Forum: Wirtschaft
Vorschlag von Krankenkassen: Zertifikatehandel soll überflüssige OPs eindämmen
DPA

Die AOK und der Spitzenverband der Krankenkassen haben ein neues Konzept gegen überflüssige Operationen vorgeschlagen: Wie beim Emissionshandel für Treibhausgase sollen Krankenhäuser künftig Zertifikate von anderen Kliniken kaufen, wenn sie mehr als vorher vereinbart operieren.

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Geographus 29.07.2012, 22:37
1.

Also besser keinen Hüftschaden haben wenn das Krankenhaus um die Ecke schon sein Kontingent verbraucht hat.

Bald ist das wie bei McDonalds:

Hüftschaden? Ne, tut uns leid, das ist aus!

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SpieFo 29.07.2012, 22:42
2. Wie krank ist das denn?

Zitat von sysop
Die AOK und der Spitzenverband der Krankenkassen haben ein neues Konzept gegen überflüssige Operationen vorgeschlagen: Wie beim Emissionshandel für Treibhausgase sollen Krankenhäuser künftig Zertifikate von anderen Kliniken kaufen, wenn sie mehr als vorher vereinbart operieren.
Da macht eine Klinik, die nie Hüftgelenke operiert hat, einfach eine neue
"Hüftstation" auf, bekommt Zertifikate zugeteilt, und verscherbelt sie an "bedürftige" Kliniken, die wirklich operieren.
Die Zertifikate werden natürlich vom Staat (also uns Bürgern) kostenlos zur Verfügung gestellt.
Die Gewinne fließen dann in die Taschen der Gesundheitsmafia.

Und was ist, wenn eine Klinik keine "Zertifikate" mehr bekommt, weil alle verbraucht wurden? Was ist mit den Patienten, die unbedingt eine Operation brauchen?

Fangen dann Fälscher wieder an, Zertifikate zu produzieren?
Ein weites Feld für Hacker?

"Ja Herr Doktor, wieviel kostet denn so ein Zertifikat?
Ich würde es meiner Privatschatulle bezahlen..."

Sind die Zertifikaten dann an der Börse handelbar, wie die CO2-Zerts?
Wenn nicht, wie schnell wird sich ein Schwarzmarkt etablieren.

Jaja, die Reichen werden immer reicher.
Man muss halt nur dazugehören.

Closed shop nennt man das doch.

Und überhaupt: Wie lässt sich Gesundheit planen?
"... mehr als vereinbart"?

Überall Konzeptionslosigkeit, Planlosigkeit,

Hört denn der Schwachsinn nirgends auf?

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Katzenliebhaber 29.07.2012, 22:57
3. Prima

So hat man hier ein kleines Krankenhaus in den Ruin getrieben. Die hatten in einer Sparte (Knie OP) einen sehr guten weit überregionalen Ruf, wurden durch ein damals, vor Jahren festgelegtes Budget verpflichtet, die in ihrem Haus die guten OP Leistungen zahlenmäßig massiv zu beschränken.
Fazit: Krankenhaus inzw. abgewickelt. Alternative? Was gute OP Resultate in relativer Nähe betrifft, bisher fraglich.

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f.b. 30.07.2012, 23:02
4.

Zitat von sysop
Die AOK und der Spitzenverband der Krankenkassen haben ein neues Konzept gegen überflüssige Operationen vorgeschlagen: Wie beim Emissionshandel für Treibhausgase sollen Krankenhäuser künftig Zertifikate von anderen Kliniken kaufen, wenn sie mehr als vorher vereinbart operieren.
Aber klar doch: auf alle Fälle muss es immer komplizierter werden ! Wer denkt sich denn solch einen Schwachsinn aus? Ich empfehle, bei den Ärzten die leistungsbezogene Vergütung aus den Verträgen zu streichen und sie das machen zu lassen, wozu sie ausgebildet wurden: vernünftige Medizin.

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mayazi 30.07.2012, 23:50
5. Umweg!

Dieser Papierkram immer, das ist doch viel zu umständlich! Die Krankenhäuser sollen einfach die Patienten verkaufen. Eine Hüft-OP-Erlaubnis ohne dazugehörigen Patient macht ja auch keinen Chirurgen glücklich. Also, neues Konzept: Patient A ist das fleischgewordene Zertifikat für eine Hüft-OP, und kann vom Hüft-Zentrum entweder gekauft, oder gegen eine unkomplizierte Geburt getauscht werden.
Ps: Ironie off

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derfflinger 30.07.2012, 00:05
6. Märchen!

Zitat von sysop
Die AOK und der Spitzenverband der Krankenkassen haben ein neues Konzept gegen überflüssige Operationen vorgeschlagen: Wie beim Emissionshandel für Treibhausgase sollen Krankenhäuser künftig Zertifikate von anderen Kliniken kaufen, wenn sie mehr als vorher vereinbart operieren.
Diese Zeilen aus dem Artikel muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen:
Zitat von M.Mohrmann
"Ähnlich könnte es auch bei den Kliniken laufen, sagte Matthias Mohrmann, Vorstandsmitglied der AOK Rheinland/Hamburg. Derzeit vereinbaren die Krankenhäuser demnach mit den Kassen feste Budgets. Überschreitet eine Klinik die vereinbarte Menge, wird jede weitere Leistung über Mehrleistungsabschläge geringer vergütet."
Diese jetzige Regelung zeigt sehr gut, wie sehr die Krankenkassen Qualität "honorieren":
Erwirbt sich eine Klinik einen guten Ruf und hat - daraus folgend - einen grossen Zulauf, so werden die Operationen, die über das meist ein Jahr! vorher vereinbarte Budget (=Zahl an OP's) hinausgehen nicht normal, sondern mit einem empfindlichen Abschlag von ca. 25% vergütet.
Man leistet also mehr und bessere Arbeit, was doch eigentlich ganz im Sinne der Patienten ist, und erhält zum Lohn dafür einen Abschlag von der Vergütung...

Zitat von M.Mohrmann
" Die Idee sei nun, auf diese bis 2014 befristeten Abschläge zu verzichten und stattdessen die Kliniken zu verpflichten, für ihre Mehrleistungen Zertifikate von anderen Kliniken zu kaufen, die ihr Budget nicht ausschöpften."
Da stellt sich doch die Frage, wieso man "Zertifikate" von andern Klniken kaufen sollte, wenn diese ihr Budget nicht ausschöpfen können?
Bei welchem Preis würde sich das dann wohl einspielen? Ich wette, der liegt in der Nähe dieser 25%, was für die mehrarbeitende Klinik, wenn man den Verwaltungsaufwand abrechnet, keine wesentliche Ersparnis darstellt.
Die KK werden sich den dann nicht mehr fälligen "Mehrleistungsabschläge" bei den Zertifikatsverkäufern schon wieder hereinholen, schliesslich kann es ja nicht angehen, dass man für nicht geleistete Arbeit auch noch Geld bekommt...
Wenn jemand glaubt, dass die KK dabei das Wohlergehen ihrer Versicherten im Auge hat, glaubt auch, dass Zitronenfalter... na. Sie wissen ja schon!
D

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think_tank 30.07.2012, 00:16
7.

Zitat von Geographus
Bald ist das wie bei McDonalds: Hüftschaden? Ne, tut uns leid, das ist aus!
Bei McDonalds ist es wenigstens noch transparent für den Kunden. Das Krankhenhaus wird dem Patienten einfach sagen, das gar keine OP notwendig sei.

Genauso wie Ärzte auch bestimmte Medikamente gar nicht erst verschreiben wenn dass Budget verbraucht ist - der Patient erfährt gar nicht erst, dass es überhaupt ein Medikament gibt, dass ihm helfen könnte und dass er es nur bei einem anderen Arzt oder zu Beginn des Quartals noch mal versuchen müsste.

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marthaimschnee 30.07.2012, 01:47
8.

Wie wäre es, wenn wir die Krankenhäuser wieder auf eine solide staatliche Finanzierung stellen(*), statt sie ständig mit Streichungen, Kürzungen und Privatisierungen zu bedrohen. Krankenhäuser sind keine Händler und der Patient kein Kunde. Wer in dieser Beziehung anderer Meinung ist, braucht man sich über derartige Auswüchse nun wirklich nicht beschweren.
Und der Handel mit Emissionszertifikaten ist sowieso der größte Selbstbetrug. Wer Rechte übrig hat, kann sie lukrativ verhökern und wer sie zukaufen muß, knallt die Kosten einfach dem Endkunden auf die Rechnung. Dann geht der zur Konkurrenz? Hah, träumt weiter! Wenn zB eine Flugline zukaufen muß, ist es sehr wahrscheinlich, daß das auch für alle anderen gilt. Da wird man bei der Konkurrenz zu den gleichen Konditionen "bedient".

*) und die jetzt kommende unweigerliche Frage nach der Finanzierung: wie hat man es denn früher finanziert? Als die Löhne mit der Produktivität stiegen und dadurch auch automatisch die Sozialbeiträge und die Rente, gab es kein Problem! Das System ist nicht einfach so unrentabel geworden, es wurde von ganz oben sabotiert, um die ganz oben zu entlasten!

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amerzenich 30.07.2012, 06:31
9. Es wird immer schlimmer

Die Dummheit und das Weltall sind grenzenlos. Unfassbar!

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