Forum: Wirtschaft
Von Ort zu Ort: Neuer Rekord - 60 Prozent der Beschäftigten pendeln
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Lange Arbeitswege sind nervig, umweltschädlich und gesundheitsgefährdend. Trotzdem steigt die Zahl der Pendler in Deutschland stetig. Und die Wege werden immer weiter. Spitzenreiter ist München, den größten Zuwachs erzielt Berlin.

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mikesch0815 02.04.2017, 13:51
100. Pendeln ist noch immer schneller als die Internetversorgung auf dem Land

Ich pendele jeden Tag in das Rhein Main Gebiet. Ich möchte dort nicht leben. Ganz einfach. Das liegt nicht nur an der Kostenfrage, sondern auch an der Attraktivität der Gegend. Sicherlich ist der Frankfurter Raum interessant für kulturelle Veranstaltungen, für Shopping und viele andere Dinge. Aber eilt deswegen jeder Frankfurter täglich ins Theater, besucht das Städel und flaniert auf der Zeil?
Hier auf dem Land, im Nirgendwo zwischen Fulda, Gießen und dem Rhein Main Gebiet, wird nun (im Jahre 2017) begonnen eine Breitbandversorgung zu erstellen, die wohl 97% der Wetterauer und 95% der Vogelsberger Bevölkerung eine akzeptable Bandbreite gewährleisten soll. Vermutlich ist der Druck der wenigen noch existierenden mittelständigen Unternehmen in dieser Region so groß geworden, daß sogar die ansonsten nicht sonderlich agilen Regionalpolitiker Gründe zum Handeln gesehen haben.

Viele Arbeitsplätze wären auch auf dem Land möglich - z.B. im Homeoffice - wenn es nicht eine so eklatante Vernachlässigung der Infrastrukturen auf dem Land gäbe. Und dazu zählen nicht mal nur Straßen (Sie finden im Vogelsbergkreis kaum so schlechte Straßen wie im Hintertaunus).

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kumi-ori 02.04.2017, 13:56
101.

Zitat von Kanalysiert
Ja komisch aber auch, wenn sich kaum ein Münchner die überteuerten Mieten noch leisten kann. Es bleibt einem ja nichts anderes übrig, als immer weiter raus zu ziehen. Wäre ja auch ganz schrecklich, wenn sich die Superreichen nicht alles kaufen könnten und Bauvorhaben plötzlich wieder für die Münchner realisiert werden würden. Also raus mit uns arbeitendem Angestelltenpack, wen interessiert's, solange in der Maxmilianstraße der Rubel rollt.
Problem ist: wenn die arme Bevölkerung nach München rein- und die reiche aus München rauszieht, dann wird dadurch der Pendelverkehr insgesamt nicht weniger. Übrigens hat München bereits bei weitem die höchste Einwohnerdichte Deutschlands.

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Elizabeth_Tudor 02.04.2017, 13:57
102. Pendler Burnout

Nach 9 Jahren Pendeln ist fuer mich persoenlich die Zeit gekommen um ueber ein Auto nachzudenken. Diverse Streiks ueber die Jahre (Bahn+ Bus+Strba) haben mich ausgebrannt. Die 60+ Stunden Woche im Vergleich zum 48 Stunden Wochenenden ist weder erholsam und taugt zum Aufladen der Lebensbatterie nicht. Die morgendliche Fahrt zum Bahnhof um dann mit einem einstoeckigen Rumpelzug (mit kaum funktionierenden Tueren+Heizung) zur Arbeit zu fahren(immer in der Hoffnung, das es mit dem Anschluss auch klappt) ist frustrierend. Ach ja, da waere dann noch Osterferienzeit...Hochsaison fuer Streckenbaustellen, Verspaetungen und Fahrtenreduzierungen auf den Fahrplaenen. Ich bin schon ganz aus dem Haeuschen vor Vorfreude. Jetzt kommen dann wohl bestimmt die Kommentare von wegen kuendige, finde etwas in der Naehe, wenn's Dir nicht passt. Leider bin ich in der Altersgruppe, bei der sich so etwas eher schlecht verwirklichen laesst. Zudem ich mittlerweile auch merke, wie ungesund Pendeln ist; meine Symptome waeren Ungeduld (bin halt schnell angenervt), Rastlosigkeit und der Mangel an Empathie.

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Micha4711 02.04.2017, 13:59
103. Infrastruktur hinkt immer hinterher

Da es i.A. heutzutage teilweise Jahrzehnte dauert bis neue Strassen und Schienenwege endlich einsatzbereit sind hinkt die Infrastruktur immer dem Bedarf hinterher. Daran wird sich in den nächsten 20 Jahren auch nicht viel ändern. Sind wir doch mal ehrlich: Politik und Autolobby sind über die wachsenden Pendlerströme nicht ganz unglücklich; füllen diese doch Jahr für Jahr mehr die Kassen (Mineralölsteuer, Autoverkauf). Der Staat und Lobbyisten haben ein elementares Interesse daran, dass wir viel unterwegs sind. Sonst würde die einzige gangbare und vernünftige Lösung (nämlich mehr Home-Office) staatlich mehr gefördert werden. Wūrde im Schnitt 25% der Arbeitszeit im Home-Office anfallen, würde es diesen Artikel nicht geben.

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emobil 02.04.2017, 14:05
104. Entfernungspauschale

Zitat von hexagon7467
Ich möchte nur, dass nicht mehr belohnt wird, wer sich ne Wohnung weit entfernt vom Arbeitsplatz entfernt. Jede Art von Einkommen muss steuerlich gleich behandelt werden . Wer weit entfernt vom Arbeitsplatz wohnt sollte selbst dafür bezahlen und nicht die Allgemeinheit zur Kasse bitten. Die Pendlerpauschale ermutigt doch viele Leute zum pendeln . Der weite Strecken täglich mit dem Auto fährt muss selbst dafür bezahlen . Dafür sollten zum Beispiel Zweitwohnsitze am Arbeitsplatz steuerlich begünstigt werden . Die Pendlerpauschale ist auch eine Subvention für die Automobilbranche .
Das finde ich ziemlich daneben!
Also ich z.B. habe in einer Stadt eine Wohnung gekauft (und laufend abbezahlt), meine Frau und ich hatten in der selben Stadt einen Arbeitsplatz, das Kind einen Kindergarten- und später Schulplatz in Wohnungsnähe.
Aber die Situation änderte sich, als ich meinen Arbeitsplatz verlor, aber glücklicherweise in einer benachbarten Großstadt bald einen neuen Arbeitsplatz fand. Aber: Entfernung 45 km, keine zumutbare ÖVP Anbindung (ca. 1,5 Std.) pro Weg; außerdem unregelmäßige Arbeitszeiten.
Also was sollte ich tun? Dafür auch noch bestraft werden? Oder sollte ich lieber arbeitslos bleiben, damit ich dem "Teufel" Automobil entsage? Oder eine zweite Wohnung in der Nähe des neuen Arbeitsplatzes mieten und nur noch am Wochenende mit der Familie zusammen sein? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein!

Die Pendlerpauschale ist eben keine "Subvention für die Automobilbranche", sondern dringend für Arbeitnehmer erforderlich. So hat es ja prinzipiell auch der BGH 2008 gesehen.

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emobil 02.04.2017, 14:09
105. Auto-Lobby

Zitat von missplasma
dass gegen diese Entwicklung durch Ausbau des ÖPNV entgegen gesteuert wird. Die Auto-Lobby wird das schon verhindern - wie in der Vergangenheit, denn sonst hätten wir doch diese Situation nicht.
Eine steile These:
Die Auto-Lobby verhindert aktiv, dass der ÖPNV ausgebaut wird.
Das können Sie sicherlich substanziell nachweisen, oder?

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alfred-wilhelm 02.04.2017, 14:13
106. Wenn ich

......morgen zur Arbeit fahre werde ich 1 Std. 40 Min. unterwegs sein. In den letzten 10 Jahren habe ich als freier Mitarbeiter – in meinem Alter finde ich keine Festanstellung mehr – z. B. in der Gegend von Stuttgart, in Luxemburg und in Berlin gearbeitet.
Je nach Vertragslänge und Entfernung von meiner eigenen Wohnung hatte ich vor Ort eine Zweitwohnung oder nistete mich in eine Pension ein.

Es gab einmal Zeiten in der voll-industrialisierten Bundesrepublik, dass Großpapa, Papa und Sohnemann bei der gleichen Firma arbeiteten. Dank der Ent-Industrialisierung unserer Republik in den letzten 25 Jahren sind eine Unmenge von Arbeitsplätze in Gemeinden und Städten verschwunden, bzw. nach Asien verlagert worden. Das betrifft – von Ausnahmen einmal abgesehen – die Textilindustrie, die Konsumgüter-Elektroindustrie (Radio- und TV-Technik PC-Industrie, Küchengeräte-Industrie), Schwerindustrie (Kohle Stahl).

Nur zum Verständnis: Laut ciafactbook besteht unsere deutsche workforce aus ca. 45,3 Mill. Menschen. Circa 24, % arbeiten in der Industrie und mehr als 73 % sind im Dienstleistungssektor beschäftigt. Rund 11 Mill. Menschen sind also industriell beschäftigt. Davon Autoindustrie bezogen alleine ca. 6 Mill.
Dank der Ent-Industrialisierung muss der praktisch arbeitende Mensch, um seinen Lebensunterhalt zu sichern, flexible sein, damit rechnen nur einige Jahre bei einer Firma beschäftigt zu sein, Zeiten der Arbeitslosigkeit zu erleben und im Leben ein- oder zweimal sein Berufsfeld komplett zu wechseln.
Damit macht es aber auch keinen Sinn - und letztlich ist es auch nicht zumutbar - seinen Wohnbereich seinem Arbeitsplatz anzupassen. - Einmal, zweimal ja aber jedes mal?
Was fällig wäre - aber absolut kein Thema der Politik ist – wäre eine Re-Industrialisierung der BRD, die wieder Arbeitsplätze in den Gemeinden und Städten schafft.

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Hamberliner 02.04.2017, 14:14
107. Re: Ach ja, die bösen Deutschen!

Zitat von emobil
Wann hört endlich mal dieses Geschwurbel auf, dass das Auto "der Deutschen liebstes Kind" ist. Es ist ein Fortbewegungsmittel, für das es auf absehbare Zeit (leider) keinen adäquaten Ersatz gibt. Punkt - nicht mehr und nicht weniger. Bitte zeigen Sie mir doch einfach mal ein Industrieland, wo die Einwohner ihre Autos nicht mögen und die Benutzung konsequent ablehnen.
So? Mein adäquater Ersatz fürs Auto war Zeit meines Lebens das Motorrad bzw. in den letzten Jahren eher das Fahrrad, und in vielen Industrieländern (Mittelmeer, Fernost) bevorzugt ein Großteil der Menschen ebenfalls motorisierte Zweiräder für die täglichen Wege. Das reicht vom Werftarbeiter (in der weltgrößten Werft in Korea darf man nicht mit dem Auto, sondern nur mit dem Zweirad aufs Gelände zur Arbeit) bis zu Ministern und Professoren (z.B. Varoufakis).

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geraldwinkeler 02.04.2017, 14:15
108. Die Quadratur des Kreises bleibt ungelöst

Unsere regierenden Politiker wollen uns weiß machen, dass man den Verkehr beliebig ausbauen und zugleich CO2 Emissionen immer weiter mindern sowie die Natur bewahren kann. Leider handelt es sich hier um alternative Fakten. An einer Reduzierung vor allem des hochsubventionierten Individualverkehrs führt kein Weg vorbei. Das Bewusstsein dafür ist jedoch nur schwach ausgeprägt. Die Mehrheit der Bürger und der Politiker beharren im Einklang mit der allmächtigen Autoindustrie auf einem trutzigen "weiter so." Auch das Bau- und das Planungsrecht sind nicht auf eine effektive Nutzung des begrenzten Raumes, sondern auf ständigen zusätzlichen Flächenverbrauch und damit einhergehendes Verkehrswachstum ausgerichtet. Riesige ständig wachsende Gewerbegebiete mit einstöckigen Flachbauten sind nur ein Beispiel dafür. Bei mir in der Nähe, in Laatzen, ist kürzlich wenige hundert Meter vom Stadtzentrum ein "Drive in"-Baumarkt auf einer Fläche entstanden, auf der man auch viele hundert Wohnungen hätte bauen können. Davor natürlich ein Monsterparkplatz, der jede Menge Verkehr anzieht.
Dafür steht in Hannover der alte Max Bahr Baumarkt nach der Insolvenz der Kette noch immer leer. Mein Gott, wir haben doch genug Fläche! Schließlich ist es auch steuerlich in Deutschland völlig unproblematisch, Gebäude leer stehen zu lassen und erschlossene Grundstücke gar nicht oder nur teilweise zu bebauen. Der heilige Markt wird es schon richten!

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skeptikerjörg 02.04.2017, 14:16
109.

Zitat von krustentier120
Wie wäre es: Es dürfen nur noch Wohnungen und Häuser besessen werden, die auch nachweislich selbst genutzt werden. Dann würden die Wohungspreise purzeln und die Leute könnten sich in der Nähe ihres Arbeitsplatzes auch was leisten.
Ist nicht zu Ende gedacht! Dann gäbe es ja keine Mietwohnungen bzw. -häuser, denn die gehören ja jemandem, der nicht selbst drin wohnt. Wo wohnen dann die ohne Wohneigentum? Im Zelt? Unter der Brücke?

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