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Verteilung des Wohlstands: Wer profitiert wirklich vom deutschen Dauerboom?
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Die deutsche Wirtschaft wächst und wächst und wächst, seit fast zehn Jahren. Aber bei wem kommt der neue Wohlstand eigentlich an? Ein neuer Verteilungsbericht zeigt es - hier sind die wichtigsten Erkenntnisse.

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flux71 28.09.2018, 10:22
1.

Ja, die Verteilung ist ein Problem. Wie im Artikel beschrieben, ist das kein rein deutsches Phänomen, und es lässt sich mit Sicherheit auch nicht rein nationalistisch lösen.

Wie dann? Gute Frage. Dem Turbokapitalismus muss etwas entgegen gesetzt werden. Solidarität fehlt, aber die kann nunmal auch nicht erzwungen werden (wie es gewisse politische Parteien über den Kampfbegriff "Volk" versuchen). Einfach ist das jedenfalls nicht. Simpel auch auch nicht.

Eine gerechtere Besteuerung könnte schonmal helfen. Aber wer so reich wie die reichsten 1% ist, der bringt seine Scherflein dann auch immer noch ins Trockene und lässt sie nicht in Deutschland...

Hm...

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ctrader62 28.09.2018, 10:30
2. Der Aufschwung ist zum großen Teil auf Pump finanziert

Ein großer Teil des Aufschwungs basiert auf einem Handelsungleichgewicht innerhalb der EU. Aufgrund der vergleichweise niedrigen Löhne plus der Herstellung guter Produkte und Dienstleistungen wird sehr viel in die anderen EU-Länder auf Kredit verkauft (der Kreditsaldo zu Lasten des Steuerzahlers findet sich in den Target-2-Salden, im Moment in Höhe von fast 1 Billion EUR). Ein weiterer Teil des Aufschwungs kommt durch eine Investitionstätigkeit, die auf einer Vermögenspreisinflation beruht, die durch die Negativ-Zins-Politik begünstigt wird. 10 Jahre Aufschwung und eine Notenbankpolitik, die nur für Katastrophensituationen vorgesehen ist, machen doch schon nachdenklich. Der Vermögenszuwachs beruht auf aktuellen Bewertungen, diese können im Falle von Aktien, Beteiligungen, Staatspapieren und auch teilweise bei Immobilien drastisch zusammenschmelzen. Ja, es gibt eine positive Gesamtsituation, sie beruht aber nur wenig auf eigener Kraft und mehr aus helfenden Faktoren, die wir bald bezahlen müssen.

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derleibhaftige 28.09.2018, 10:31
3. Und geht es so richtig gut, verständlich bei den Steuern !

Ich verweise mal auf einen Artikel, den der Spiegel vor kurzem selbst veröffentlich hat und der die Realität m.E. wesentlich realistischer abbildet, als diese Lobdudelei über abgeblich steigende Löhne.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/vermoegen-45-superreiche-besitzen-so-viel-wie-die-halbe-deutsche-bevoelkerung-a-1189111.html

Eine Lohnsteigerung um 2-3 % entspricht ziemlich genau dem Inflationsausgleich und hat m.M. nach nicht viel mit einer Lohnsteigerung zu tun. Wer noch nichteinmal das bekommt, hat defacto Lohnkürzungen hinzunehmen.

Eine kräftige Lohnsteigerung muss also per Definition schon deutlich oberhalb eines Inflationsausgleichs liegen und das auch nicht nur in einem einzigen Jahr, sondern über mehrere Jahre hinweg, damit es spürbar ist. Erst dann kann man wirklich mal von einer kräftigen Lohnsteigerung reden. Das ist für weite Teile der Bevölkerung in Deutschland aber leider ausgeblieben in den letzten 20 Jahren!

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matthias089 28.09.2018, 10:33
4. Geografische Verteilung

Es wäre noch interessant die Verteilung der Lohnzuwächse zu kennen. Ich kann mir vorstellen dass diese hauptsächlich in den Metropolen erfolgt sind. Dann sprechen wir von Lohnzuwächsen von +2% und Mietsteigerungen von + 6%. Echt erstaunlich wieso die Vermögenden immer reicher werden und für die Angestellten und Arbeiter nichts übrig bleibt.

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Herr Bayer 28.09.2018, 10:40
5. Spitzensteuersatz für alle

ist ein Zeichen von Wohlstand. In der Merkel-Ära ist die Bemessungsgrenze für die Rentenversicherung von ca. 65.000 auf 78.000 gestiegen, die Steuerstufe für den Spitzensteuersatz (52.000) blieb leider konstant.

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PTerGun 28.09.2018, 10:42
6. Manager Gehälter

Äh, sind in den Managergehältern, bei der Deutschen Bank zum Beispiel auch die variablen Anteile wie Boni mit eingerechnet? Dann würde mich der niedrige Wert schon erstaunen. Andernfalls... geschenkt.

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Susi64 28.09.2018, 10:50
7. So sieht eine "Lohnsteigerung" in der Realität aus.

Das Unternehmen kann oder will es nicht zahlen und zahlt deshalb untertariflich und steigert das Einkommen dann auch nach seinen Vorstellungen. Wenn das Unternehmen doch tarifgebunden ist, dann wird geschaut ob man nicht doch noch sparen kann indem man bestimmte Tätigkeiten umgruppiert und die Betreffenden entweder kündigen können, eine andere Stelle annehmen oder eben weniger Gehalt bekommen. Ganz beliebt sind auch Zeitverträge, denn da muss man keine Qualifikationsstufen zahlen sondern gruppiert die Menschen immer wieder in die niedrigste ein. Alternativ kann auch die Arbeitszeit von 40 Stunden auf 38 oder 36 reduziert werden. Reicht das nicht, dann nimmt man so man kann Leiharbeiter oder Vertragsarbeiter.
Es ist schön, dass es trotzdem Menschen gibt, die die Lohnsteigerungen auch bekommen.

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spon-facebook-1261351808 28.09.2018, 10:51
8. Der deutsche Michel will es so!

Da Nationalismus und Neoliberalismus ja die neuen Heilsversprechen für den deutschen Durchschnittsbürger darstellen, wird sich dieser Trend noch verschlimmern.

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Horatio Caine 28.09.2018, 10:52
9. Ich kann diese "Boomen der Löhne" nicht mehr hören...

Das hat sich im aktuellen Aufschwung grundsätzlich verändert: Seit 2010 steigen die Reallöhne wieder spürbar, im Zeitraum von 2014 bis 2016 sogar um jährlich rund zwei Prozent. Auch im vergangenen Jahr wuchsen die Brutto-Gehälter deutlich um 2,7 Prozent, die Netto-Reallöhne legten ebenfalls zu, aber wegen der wieder anziehenden Inflation mit 0,7 Prozent weniger stark.

"Die Einkommen der Arbeitnehmer sind im aktuellen Aufschwung sogar stärker gestiegen als die Einkommen aus Unternehmensgewinnen und Vermögen. Das wird an der Lohnquote deutlich: Sie gibt an, wie hoch der Anteil der Löhne am gesamten Volkseinkommen ist und ist damit ein zentraler Indikator dafür, wie neu erworbener Wohlstand in einer Gesellschaft verteilt wird."

So kann man mit reiner Semantik irrsinnige Zustände schön reden, indem man so Adjektive wie "spürbar" einstreut für Lohnsteigerungen um 2% und das für einen sehr überschaubaren Zeitraum. Als wenn das nahezu 20 Jahre Lohnverzicht jemals auffangen könnte.

Die Veränderung der Lohnquote im Verhältnis zu Einkommen aus Unternehmensgewinnen und Vermögen mag schlichtweg darin begründet sein, dass die Anlagemöglichkeiten mach dem von der Finanzindustrie und der staatlichen Aufsicht verschuldeten Vertrauensverlust durch die Bankenkrise von 2008 und die folgende Staatsanleihenkrise geschrumpft oder deeskalierenden Risikostrategien geschuldet sind die natürlich die Rendite schmälern. Bei den Einkommen aus Vermögen werden zudem nicht nur die großen Vermögen eingerechnet, sondern auch mittlere und kleine, die aufgrund der aktuellen Nullzinspolitik sehr viele ehemalige beliebte Anlagemöglichkeiten (Festgeld, Tagesgeld, Sparplan etc.) verloren haben und deswegen ausfallen.

Zudem bringt ein beispielhafter Inflations-Warenkorb nichts, wenn bestimmte Leistungen darin bestimmte Gruppen überproportional betreffen (z. Bsp. Mieten) und ggf. die Wirklichkeit nicht mehr abbilden.

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