Forum: Wirtschaft
Versorgungsengpässe bei hartem Brexit: Ooops
SIMON DAWSON/POOL/EPA-EFE/REX

Ein Papier der britischen Regierung offenbart, wie dramatisch die Folgen eines harten Brexit wären: knappe Lebensmittel, Medikamentenengpässe, lange Lkw-Schlangen. Premier Johnson scheint die Sache zu entgleiten.

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Gluehweintrinker 19.08.2019, 18:39
1. Wer nicht hören will, muss fühlen.

(Dieses Zitat stammt von meinem Großvater, Jahrgang 1901). Und angesichts eines jahrelangen Herumeierns und zahlloser Versuche des Cherry-Picking, also sich die Vorteile des ungezügelten Handelns mit der EU zu sichern, gleichzeitig aber die Freizügigkeit zu beenden, möchte man fast hoffen, dass es so schlimm wie möglich kommen möge. Kein Kontinental-Europäer möchte noch hoffen, dass ein ungeregelter Brexit für das Vereinigte Königreich schmerzfrei geschehen könne, schon aus Gründen der Abschreckung gegenüber anderen Wackelkandidaten.

Ja, auch die EU27 wird der Brexit hart treffen, jedoch lange nicht so fatal wie das Königreich selbst. Wir werden es verschmerzen und sollten anschließend darauf hinwirken, einen schnellen EU-Beitritt von Schottland zu befördern, sofern es sich vom UK verabschieden sollte. Die harte Grenze zwischen der Republik Irland und Nordirland wird ebenso unvermeidlich werden. Dass ein Brexit eben nur mit genau diesen unschönen Konsequenzen zu haben sein wird, wussten alle von Anfang an. Es spricht für unglaubliche Selbstüberschätzung der eigenen Position, wenn sie glaubten, es wäre ein Kinderspiel.

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123rumpel123 19.08.2019, 18:40
2. wird schon gutgehen

Das es in den ersten Wochen und Monaten ein wenig klemmt und sicher erst langsam einrumpeln muss ist wohl unstrittig.

In weiser Voraussicht haben die Briten für EU-Waren ein "Vereinfachtes Importverfahren " vorbereitet, dass für ein Jahr gültig sein soll.

Dazu kommt eine sehr , sehr große Anzahl an Seehäfen dazu. Wer unbedingt ohne Voranmeldung in Calais-Dover rüber will, wird halt ein bisschen Wartezeit mitbringen müssen.

Ob es am Anfang klemmt oder nicht ist auch sekundär, viel wichtiger ist die zukünftige Handels-Zollpolitik, und oder ein geschmeidiges Arrangement mit der EU. Beide werden wohl kaum gänzlich nach einem Brexit ganz auf einander verzichten wollen.

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fuerstchristian 19.08.2019, 18:41
3. Bitte keinen Zweckspessimismus

Deutsche Medien tendieren sehr stark zum "wishful thinking". So war das schon bei der Wahl von Trump zum US-Präsidenten, und so scheint es erneut beim Streit um den Brexit. So sehr ich die Clique um Boris Johnson und die skrupellosen Brexitiers verachte, so sehr muss ich doch berücksichtigen, dass immer noch fast die Hälfte der Engländer (und die sind die Mehrheit), die Union verlassen wollen. Dass diese Mehrheit bereit ist, bei einem no-deal-brexit Einschränkungen hinzunehmen, sollte eigentlich jedem Kenner Großbritanniens klar sein. Auch wenn dann am Ende Lastwagen 2,5 Tage am Zoll warten müssen und Chaos an den Zollschranken herrscht, am Ende wird der Improvisationsgeist siegen und der Handel wird Wege finden, mit der neuen Lage zu leben.

Im Übrigen scheint es mir durchaus möglich, dass das vorliegende Dokument tatsächlich ein von Experten zusammengestelltes "worst case scenario" darstellt, auf das es nun gilt, sich einzustellen.

Dies sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man über das zu erwartende Chaos spekuliert. Auch wenn der eine oder andere von uns hoffen mag, dass auf der Insel nach dem Austritt dieses Chaos eintritt; wenigstens ein wenig Chaos....

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crossbow17 19.08.2019, 18:42
4. Wir wollen und sollten es abwarten...

...und bloß nicht neu verhandeln. Die Bürger der EU würden das nicht hinnehmen. Sehen wir mal was kommt, es wird interessant werden.

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ulijoergens 19.08.2019, 18:46
5. So ganz passt das dann auch nicht

Nicht dass ich ein Brexit-Befürworter bin, ich staune ob der Dummheit.
Die Logik der Brexitgegner geht aber auch nicht immer auf.
Warum sollte denn Frankreich EU Ausfuhren nach GB erschweren? Und der Englische Zoll wird ja wohl kaum Dienst nach Vorschrift machen, wenn daheim Engpässe drohen. Da wird doch jede Regierung an der Grenze per Dekret Durchwinken lassen.
Bis den Engländern das Bargeld ausgeht, um Waren in Euro zu bezahlen wird wohl auch eine Weile dauern, ausser sie benehmen sich total daneben und Riskieren den Bankrott weil sie Rechnungen nicht bezahlen wollen
Ausführen von der Insel in die EU sind eine andere Geschichte. Aber die treffen doch im Wesentlichen die exportierenden Unternehmen, wohl kaum Arbeitnehmer und Verbraucher in den ersten paar Wochen.

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bloodyhell 19.08.2019, 18:48
6. rausreden hilft nicht

für alle BREXIT Freunde im Forum:
das Dokument ist von der britischen Regierung! Das die Hardliner der Torris es mit dem Herausreden aus (den eigenen) Fakten versuchen, sagt eigentlich alles.

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headmiller 19.08.2019, 18:49
7. GB wird nicht verhungern!

… denn die Briten waren bis 1948 von Lebensmittelkarten abhängig!
Also kennen sie das Spielchen!
Und haben vorgesorgt!

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haresu 19.08.2019, 18:50
8. Wer glaubt, Johnson würde bluffen, liegt falsch

Boris sieht im Brexit seine historische Mission, alles andere ist nachrangig. Die Sonderkonditionen von der EU, auf die er spekuliert, kann er ja auch noch nach dem Brexit bekommen. Hauptsache erst mal raus, das will Johnson.

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astat 19.08.2019, 18:51
9. Nö

"Premier Johnson scheint die Sache zu entgleiten." Denke ich nicht. Denn das würde bedeuten, dass er zuvor irgendwas im Griff gehabt hätte...

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