Forum: Wirtschaft
Verliert die Rente ihre Legitimität?

Ein Durchschnittsverdiener muss 26 Jahre Beiträge zahlen, um im Alter ein Einkommen auf Hartz-IV-Niveau zu haben. Verliert die Rente ihre Legitimität?

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fuji-san 25.11.2009, 21:22
280.

Zitat von Bettelmönch
Die Rente ist mehr als Sie suggerieren. Hinter der Rentenfrage steht die Frage: Wie geht eine Gesellschaft mit ihren Alten um? Das ist mehr als Geld ohne Gesellschaftsbild.[...} Und ein egoistisch verengter Blickwinkel, wie Sie ihn suggerieren, geht nicht ansatzweise auf das Problem in seiner Weite ein und verfehlt es dadurch.
Nun, aktuell sehen die Mehrheitsverhältnisse wohl eher so aus, dass die Frage ist, wie gehen die Alten mit der Gesellschaft um, nicht umgekehrt, wie Sie die stellen.

Und meine Antwort ist nicht egoistisch verengt - ich bin nämlich bereit, gem. meiner Antwort auch selber zu leben, bzw. tue es sogar, da ich nicht (mehr) in die Rentenversicherung einzahle und in Zukunft auch keine Vorteile erwarte.

Wie gesagt, bin ich auch der Meinung, dass es kein "Anrecht" auf eine hohe Rente und ein bequemes Auskommen geben kann, dem fehlt sowieso jede Legitimation. Oben brachte ein älterer Mann, der sich als "Leistungsträger" bezeichnetet, z.B. das Argument, er hätte sein Leben lang gearbeitet, würde jetzt nicht einsehen, wieso er eine geringe Rente hinnehmen sollte usw. usf.

Das Problem ist ja, an mir als "Jungem" geht diese Argumentation ziemlich vorbei, mich interessieren dessen Leistungen ja nicht, schliesslich sind es nicht Leistungen für mich.
Dagegen bin ich z.B. bereit, meiner noch lebenden Mutter, die in so ziemlich keinster Weise gesellschaftliche Leistungsträgerin war, erheblich unter die Arme zu greifen, weil ihr Rentenniveau sonst nicht reicht.

Das ist genau das, was ich meine. Als Alter sollte man ganz generell nur einen minimalen Anspruch gegen die Jungen haben. Es gibt keine Legitimation für mehr, ausser eben private Vorsoge, wie z.B. Geld zur Seite legen, ein Verhältnis zu den Kindern, dass so ist, das die einen nicht gleich vergessen wollen etc. ...

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kaburkabari 25.11.2009, 21:42
281. Die Spannung wächst, die Entropie nimmt zu

Zitat von sysop
Ein Durchschnittsverdiener muss 26 Jahre Beiträge zahlen, um im Alter ein Einkommen auf Hartz-IV-Niveau zu haben. Verliert die Rente ihre Legitimität?
Wer sich die Realität in Deutschland anschaut und die vom Statistischen Bundesamt veröffentliche Tatsache zur Kenntnis nimmt, dass per 2007 weniger als 15% aller Privathaushalte mehr als 85% aller Privatvermögen besitzen, der wird die Frage ob das Rentensystem noch legitim ist, unter einem anderen Aspekt zu beantworten haben.

Die Eigentumsgarantie des GG, so wie sie in Satz 1 des Artikel 14 GG steht und wie sie von den heutigen Besitzfeudalherren und -damen als göttlich gesetzter Wille verstanden wird, ist - dummerweise - nicht so absolut gesetzt. Sie ist an den Satz 2 des GG gebunden.

So gesehen ist - u.a. wegen der Feststellungen des im Gutachten des DIW zu der o.g. vom Stat. Bundesamt festgestellten Tatsache der hybriden Vermögenskonzentration das heutige Eigentum nicht mehr von gesellschaftlicher Relevanz. Entweder wird qua social lending die Welt auf ein neues Besitzniveau hinauf entwickelt, oder wir werden erleben, dass man den ihr Eigentum mit Gewalt verteidigenden "Eliten" die Häupter von den Rümpfen trennt, so wie das in den 1920er Jahren der gute Erich Kästner schon in seinem Gedicht "Ansprache an Millionäre" prophezeit hat.

Ob sich das Revival des Begriffs "Plutokratie" auch noch in einer politschen Tsunamiwelle des Rechtsextremismus ausprägen wird, steht zu befürchten. Ich hoffe allerdings auf die Enthauptung der heutigen Plutokraten durch das mögliche Heraufziehen dessen, was Hardt und Negri mit ihrem Empire beschrieben und mit dem Phänomen der Multitude schon einmal namhaft gemacht haben.

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joe sixpack 25.11.2009, 23:06
282. privaten Pensionsfonds

Zitat von Gman
Hallo joe sixpack, de.wikipedia.org/wiki/Social_Security Ansonsten....
Gman, wenn Sie den von Ihnen verlinkten Wikipedia Beitrag gelesen haben, wissen Sie sicher auch, dass die US Social Security die Staatliche Rentenversicherurung der USA ist und nach dem Umlageverfahren finanziert wird.
Denke dass dies dem Deutschen Rentensystem sehr aehnlich ist.

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hauser kd 25.11.2009, 23:39
283. Ihre Ansicht ist absolut nicht neu

Zitat von fuji-san
Nun, aktuell sehen die Mehrheitsverhältnisse wohl eher so aus, dass die Frage ist, wie gehen die Alten mit der Gesellschaft um, nicht umgekehrt, wie Sie die stellen. Und meine Antwort ist nicht egoistisch verengt - ich bin nämlich bereit, gem. meiner Antwort auch selber zu leben, bzw. tue es sogar, da ich nicht (mehr) in die Rentenversicherung einzahle und in Zukunft auch keine Vorteile erwarte. Wie gesagt, bin ich auch der Meinung, dass es kein "Anrecht" auf eine hohe Rente und ein bequemes Auskommen geben kann, dem fehlt sowieso jede Legitimation. Oben brachte ein älterer Mann, der sich als "Leistungsträger" bezeichnetet, z.B. das Argument, er hätte sein Leben lang gearbeitet, würde jetzt nicht einsehen, wieso er eine geringe Rente hinnehmen sollte usw. usf. Das Problem ist ja, an mir als "Jungem" geht diese Argumentation ziemlich vorbei, mich interessieren dessen Leistungen ja nicht, schliesslich sind es nicht Leistungen für mich. Dagegen bin ich z.B. bereit, meiner noch lebenden Mutter, die in so ziemlich keinster Weise gesellschaftliche Leistungsträgerin war, erheblich unter die Arme zu greifen, weil ihr Rentenniveau sonst nicht reicht. Das ist genau das, was ich meine. Als Alter sollte man ganz generell nur einen minimalen Anspruch gegen die Jungen haben. Es gibt keine Legitimation für mehr, ausser eben private Vorsoge, wie z.B. Geld zur Seite legen, ein Verhältnis zu den Kindern, dass so ist, das die einen nicht gleich vergessen wollen etc. ...
die gab es auch schon vor 40 Jahren. So habe ich schon damals viele erlebt, sowas ist doch was für den Plebs.
In einer Versammlung beschwerte sich eine ältere Dame, sie hätte nur ca. 400DM Rente und das nach 50 Jahren Arbeit. Frage eines anderen Teilnehmers, wie lange haben sie denn in die RV eingezahlt. Empörte Antwort, ich war doch selbstständig, warum sollte ich den in die RV einzahlen. Läuft unter versicherungsfremde Leistungen

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sparel 26.11.2009, 00:07
284.

Zitat von Hardliner 1
Ist unsere Gesellschaft nicht schizophren? Auf der einen Seite "Geiz ist geil", auf der anderen Seite jammert man über die geringen Löhne der Verkäuferinnen. Dass in D Hilfsarbeiter-Tätigkeiten immer weniger nachgefragt werden, ist nun mal eine Tatsache. Vor 30 Jahren sah man auf den Baustellen noch so manchen Mann mit einem Pickel oder einer Schaufel in der Hand. Heute sind auf Baustellen weitaus weniger Personen tätig, meist nur noch Facharbeiter. In Meinem Landkreis haben in den letzten 15 Jahren fünf mittlere Bauunternehmen pleite gemacht. Diese beschäftigten zusammen neben den Fachkräften über 250 Hilfsarbeiter. Ersatz-Arbeitsplätze? Fehlanzeige.
Das eigentliche Problem ist doch der Wohlfahrtsstaat,
nicht zu verwechseln mit dem notwendigen Sozialstaat.
750 Mrd. kostet uns das jährlich.
Das sind für jeden der 40 Mio. Erwerbstätigen monatlich 1500 Euro, die jeder im Schnitt aufzubringen hat.
Weil immer weniger Netto verbleibt, ist das Bauvolumen von einstmal 600000 Wohneinheiten auf aktuell ca. 200000 Wohneinheiten zurückgegangen. Zwangsläufig daher auch der Rückgang der noch benötigten Bauunternehmen.
"Geiz ist geil", eben eine Folge des immer größer werdenden Finanzbedarfs der Wohlfahrt.

Sparel

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sparel 26.11.2009, 00:22
285.

Zitat von sysop
Ein Durchschnittsverdiener muss 26 Jahre Beiträge zahlen, um im Alter ein Einkommen auf Hartz-IV-Niveau zu haben. Verliert die Rente ihre Legitimität?
Die Rente verliert ihre Legitimität durch die grassierende Kinderlosigkeit.
Das bisherige Rentensystem lebte vom "Generationsvertrag"
welcher besagt, daß ich mit meinen jetzigen Beiträgen für meine Eltern sorge und dafür einen Versorgungs-Anspruch gegenüber meinen Kindern erwerbe.
Also fehlt bei Kinderlosigkeit ein Anspruch aus dem Generationsvertrag und somit der moralische Anspruch auf Rente.
Also bleibt mir als Kinderlosem nur die Eigenvorsorge, habe ich doch durch fehlende Kinder-Erziehungskosten dafür den nötigen finanziellen Freiraum.
Hätten also nur noch Eltern Anspruch auf Leistungen aus dem heutigen Rentensystem, stellt sich die Frage nach der Legitimität nicht mehr.

meint sparel

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Astir01 26.11.2009, 07:24
286.

Zitat von ergoprox
Gleichzeitig unterbleiben Investitionen in Realkapital,
Deswegen schrieb ich ja schon, dass ich das Geld in Immobilien und Aktien anlegen würde. So tue es auch mit meinen Spargroschen, also den paar Kröten, die am Ende des Monats übrig bleiben. Etwas Realeres als Immobilien (im englischen Sprachraum daher auch real estate genannt) und von mir nach den Kriterien der Nachhaltigkeit, Zukunftsfäigkeit und organisch erzeugter Rendite ausgewählten Aktien gibt es überhaupt nicht.

Ich decke mit meinen Rücklagen den Kapitalbedarf der "Old Economy", die deswegen nicht zur Bank zu gehen brauchen. Ich gebe mich mit 5- 6 % Rendite (in Form von Dividenden) zufrieden.

Was ist daran so schwer zu verstehen?

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Astir01 26.11.2009, 07:32
287.

Zitat von Hardliner 1
Ich gebe Ihnen weitgehend recht. Doch sollte man auch hinzufügen, dass mancher Jüngling und manche junge Maid zum 18. Geburtstag ein Auto erhält, das die Oma und der Opa bezahlt haben - auch aus den Renteneinkünften.
Mag sein. Was hat das mit der ständig wachsenden Gerechtigkeitslücke zwischen heutigen Rentnern und heutigen Arbeitnehmern zu tun?

Wie anders kann diese Lücke geschlossen werden, wenn der deutsche Staat erst mal bankrott ist, und überhaupt keine Steuermittel mehr in die Taschen der Rentner umleiten kann, weil alle Steuereinnahmen, die nicht für die Bezahlung der Staatsdiener erforderlich sind, für den Schuldendienst abgezweigt werden müssen.

Dann wird keiner mehr danach fragen, wer wie lange wie viel eingezahlt hat. Dann gibt´s nur noch Hartz V und Lebensmittelkarten.

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samsonax 26.11.2009, 08:11
288.

Zitat von sysop
Ein Durchschnittsverdiener muss 26 Jahre Beiträge zahlen, um im Alter ein Einkommen auf Hartz-IV-Niveau zu haben. Verliert die Rente ihre Legitimität?
Was sind das denn für polemische Beispiele?
Wer i.a. 25 Jahre Beiträge gezahlt hat, der ist meist
Mitte 40 und hat noch eine statistische Lebensdauer
von über 30 Jahren. Wer dann in Rente geht und schon
eine Durchschnittsrente haben möchte, der muss in seinen
25 Beitragsjahren 1000 Euro jeden Monat beiseite gelegt haben,
damit sich das gesamtwirtschaftlich rechnet.
Oder anders ausgedrückt: Wer 25 Jahre lang
Durchschnittsrentner war, der kann nun mal noch nicht
mit einer höheren Rente als Hartz IV rechnen.
Wo liegt das Problem?
Ist der Spiegel inzwischen mit der privaten
Versicherungswirtschaft verbandelt?
Anders kann ich solch polemische Fragestellungen nicht deuten.

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Fred W 26.11.2009, 08:52
289. Keine Miete im Alter als Zusatz zur gesetzlichen RV

Zitat von Motorpsycho
Warum muss man dazu im Staatsdienst arbeiten?
Man muss nicht ich schrieb daher z.B Staatsdienst, weil sie dann ein relativ sicheres Einkommen haben und daher bessere Fianzierungsbedingungen bekommen
Zitat von Motorpsycho
Wieso werden da Mittel frei, wenn man die Restschuld seiner Immobilie neu finanziert?
Der Wert ihrer eigengenutzten Immobilie minus Restschuld bildet das Eigenkapital. Wenn Sie 50% Eigenkapital in ihrer Immobilie anghäuft haben und ein sicheres Einkommen, dann nehmen sie 25% davon und refinanzieren den Rest ihrer eigen genutzten Immobilie und stecken die 25% die frei sind in eine vermietete Immobilie!
Zitat von Motorpsycho
Was wollen Sie uns überhaupt sagen? Dass, wer sich eine Wohnung kauft, auch darin wohnen kann?
Wer eine eigene Wohnung kauft wenn er jung ist, kann darin mietfrei wohnen wenn wenn er in Rente geht!

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