leisten müssen und ist froh wenn er sich dann eine Mahlzeit am Tag leisten kann.

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